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French Economy Minister Emmanuel Macron answers questions from the media during a visit to the petrochemical plant Kem One in Fos sur Mer, near Marseille, France, January 28, 2016.  REUTERS/Jean-Paul Pelissier

Wirtschaftsminister Emmanuel Macron – in vielem ist er Hollande voraus. Bild: JEAN-PAUL PELISSIER/REUTERS

Hollande-Herausforderer: Frankreich verliebt sich gerade in diesen Homme – und in diese Femme

Er ist jung, smart, ehrgeizig – Wirtschaftsminister Macron ist Frankreichs neuer politischer Superstar. Nun wird er Hollandes grösster Rivale im Kampf um die Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2017.

Julia Amalia Heyer, Paris



Ein Artikel von

Spiegel Online

Es gibt nicht viel, was er nicht kann. Emmanuel Macron, das muss man ihm lassen, kann sehr vieles sehr gut. Klavierspielen zum Beispiel. «Mozart» wurde er im Élysée genannt, als er dort noch schlicht Berater des Präsidenten war. Er war so talentiert, er hätte auch Pianist werden können, erzählen die, die ihn unterrichteten.

Emmanuel Macron, 38, ist nicht Pianist geworden, aber Wunderkind ist er geblieben. Er verkörpert eine Ausnahmeerscheinung in der französischen Politik, in der sich – quasi seit Jahrzehnten – die gleichen Gesichter, die gleichen Namen, die gleichen Lebensläufen abwechseln. Macron kann auch sehr charmant sein, sympathisch ist er sowieso.

French President Francois Hollande (L) and Economy minister Emmanuel Macron pose in the gardens of the Elysee Palace after the presentation of the

Präsident Hollande und sein Minister Macron – die beiden Männer werden zunehmend zu Rivalen. Bild: POOL/REUTERS

Es ist nicht einmal zwei Jahre her, dass François Hollande ihn zu seinem Wirtschaftsminister berief. Ein Überraschungscoup. Mittlerweile ist Macron der wahrscheinlich grösste Rivale des Präsidenten im Kampf um die Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2017: Aus Hollandes Schützling wurde sein Herausforderer. Ein Rivale in den eigenen Reihen, denn Macron sitzt nach wie vor als Wirtschaftsminister im Kabinett.

Macron 38, Hollande 11

Niemand dürfte ernsthaft geglaubt haben, dass das grandiose Scheitern der präsidentiellen Pechmarie Hollande auch dem Goldkind Emmanuel Macron anhaften würde. Zu kometenhaft war sein Aufstieg vom Investmentbanker bei Rothschild zum Regierungsmitglied. Und wie aus einer anderen Welt scheinen auch seine stets steigenden Beliebtheitswerte – eine krasse Ausnahme in Zeiten nationalen Unmuts.

Mittlerweile glauben 38 Prozent der Franzosen (laut einer Umfrage von Vivavoice vom 21. April, durchgeführt für die Zeitung «Libération»), dass Macron einen guten Staatschef abgeben würde; François Hollande hingegen liegt bei nie dagewesenen 11 Prozent. Seit vier Jahren an der Macht, stellt der Präsident quasi wöchentlich einen neuen Negativrekord auf. Hollande würde laut Umfragen in einer möglichen Stichwahl sogar gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen verlieren. Macron dagegen liegt deutlich vor ihr und auch vor Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

Vor drei Wochen dann hatte Macron genug von der Tristesse in der Umgebung des Präsidenten. In seiner Heimatstadt Amiens rief er seine eigene Bewegung aus. Ihr Name: «En Marche». Für den Fall, dass man François Hollande wirklich mit Caesar vergleichen wollte, käme Macron nun die Rolle des Brutus zu. Fest steht, er meint es ernst mit «En Marche» – wohl nicht rein zufällig stecken seine Initialen im Namen.

Seither wird in und ausserhalb der Regierung zunehmend bestürzt gefragt, warum um Himmels Willen der Präsident seinem Widersacher das Placet erteilt hatte, ihn zu erledigen. Da verkündete Macron kurzerhand: Hätte Hollande seinem Vorhaben nicht zugestimmt, wäre er zurückgetreten. Macron ist kein Mitglied der sozialistischen Partei mehr – und liess wissen, dass er Hollande zu nichts verpflichtet sei.

Frankreich: «Wie Kuba, nur ohne Sonne»

Zwar ist Macron der beliebteste Minister in der Regierung von Premier Manuel Valls6, aber dem linken Flügel der Sozialisten ist er verhasst. Schuld daran sind seine präzise gesetzten Spitzen gegen den Regierungsstil von Hollande und Premierminister Manuel Valls.

Zum Beispiel greift Macron immer wieder die sakrosankte 35-Stunden-Woche an, er übt Kritik am überprivilegierten französischen Beamtenstatus – und fordert die Jugend auf, «Lust zu haben, Milliardär zu werden».

French Economy Minister Emmanuel Macron (L) and French Finance Minister Michel Sapin (R) attend a meeting during a Franco-German Economic and Financial Council meeting at the Bercy Finance Ministry in Paris, France, February 9, 2016. REUTERS/Charles Platiau

Der gutaussehende Wirtschaftsminister zieht das Medieninteresse auf sich – hier beim deutsch-französischen Wirtschaftsrat im Februar in Paris. Bild: CHARLES PLATIAU/REUTERS

In seiner höflichen Art spiesst er ein ums andere Mal die Glaubenssätze der französischen Linken auf, am liebsten vor ihm geneigtem Publikum, wie zum Beispiel beim Kongress des Arbeitgeberverbands. Dort bezichtigte er die Linke, sie sei tatsächlich überzeugt davon, dass es Frankreich besser ginge, wenn weniger gearbeitet würde. Tosender Applaus folgte.

Schon vor seinem Antritt als Minister war Macron der Liebling von Vorständen und Unternehmern; der frühere Investmentbanker gilt als mindestens sozialdemokratisch, also für französische Verhältnisse fast schon wirtschaftsliberal.

File picture shows French Economy Minister Emmanuel Macron as he attends the 4th conference on employment and social issues at the French Economic, Social and Environmental Council (CESE) in Paris, France, October 19, 2015.    REUTERS/Charles Platiau/File

Macron ist bei den Wählern beliebt – doch die sozialistische Basis verachtet ihn, weil er Tabus wie die 35-Stunden-Woche in Frage stellt. Bild: CHARLES PLATIAU/REUTERS

Als er noch ein unbekannter Berater des Präsidentschaftskandidaten Hollande war, im Wahlkampf 2014, hatte er diesen schon gewarnt: Durch die geplante Vermögenssteuer von 75 Prozent werde Frankreich wie «Kuba, nur ohne Sonne». Das Bonmot wurde berühmt. Die Steuer wurde dennoch eingeführt – und längst wieder abgeschafft.

Brigitte und Emmanuel auf dem roten Teppich

Macron hat die besten Schulen des Landes besucht, darunter selbstverständlich die École Nationale d'Administration (ENA). Gemeinsam mit dem Philosophen Paul Ricoeur verfasste er Abhandlungen für das Intellektuellenperiodikum «Esprit». Sich selbst sieht er als Non-Konformist: «Je suis anti-système», sagte er vor kurzem an einer Hotelbar in Algier, bei Ginger Ale auf Eis. Was zumindest in Sachen Liebe absolut den Tatsachen entspricht, denn Macron ist seit 2011 mit einer 20 Jahre älteren Frau verheiratet, liiert sind die beiden allerdings schon seit zwei Jahrzehnten. Brigitte war seine Lateinlehrerin am Jesuitenkolleg in Amiens.

epa05205086 French Economy Minister Emmanuel Macron and his wife Brigitte Trogneux arrive at the Elysee Palace for a state dinner to honor Netherlands' King Willem-Alexander and Queen Maxima's visit in Paris, France, 10 March 2016. This dinner is part of a two-day official visit.  EPA/ETIENNE LAURENT

Macron und seine Ehefrau Brigitte Trogneux – sie ist 20 Jahre älter als er und war einst seine Lateinlehrerin. Bild: ETIENNE LAURENT/EPA/KEYSTONE

Aber weil bekanntlich niemand perfekt ist – nicht einmal Emmanuel Macron – unterläuft auch ihm mal ein kleiner Fauxpas, wie zum Beispiel die Homestory, die vor kurzem in «Paris Match» erschien. Auf Seite 57 schmust er in Shorts mit einer argentinischen Dogge, auf dem Titel flaniert er, zusammen mit seiner Frau, über einen roten Teppich. Unterzeile: Brigitte und Emmanuel, gemeinsam auf dem Weg zur Macht.

Die Häme kam prompt: «Ah, so sieht also die neue Politik aus», hiess es auf Twitter. Denn «Paris Match» hat seit Beginn der fünften Republik gefühlt etwa jedes Präsidentenpaar plus Homestory auf dem Titel gehabt, genau wie jedes Möchtegern-Präsidentenpaar auch. Über seinen Fehler schien sich Macron dann selbst derart zu ärgern, dass er die Sache kurzerhand auf seine Frau schob, die sich mit Medien nicht auskenne. «Meine Frau bereut das Ganze, eine Dummheit», sagte er.

Auch für ein Goldkind mit hochfliegenden Ambitionen gilt: So etwas geht natürlich gar nicht.

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