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epa05371092 Floral tributes left in memory of British MP Jo Cox in Parliament Square, London, Britain, 16 June 2016. The Labour MP was murdered in Birstall, West Yorkshire whilst meeting members of the public in her constituency.  EPA/WILL OLIVER

Gedenkstätte für Jo Cox in London.
Bild: WILL OLIVER/EPA/KEYSTONE

Erschossene Politikerin in England: Cox-Angreifer soll rechtsextrem und psychisch krank gewesen sein

Nach dem tödlichen Überfall auf die britische Labour-Parlamentarierin Jo Cox sind erste Details zum mutmasslichen Täter bekannt geworden. Er soll nach Angaben seines Bruder psychisch krank sein. Eine US-Organisation will von Nazi-Sympathien des Festgenommenen wissen.

17.06.16, 04:32 17.06.16, 06:22


Der Bruder des 52-jährigen Festgenommenen berichtete in der Zeitung «Daily Telegraph» von einer langen Vorgeschichte psychischer Probleme des Mannes. «Es fällt mit schwer zu glauben, was passiert ist», sagte der er. «Mein Bruder ist nicht gewalttätig, und er ist nicht besonders politisch.» Der Bruder habe aber «eine Vorgeschichte psychischer Erkrankungen». Allerdings sei er in Behandlung gewesen.

In britischen Medien wurden auch Nachbarn zitiert, die den mutmasslichen Täter als Einzelgänger beschrieben, der meistens für sich geblieben sei.

Derweil teilte das Southern Poverty Law Center, eine renommierte Anti-Rassismus-Organisation in den USA, mit, ihm lägen Unterlagen vor, die den Tatverdächtigen als jahrzehntelangen Unterstützer der US-Neonazi-Gruppierung National Alliance (NA) auswiesen. Der Verdächtige habe die Gruppierung engagiert unterstützt und hunderte Dollar für Schriftgut ausgegeben. Die NA vertritt einen Rassismus, der sich gegen alle Nicht-Weissen richtet.

Behörden zurückhaltend

Die pro-europäische Labour-Abgeordnete Cox war am Donnerstagmittag vor einer Bibliothek in Birstall in Nordengland auf offener Strasse attackiert worden, wenig später starb sie. Die Behörden hielten sich mit Angaben zum Verlauf der Tat und zu den möglichen Beweggründen des Täters zurück. Am Tatort seien eine Schusswaffe und andere Waffen sichergestellt worden, teilte die Polizei mit.

Tödlicher Angriff auf die britische Parlamentarierin Jo Cox.
Video: reuters

Britische Medien berichteten unter Berufung auf Zeugen, der Täter habe auf Cox eingestochen und dann auf sie geschossen. Dabei ging der Mann offenbar mit grosser Brutalität vor: Er habe der bereits zu Boden gegangenen Politikerin ins Gesicht geschossen, sagte ein Augenzeuge - der Café-Besitzer Clarke Rothwell - der BBC.

Dabei habe der Täter «Britain First» (Grossbritannien zuerst) und «Vorrang für das Vereinigte Königreich» gerufen - dies sind Slogans der Befürworter eines EU-Austritts. «Er hat es zwei oder drei Mal gerufen», sagte Rothwell. «Er rief es, bevor er auf sie schoss und nachdem er auf sie geschossen hatte.»

Mahnwachen für Cox

Bürger und Politiker gedachten am Donnerstagabend der Abgeordneten mit Mahnwachen und Blumen. «Hass wird niemals Probleme lösen», sagte Labour-Chef Jeremy Corbyn bei einer Mahnwache für seine getötete Parteikollegin. Auf dem britischen Parlament wurde die Flagge auf Halbmast gesetzt.

Premierminister David Cameron würdigte Cox als «Politikerin mit grosser Leidenschaft und grossem Herzen». Er begrüsste die Unterbrechung der Kampagnen zum EU-Referendum: «Es ist richtig, dass nach dem schrecklichen Angriff auf Jo Cox die gesamte Kampagne ausgesetzt ist.» Die 41-Jährige hatte wie die meisten Labour-Abgeordneten für den EU-Verbleib geworben.

«Angriff gegen alle, denen Demokratie wichtig ist»

Ausserhalb Grossbritanniens wurde die Bluttat mit Bestürzung aufgenommen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sagte, der Angriff sei «schrecklich, dramatisch, und unsere Gedanken sind bei den Menschen, die betroffen sind». Der Vorfall bedürfe angesichts des möglichen Zusammenhangs mit dem EU-Referendum in einer Woche «dringendster Aufklärung».

US-Aussenminister John Kerry sprach von einem «Angriff gegen alle, denen Demokratie wichtig ist und die an sie glauben». Der französische Premierminister Manuel Valls äusserte sich «tief betrübt». «Unser demokratisches Ideal» sei getroffen, schrieb er auf Twitter.

Die Briten stimmen am kommenden Donnerstag über einen Verbleib ihres Landes in der EU ab. Nachdem das Pro-EU-Lager lange Zeit vorne lag, verfügte das «Leave»-Lager (Verlassen) in Umfragen zuletzt über einen Vorsprung von etwa vier Punkten. (cma/sda/afp)

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Brikne, 20.7.2017
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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • BeatBox 17.06.2016 09:36
    Highlight Schön konnte das rigorose Waffengesetz in England verhindern, dass ein psychisch kranker an eine Pistole kommt. Ich bin dafür, dass man jetzt alle Messer verbietet, dann kann niemand mehr auf jemanden anders einstechen, bevor er ihn dann erschiesst! *Ironie off*

    Man kann alles verbieten und regulieren, kranke Menschen gibt es überall. Wenn der Respekt vor dem Leben verloren geht, kann niemand mehr etwas ausrichten, dann nimmt er halt eine Eisenstange, oder den Fuss wie bei den EM-Hooligans...
    1 10 Melden
  • Lowend 17.06.2016 09:30
    Highlight Watson titelt: "... Cox-Angreiffer soll rechtsextrem und psychisch krank gewesen sein." Und Blick schreibt:" Täter war "Täter war rechtsextrem und psychisch krank" und beide Titel zeigen schön, wie man diesen kranken Rechtsextremisten in Schutz nimmt, denn er war nicht oder soll nicht angeblich rechtsextrem gewesen sein; Nein, dieser feige Mörder IST ein rechtsextremer Terrorist, der durch seine Gesinnungsgenossen aufgehetzt wurde und in seinem Wahn zwei Kinder zu Waisen machte! Hört bitte auf, solche rechtsextremen Taten zu verharmlosen, denn bei einem Muslim würde stehen: "Islamist tötet..."
    11 2 Melden
  • SwissSerbian 17.06.2016 08:25
    Highlight Ein psychisch gesunder Mensch würde auch nicht auf einen Menschen schiessen Aufgrund politischen Differenzen.
    10 0 Melden
  • retofit 17.06.2016 07:16
    Highlight Sich zu fragen, ob der Rechtsextreme psychisch krank ist, ist etwa wie in Frage zu stellen, ob ein Schimmel weiss ist - das eine geht nicht ohne das andere.
    16 3 Melden
  • stefan marfurt 17.06.2016 06:36
    Highlight Psychisch krank und rechtsextrem.
    Ist das nun eine Korrelation oder eine Kausalität?
    12 0 Melden
  • John Smith 17.06.2016 05:55
    Highlight Aber in England sind Waffen verboten? Ich dachte wenn man Waffen illegal macht sind solche Morde unmöglich?
    7 17 Melden
    • nilson80 17.06.2016 08:47
      Highlight Wer hat behauptet es sei unmöglich ? Aber die leichtere Verfügbarkeit von Waffen erhöht natürlich die Wahrscheinlichkeit dass solche Leute auch in der Lage sind ihren Wahnsinn umzusetzen. In den USA kommt es bspw. zu bedeutend mehr solcher Vorfälle. Wir können uns nicht völlig vor Amokläufen und Terrorakten schützen, müssen diese aber auch nicht noch erleichtern.
      9 1 Melden
    • retofit 17.06.2016 08:48
      Highlight Mit Messer und Pistole = 1 Tote; mit Maschinengewehr = Dutzende Tote! Alles klar?
      9 1 Melden
    • jnaKhsx6 17.06.2016 09:09
      Highlight In England gibt es auch nicht jedes halbe Jahr eine Schiesserei bei dem 30 Menschen sterben.
      10 0 Melden
    • kurt3 17.06.2016 09:29
      Highlight Mit dieser Logik kann man sich John Smith nennen . Alles Klar .
      7 0 Melden

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