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Britain's opposition Labour Party leader Jeremy Corbyn speaks to journalists as he leaves the BBC headquarters and studios at Portland Place in London, Britain June 19, 2016. REUTERS/Neil Hall

Spricht sich für einen Verbleib in der EU aus: Labour-Chef Corbyn.
Bild: NGH

Labour-Chef Corbyn: «Wenn wir in der EU bleiben, muss sie sich dramatisch ändern»

In der Flüchtlingskrise habe die EU versagt, nur Deutschland habe sich richtig verhalten, sagt Labour-Chef Corbyn in einer Fernsehdebatte. Einen Brexit will er trotzdem nicht.

21.06.16, 04:51 21.06.16, 07:44


Ein Artikel von

Der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn hat in einer TV-Sendung die EU kritisiert, zugleich aber für einen Verbleib des Landes in der Gemeinschaft geworben. «Ich bin kein Liebhaber der Europäischen Union», sagte Corbyn am Abend bei «Sky News».

«Wenn wir in der EU bleiben, muss sie sich dramatisch ändern», erklärte er. «Sie muss viel demokratischer werden, viel mehr Rechenschaft ablegen.» Trotzdem wolle er, dass Grossbritannien in der EU bleibe, sagte der Labour-Politiker.

Corbyn war während des Wahlkampfes vorgeworfen worden, er habe sich nicht ausreichend für die Sache der Brexit-Gegner eingesetzt. Zu selten habe man ihn auf Wahlkampfveranstaltungen gesehen – und nie zusammen mit Premierminister David Cameron. Kritiker meinten gar, der Labour-Chef täusche seine Unterstützung für einen Verbleib in der EU nur vor, hoffe aber in Wirklichkeit auf einen Brexit.

«Wir müssen unseren Wohlstand teilen»

Bei seinem Fernsehauftritt sagte Corbyn kein Wort dazu, ob Grossbritannien innerhalb oder ausserhalb der EU «besser wegkomme», wie es andere Politiker beider Lager wieder und wieder getan hatten.

Stattdessen betonte Corbyn: «Wir müssen unseren Wohlstand teilen und die Lebensverhältnisse und Arbeitsverhältnisse auf dem ganzen Kontinent verbessern.» Wie man die Zuwanderung aus der EU begrenzen könne, wollte ein Zuschauer wissen. Corbyn entgegnete: Wer die Arbeitnehmerfreizügigkeit abschaffen wolle, begreife nicht, worum es im europäischen Binnenmarkt gehe.

In der Flüchtlingskrise attestierte der Labour-Chef der EU grosses Versagen. Nur Deutschland habe sich richtig verhalten. Kanzlerin Angela Merkel lobte er dabei ausdrücklich. «Ich habe sie noch nie getroffen, aber ich würde mich darüber freuen.» Man könne Probleme wie den Klimawandel und die Flüchtlingskrise nicht als einzelner Staat angehen. Nur gemeinsam könne man Lösungen finden, so Corbyn.

Im Publikum waren nur unter 35-Jährige. Junge Wähler gelten als EU-freundlich, gehen aber nicht häufig zur Wahl. Ob Corbyn mit dem TV-Auftritt ausreichend Labour-Anhänger überzeugen konnte, bleibt abzuwarten.

«Daily Telegraph» schlägt sich auf Seite der Brexit-Befürworter

Die Umfragen sagen für das Referendum am 23. Juni ein denkbar knappes Ergebnis voraus. Eine YouGov-Befragung für die «Times» sieht eine kleine Mehrheit für die Brexit-Befürworter: Demnach wollen 44 Prozent der Briten die EU verlassen, 42 Prozent lehnen dagegen einen Austritt ab.

Ein anderes Ergebnis liefert eine aktuelle Erhebung des «Daily Telegraph». Demnach wollen 53 Prozent der Befragten in der EU bleiben und 46 Prozent austreten. Die Tageszeitung hat sich zudem auf die Seite der Brexit-Befürworter geschlagen. Auf dem Titelblatt von Dienstag ruft das Blatt – das mit einer Auflage von knapp 500'000 Exemplaren zu den wichtigsten britischen Zeitungen gehört – seine Leser dazu auf, beim Referendum für den EU-Austritt zu stimmen: «Wenn das Referendum an diesem Donnerstag eine Wahl zwischen Angst und Hoffnung ist, wählen wir die Hoffnung.»

Europas Bürger hingegen wollen offenbar, dass die Briten in der EU verbleiben. Laut einer Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ist EU-weit eine klare Mehrheit der Menschen gegen einen Brexit.

kry/dpa/Reuters

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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52Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • andersen 21.06.2016 12:08
    Highlight Nochmals die Frage an Sapere Aude:

    Anders formuliert:
    Denken Sie das Sie von ein fremden Macht ersetzt wird?
    1 3 Melden
    • Sapere Aude 21.06.2016 15:04
      Highlight Wie kommen Sie auf die Frage? Ich finde es ja schon noch interessant, dass Sie mich anscheinend entweder in die Ecke der Verschwörungstheoretiker oder der Rechtspopulisten drängen wollen. (Vielleicht liege ich ja auch falsch) Nein ich werde persönlich werde sicher nicht von einer fremden Macht ersetzt. Ich betrachte die EU einfach nüchtern und Teile die Kritik von Wagenknecht und Corbyn. Als aufgeklärter Sozialist lobe ich die EU sicher nicht blind in den Himmel, wenn es Verbesserungspotenzial geben würde. Die Gründe dafür habe ich bereits genannt, es liegt an Ihnen diese zu entkräften.
      1 1 Melden
    • Sapere Aude 21.06.2016 15:06
      Highlight Ausserdem halte ich einen Brexit als eine sehr dumme Sache, darum geht es mir aber nicht. Ist den für Sie die EU eine nicht zu kritisierende Institution?
      0 2 Melden
    • andersen 21.06.2016 17:10
      Highlight Doch, ich verstehe nicht der Geduld mit Orban in Ungarn.
      1 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • andersen 21.06.2016 09:03
    Highlight Nehmen der SVP, die Strackers, der Wilders, der Ukip, le Pen, der AFD, der Orban, der Pisspartei von Polen und der dänische Volkpartei sie sich, für sich im Anspruch, dass sie der Situation in Europa beruhigen?
    4 13 Melden
    • Sapere Aude 21.06.2016 09:30
      Highlight Nein, aber die Wahl zwischen EU und diesen Parteien ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die EU braucht dringend Reformen. Mehr Beteiligung der Bürger, mehr Transparenz und der Einfluss der Wirtschaftslobby muss gebrochen werden.
      9 1 Melden
    • andersen 21.06.2016 10:14
      Highlight Beteiligung der Bürger, ja, das wäre gut, dass Strassenbild wird im Moment von Pennern geprägt, die Anschläge auf Asylheime hat zugenommen und der Hetzerei und der Schrei nach ein Führer nimmt zu.
      Ungebildete kann gebildet werden.
      Darum darf man nicht an der Bildung sparen und das Geld geben an Menschen, die ein Stallgeruch haben.
      2 4 Melden
    • Sapere Aude 21.06.2016 10:53
      Highlight Natürlich bräuchte es eine Bildungsoffensive. Bildung ist das wirksamste Mittel für die Verminderung der Ungleichheit und Förderung der Produktivität. Ich unterstütze die EU als Wertegemeinschaft, nicht aber deren neoliberale Wirtschaft und Sozialpolitik.
      5 3 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • andersen 21.06.2016 08:52
    Highlight Wenn ich auch die viele Abneigung-Kommentare und Hetzerei in der Schweiz liesst, der EU gegenüber, dann muss ich trotzdem Fragen:

    Nehmen Sie für sich im Anspruch, dass sie der Situation beruhigen?
    4 13 Melden
  • DerTaran 21.06.2016 08:12
    Highlight Das ist wie bei der MEI, wer solch Freunde hat, der braucht keine Feinde.
    3 13 Melden
  • andersen 21.06.2016 08:07
    Highlight England war immer ein unbequemer Partner, manchmal sie war drinnen, manchmal nicht, aber nur wenn sie alle Vorteile erschöpfen konnte.
    Die Konservativen Parteien in England hat jahrelang an der Bildung gespart und hat von die Fachkräfte aus dem Ausland profitieret.
    4 16 Melden
    • Gaspadin 21.06.2016 08:36
      Highlight Na und, do handeln alle Staaten: immer möglichst zum eigenen Vorteil. Finde ich gut.
      11 1 Melden
  • andersen 21.06.2016 08:01
    Highlight Der Engländer sehen nicht, dass die Probleme, die sie haben, Hausgemacht ist.
    Wie ein Alkoholiker, der Sagt, ich höre erst auf mit das Trinken, wenn die Welt um mich sich verändert.
    3 18 Melden
  • Evan 21.06.2016 07:18
    Highlight Ich habe das Gefühl, dass EU Befürworter unglaubliche Träuner sind.
    27 11 Melden
    • Fabio74 22.06.2016 22:45
      Highlight was ist die Alternative? Kleinstaaterei die auseinander dividiert wird von den grossen dieser Welt?
      0 1 Melden
  • Sapere Aude 21.06.2016 07:17
    Highlight Bezeichnend für die EU, dass selbst Linke wie Corbyn und Wagenknecht die EU kritisieren. Das undemokratische Bürokratenmoloch EU mit ihrer Neoliberalen Politik trägt sich selbst zu Grabe, wenn es so weiter geht. Wird Zeit, dass die Linken in der Schweiz endlich begreiffen, dass ein EU Beitritt momentan nicht erstrebenswert ist.
    26 6 Melden
    • andersen 21.06.2016 08:12
      Highlight Bitte die Quellen angeben, wo der EU nicht demokratisch gehandelt hat?
      3 20 Melden
    • Der Zahnarzt 21.06.2016 08:32
      Highlight @andersen: In Griechenland hat das Volk gegen die Austerität gestimmt. Die EU hat diesen demokratischen Entscheid nicht akzeptiert. - Wenn sich diejenigen in der EU, die an der Macht sind (Kommission, EZB) entscheiden müssen, zwischen den Interessen der Kapitaleigner und dem Willen der Bevölkerungsmehrheit, stehen sie auf der Seite des Kapitals. Die EU in der heutigen Form muss sterben!
      17 2 Melden
    • andersen 21.06.2016 08:35
      Highlight Die Linken hat nach der MEI das Mut gehabt, zu Sagen, dass sie in der EU wollen, weil sie wollten lieber ein Teil der Lösung sein, als ein Teil des Problem.
      Durch der MEI hat die Schweiz sich selber in einer Sachgasse geführt, wo sie möglicherweise auch Nein zu PFZ gesagt haben und das ist nicht vereinbar mit die Verträge mit der EU.
      4 15 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Soli Dar 21.06.2016 06:20
    Highlight Ja die EU muss sich tatsächlich gewaltig verändern, demokratischer, transparenter und vor allem gerechter werden. Sie muss wie z.B. bei Eurokrise oder Flüchtlingsfrage gemeinsame Lösungen finden. Sofern die EU zu einem neoliberalen Konstrukt tendiert und sich primär um deregulierte Märte und Freihandel statt um ihre Bürger kümmert, ist sie zum scheitern verurteilt. STOPT endlich TISA & TTIP. Zudem MUSS die EU das grösste Friedensprojekt der Geschichte bleiben und darf sich NICHT von NATO/USA in einen (verdeckten) Krieg gegen Russland verwickeln lassen.
    27 6 Melden
    • Fabio74 21.06.2016 07:02
      Highlight Eigentlich fängt dein Kommentar gut an. Aber die Frage ist ob aussenstehende der EU zu sagen haben,was sie zu tun hat. Vor allem wo die Schweiz in Sachen Transparenz und Gerechtigkeit auch zu arbeiten. Ferner hat die Schweiz in Sachen Flüchtlinge mitzuarbeiten.
      Den Blitz für das unselige Statement die NATO oder die USA würden Krieg gegen Russland führen. Wird halt nicht wahrer wenn mans immer wieder wiederholt
      7 14 Melden
    • andersen 21.06.2016 07:49
      Highlight Sie wollen die Menschen sagen, wie sie Leben muss, aber sie nicht unterstützen, wie sie Leben wollen.
      Sie kommen daher und reden.
      Schauen Sie lieber auf die konservative Kräfte, die an der Bildung sparen wollen.
      4 14 Melden
    • DerTaran 21.06.2016 08:18
      Highlight Wie man als Linker, den rechtspopulisten Putin auf den Leim gehen kann, ist und bleibt mir ein Rätsel. Das heutige Russland hat mit der UDSSR nur noch die Geographie gemeinsam.
      Zum Post, England will ja gerade die EU verlassen, weil sie zu wenig Neoliberalen und zu viel Staat ist.
      Irgentwie habe ich das Gefühl du rückst dir deine Argumente so zurecht, das sie in dein Weltbild passen und ignorierst die Realität.
      4 0 Melden
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