International

Ramush Haradinaj, designierter Ministerpräsident der Rebellen-Koalition.  Bild: Visar Kryeziu/AP/KEYSTONE

Extremisten gewinnen Wahlen im Kosovo

12.06.17, 00:08 12.06.17, 10:13

Die vorgezogene Parlamentswahl im fast nur noch von Albanern bewohnten Kosovo haben radikale Parteien für sich entschieden. Das berichtete die staatliche Wahlkommission nach Auszählung von 91 Prozent der Stimmen.

Das Bündnis von drei ehemaligen Rebellenführern im Bürgerkrieg Ende der 1990er Jahre (PDK, AAK, Nisma) erreichte danach mit 34,7 Prozent den ersten Platz. Die nationalistische Vetevendosje (Selbstbestimmung) kam mit 26,8 Prozent auf den zweiten, die konservative LDK des bisherigen Regierungschefs Isa Mustafa mit 25,8 Prozent auf den dritten Platz.

Die Serbische Liste als Vertretung der serbischen Minderheit schaffte 5,6 Prozent. Die Wahl stiess wie vor drei Jahren auf sehr geringes Interesse. Nur 41,5 Prozent der über 1,8 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab - ein historischer Negativrekord.

Die Regierungsbildung dürfte schwierig werden. Die zweitplatzierte Vetevendosje lehnt eine Koalition mit dem Wahlsieger ab, weil sie dessen Spitzenpolitiker für tief korrupt und kriminell hält und sie hinter Gittern sehen will. Die LDK auf dem dritten Platz dürfte eine neue Regierung mit dem Dreierbündnis scheuen, weil die PDK gerade die Koalition mit der LDK aufgelöst und damit die Neuwahl herbeigeführt hatte.

1m 1s

Extremisten gewinnen Wahlen im Kosovo

Video: srf/SDA SRF

Korruption und Arbeitslosigkeit Problem

Der Wahlsieg der Extremisten könnte die ohnehin zahlreichen nationalen Konflikte in der Region noch verschärfen. Die Wahlsieger wollen gegenüber dem Nachbarland Serbien viel härter auftreten. Der Kosovo ist seit 2008 von Serbien unabhängig und inzwischen von mehr als 110 Staaten anerkannt worden. Belgrad will seine frühere Provinz aber wieder zurückhaben.

Die neue Regierung steht vor grossen Herausforderungen. Sie wird die schwierige Beziehung zu Serbien weiterführen müssen, die Korruption und hohe Arbeitslosigkeit bekämpfen und sich mit möglichen Verurteilungen vor dem Tribunal in Den Haag auseinandersetzen müssen. (sda/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

Die neue Standseilbahn am Stoos wird gerade ziemlich abgefeiert – auf der ganzen Welt

LOL, der Führer: So haben die Deutschen über die Nazis gelacht

Geheimes UFO-Programm enthüllt – Video zeigt, wie US-Kampfjets ein «Raumschiff» verfolgen

«Oh nein, bitte nicht der ...» – mein erstes Mal an einer Kuschelparty

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
8
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Janos Camorino 12.06.2017 09:45
    Highlight So wird es dem Kosovo und seinen Bewohnern nie besser gehen. Und ja es sind kriminelle Extremisten. Die UCK waren nicht nur einfach Freiheitskämpfer sondern viele davon auch kriminelle und Mörder. Sogar gemässigte Kosovaren sprechen das hinter vorgehaltener Hand aus.
    Die Politiker sind korrupt und kriminell bis ins Mark. Bleibt zu hoffen das es irgendwann besser wird..
    7 7 Melden
    • Beri_sha_24a 12.06.2017 12:50
      Highlight Ehm wer hat dies dementiert? Die Korruption ist enorm und das die PDK in kriminellen Machenschaften involviert ist oder war, wiedespricht auch niemand. Nur muss man nicht von Extremismus reden, wenn man nicht mal die Richtung des Extremismus nennen kann. Es herrschen süditalienische Verhältnisse im Kosovo, und nicht libysche oder heutzutage türkische.
      3 3 Melden
  • Nonqi 12.06.2017 08:56
    Highlight Extremisten in wie fern? Sie sind für die Trennung von Staat und Religion. Für das Vermummungsverbot und gegen die Verschleierung von Frauen. Sie streben einen EU-Beitritt an, aber nicht mehr um jeden Preis. Und deshalb sind die nun Extremisten? Die zweitplatzierte VV ist in allen Belangen um einiges extremer.
    7 2 Melden
  • pamayer 12.06.2017 06:45
    Highlight Verheisst kaum Deeskalation...
    6 5 Melden
  • Gamble 12.06.2017 05:48
    Highlight Bei der PDK/AAK/Nisma handelt es sich eigentlich eher um mitte-rechts Parteien. Bin ein bisschen irritiert, warum diese als Extremisten betitelt werden...
    13 5 Melden
  • Beri_sha_24a 12.06.2017 00:59
    Highlight Extremisten? Was für eine Sorte Extremisten sind die denn? PDK hat das Koptuchverbot gesetzlich eingeführt, AAK gilt als offen Islamophob. Ob das reicht als Extremisten abgestämpelt zu werden?

    Beide Parteien sind für nichts zu gebrauchen, jedoch sie als Extremisten zu bezeichnen, ist schlicht falsch. Ein gewisser Nationalismus ist natürlich da, aber das ist er auch in etablierten Parteien in Westeuropa.

    Es war eine friedliche Wahl ohne besondere Vorkomnisse, die Hoffnung macht. Die enorme Bildungslücke im Kosovo, aber auch Balkan, scheint sich langsam zu schliessen. Macht Hoffnung auf ✌️
    13 6 Melden
    • pamayer 12.06.2017 11:48
      Highlight dann lag ich mit meiner einschätzung, dass eine 'extreme' partei keine deeskalation verspreche, zum glück falsch.
      2 3 Melden
    • Beri_sha_24a 12.06.2017 13:12
      Highlight Ich hab dich nicht geblitzt. Du liegst meiner Meinung nach auch nicht falsch. Haradinaj ist ein ungebildeter Hitzkopf, der keine Ahnung von irgendetwas hat. Er hat auch nicht viele Stimmen erhalten, da in diesem Bündnis 7 Parteien waren.

      Eine Eskalation ist IMO unwahrscheinlich. Serbien's und Kosovo's Bevölkerung ist nicht mehr bereit, sinnlos Opfer zu bringen. Die Spannungen sind eigentlich auch nur auf politischer Ebene. Tausende Kosovaren fahren über Serbien in die Ferien. In den Städten hört man oft serbisch. Wenn die Kriegsgeneration beider Länder endlich weg ist, wäre Frieden möglich

      5 1 Melden

Georgiens Ex-Präsident Saakaschwili festgenommen – schon wieder

Nach seiner erneuten Festnahme in der Ukraine ist der staatenlose georgische Ex-Präsident Michail Saakaschwili in einen Hungerstreik getreten. Das gab Saakaschwilis Anwalt Ruslan Schornoluzkyi am Samstag bekannt.

Saakaschwili bezichtigt die Führung in Kiew der Korruption, die ukrainische Staatsanwaltschaft wirft wiederum ihm vor, gemeinsam mit Russland einen Staatsstreich vorbereitet zu haben.

Mit dem Hungerstreik reagierte Saakaschwili auf seine jüngste Festnahme und Inhaftierung am …

Artikel lesen