International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

London-Attentäter hatte laut Polizei keine Kontakte zum Islamischen Staat

Der «Islamische Staat» hat den Anschlag in London für sich reklamiert - doch die Ermittler haben keine Hinweise auf eine Verbindung der Terrormiliz zum Attentäter. Dessen Mutter äusserte sich nun erstmals zur Tat.

27.03.17, 20:41


Ein Artikel von

Die zentrale Frage nach dem Anschlag in London scheint weiterhin ungelöst: Was war das Motiv des Attentäters, warum tötete Khalid Masood vier Menschen? Die Ermittler von Scotland Yard haben in den vergangenen Tagen Wohnungen durchsucht, Verdächtige festgenommen und mit Bekannten des 52-jährigen Attentäters gesprochen. Beweise für eine Verbindung zur Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) oder zu al-Qaida haben sie dabei nach eigenen Angaben nicht gefunden.

«Der Anschlag passte zwar in das von ihr propagierte Muster, und er war zweifellos dschihadistisch motiviert, aber vom Attentat selbst hatte die Gruppe keine Ahnung.»

Terrorexperte Peter Neumann

Es gebe auch keinen Beleg dafür, dass sich Masood im Gefängnis radikalisiert habe, teilte die Polizei am Montag mit. Masood habe aber eindeutig ein «Interesse am Dschihad» gehabt.

Der IS hatte den Anschlag einen Tag nach der Tat für sich reklamiert. Bereits aus der Propaganda des IS unmittelbar nach der Tat sei zu erkennen gewesen, dass die Gruppe von dem Anschlag überrascht worden sei, sagte der Terrorismusexperte Peter Neumann vom Londoner King's College. «Der Anschlag passte zwar in das von ihr propagierte Muster, und er war zweifellos dschihadistisch motiviert, aber vom Attentat selbst hatte die Gruppe keine Ahnung.»

«Seit ich erfahren habe, dass mein Sohn dafür verantwortlich war, habe ich viele Tränen für die Menschen vergossen, die in diesen entsetzlichen Vorfall verwickelt wurden.»

Die Mutter des Attentäters

Die Zeitung «Daily Telegraph» hatte am Montag unter Berufung auf den britischen Inlandsgeheimdienst MI5 berichtet, gegen Masood sei bereits im Jahr 2010 im Zusammenhang mit einem geplanten Anschlag auf einen Armeestandort in Luton nördlich von London ermittelt worden. Der 52-Jährige habe möglicherweise Kontakte zu vier von dem Terrornetzwerk al-Qaida inspirierten Männern gehabt, die 2013 für den Komplott verhaftet worden seien. Danach habe man ihn aus den Augen verloren.

Trauernde Polizisten und Zivilisten in London. Bild: Matt Dunham/AP/KEYSTONE

Masoods Mutter verurteilte die Tat ihres Sohnes deutlich. «Seit ich erfahren habe, dass mein Sohn dafür verantwortlich war, habe ich viele Tränen für die Menschen vergossen, die in diesen entsetzlichen Vorfall verwickelt wurden», teilte sie mit. Sie sei zutiefst schockiert, traurig und wie betäubt. «Ich möchte absolut deutlich machen, damit es keine Zweifel geben kann, dass ich weder seine Tat billige noch den Glauben unterstütze, der ihn dazu gebracht hat, diese Gräueltat zu begehen.»

Bereits vergangene Woche hatte die Polizei mitgeteilt, der Attentäter sei in Grossbritannien als Adrian Russell Ajao geboren worden. Er sei später zum Islam konvertiert und habe seinen Namen geändert. Nun wurden weitere Details bekannt: So soll ihn seine zweite Frau nur drei Monate nach ihrer Hochzeit 2004 verlassen haben. Er sei gewalttätig gewesen und habe sie kontrollieren wollen, sagte ein Verwandter britischen Medien.

Blumen für die Opfer des Anschlags. Bild: Matt Dunham/AP/KEYSTONE

Masood war am vergangenen Mittwoch mit seinem Auto gezielt in Dutzende Fussgänger auf der Westminster-Brücke gefahren. Er tötete drei Menschen, anschliessend erstach er einen Polizisten vor dem Parlament. Kurz darauf wurde Masood von Sicherheitskräften erschossen. 50 Menschen wurden teils schwer verletzt. Der Angriff hat laut den Ermittlern nur 82 Sekunden gedauert. Masood sei mit bis zu 122 Stundenkilometern über die Brücke gefahren.

Zwei Verdächtige, die im Zusammenhang mit dem Anschlag festgenommen worden waren, waren am Montag noch in Haft: Ein 30-Jähriger und ein 58-Jähriger, die am Sonntag beziehungsweise Donnerstag bei Razzien in Birmingham gefasst worden waren. Neun weitere Menschen, die nach dem Anschlag zeitweise festgehalten worden waren, sind wieder auf freiem Fuss.

brk/dpa

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • fabsli 28.03.2017 00:27
    Highlight Vielleicht mal aufhören zu fragen, wer die Anschläge für sich "beansprucht". Würde auch immer JAWOHL rufen wenn ich der IS wär. Und dem Ganzen noch eine Plattform bieten ist der Gipfel.
    10 0 Melden
    • _kokolorix 28.03.2017 06:27
      Highlight Ich finde es aber wichtig, dass diese Untersuchungen gemacht und veröffentlicht werden. Wenn wir die Aussagen dieser Idioten einfach stillschweigend hinnehmen, werden sie immer abstrusere Sachen behaupten und für die nicht ganz so hellen sind das dann Tatsachen
      0 0 Melden
    • Saraina 28.03.2017 14:35
      Highlight Untersuchungen ja, die gibt es doch sowieso. Man will ja wissen, ob es Mittäter oder Mitwisser gibt. Aber dass die gesamte Presse tagelang diese Tat mit dem Islamischen Staat in Zusammenhang bringt, ist doch schlicht Gratiswerbung!
      Zudem gibt es fundierte Untersuchungen, die beweisen, dass Berichterstattungen über Suizid, aus was für einem Anlass auch immer, Folgetaten nach sich ziehen. Das gilt auch für solche Anschläge, die ja oft auch ein erweiterter Suizid sind. Dieser Nachahmungseffekt ist auch der Grund, dass Taten wie die von Buchs oder Herne schnell aus den News verschwinden.
      0 0 Melden

Trump gegen alle: Diese 4 Punkte zum Nato-Gipfeltreffen musst du kennen

US-Präsident Donald Trump trifft am Mittwoch und Donnerstag in Brüssel auf die Nato-Bündnispartner. Im Mittelpunkt des Treffens stehen die Verteidigungsausgaben. 

US-Präsident Donald Trump wirft anderen Nato-Mitgliedern seit längerem vor, nicht genügend Geld in die Verteidigung zu investieren. Der Streit darüber überschattet das Gipfeltreffen der Militärallianz, das an diesem Mittwoch und Donnerstag in der belgischen Hauptstadt stattfindet.

Noch vor seiner Ankunft in Brüssel kritisierte der US-Präsident am Dienstag diejenigen Bündnispartner, die aus seiner Sicht zu wenig Geld in die Verteidigung investieren.

«Die USA zahlen ein Vielfaches mehr als jedes …

Artikel lesen