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Tag des Terrors – gibt es eine Verbindung zwischen den Attentaten in Frankreich, Tunesien, Kuwait, Somalia und Syrien?

Dutzende Menschen kamen am Freitag bei islamistischen Anschlägen auf drei Kontinenten ums Leben. Zufall? Oder gibt es einen Zusammenhang? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

26.06.15, 18:31 26.06.15, 22:52

Raniah Salloum



Ein Artikel von

Frankreich, Tunesien, Kuwait, Somalia und Kobane in Syrien. An diesem Freitag gibt es immer neue Schreckensmeldungen. Drei Kontinente werden von islamistischen Terroranschlägen erschüttert.

Tunesien hat seinen bisher schlimmsten Terroranschlag auf ausländische Touristen erlebt - mit mindestens 37 Toten.

Anschlag in Sousse, Tunesien

In Frankreich wurde in einer Gasfabrik bei Lyon erstmals in Europa ein Mensch von einem Dschihadisten geköpft.

Terror-Anschlag in Frankreich

In Kuwait starben mindestens 13 Menschen, als in einer Moschee eine Bombe explodierte.

In Kobane im Norden Syriens stieg die Zahl der seit Donnerstag von Kämpfern des «Islamischen Staates» (IS) getöteten Zivilisten auf über 150.

In Somalia hat die islamistische Schabab-Miliz eine afrikanische Friedenstruppe angegriffen, es gab 45 Tote.

Gibt es eine Verbindung zwischen den Attentaten?

Es ist kein Zufall, dass die Anschläge sich häufen: Wir befinden uns mitten im Fastenmonat Ramadan, einer Zeit der Besinnung für fast alle Muslime. Doch für Dschihadisten ist es ein Monat, in dem sie besonders aktiv sind, schliesslich sehen sie sich als Gotteskrieger.

Erst vor wenigen Tagen hatte der IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani in einer Ramadan-Botschaft Radikale in aller Welt dazu aufgerufen, im Fastenmonat «Ungläubige» zu töten. Der Freitag mit dem wöchentlichen muslimischen Mittagsgebet gilt als Tag besonderer Spiritualität - also als besonders attraktiv.

Haben sich die Täter untereinander abgesprochen?

Das ist eher unwahrscheinlich. Eine solche internationale Koordinierung wäre sehr aufwendig - und sehr auffällig.

Dazu kommt: Selbst wenn sich alle Täter auf den IS berufen sollten, gibt es doch grosse Unterschiede zwischen den Anschlägen. Sie haben wenig mit einem globalen Anschlagsplan zu tun, sondern sind geprägt durch ihren jeweiligen lokalen Zusammenhang.

In Kobane war die IS-Terrormiliz selbst am Werk. Der Anschlag war kein ernsthafter Versuch, die Stadt zurückzuerobern. Er sollte die Einwohner von Kobane terrorisieren und die kurdischen Milizen davon abhalten, weiter auf die IS-Hauptstadt Rakka vorzurücken. In einer Allianz mit arabischen Milizen hatten die kurdischen Kämpfer zuletzt wichtige Siege gegen den IS in Nordsyrien verzeichnet. Dabei halfen auch Bomben aus US-Flugzeugen.

Augenzeugen berichteten über den Anschlag in Frankreich, der Täter habe sich auf den IS berufen. Möglicherweise gibt es jedoch auch ein weltliches Tatmotiv: Der Ermordete war nach Angaben französischer Behörden der Arbeitgeber des Verdächtigen.

Video: keystone

In Kuwait hat sich der IS zu dem Anschlag bekannt. Er galt einer schiitischen Moschee. Kuwait hat eine grosse schiitische Minderheit. Dem IS gelten Schiiten als Ketzer.

In Tunesien ist noch offen, welche Terrormiliz hinter dem Anschlag steckt. Es gibt inzwischen dort eine Vielzahl unterschiedlicher Gruppen. Al-Qaida und der IS sind beide in Tunesien vertreten. Die Rivalität der Terrorvereinigungen könnte dazu beitragen, dass es in dem Land immer mehr Anschläge gibt. Beide Gruppen wollen vermeintliche «Erfolge» vorweisen, um Unterstützer anzulocken. Schon seit längerem haben tunesische Dschihadisten zu einer Anschlagswelle im Sommer gegen Touristen aufgerufen.

Im Video: Anschlag auf Touristen in Tunesien

Lies hier über die Anschläge im Live-Ticker

Ticker: Anschlag bei Grenoble

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Thomas Binder 27.06.2015 09:35
    Highlight In einer (terroristischen) Organisation sind die Attentäter niemals die "Psychopathen", sondern die von diesen völlig verblendeten willenlosen Adepten! Die "Psychopathen" sind die Drahtzieher, die ihren Adepten unerfüllbare Belohnungen versprechen und sie für deren "Dummheit", ihnen auf deren rein eigeninteressierten Leim zu gehen, auslachen. Durch Indoktrination / Verblendung schafften sie es früher, "gute Deutsche" zu Massenmördern zu machen, heute "gute Moslems", etc. pp. Es ist immer dasselbe...

    http://www.vimentis.ch/dialog/readarticle/das-groesste-problem-der-menschheitsgeschichte/
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  • Darkside 27.06.2015 00:55
    Highlight Fünf Anschläge an einem Tag. Alle ausgeführt durch Muslime. Zum Glück hat das nichts mit dem Islam zu tun...
    0 2 Melden
  • Thomas Binder 26.06.2015 21:23
    Highlight Würden wir Terrorismus wieder als von "Psychopathen" begangenen (Massen)mord bezeichnen, hätten wir ihn schon weitgehend besiegt.

    Die Ermordung von Schiiten in Kuwait passt zum IS. Jemand will Tunesien destabilisieren und in Frankreich hat offenbar jemand seinen Chef umgebracht.

    Gegenüber anderen Lebensrisiken ist das Terrorismusrisiko, pardon, minimal. Dass viele eine Weile nicht mehr als Touristen in die von "Psychopathen" heimgesuchten Orte reisen, ist verständlich aber irrational und macht die Terroristen zu Siegern und zu erfolgreichen Wiederholungstätern.
    6 8 Melden
    • Tatwort 26.06.2015 21:29
      Highlight Sorry, aber wenn wir schauen, wie sich unsere Gesellschaft innert kürzester Zeit von einer offenen in eine paranoid-geschlossene verwandelt hat, haben die Terroristen leider schon längst gesiegt.
      13 1 Melden
    • Thomas Binder 27.06.2015 08:27
      Highlight "Alles" hatte 1953 begonnen, eingefädelt durch MI6 und CIA. Ich empfehle immer wieder dieses gute Stück!

      "Wer den Wind sät… Was westliche Politik im Orient anrichtet | Michael Lüders | SWR Tele-Akademie":

      0 0 Melden
  • Tatwort 26.06.2015 19:50
    Highlight Dass drei Anschläge am selben Tag stattfinden, könnte man als Zufall abtun. Was die Mächtigen uns dann wohl auch weismachen wollen. Denn wäre es kein Zufall, würde dies bedeuten, dass all die Abhörmassnahmen nichts nützen und tatsächlich nur der Wirtschaftsspionage dienen.
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    • keplan 26.06.2015 20:31
      Highlight Sie nutzen nichts weil Solche Nachrichten nur von Hand zu Hand weitergegeben werden , dass weiss man schon lange
      6 2 Melden

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