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Frankreich vor der EM: 90'000 gegen die Terrorgefahr

Frankreich rüstet sich: für den Ansturm der EM-Besucher und die Bedrohung durch Terroristen.

06.06.16, 21:05 07.06.16, 08:02

Stefan Simons, Paris



Ein Artikel von

Der Eiffelturm in den Nationalfarben der EM-Staaten, die Wochenmärkte der Hauptstadt herausgeputzt, 10'000 ökologisch korrekte Einkaufsbeutel aus biologisch angebauter Baumwolle: Paris plant, so das Fremdenverkehrsamt, das «Hochamt des europäischen Fussballs».

Dazu gibt es Gratis-Konzerte, neue Bolzplätze, Kultur an den Seine-Kais, eine Ausstellung zur Fussballgeschichte. Für das örtliche Ladenpersonal, Hotelangestellte und Taxifahrer hat die Hauptstadt zudem eine mehrsprachige Übersetzungshilfe ins Internet gestellt.

Rund 1,5 Millionen ausländische Gäste werden in den zehn Austragungsorten der Europameisterschaft erwartet – und 1,2 Milliarden Euro Einnahmen für die Tourismusbranche. Nach den Terror-Attentaten des vergangenen Jahres ist das Mega-Turnier aber auch eine grosse Herausforderung für Politik und Sicherheitskräfte. «Eine EM mit hohem Risiko», titelt «Libération».

Zwar könnten auch Streiks, Kundgebungen oder Benzinknappheit den Ablauf der EM durcheinanderbringen. Doch Geheimdienste warnen vor allem vor der Gefahr islamistischer Anschläge. Jüngst entdeckte Mitschnitte auf dem PC einer der Brüsseler Selbstmordattentäter verstärken diese Befürchtungen. «Die Bedrohung bleibt der Terrorismus», betont Präsident François Hollande.

Sicherheitskräfte proben den Fall einer Attacke mit Chemiewafffen.
Bild: Claude Paris/AP/KEYSTONE

Fussballfans müssen sich deshalb auf Kontrollen und Wartezeiten an Stadien und Fan-Zonen einstellen:

Für die 51 Spiele hat Frankreich rund um die Stadien und die Fan-Zonen aufgerüstet wie nie zuvor: Bereits vor Wochen votierte das Parlament für die Verlängerung des seit den Anschlägen verhängten Notstands, mit zusätzlichen TV-Kameras werden Austragungsstätten wie städtische Ballungsräume überwacht.

Bewaffnete Patrouillen der Streitkräfte bleiben während der gesamten vier Wochen ab dem 10. Juni im Einsatz. Insgesamt sind es 90'000 Männer und Frauen – Polizei, Gendarmerie, Soldaten, Feuerwehrleute, Hundestaffeln, dazu private Sicherheitsunternehmen. Beamte der Elite-Truppe Raid begleiten die angereisten Fussballmannschaften.

Ein eigens geschaffenes Lagezentrum von Geheimdiensten und Sicherheitskräften analysiert rund um die Uhr die Gefahrenlage und steuert den Einsatz von Militär, Gendarmerie und Polizei. Deren Kommandoeinheiten haben bei Trainingseinsätzen die ganze Skala von Terrorszenarien durchgespielt: Anschläge auf den Nahverkehr, Geiselnahmen, im Stadium vom Lens wurde gar eine chemische Attacke simuliert.

Bereits das Freundschaftsspiel zwischen Frankreich und Russland vom vergangenen März wurde strengstens überwacht.
Bild: CHARLES PLATIAU/REUTERS

Mix zwischen Party und Polizeipräsenz

Zu der Ausnahmegefahr durch Terroristen kommt die übliche Bedrohung durch anreisende Fussball-Hooligans, die in den Stadien für Chaos sorgen könnten. Mitreisende Polizisten und ein eigenes «Internationales Polizei-Kooperationszentrum» (CCPI) sollen aggressive Anhänger identifizieren, gleichzeitig werden die Grenzkontrollen verstärkt.

Die Überwachung der grossen Fan-Zonen in Marseille, Bordeaux oder Lyon ist dennoch die schwierigste Aufgabe: Allein in Paris werden auf dem Marsfeld beim Eiffelturm bis zu 92'000 Besucher erwartet. Wegen der Terrorgefahr und des «Hooliganismus», so warnte Polizeipräfekt Michel Cadot, solle das Public Viewing dort bei gleichzeitigen Spielen in Paris am besten verboten werden.

Innenminister Bernard Cazeneuve will die Versammlungen vor den gigantischen TV-Schirmen freilich beibehalten. Dafür wurden eigens 13'000 Wachleute engagiert. Kostenpunkt: 24 Millionen Euro.

Trotz der angespannten Lage sollen die 2,5 Millionen Zuschauer die Euro 2016 als fröhliche Verbrüderung im Namen des Sportes erleben. «Die grösste Schwierigkeit besteht darin, die richtige Dosis zu finden», meint Fachmann Luc Presson zum idealen Mix zwischen Party und Polizeipräsenz. «Das Publikum muss sich sicher fühlen, ohne belastet zu sein», so der für die EM-Sicherheit zuständige Generalinspekteur von Paris.

Präsident Hollande sieht das genauso. Er gibt sich zuversichtlich: «Wir werden uns das Fussballfest nicht verderben lassen.»

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Paco69 08.06.2016 17:39
    Highlight Hoffentlich passiert zur EM nichts.
    Und wenn etwas passiert, könnte dann schon Schluss mit lustig sein.
    Die Terroristen sind nur Millimeter davon entfernt die offenen Gesellschaften Europas auch nachhaltig in ihrer Freiheit einzuschränken.
    0 0 Melden
  • Ratert 06.06.2016 23:48
    Highlight "im Stadium vom Lens wurde gar eine chemische Attacke simuliert."
    - Nach meinen Erfahrungen im Militär beruhigen mich jedwede Simulationen von Chemieattacken keineswegs.

    Das Risiko ist hoch, aber ich fände es keins Alternative, die EM deswegen zu verschieben.
    Wieviele Sicherheitskräfte ich wohl über die Live-Übertragung zu sehen kriege, und vorallem wo, wird mich interessieren. http:// Di
    5 1 Melden
  • henk 06.06.2016 22:45
    Highlight Habe Karten für das Spiel Schweiz Rumänien. In meine Freundeskreis werde ich teilweise verständnislos angeschaut, wenn ich sage, dass ich nach Paris reise. Eine Angespanntheit ist deutlich zu spüren. Viel mehr Kummer machen mir jedoch momentan die vielen Streiks... Ich hoffe, es gibt nicht ein allzu grosses Chaos
    16 2 Melden
    • Retarded Wizard 07.06.2016 00:45
      Highlight So nach dem Motto : Egal ob ich in die Luft gesprengt werde, hauptsache ich komme pünktlich in Paris an?!!

      Aber keine Angst, auf das Spiel Rumänien - Schweiz hat es bestimmt keiner abgesehen.
      6 27 Melden
    • Paco69 07.06.2016 15:45
      Highlight "auf das Spiel Rumänien - Schweiz hat es bestimmt keiner abgesehen"
      Und genau das denken die Terroristen, dass die Sicherheitskräfte genau das denken...
      1 0 Melden

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