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Jean-Marie Le Pen am Parteitag des Front National im November 2014. Bild: Laurent Cipriani/AP/KEYSTONE

Für ihn sind die «Rassen ungleich» und die Gaskammern ein «Detail der Geschichte»: Jetzt wird Parteigründer Jean-Marie Le Pen selbst dem Front National zu extrem

Der Bruch soll «vollständig und definitiv» sein: Frankreichs rechtsextremistischer Front National hat sich von Parteigründer Jean-Marie Le Pen losgesagt. Selbst seine Tochter Marine begehrt gegen den 86-Jährigen auf.

08.04.15, 14:50 08.04.15, 16:49

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Der rechtsradikale französische Front National (FN) will sich von Parteigründer Jean-Marie Le Pen lossagen. Der Bruch mit dem 86-Jährigen sei «vollständig und definitiv», schrieb Parteivize Florian Philippot auf Twitter. Auch Le Pens Tochter positionierte sich gegen den Politiker: Marine Le Pen kündigte an, gegen die Pläne ihres Vaters vorzugehen, bei der Regionalwahl im Dezember zu kandidieren.

Der Konflikt zwischen dem Parteigründer und der derzeitigen FN-Führung hatte sich in den vergangenen Tagen zugespitzt, nachdem Jean-Marie Le Pen die Gaskammern in nationalsozialistischen Konzentrationslagern erneut als «Detail der Geschichte» verharmlost hatte. Zudem gab er der rechtsextremen Zeitschrift «Rivarol» ein Interview, in dem er insbesondere Marschall Philippe Pétain verteidigte, der im Zweiten Weltkrieg Staatschef des mit Nazi-Deutschland kollaborierenden Vichy-Regimes war.

Sein Status als Ehrenvorsitzender erlaube es nicht, «den Front National als Geisel zu nehmen für derart ausfällige Provokationen», teilte Marine Le Pen nun mit. Gemeinsam mit dem Vorstand wolle sie die Interessen der Partei schützen.

Jean-Marie Le Pen war bereits in der Vergangenheit mit ähnlichen Äusserungen über den Zweiten Weltkrieg innerparteilich in die Kritik geraten. Nun hat die Staatsanwaltschaft erneut Vorermittlungen wegen Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufgenommen.

Die wiederholten Ausfälle Le Pens sind schon seit Langem eine Belastung für seine Tochter. Sie will ihre Partei «entdämonisieren», um den FN – mit dieser selbst verordneten Mässigung – dauerhaft zu einer wählbaren Partei zu machen. Antisemitismus und offene Ausländerfeindlichkeit sind unter ihrer Führung mittlerweile tabu, was ihr Vater und dessen Anhänger nicht akzeptieren wollen. Mehrere Mitglieder, die sich rassistisch geäussert hatten, liess die FN-Chefin daher aus der Partei ausschliessen.

Marine Le Pen will bei der Präsidentschaftswahl 2017 erneut antreten – und die Ausgangslage ist für sie dieses Mal besser als 2012, wo immerhin 17.9 Prozent der Wähler für sie stimmten. Bei den Europawahlen im Mai 2014 wurde ihr Front National mit rund 25 Prozent der Stimmen erstmals stärkste Kraft in Frankreich. Bei den Regionalwahlen Ende März bekam die Partei im zweiten Wahlgang 22 Prozent und wurde landesweit zweitstärkste Kraft.

mxw/dpa/AFP/Reuters

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    Alle Leser-Kommentare
  • gizem.yurtseven 08.04.2015 21:35
    Highlight Marine Le Pens ganze Erscheinung ist eine einzige Facette. Sie trägt das gleiche, wenn nicht das extremere Gedankengut wie ihr Vater. Ihr einziges Ziel ist es jedoch, nach aussen gemässigt zu erscheinen, um die konservative Wählerschaft der UMP anzuziehen, koste was wolle. Es kommt eine gefährliche Zeit auf Frankreich zu, wenn Madame 2017 tatsächlich Erfolg haben sollte.
    4 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 09.04.2015 05:05
      Highlight Ich glaube dass Frau Le Pen tatsächlich anders als ihr Vater, Vertreterin einer neuen Generation ist. Als Französin immer noch dem Staatssozialismus verschrieben hat sie erkannt dass der Euro zu stark ist um Frankreichs Exporte in realistischen Preislagen zu halten. Sollte 2017 Frau Le Pen keinen Erfolg haben so wird nach meinem Gefühl die Enkelin des Alten das Ruder herumreissen. Deine Bedenken respektiere ich, bin aber anderer Meinung. Nur FN und vergleichbare Parteien können uns noch vor einem europäischen Krieg zwischen Demokraten und Sharia- Faschisten retten....
      2 6 Melden
  • LeLaenz 08.04.2015 15:18
    Highlight Ein Schelm wer dabei denkt, dass die FN nach aussen wählbarer werden will aber intern noch dieselben Strukturen behält.
    33 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.04.2015 15:16
    Highlight Idiot so einer. Und Nein, kein Pardon
    21 1 Melden

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