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epa05443042 French Prime Minister Manuel Valls arrives at Elysee Palace for a meeting with Francois Hollande and religious representatives, in Paris, France, 27 July 2016. According to reports, two hostage takers were killed by the police after they took hostages at a church in Saint Etienne du Douvray on 26 July 2016. One of the hostages, a priest was killed by one of the perpetrators.  EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Bild: CHRISTOPHE PETIT TESSON/EPA/KEYSTONE

Kirchen-Attentäter trug Fussfessel: Frankreichs Regierungschef räumt «Versagen» der Justiz ein

Der Kirchenattentäter von Saint-Etienne-du-Rouvray trug eine elektronische Fussfessel, er war als radikaler Islamist bekannt – trotzdem konnte er Geiseln nehmen. Frankreichs Regierungschef kritisiert dafür nun die Justiz.

29.07.16, 11:31 29.07.16, 12:45


Ein Artikel von

Nach dem islamistischen Anschlag auf eine Kirche in Nordfrankreich hat Premierminister Manuel Valls Verfehlungen der französischen Justizbehörden eingeräumt.

Einen der beiden Attentäter mit einer elektronischen Fussfessel in den Hausarrest zu entlassen, sei «ein Fehler» gewesen – «das sollten wir anerkennen», sagte Valls der Zeitung «Le Monde». Die beteiligten Richter dürften aber «nicht für diesen Terroranschlag verantwortlich gemacht werden».

Trotzdem müssten die Justizbehörden ihren Umgang mit mutmasslichen Dschihadisten ändern und künftig «von Fall zu Fall» entscheiden, sagte Valls der Zeitung. Der Premierminister sprach sich zudem dafür aus, Moscheen zumindest für eine bestimmte Zeit zu verbieten, Geld aus dem Ausland anzunehmen. Imame sollten künftig in Frankreich ausgebildet werden. Auch das Verhältnis zum Islam insgesamt müsse überdacht werden, um «eine neue Beziehung» aufzubauen.

IS veröffentlicht weiteres Drohvideo des getöteten Attentäters

Seit Donnerstag ist klar, dass beide Angreifer auf die Kirche in Nordfrankreich den französischen Sicherheitsbehörden bekannt waren. Einer von ihnen, der 19-jährige Adel Kermiche, war wegen zwei fehlgeschlagener Reisen in das syrische Kriegsgebiet in Untersuchungshaft. Er wurde aber im März mit einer elektronischen Fussfessel in den Hausarrest entlassen.

In Frankreich gibt es bereits seit den Attentaten von Nizza am 14. Juli eine heftig geführte politische Debatte um Sicherheitsfragen. Sie hat sich nun durch die Aussagen Valls verschärft.

Kermiche und der ebenfalls 19-jährige Abdel Malik Petitjean hatten am Dienstag fünf Geiseln in der Kirche genommen. Sie töteten einen hoch betagten Priester und verletzten einen Gottesdienstbesucher schwer, bevor sie von Polizisten erschossen wurden. Die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) beanspruchte den Anschlag für sich. Die IS-nahe Agentur Amaq veröffentlichte ein Video, in dem die Kirchenangreifer IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi die Treue schwören.

In einem weiteren Video, das Petitjean zeigt und welches ebenfalls von Amaq veröffentlicht wurde, ruft er zu weiteren Attentaten in Frankreich auf. Petitjean spricht in dem knapp zweieinhalbminütigen Video Französisch und Arabisch. Er droht Frankreich, wobei er Präsident François Hollande und Premierminister Valls teilweise direkt anspricht. (cht/AFP)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Littlepage 29.07.2016 12:46
    Highlight 19-jährige Teeniebuben, die etwas auf dem Kerbholz haben, das eine Fussfessel nötig macht... da ist bereits viel früher schon einiges falsch gelaufen. Sie gehören nicht sich selber überlassen, die werden nicht von alleine auf die richtige Bahn kommen.
    24 5 Melden
  • 's all good, man! 29.07.2016 12:13
    Highlight Warum begreifen die das einfach nicht? Wenn Frankreich und andere Verbündete Hass und Zwietracht säen, werden sie weiterhin Hass und Zwietracht ernten. Da können sie noch so lange die Sicherheitsvorkehrungen hochfahren und Moscheen vorübergehend schliessen, es wird nichts nützen.

    Und das alles nur für Ressourcen, eine gesunde Wirtschaft und vermeintlichen Weltfrieden?
    14 34 Melden
    • Sanchez 29.07.2016 14:25
      Highlight Ja genau, die bösen Imperialisten aus dem Westen sind an allem Schuld.. Immer die selbe Leier! Für die sind wir nichts weiter als Kuffar. Nicht mehr und nicht weniger. Die interessiert es nicht, ob wir uns Öl oder andere Rohstoffe holen..
      14 10 Melden
    • Stachanowist 29.07.2016 14:58
      Highlight @ Saul Goodman

      Kannst du etwas spezifischer werden, wo genau Frankreich Hass und Zwietracht sät? Wenn du Argumente statt Phrasen bringst, können wir hier auch eine Diskussion führen. Das fände ich cool.
      16 7 Melden
    • karl_e 29.07.2016 16:00
      Highlight Hass und Zwietracht säen Frankreich et alii nicht gerade, aber sie tragen ein gerüttelt Mass an Schuld an den heutigen Zuständen. Was die USA und ihr Pudeli Grossbritannien in den letzten 70 Jahren im Nahen Osten alles anrichteten, kann unmöglich in einem einzigen Post aufgezählt werden! Es sei nur an die Zerstörung des Irak erinnert durch Bush, Cheney, Rumsfeld mit gütiger Mithilfe von Blair. Frankreich mischte mit und es hat ausserdem mit den Folgen seiner unseligen Kolonialpolitik zu kämpfen, nun vor allem halt in den Banlieus
      10 5 Melden
    • Fabio74 29.07.2016 16:29
      Highlight Die bösen Imperialisten sind Mitschuld. Ab 1916 spätestens mit dem Aufteilen und dem Einsetzen von Minderheiten zum Machterhalt. Dem Unterstützen diverser Diktaturen, Waffen und Ölgeschäfte.
      Und dann die Mitschuld all jener Länder im Nahen Osten die nicht fähig sind sich zu reformieren. Aber Machterhalt verhindert vieles
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    • 's all good, man! 29.07.2016 21:39
      Highlight Dass der Imperialismus die alleinige Schuld trägt, habe ich nicht geschrieben. Mir geht es darum, dass der Ansatz, lediglich die Sicherheitsvorkehrungen hochzufahren und vor Ort Bomben abzuwerfen, langfristig auch nicht den gewünschten Erfolg bringen wird. Und ja, es ist in höchstem Masse verlogen, wenn Staaten wie Frankreich und Konsorten den Terrorismus zwar bekämpfen wollen, gleichzeitig aber z.B. Waffen in die Krisenregionen, wo der Terror schlussendlich herkommt, liefert - wegen den Arbeitsplätzen und der Wirtschaft.

      Denkt langfristiger!
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    • 's all good, man! 29.07.2016 21:47
      Highlight @Stachanovist
      Hass und Zwietracht wird mit jeder einzelnen Bombe, die Frankreich (USA, UK, Deutschland, etc.) in den Krisenregionen abwirft. Sie mag Schuldige treffen, aber sie trifft auch unschuldige und jeder dieser Toten hat eine Familie, Verwandte und Freunde, die nach einem Grund suchen, warum ihr Mann, Bruder, Freund, Onkel sterben musste. Sie werden den Grund im bösen Westen finden und dieser liefert so den Nährboden für noch mehr Hass und Fanatismus.

      Das ist nicht sehr spezifisch, aber eigentlich ein bekannter Zyklus. Wir können das weiterhin ignorieren, müssten aber halt damit leben.
      2 0 Melden

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