International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Seit seiner Wahl im Mai hat Emmanuel Macrons Image gelitten. Bild: EPA/EPA

Frankreichs neuer Präsident: Im Ausland hui, zuhause na ja...

Weltweit jubeln seine Fans – doch zu Hause häufen sich die Probleme: Emmanuel Macrons Umfragewerte sacken ab. Daran ist er selbst schuld.

01.08.17, 16:58 02.08.17, 07:57

Stefan Simons, Paris / spiegel online

Ein Artikel von

Emmanuel Macron lebt bisher von glänzenden Bildern: Ob beim Empfang für den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Schloss von Versailles, der Parade zum Nationalfeiertag im Beisein von US-Präsident Donald Trump oder an der Seite von Kanzlerin Angela Merkel während des G20-Gipfels in Hamburg – Macrons Auftritte begeistern seine Fans, auch im Ausland.

Ähnlich gut lief es bisher im Inland. Gewählt als Retter vor der rechtsextremen Marine Le Pen, setzte er auf weltmännisches Gebaren und symbolträchtige Gesten. Gerade erst gedachte der 39-Jährige mit bewegenden Worten des Todes von Pater Jacques Hamel, den «IS»-Terroristen vor einem Jahr in der Normandie ermordeten. Dann besuchte er im Overall der Luftwaffe einen Fliegerhorst oder liess sich im Marine-Drillich auf ein französisches U-Boot abseilen.

Allerdings: Die PR-Termine täuschen so langsam nicht mehr darüber hinweg, dass das Image des Staatschefs gelitten hat. «Operation Karneval», höhnte der Informationsdienst «Mediapart» über die sorgsam inszenierten Bilder in wechselnden Outfits.

«Ende der Schonzeit»

Titelt «Le Parisien»

Denn mit allerhand unüberlegten Initiativen enttäuscht Macron Frankreichs Bürger, die eigenen Abgeordneten der «République en Marche» (REM) oder verprellt gar Kabinettskollegen. Im Juli sackte die Popularität des im Mai gekürten Präsidenten um satte zehn Prozentpunkte ab. «Ende der Schonzeit», titelte die Tageszeitung «Le Parisien».

Schuld daran ist Macrons Führungsstil, gepaart mit handwerklichen Fehlern:

Eines von Macrons Vorbildern: General Charles de Gaulle. Bild: Wikimedia

Der Ton wird rauer

Die Glaubwürdigkeit des Staatschefs leidet unter solchen Aktionen. Noch im Wahlkampf hatte er Reformen versprochen, verbunden mit einem modernen pragmatischen Regierungsstil. Seit dem Einzug in den Élysée benimmt sich der Ex-Banker aber ähnlich autoritär wie General Charles de Gaulle oder Sozialist François Mitterrand – beides erklärte Vorbilder Macrons.

Dabei wird der Ton auch mal rauer: «Katzenpisse ist das, was mir aus einigen eurer Vorlagen entgegenschlägt», rügte der Präsident unlängst seine Kabinettskollegen und forderte mehr persönlichen Einsatz statt vorgekauter Projekte. «Le Figaro» zitiert weiter: «Wenn Sie so weitermachen, sind Sie in sechs Monaten verschwunden.»

Disziplin fordert der Präsident auch von den 308 REM-Abgeordneten, viele von ihnen Neulinge im politischen Geschäft. Drei Dutzend Abweichlern, die vor Gericht gegen die neuen Statuten der Regierungspartei vorgehen, droht womöglich der Rauswurf. Die Folge: Macrons Führungsstil wird schon mit der autoritären «Hyper-Präsidentschaft» von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy verglichen.

Jetzt lenkt Macron ein. Vor den Haushaltsberatungen und der Liberalisierung des Arbeitsrechts, für die die Gewerkschaften einen «heissen Herbst» angekündigt haben, plant er eine Rundüberholung des Regierungsapparats: Die Arbeit im Parlament soll gestrafft, die 370'000 Menschen in der Parteibasis enger in die politische Willensbildung einbezogen werden.

Die angespannte wirtschaftliche Lage des Landes macht es dem neuen Präsidenten zusätzlich schwer. Während Macron hier auf eine Erholung hoffen muss, beweist er schon mal soziales Engagement. Erst setzte er sich öffentlich für Flüchtlinge ein: «Bis Dezember soll keiner mehr auf der Strasse kampieren.» Dann beschloss der Präsident die vorübergehende Verstaatlichung der STX-Werften von Saint-Nazaire und sicherte mit seiner Intervention mindestens 2500 Arbeitsplätze.

Schliesslich offenbarte der Staatschef sogar so etwas wie persönliche Einsicht: «Behalten wir den kritischen Blick auf das, was wir tun. Klappt etwas nicht, dann lasst uns nicht vergessen, dass nichts in Stein gemeisselt ist.»

Mehr Europa und weniger Beamte – das hat Macron mit Frankreich vor

Das könnte dich auch interessieren:

10 Fragen, die dem SBB-Kundendienst im Internet tatsächlich gestellt wurden 🙈

Stoppt die Essensdiebe! 9 Etiketten, die du brauchst, wenn du im Büro arbeitest

Vergesst Russland und USA: In Syrien droht ein Krieg zwischen Iran und Israel

Dreht Obama durch? Dieses Video zeigt eine der grössten Gefahren für Demokratien

«Ohne Fiat Money wäre unser Wohlstand undenkbar»

Liebe Baslerinnen und Basler, das passiert jetzt mit eurer BaZ ...

John Oliver attackiert die Schweiz – das sagt der Steuerexperte dazu

«Sitz, du Sau!» – Als Hockeybanausin am Playoff-Finalspiel

Hätten die Echo-Verantwortlichen doch diesen Film gesehen ...

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
11
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gonzolino_2017 02.08.2017 12:33
    Highlight Wen wunderts? Er wurde ja auch nur vom Ausland und den Medien gepusht - nur ist das in diesem Fall natürlich nicht das Gleiche wie wenn Russland mitmischt ...
    10 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 02.08.2017 08:16
    Highlight Minion zu Hause in Frankreich und Macron auf der weltweiten Showbühne. Wer schreibt ihm eigentlich die Agenda vor?
    5 2 Melden
  • Theor 02.08.2017 08:08
    Highlight Frankreich ist von Grund auf morbide und das schlimmste ist, die Franzosen checken es selbst nicht einmal. Sie glauben immer noch, sie seien die "Grand Nation", dabei sind sie ziemlich arbeitsfaul (35h Woche), gehen mit60 in Rente, wenn sie einmal Extraschichten arbeite müssten, gehen sie lieber auf die Strassen zum Demonstrieren. Dabei verlieren sie den Zusammenhalt total (Die ganzen französischen Ghettos sind die grössten Radikalisierungsbauten in ganz Europa) und sie glauben, dass EIN MANN, den sie Wählen, ihr ganzes faules System verbessern kann, ohne dass sie einbussen hinnehmen müssten.
    21 6 Melden
  • Spooky 02.08.2017 04:38
    Highlight Macron ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Leute wie ich, die einfach so abgehängt werden, werden in Frankreich das nächste Mal Leute wie Marine Le Pen wählen, weil wir nichts mehr zu verlieren haben, und aus Wut gegen die Einfamilienhäuschenlinkenundgrünen, wie jene Retrotrendluxuswatsonlinken.
    22 19 Melden
  • chicadeltren 02.08.2017 00:39
    Highlight Er macht also das Gegenteil von dem was er sagte. Quelle surprise!
    23 1 Melden
  • Radiochopf 01.08.2017 23:38
    Highlight Macron ist ein Blender und Showman, genau das was weltweit politisch an der Spitze Normalität ist.. er hat keine politische Erfahrung und ihm ist seine Ego-Show wichtiger als die Probleme seiner Bürger.. und schön wie der Spiegel nun schreibt, dass das Volk Macron als Retter gewählt haben und sozusagen selber Schuld sind.. dabei haben die Medien Macron zuerst als den Retter hochgejubelt, ohne das er was vorweisen konnte....
    23 0 Melden
  • DerTaran 01.08.2017 18:37
    Highlight Macron muss aufräumen, da kann er nicht jedermanns Darling bleiben.
    62 20 Melden
  • Boogie Lakeland 01.08.2017 17:49
    Highlight Bei Macron den selben Spruch wie bei Trump: Politische Ämter sollten von Leuten mit politischer Erfahrung ausgeführt werden (jaja, war kurz Minister).
    Macron ist mir zwar inhaltlich näher als der Typ von der Trumpet Show aber meine Meinung zu dem Thema bleibt.
    Wermuth ist (in meinen Augen) auch ein guter Politiker aber er wäre wohl ein ganz schlechter Manager/Patron.
    Umgekehrt ists halt auch nicht so leicht
    25 46 Melden
    • chicadeltren 02.08.2017 00:42
      Highlight Berufspolitiker sind die Schlimmsten. Die verlieren die Verbindung zum echten Leben.
      19 3 Melden
    • Boogie Lakeland 02.08.2017 07:39
      Highlight Würd ich so nicht sagen, aber sie erleben sicher nicht alle Aspekte vom “echten“ Leben.
      5 3 Melden
  • Gigi,Gigi 01.08.2017 17:16
    Highlight Pipi de Chat ist nicht eins zu eins Katzenpisse wie im Deutschen. Sondern heisst umgangssprachlich einfach soviel wie etwas, das keinen Effekt hat.
    83 4 Melden

Frankreichs Studenten legen seit Wochen den Lehrbetrieb lahm – sie sind wütend auf Macron

Seit einem Monat protestieren in Frankreich tausende Studenten gegen Emmanuel Macrons Reform der Studienplatzvergabe. Jetzt beginnt die Polizei mit Räumungen.

Blaulicht, Sirenen, Sperrgitter: Dutzende von Mannschaftswagen sind vor den Hochhaustürmen des Centre Pierre Mendès France aufgefahren. Kräfte der Mobilen Bereitschaftspolizei (CRS) patrouillieren vor dem Eingang der Pariser Hochschule an der Rue Tolbiac. Weitere Sicherheitskräfte sind auf den Terrassen positioniert.

Ein paar Hundert Meter weiter ist die Feuerwehr im Einsatz, ein Müllcontainer ist in Flammen aufgegangen, Rauchwolken verbreiten den Gestank von verbranntem Gummi. «Das erinnert …

Artikel lesen