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Aus und vorbei Bild: Michel Euler/AP/KEYSTONE

Das Hin und Her hat eine Ende: Front National suspendiert Jean-Marie Le Pen

Jean-Marie Le Pen, Gründer und Ehrenvorsitzender des rechtsnationalen Front National, wird entsorgt: Der Parteivorstand suspendiert seine Parteimitgliedschaft – für Frankreich das Ende einer Ära.

04.05.15, 21:34

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Am Nachmittag hatte er noch gewitzelt: «Wenn ich Zeit habe, werde ich erst mal einen Bissen essen, mal sehen was passiert», so Jean-Marie Le Pen. Und beschloss dann, sich nicht dem Parteivorstand zu stellen, das über disziplinäre Massnahmen gegen den Mitgründer des Front National (FN) beriet. «Ein Gericht im Widerspruch zu meiner Würde als Ehrenpräsident», grummelte der Alte. «Ich bin gewählter Parlamentarier, und die müssen reden.»

Es war das Aufbegehren eines Mannes, der sich mit provokativen Parolen immer wieder ins Gespräch gebracht hatte - ohne dabei zu merken, dass er sich mit seinem reflexartigen Antisemitismus immer mehr von der Parteibasis isolierte. Und dabei mit zunehmender Bitterkeit gegen die Tochter und Nachfolgerin an der Parteispitze zu Felde zog.

Nach wochenlangem Streit über seine jüngsten Ausfälle übernahm der Parteivorstand den Vorschlag, mit dem FN-Chefin Marine Le Pen am Vortag den Bruch zum Vater angekündigt hatte. Das Verdikt: Le Pen, 86, über vierzig Jahre das notorisch giftende Aushängeschild der Rechtsradikalen, wird von der Front National «vorläufig suspendiert» und verliert damit seine FN-Mitgliedschaft. Ein ausserordentlicher Kongress soll dem FN-Mitbegründer zudem seine Ehrenpräsidentschaft entziehen.

«Wir sind nicht nur Vater und Tochter»

Damit darf sich der «Menhir» künftig nicht mehr im Namen der Partei ausdrücken – der polemische Patriarch wird politisch entsorgt. Es ist das Ende einer Karriere genauso wie der Schlussstrich eines familiären Psychodramas.

Denn selbst der letzte, ungebetene Auftritt Jean Marie Le Pens bei der FN-Versammlung am Ersten Mai – im roten Mantel eines Toreros, die Arme zur Siegesgeste gereckt – blieb nur noch schräge Pose. «Der Abgang eines traurigen Clowns», kommentierte Medienfachmann Jacques Séguéla das politische Ende des ehemaligen FN-Bosses, «fast ein tragisches Ergebnis.»

Für den Front National bedeutet die Zwangspensionierung Jean-Maries den Abschluss einer Ära. Betagte FN-Veteranen mögen darin einen finalen politischen Vatermord sehen – für die junge Garde agiler, aufstrebender FN-Kader, ist es eine überfällige personelle Säuberung. «Wir sind nicht nur Vater und Tochter», argumentiert die 47-jährige FN-Chefin, «sondern in erster Linie politische Führer mit grosser Verantwortung.»

Vater und Tochter auf der politischen Bühne Bild: YOAN VALAT/EPA/KEYSTONE

Rassistisch und antisemitisch

Marine hat sich damit als Führerin durchgesetzt. So wird Jean-Marie Le Pen, gewählter Vertreter der Region Provence Cote d'Azur, Europaabgeordneter und Ehrenpräsident des FN, nicht als Kandidat für die Regionalwahlen antreten; in dem rechtsextremen Familienbetrieb wird statt des Grossvaters die Enkelin Marion Maréchal-Le Pen kandidieren.

Lange hatte Marine Le Pen die verbalen Exzesse ihres Vaters als «persönliche Ansichten» verharmlost oder als «Ausdruck der Meinungsfreiheit» bagatellisiert. Rassistische Attacken gegen Zuwanderer, antisemitische Ausfälle, die Verharmlosung des Holocaust als «Detail der Geschichte» – trotz wiederholter Verurteilungen legte der störrische Senior immer wieder nach. Zuletzt in einem Interview mit dem stramm-rechten Sprachrohr «Rivarol».

«Es fehlt ihm an der nötigen Weisheit»

Dort giftete Le Pen über den amtierenden Premier Manuel Valls («ein Immigrant») und forderte das Eintreten für «ein Nordeuropa als Welt der Weissen». Doch vor allem mit seiner Haltung gegenüber dem Chef des Vichy-Regimes outete sich Le Pen als Apologet der Nazi-Kollaboration. «Ich habe Marschall Pétin nie als Verräter betrachtet», sagte Le Pen über den Handlanger der Deutschen - und schockierte damit die Mehrheit der FN-Anhänger. «Das sagt heute kein ernstzunehmender Historiker mehr», kommentierte Gefolgsmann Bruno Gollnisch die abwegige Einschätzung seines langjährigen Freundes.

«Jean Marie Le Pen bewegt sich offenbar zwischen der Strategie der verbrannten Erde und politischem Selbstmord», wies FN-Chefin Marine den Vater zurecht. «Es fehlt ihm an der nötigen Weisheit», rüffelt sie in einem TV-Interview über die Entgleisungen, die ihren Wechsel zu einem FN mit weichgespülter Ideologie torpedierte. Seither kommunizierten die zerstrittenen Promis der Familie Le Pen nur noch über Kommuniqués oder Medien-Interviews.

Der «Menhir» wird sich gewiss noch mit bissig-wütenden Aggressionen melden, aber seine Einwürfe sind reduziert auf individuelle Wortmeldungen oder Attacken persönlicher Art. Gerardt Collard, FN-Abgeordneter der Nationalversammlung und Gefolgsmann Marines bringt es auf den Punkt: «Es sind künftig nur noch Klänge der Einsamkeit.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • exeswiss 05.05.2015 01:22
    Highlight naja die FN wird sich solange gemässigt geben, bis sie an macht gewonnen hat, danach wird sie zu den wurzeln zurückkehren.
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