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Emmanuel Macron stellt Donald Trump in den Schatten. Bild: AP/AP

Frankreich überholt die USA bei der Soft Power – auch die Schweiz weit oben

19.07.17, 14:38 19.07.17, 15:09

Die Welt hat einen neuen Politstar: Emmanuel Macron. Frankreichs jugendlicher Präsident wirkt wie eine Ein-Mann-Revitalisierung für ein verzagtes Land und einen müden Kontinent. Auch Bundespräsidentin Doris Leuthard zeigte sich nach ihrem Besuch am Dienstag in der «Tagesschau» sehr angetan von Macron: «Er ist ein sehr dynamischer Präsident, er hat Charisma.»

Macrons Elan versetzt auch seine Landsleute in Hochstimmung. Die Konsumlaune ist so gross wie seit Jahren nicht mehr. Die Bereitschaft zu grösseren Anschaffungen stieg Ende Juni auf den höchsten Stand seit 2001, hiess es in der am Dienstag veröffentlichten europäischen Konsumklima-Studie. Nach Jahren der Depression herrscht in Frankreich Aufbruchstimmung.

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Dieser Effekt schlägt sich auf globaler Ebene nieder. Erstmals liegt die Grande Nation auf Platz eins des Soft Power Index, der von der University of Southern California und der PR-Firma Portland Communications erstellt wird. Er zeigt, wie stark der Einfluss eines Landes auf «weichen» Faktoren wie Kultur, Bildung, Wirtschaft und Sport statt auf politischer und militärischer Stärke basiert.

Im Vorjahr lag Frankreich nur auf dem fünften Rang. Für den Sprung an die Spitze machen die Autoren des Index in erster Linie die Wahl von Emmanuel Macron zum jüngsten Präsidenten der Geschichte verantwortlich. Dies habe er auch seinem cleveren Umgang mit sozialen Medien zu verdanken. Eine weitere Stärke sei Frankreichs diplomatische Vernetzung. Auch sei das Land trotz der Terroranschläge der letzten Zeit immer noch das weltweite Touristenziel Nummer eins.

Grosser Verlierer im Soft-Power-Ranking sind die USA. Vor einem Jahr lagen sie noch an der Spitze, weil sie ihren weltweiten Einfluss nicht nur Politik und Militär, sondern auch ihrer dominanten Populärkultur, der technologischen Vormachtstellung oder den erstklassigen Hochschulen verdanken. Mit Donald Trump und seiner «America First»-Ideologie rutschten die Amerikaner auf den dritten Platz ab.

Dazwischen liegt wie im Vorjahr Grossbritannien, doch die Autoren setzten wegen des Brexit-Votums ein Fragezeichen hinter die Nachhaltigkeit dieser Platzierung. Weit oben, nämlich auf dem siebten Platz, befindet sich auch die neutrale Schweiz, obwohl sie international eher dezent agiert. Ob der Federer-Effekt hier eine Rolle spielt, lässt sich der Studie leider nicht entnehmen.

Weit hinten auf der 30 Länder umfassenden Liste liegen China, Russland und die Türkei. Ein Trost für die Anhänger der unter Druck geratenen liberalen Demokratie. Wirtschaftliche Macht, wie sie China immer stärker ausspielt, genügt offenbar nicht, um als Soft Power anerkannt zu werden. (pbl)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Chääschueche 19.07.2017 18:57
    Highlight Die Studie ist Müll^^

    Weder Trum noch Macron haben bis heute viel erreicht. Man weis zwar was sie wollen, aber umgesetzt wurde praktisch noch nichts... Alles Spekulation und daher einfach nicht ernst zu nehmen.
    10 13 Melden
  • Raembe 19.07.2017 18:52
    Highlight Ist dieses Ranking irgendetwas das die USA, China oder die Türkei interessiert? Ich hab meine Zweifel, das sich irgendwas nach dieser Bewertung in diesen Staaten ändert.

    Scheint mir mehr so ein Ranking zu sein bei dem sich freut wenn man oben ist, es aber einem egal ist wenn man unten ist.
    5 10 Melden
  • Richu 19.07.2017 17:55
    Highlight Dass bei dem franz. Präsidenten Macron auch nicht alles Gold ist was glänzt zeigt die Tatsache, dass heute überraschenderweise der franz. Generalstabschef (ranghöchster bei der franz. Armee) zurückgetreten ist, weil er mit den Sparmassnahmen von Macron absolut nicht einverstanden ist!
    6 17 Melden
    • Sapere Aude 19.07.2017 18:23
      Highlight Nur weil der Generalstabschef mit den Sparmassnahmen nicht einverstanden ist, heisst das nicht, dass diese nicht angebracht wären. Das wäre also schon noch genauer zu begründen. Schliesslich täte Frankreich gut daran, seine Ausgabe zu senken, denn man deren Schuldenberg mal anschaut. Folglich ist es nur ehrlich und konsequent, alle Bereiche in Betracht zu ziehen.
      16 4 Melden
    • bokl 19.07.2017 18:30
      Highlight Ich werte dies eher als Punkt für Macron...
      15 4 Melden
    • Raembe 19.07.2017 18:47
      Highlight Hmmm komisch, der Armeechef tritt zurück wenn er sparen soll....

      Was sagt das über den Typen und die Politik von Hollande aus?

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    • Sophia 20.07.2017 11:31
      Highlight Wenn ein Armeechef wegen Sparmassnahmen zurücktritt ist das ein gutes Zeichen einer richtigen Politik. Die Verteidigung eines Landes ist immer nur ein notwendiges Übel. Leider aber glauben die meisten Armeeköpfe sie seien sakrosant und den demokratischen Spielregeln nicht unterworfen. Das liegt in der Natur der Sache, denn dort gilt der Befehl alles und Mitdenken ist unerwünscht. Umso wichtiger ist es, dass jede Armee der Welt den deomkratischen Spielregeln unterworfen ist. (Der Rasmussen (NATO) stört sich gar nicht an Erdogan, weil er eben auch nicht demokratisch denkt, sondern in Befehlen.)
      3 1 Melden
  • Sophia 19.07.2017 17:49
    Highlight Dass die Amis gegen die Franzosen eine bigotte Gesellschaft sind, ist Tatsache. Nicht ganz die Hälfte der Ami-Wähler haben einen offenbar gestörten, rückwärtsgewandten Präsidenten gewählt, und eine weit grössere Wählerschaft, aber eine Mehrheit, hat den modernen innovativen Macron gewählt. Ja, wenn das nichts über die gesellschaftlichen Zustände der beiden Länder aussagt, was soll denn da sonst noch passieren?
    21 8 Melden
    • Waedliman 21.07.2017 10:16
      Highlight Die Franzosen haben äusserst peinlich mit einer Riesendemo gegen die schwule Ehe demonstriert. Ich habe mich damals geschämt, als ich die Massen auf den Pariser Strassen gesehen habe. Es gibt in Frankreich viel zu tun, vielleicht schafft Macron ja tatsächlich neben dem wirtschaftlichen Aufschwung auch einen Ruck durch den konservativen Teil der Gesellschaft, deren bürgerliches Lager sich ja immer noch sämtliche wichtigen Posten des Landes gegenseitig zuschustert.
      1 1 Melden
    • Sophia 21.07.2017 17:55
      Highlight Waedimann, auch in der Schweiz schieben sich die die Freisinnigen und Oligarchen die Posten zu. Beispiel Karrer, wo der auch arbeitete, er wurde immer mit grossen Summen zum anderen Posten weggeschoben und ist heute Chef von Economiesuisse, wo er auch nichts zustande bringt. Du vereinfachst da was, gute Weadiman, es war ein Teil der Franzosen zur Demo gegangen, ob das "die" Franzosen waren? Aber: Was den Homos in Frankreich geschieht, blüht den Schwarzen in den USA, (und zwar von der Polizei und Justiz) deren Anteil an der Bevölkerung ist aber weitaus grösser als, der der Homos in FR.
      1 0 Melden
    • Waedliman 25.07.2017 13:58
      Highlight Wenn Sie den Begriff "Homos" passend finden, erspare ich Ihnen jeglichen weiteren Denkanstoss, gnädige Frau.
      0 0 Melden
  • Gummibär 19.07.2017 16:17
    Highlight "America First" reicht vorerst für den 3.Platz .

    Der Slogan wirkt auf einen guten Rest der Welt als Ansporn vorwärts zu machen ohne den U.S.A. am Rockzipfel zu hängen. Gut so !
    Bei der Aufrechnung der Handelsbilanzen fehlen noch die von der U.S.A. verursachten Kosten der Flüchtlingswellen... dieses Thema hat noch niemand anschneiden wollen.
    23 4 Melden
  • senfmayo 19.07.2017 15:27
    Highlight Ich bezweifle mal, dass diesem Ranking irgendeine Wissenschaftliche Grundlage zugrunde liegt. Ja, niemand mag Trump, aber das ist lächerlich
    16 25 Melden
  • Widmer 19.07.2017 15:20
    Highlight Auf diese Bewertung gebe ich nicht, weil die Kriterien diffus sind. Wenn allein die Wahl von Macron Frankreich in den ersten Rang setzt, ist das eigenartig. Dabei weiss man, dass du Umsetzung seiner Politik gegen die Gewerkschaften und die Strasse noch bevorsteht.
    21 13 Melden
    • oskar 19.07.2017 17:50
      Highlight es basiert nicht allein auf der wahl. ist hier einfach etwas unklar gachrieben. der guardian war deutlicher:

      France’s rise from fifth to first is in part attributed to the influence of the centrist Macron, but is also based on the vast French diplomatic network, which is unrivalled in terms of membership of multilateral and international institutions.

      dann machts wieder sinn
      12 2 Melden

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