International

Tausende demonstrieren gegen Polizeigewalt in Paris

19.03.17, 21:26 20.03.17, 09:03

Mehrere Tausend Menschen haben am Sonntag in Paris gegen Polizeigewalt und Straflosigkeit für Polizisten demonstriert. An der friedlichen Demonstration nahmen nach Polizeiangaben bis zu 7500 Menschen teil. Die Demonstranten folgten Aufrufen von Gewerkschaften, antirassistischen Organisationen, Menschenrechtsgruppen und linken Parteien.

Bild: GONZALO FUENTES/REUTERS

Der Demonstrationszug bewegte sich von der Place de la Nation im Osten der Hauptstadt bis zur Place de la République im Zentrum. Es war die zweite Kundgebung dieser Art in Paris auf Initiative von Angehörigen der Opfer von Polizeigewalt.

Während des gesamten Marsche waren Parolen zu hören wie «Polizei überall, Gerechtigkeit nirgends» oder «Zyed, Bouna, Théo und Adama - kein Vergeben, kein Vergessen».

Die beiden 15 und 17 Jahre alten Schüler Bouna Traoré und Zyed Benna waren 2005 bei einer Verfolgungsjagd durch die Polizei im Pariser Vorort Clichy-sous-Bois in einem Transformatorenhäuschen gestorben. Der 24-jährige Adama Traoré starb vergangenes Jahr in Polizeigewahrsam in der Banlieue Beaumont-sur-Oise, nachdem er Widerstand gegen die Festnahme seines Bruders geleistet hatte.

Drei Personen festgenommen

Zuletzt hatte die brutale Festnahme eines Schwarzen in der Pariser Vorstadt Aulnay-sous-Bois zu nächtelangen Ausschreitungen geführt. Der 22-jährige Théo wurde schwer verletzt, als ihm ein Polizist einen Schlagstock in den After rammte, woraufhin er für längere Zeit ins Krankenhaus musste.

Polizisten wird immer wieder vorgeworfen, in Problemvorstädten äusserst hart vorzugehen, insbesondere gegen Jugendliche und junge Männer aus Einwandererfamilien.

Gegen Ende der Demonstration am Sonntag störten nach Polizeiangaben etwa tausend vermummte Jugendliche den friedlichen Verlauf. Sie warfen demnach Wurfgeschosse und Brandbomben in Richtung der Polizei. Die Schaufenster von fünf Banken gingen zu Bruch, zwei Polizisten wurden leicht verletzt. Die Polizei setzte Tränengas ein. Drei Menschen wurden festgenommen. (sda/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • concerned citizen 20.03.2017 09:06
    Highlight Linken und Menschenrechtsorganisationen in einem Boot, durch ausländische Agenturen unterstützt, sie können das ganze Land auf den Kopf stellen.ein Anlass dafür kann alles mögliche sein. Ich würde gerne wissen, ob die breiten Massen der Bevölkerung diese Demos unterstützten und ob die polizeigewalt wirklich übermässig ist. Frankreich ist immer noch im Ausnahmezustand und Präsidentenwahlen vor der Tür. Holland ist nur zur Macht gekommen nachdem die Amerikaner den frühren IMF Chef aus dem Wahlen ausgeschaltet haben. Wer ist jetzt an der Reihe?
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    • Scott 20.03.2017 12:35
      Highlight Marine Le Pen natürlich. Die Immunität wurde bereits aufgehoben, die Anklage wird aber erst kurz vor den Wahlen erfolgen. Und das nur, weil sie Gräueltaten des IS unzensiert ins Netz gestellt hat.
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  • ElendesPack 20.03.2017 08:21
    Highlight Die Polizei ist in Frankreich auch wirklich die einzige Gruppierung, die mit äusserster Härte vorgeht. Die kriminellen Banden, die teilweise über die Banlieus herrschen oder in Marseille zeitweise den Ausnahmezustand herbeiführen, die bilden vor allem gerne Gesprächskreise, Gruppentherapien tanzen sehr gerne in den Strassen Ringelreihen. Bis sie dann jeweils von böswilligen Polizisten gepiesakt werden....die armen kleinen Schäfchen....
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    • Saraina 20.03.2017 15:30
      Highlight Es wäre halt schon gut, wenn sich wenigstens die Polizei an die Gesetze halten würde.

      Von den Kriminellen kann man das per Definition nicht erwarten, dafür werden sie dann aber auch angeklagt und verurteilt.
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    • ElendesPack 21.03.2017 08:55
      Highlight Saraina: Ja, weil die angeklagt und verurteilt werden, sind diese Banlieus und Marseille ja auch so sichere Orte, wo Kriminalität nur noch eine ferne Erinnerung ist und die Polizei sich auch nicht weigert, an gewissen Orten überhaupt noch Präsenz zu zeigen. So schön!
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    • Saraina 21.03.2017 11:18
      Highlight Hmm, nicht nur übertritt die Polizei in Frankreich das Gesetz, dem sie eigentlich zur Durchsetzung verhelfen sollte, sie macht auch noch ihren Job nicht? Das sind wirklich schlimme Zustände.

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    • ElendesPack 21.03.2017 12:33
      Highlight Saraina: Hierbei muss ich Dir Recht geben. Ja, das sind schlimme Zustände und ja, sie machen ihren Job nicht.
      Wenn sie ihn allerdings mal machen, dann gibt es landesweite organisierte Proteste dagegen, weil eh jeder reflexhaft jedem "Opfer" mehr glaubt als der Polizei.
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