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Narendra Modi mit Mark Zuckerberg.
Bild: Jeff Chiu/AP/KEYSTONE

Tränen in der Facebook-Zentrale, aber wenig Substanz: Indiens Regierungschef Narendra Modi trifft Mark Zuckerberg

Indiens Regierungschef ist für eine Frage-Antwort-Runde zu Facebook ins Silicon Valley gereist. Narendra Modi sprach mit Mark Zuckerberg über soziale Medien und die Wirtschaft seines Landes. Dann wurde es persönlich – und sehr emotional.

28.09.15, 03:59 28.09.15, 08:47

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Als erster Regierungschef hat Indiens Ministerpräsident Narendra Modi in der Facebook-Zentrale im kalifornischen Menlo Park an einer Frage-Antwort-Runde teilgenommen. Gemeinsam mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sass Modi auf einem Podium und beantwortete Fragen über Indiens digitale Infrastruktur, über die Wirtschaft oder die Rolle der Frau in einer sich verändernden Gesellschaft.

«Die Stärke sozialer Medien liegt darin, dass sie Regierungen auf deren Fehler hinweisen können», sagte der 65-Jährige. «Den Führern der Welt sage ich: Es gibt nichts zu gewinnen, wenn man vor sozialen Medien wegläuft.» Modi hat soziale Medien zu einem seiner Schwerpunktthemen gemacht. Seinem Facebook-Account folgen mehr als 30 Millionen Menschen. Mit der Initiative «Digital India» will Modi unter anderem dafür sorgen, dass Tausende Dörfer Zugang zum Internet bekommen.

Emotional, aber ohne Substanz: Das Gespräch zwischen Modi und Zuckerberg. 
Bild: Jeff Chiu/AP/KEYSTONE

Emotional wurde die Fragerunde, als Zuckerberg seinen Gesprächspartner aufforderte, mehr über seine Mutter zu erzählen. «Ich komme aus einer sehr armen Familie», sagte Modi. Bei den folgenden Sätzen war er den Tränen nah und musste immer wieder Pausen machen. Regelmässig sei er zu den Nachbarn gegangen, um dort zu putzen. «Sie können sich also vorstellen, was eine Mutter leisten musste, um ihre Kinder durchzubringen.» So sei es nicht nur in seiner Familie gewesen. «In Indien gibt es Hunderttausende Frauen und Mütter, die ihr Leben für ihre Kinder opfern.» Im Silicon Valley bekam Modi dafür Standing Ovations.

Zuckerbergs spirituelle Reise nach Indien

Modi sprach auch über Zuckerbergs Mutter und lobte sie für die Erziehung eines Kindes, das die Welt verändert habe. Er sei sicher, dass Mütter «uns die Stärke geben, auf dem richtigen Weg zu bleiben».

Auch Zuckerberg gab eine persönliche Anekdote zum Besten: Vor einigen Jahren habe es Probleme bei Facebook gegeben und sein damaliger Mentor, der inzwischen verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs, habe ihm geraten, eine «spirituelle Reise» nach Indien zu unternehmen und einen besonderen Tempel zu besuchen. Auf dieser Reise habe er seinen Kopf freibekommen, sagte Zuckerberg.

Facebook erklärt seine Spielregeln

Auch er macht sich dafür stark, dass Menschen in ärmeren Weltregionen Zugang zum Internet bekommen. Doch das entsprechendes Facebook-Programm Internet.org wird von US-Bürgerrechtlern kritisiert, in Indien ist der Streit um das vorgebliche Wohltätigkeitsprojekt eskaliert.

«Tränen, aber wenig Substanz»

50 Minuten sass Modi auf dem Podium, die Fragen an ihn waren im Vorfeld ausgewählt worden. Insgesamt hatte es etwa 40'000 Vorschläge gegeben, nachdem Zuckerberg auf seinem Facebook-Account zu der Aktion aufgerufen hatte. Nicht ausgesucht wurden Fragen nach Arbeitslosenzahlen, einer Diskriminierung durch das Kastenwesen oder Modis Umgang mit Menschenrechten. Es war nicht der einzige Kritikpunkt an der Veranstaltung. Das Treffen von Modi und Zuckerberg «bot Tränen, aber wenig Substanz», schrieb beispielsweise die Business-Seite Quartz.

Modi traf an der Westküste der USA auch Apple-Chef Tim Cook und Sundar Pichai, Googles indischen CEO. Am Montag wird Modi zur Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York erwartet. (aar/Reuters/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 28.09.2015 07:33
    Highlight Es verschiebt die Prioritäten, wenn Facebook in der politischen Agenda höher gewertet würde als etwa den Zugang zu Nahrung, Gesundheitsversorgung und Bildung. Solche Veranstaltungen sind nichts mehr als Werbung für das Unternehmen Facebook.
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    • Gelöschter Benutzer 28.09.2015 08:34
      Highlight Das wäre auch mein erster Gedanke. Aber vor Jahren hiess es dasselbe, als in einigen Armutsregionen auf allen Kontinenten Billighandys verschiedener Anbieter verteilt wurden.

      Aber die Handys wurden zur Grundlage wirtschaftlicher Selbstinitiativen. Viele brotlose Menschen, auch viele alleinstehende Mütter, fanden durch die entstehenden Synergien zu einem Auskommen, das sie ernähren konnte.

      Ich lernte sogar persönlich jemanden kennen, der damit aus den Slums herauskam. Jetzt hat er hat ein kleines regelmässiges Einkommen und ist glücklich damit. Nun hilft er anderen auf diesen Weg.
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