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Keine schlechte Kulisse, die sich Monsieur Macron da ausgesucht hat. Bild: AP/AFP

Groupies, Gedränge, Geschrei: So war Justin Biebers ... ähm ... Emmanuel Macrons Party

Die meisten haben es vorhergesagt – nun ist es amtlich: Frankreichs neuer Präsident heisst Emmanuel Macron. Wer an der Wahlparty des 39-Jährigen dabei war, ist heute mindestens so erledigt wie nach einem richtig guten Konzert.

08.05.17, 07:50 10.05.17, 07:50

Ich stehe mitten in einer riesigen Menschentraube, von hinten wird gedrückt, vorne gibt's kein Weiterkommen, das Atmen fällt schwer. Weil «die Polizei das so bestimmt hat», werden wir vorerst nicht reingelassen. Die Leute werden ungeduldig, fangen an sich gegenseitig anzupöbeln, streiten in der Schlange um jeden Millimeter.

Ein Blick hinter mich. bild: watson

Nein. Ich befinde mich nicht an jenem Eingang, durch welchen die geschätzten 10'000 Macron-Anhänger das Gelände des Louvre betreten wollen, sondern am extra für die Presse eingerichteten Zugang. Doch das Chaos ist auch hier perfekt. Um kurz vor 19 Uhr sieht es nicht so aus, als würde ich bei der Verkündung der ersten Hochrechnungen dabei sein können.

Doch dann gelingt es mir doch irgendwie, rechtzeitig durch das Nadelöhr ins Innere des Louvre zu gelangen. Bleiben nur noch drei verschiedene Sicherheitskontrollen – inklusive Spürhund, der meinen Rucksack abcheckt – und schon bin ich drin.

Er hat heute sicher einen der härtesten Jobs: Tausende von Taschen und Kameras muss er kontrollieren. bild: watson

Der Platz, auf dem Emmanuel Macron nach der Verkündung der Ergebnisse eine Rede halten will, füllt sich rasend schnell, riesige Menschenmassen strömen durch verschiedene Eingänge aufs Gelände. Ich freue mich über meinen Presse-Badge wie ein kleines Kind – so ähnlich muss es sich anfühlen, wenn man beim Justin-Bieber-Konzert in den VIP-Bereich darf.

Yey, geschafft! Erstmal schnell ein Selfie machen. bild: watson

Einmal Gänsehaut für alle

Ich sichere mir einen Platz auf einem der heissbegehrten Steinsockel, den ich mir für die nächsten vier Stunden mit Baptiste von «Paris Match» teilen werde, und beobachte von hier oben aus das Geschehen. Die Groupies streifen ihre Fan-T-Shirts über, machen sich bereit für ihren Held der Nacht – und starten einen Selfie-Marathon.

Die Mädels reichen mir nacheinander ihre Handys, damit ich dieses hübsche Foto für sie knipsen kann. bild: watson

19.55 Uhr: Der Place du Carrousel ist jetzt bis auf den letzten Zentimeter gefüllt, die Menge grölt: «Macron, Président! Macron, Président!» Und dann kommt er: Der Moment, in dem die erste Hochrechnung verkündet wird. Und obwohl ich selbst keine Französin bin, werde ich in dieser Sekunde von meinen Emotionen übermannt.

Video: streamable

Wow! Gänsehaut! Mir fehlen die Worte, um das Gefühl, das durch jede Faser meines Körpers schiesst, näher zu beschreiben. Das muss man einfach erlebt haben. Und obwohl ich schon an ähnlich fröhlichen Grossanlässen war, muss ich sagen: So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt! (Sorry, Backstreetboys.)

Nix da warten – tanzen!

Ab dann heisst es warten. Warten auf den Superstar. Doch auf Emmanuel Macron warten, heisst nicht, sich die Beine in den Bauch zu stehen oder gar Däumchen zu drehen. Im Gegenteil! Frankreichs neuer Präsident hat alles perfekt vorbereitet: Und so stehen während der nächsten knapp drei Stunden verschiedene Musikkünstler auf der Bühne, die die Menge zum Kochen bringen.

Video: streamable

Das, was hier passiert, hat so rein gar nichts mehr mit einer politischen Veranstaltung zu tun. Das ist ein Volksfest. Ein Fest der Liebe. Zur perfekt gelungenen Party fehlt eigentlich nur noch der Alkohol. Wobei, ist der auf Justin-Bieber-Konzerten eigentlich erlaubt? 

Die Erleichterung ist dermassen gross, da fliessen schon mal Tränen. Bild: Laurent Cipriani/AP/KEYSTONE

Nach dem vierten oder fünften musikalischen Akt wird die Menge langsam ungeduldig. Für Macron gilt offenbar dasselbe wie für alle anderen Superstars: Ein bisschen Vorband ist okay, aber allzu lange sollte man seine Fans dann doch nicht warten lassen.

Da kommt er, endlich!

Und dann folgt der Moment, auf den alle gewartet haben: Der jüngste Präsident in der Geschichte der Fünften Französischen Republik schreitet – begleitet von lauten Schreien seiner Fans – ganz langsam über den Platz und betritt schliesslich die Bühne. (Und wie es sich gehört, ist mein Handyakku in dem Moment, als der Hauptakt endlich beginnt, bei 1% 😂)

Da schreitet er. Und schreitet. Und schreitet. Bild: Christophe Ena/AP/KEYSTONE

Dann geht alles relativ schnell: Emmanuel Macron redet, bekommt mehrfach Szenenapplaus, wenn er seine Kontrahentin Marine Le Pen erwähnt, wird laut gebuht, dann gibt's noch ein Gruppenfoto mit seiner Familie und seinem ganzen Team und schon war's das.

Das grosse Finale: Die ganze «Band» singt zum Abschluss noch einmal die «Marseillaise». Bild: Thomas Samson/AP/KEYSTONE

Okay, dafür, dass hier gerade sicher mehr als 10'000 Menschen drei Stunden lang auf ihn gewartet haben, war das echt kurz. Aber hey, das ist Emmanuel Macron, Frankreichs neuer Präsident.

Der Song des Abends bleibt im Kopf

Wie es sich für einen anständigen Konzertabend gehört, nehme ich als Andenken ein Band-T-Shirt mit nach Hause ... 

Das hat einfach jemand am Boden liegen lassen! Jetzt ist es meins. bild: watson

... und schlafe anschliessend mit einem Ohrwurm im Kopf ein: «Aux aaaarmes citoyens
Formeeeezzzz vos bataillons
Marchoooonnnnns, Marchoooonnnnns 🎼🎼🎼🎼 »

Ach ja, zum Abschluss noch mein obligatorische Selfie mit dem Star des Abends.

Erkennst du ihn? Schau da ganz hinten, der kleine helle Fleck!

Damit ich meinen Enkeln eines Tages sagen kann: «Und hier seht ihr mich zusammen mit dem damaligen französischen Präsidenten.» Nicht. bild: watson

Und nun: Noch mehr Fotos von Macrons Wahlparty.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Brasi 08.05.2017 10:29
    Highlight Howie, Nick, Alexander, Brian und Kevin weinen gerade. ;D
    2 1 Melden
  • Selbstdenker97 08.05.2017 09:25
    Highlight Toll das Le-Pen nicht gewonnen hat.

    Aber das sie von Justin-Bieber ähnlichen zuständen sprechen kommt vieleicht daher das die Sinnhaftigkeit dieser Politik auch nicht viel grösser ist als der Sinn den Justin Bieber vermittelt.
    2 1 Melden
  • flyingdutch18 08.05.2017 08:44
    Highlight Ich wäre so gern dabei gewesen!
    11 15 Melden

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