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Isaa Hayatou: «Unter Sepp Blatter hat die Fifa eine vorbildliche Entwicklungspolitik betrieben» 
Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Noch-FIFA-Präsident Hayatou lobt Sepp Blatter

Eine Woche vor den FIFA-Präsidentschaftswahlen schwört Interimspräsident Isaa Hayatou den Kongress auf Reformen ein – und lobt Sepp Blatter in den höchsten Tönen.

21.02.16, 03:07 21.02.16, 10:10

Yannick Nock / schweiz am Sonntag

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Noch fünf Tage ist er im Amt. Dann endet die fünfmonatige Regentschaft des Kameruners Issa Hayatou als Interims-Präsident der Fifa. Doch was bleibt vom 69-Jährigen? Er war kein Sonnenkönig wie Blatter, kein Fussball-Filou wie Ex-Uefa-Boss Michel Platini. Hayatou war ein stiller Präsident. Für Aufregung sorgte nur seine Unaufgeregtheit: Als er Anfang Dezember in Zürich an seiner eigenen Pressekonferenz einschlief, verspottete ihn die Weltpresse. Vielleicht gab er deshalb kaum Interviews. Auf Anfrage der «Schweiz am Sonntag» zieht Hayatou nun aber Bilanz – und lobt seinen Vorgänger.

«Unter Sepp Blatter hat die Fifa eine vorbildliche Entwicklungspolitik betrieben», sagt Hayatou. «Das werden wir ihm nicht vergessen.» Es sei Blatter gelungen, Ressourcen zu generieren, von denen der Fussball auf der ganzen Welt profitiert habe. Auch deshalb schmerzt ihn der Rauswurf seines alten Freundes. «Menschlich lässt mich sein Schicksal nicht kalt», sagt Hayatou über den Walliser, der von der Fifa nach einer dubiosen Zwei-Millionen-Zahlung an Platini für acht Jahre gesperrt wurde. Trotzdem gelte es, die Entscheidung der Ethikkommission zu respektieren.

Ob der stille Präsident Hayatou in die Annalen der Fifa eingehen wird, entscheidet sich diesen Freitag am Kongress. «Meine grösste Herausforderung bestand darin, die Fussball-Community hinter die Reformen zu bringen», sagt er. Es soll eine Amtszeitbeschränkung für den Präsidenten geben, Topfunktionäre müssen ihre Gehälter offenlegen, und exponierte Personen sollen zum Integritätscheck. Der Kameruner ist zuversichtlich: «Ich bin mir sicher: Jeder wird verstehen, dass diese Veränderungen notwendig sind.» Damit meint Hayatou nicht nur die Fifa. Vom Zürcher Hallenstadion soll eine Botschaft um den ganzen Globus fegen – oder zumindest bis zu US-Justizministerin Loretta Lynch. Sie lautet: «Wir haben verstanden.»

Fifa Ballon d'Or 2015

Hat die Fifa das wirklich?«Wir müssen hart daran arbeiten, den Respekt von Millionen Fussball-Fans zurückzugewinnen», sagt Hayatou. Seinem Nachfolger rät er, bescheiden zu bleiben und die Werte des Sports hochzuhalten. Als Favoriten gelten Scheich Salman aus Bahrain, der von den Afrikanern und Asiaten unterstützt wird, und der Schweizer Gianni Infantino. Für ihn stimmen wohl die Europäer und Südamerikaner. Es gibt bereits Gerüchte um einen Pakt: Der Scheich bekommt das Präsidentenamt, Infantino wird Generalsekretär. Klingt nach den altbekannten Fifa-Hinterzimmer-Deals. Oder wurden doch ganz andere Absprachen getroffen?

«Wer weiss, was im Hotel Baur au Lac noch alles passiert»

«Bei den Fifa-Wahlen kommt es immer wieder zu Überraschungen», sagt der Franzose Jérôme Champagne, ebenfalls Kandidat auf das Präsidentenamt. Der Wahlzürcher gilt – wie der Südafrikaner Tokyo Sexwale und der jordanische Prinz Ali bin al-Hussein – als Aussenseiter. Doch das stört Champagne nicht. «Die Verbände wissen, dass ich unabhängig bin und mich für alle Kontinente einsetze.» Man dürfe den Schlüssel zur Fifa nicht «dem Uefa-Bürokraten Nummer eins» geben, sagt Champagne und meint damit Uefa-Generalsekretär Infantino, der zuletzt vor allem Südamerika und Europa beackerte. Mit einem Privatjet, den die Uefa ihm mit 500000 Franken gesponsert hatte, reiste er um die Welt. Das hatte Blatter-Style.

«Ich bezahle meine Kampagne selber», sagt Champagne, der sich Chancen ausrechnet. Denn sicher ist in der Welt der Fifa nichts. «Wer weiss, was im Hotel Baur au Lac noch alles passiert», sagt er in Hinblick auf Freitag. Im mittlerweile berüchtigten Edelhotel wurden zuletzt mehrere Fifa-Funktionäre verhaftet. Stolpert einer der Kandidaten noch über seine Vergangenheit? Champagne vergleicht den Kongress mit der Papstwahl. «Wer als Favorit ins Konklave reingeht, kommt als Kardinal wieder raus.»

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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