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Hoodded and heavily-armed Corsican militants of the Corsican National Liberation Front-Historic Wing (FLNC) anounce early Monday Jan 26, 1998 an end to their 7-month old truce, saying France's Socialist-led government that took power last June has failed to meet their demands, during a clandestine news conference near Ponte Leccia, Upper Corsica.(AP Photo/Mediasud)

Drohen der Terrormiliz «IS»: Militante Separatisten der «FLNC» – das Bild zeigt eine Archivaufnahme von 1998.   Bild: MEDIASUD

«Und wehe, ihr greift unser Volk an»: Korsikas Separatisten drohen dem «IS»

Korsikas militante Nationalisten warnen Islamisten: Jeder Angriff werde gnadenlos gerächt. Einen Anschlag will die Untergrundorganisation bereits verhindert haben.

Stefan Simons, Paris



Ein Artikel von

Spiegel Online

Bisher sind Korsikas bewaffnete Separatisten eher als Gefahr für die innere Sicherheit Frankreichs aufgetreten. Jetzt geben sie sich erstmals als hehre Retter der Republik und einmal mehr als Beschützer der Mittelmeerinsel. Und zwar im Kampf gegen die Extremisten des sogenannten «Islamistischen Staat» («IS»).

In einer martialischen Mitteilung an die örtliche Tageszeitung «Corse Matin» droht eine Gruppe den radikalen Islamisten mit Rache: «Ihr müsst wissen, dass wir auf jeden Angriff gegen unser Volk, ohne zu zögern, eine unerbittliche Antwort folgen lassen.» Damit ist offenbar ein Angriff in Korsika gemeint. «IS»-Anhänger werden als «Prediger des Todes» bezeichnet, die einer «mittelalterlichen Philosophie» anhingen.

In der Botschaft, in der sich die Gruppe ausdrücklich auch «an den französischen Staat» wendet, erklärt sie, dank ihrer Hilfe sei im Juni ein Attentat vereitelt worden, «geplant an einem von vielen Menschen besuchtem Ort».

Frankreichs Auslandseinsätze im Visier

Unterzeichnet ist der Brief von der Untergrundorganisation FLNC vom 22. Oktober, was für «Korsische Nationale Befreiungsfront des 22. Oktober» steht. Die Splittergruppe gehört zum Spektrum der korsischen Separatisten und wurde 1975 gegründet.

Sie wehrten sich dagegen, dass ihre Insel, die Ludwig XV. dem Stadtstaat Genua 1768 abgekauft hatte, von Paris «kolonialisiert» und mit Hotelkomplexen und Protzvillen zubetoniert wurde. Jahrzehntelang kämpften sie mit Sprengstoffanschlägen auf Wohnungen und Ferienanlagen gegen die Vorherrschaft der Festlandsfranzosen und gegen Symbole des Zentralstaats wie Rathäuser und Polizeireviere.

The new logo of the car ferry

Die Insel wird heute eher mit Ferienfeeling denn militantem Separatismus assoziert – die Geschichte des korsischen Widerstands gegen Paris ist aber eine lange.  Bild: JEAN-PAUL PELISSIER/REUTERS

2014 beendete die Organisation den «bewaffneten Widerstand». Der Ableger FLNC des 22. Oktober war die letzte aktive Untergrundgruppe, sie erklärte im Mai einen Waffenstillstand.

Nun meldet sie sich wieder. Scharf kritisiert sie in ihrem Schreiben die militärischen Interventionen Frankreichs im Ausland. Das Land müsse aufhören, «der ganzen Welt Lektionen in Sachen Demokratie zu erteilen. Nur so kann Frankreich vermeiden, dass die Konflikte, die es überall sät, wie ein Bumerang auf den eigenen Boden zurückkommen.»

«Wir sind für den Kampf gerüstet»

Dennoch: Nicht weniger als eine «Schicksalsgemeinschaft» sei nötig, sollte sich der IS auf «unserem Boden» zu einem Anschlag bekennen, so die Organisation: «Siegen können wir nur gemeinsam.» Man sei für den Kampf gegen den IS «gerüstet».

Frankreich ist in den vergangenen Monaten immer wieder von Islamisten angegriffen worden. Zuletzt attackierten zwei IS-Anhänger am Dienstag eine Kirche in der Normandie und ermordeten einen Geistlichen. Am Nationalfeiertag, dem 14. Juli, war ein offenbar islamistisch motivierter Attentäter auf der Strandpromenade von Nizza in eine Menschenmenge gerast. Er tötete 84 Frauen, Männer und Kinder.

Westlich von Italien, südlich vom französischen Festland: Hier liegt Korsika

quelle: google maps

Die Mitteilung der militanten Separatisten vom Donnerstag richtet sich auch an Muslime, die auf Korsika leben und die sich klar gegen den radikalen Islam positionieren sollten. In der Lesart der FLNC-Gruppierung bedeutet dies, auf «betont auffällige religiöse Zeichen» zu verzichten und verdächtige Islamisten zu melden. «Bezieht Stellung an unserer Seite», fordert die Mitteilung, «indem ihr uns vom Abdriften arbeitsloser Jugendlicher berichtet, die zur Radikalisierung neigen könnten.»

Die Absender des Schreibens beschuldigen acht Imame, sie seien radikalisierte Islamisten, einer davon stehe gar als Informant in den Diensten der Polizei. Als Zufluchtsort von «Frustrierten, die einen fremdenfeindlichen Kampf» führen, will man sich nicht verstanden wissen. Man grenze sich von «faschistischen Ideologien» ab.

In jüngerer Zeit hat die Mittelmeerinsel Spannungen zwischen Korsen und muslimischen Einwanderern erlebt. Im Dezember vergangenen Jahres gab es tagelang antiarabische Krawalle in der Hauptstadt Ajaccio. Eine Gruppe junger nordafrikanischer Männer hatte zuvor in einem Problemviertel Feuer gelegt, um die Rettungskräfte in eine Falle zu locken und über sie herzufallen. Daraufhin gab es tagelang wütende Proteste samt «Araber raus»-Rufen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Paul_Partisan 29.07.2016 09:53
    Highlight Highlight Lustig, wie sich die FLNC als nationalistische Seperatisten Bewegung von "faschistischen Ideologien" distanziert. Genau die FLNC die gegen Algerische Einwanderer (genannt "Pieds-noirs") hetzte und diese mit Waffengewalt enteignen wollte...
    Ganz zu schweigen von all den unschuldigen Toten bei ihren Sprengstoff-Attentaten.
    Und ihr jubelt denen zu? Ist das euer ernst?
    • Fumo 29.07.2016 10:32
      Highlight Highlight Sie lehnen sich nicht gegen "Einwanderer" sondern gegen die Fr. Regierung die den Algerier aus Gewissensgründe Land auf Korsika schenkte, weil man sie nicht auf den Festland haben wollte. Verstehst du den Unterschied?
    • Rabbi Jussuf 29.07.2016 12:19
      Highlight Highlight Paul_Partisan
      Du weisst aber schon, dass "Pied-noir" Franzosen sind und nicht irgendwelche arabischen Algerier oder Berber.
  • ElendesPack 28.07.2016 23:33
    Highlight Highlight Ich mag die Korsen, hab ich schon immer getan. Die FLNC ist die einzige "Gentleman-Terroristen-Truppe" Europas. Wenn sie Ferienhäuser an der Küste sprengten, baten sie die Bewohner höflich hinaus, misshandelten sie nicht und taten ihnen nichts an. Sie fanden einfach, dass die Küste Korsikas allen Korsen gehöre.
    Gegen Frankreich selber waren sie immer kompromisslos und innerhalb Korsikas waren sie fast mafiös, was ihrem Ruf schadete.
    Dennoch: Diese Männer und Frauen haben eine Linie und ich denke, der IS wird auf Korsika schweren Zeiten entgegensehen.
    • exeswiss 29.07.2016 02:13
      Highlight Highlight "Gentleman-Terroristen-Truppe" *facepalm*
  • stalker 28.07.2016 23:12
    Highlight Highlight Ich muss gestehen, ich mag Korsika sehr. Und ich bin auch noch zu jung, als dass ich konkret Bescheid wüsste über die Konflikte und Machenschaften der FNLC in früheren Zeiten. Ich finde aber die Einstellung der Korsen in dieser Sache stark. Sie wehren sich dagegen, dass sich der IS auf ihrem kleinen Gebiet einnistet, gleichzeitig zeigen sie aber kein Hass gegenüber den 'normalen' Muslimen ('bezieht Stellung an unserer Seite', heisst doch, dass man die Muslime, welche sich gegen den IS stellen, akzeptiert). Und mit der Aussage bezgl. den franzsösischen Machenschaften bin ich voll einverstanden.
  • ezclips 28.07.2016 22:14
    Highlight Highlight Wem wollen die drohen? Das sind doch (IS Bubis) alles nur Feiglinge, Vergewaltiger und Kriminelle. Sobald es richtig zur Sache geht verkleiden sie sich als Frauen und hauen vom Schlachtfeld ab. Hilflose Frauen und Kinder zu überfahren, zu erschießen oder mit Ax und Messer zu attackieren um dann den großen Mann zu spielen zeigt doch ganz klar die kranke Persönlichkeit dieser feigen kriminellen. Die werden sich nie einem fairen Kampf stellen.
  • Domino 28.07.2016 21:52
    Highlight Highlight Ich denke das ist genau die Sprache die der IS versteht. "Greift ihr uns an, so leiden eure Leute."
  • Mnemonic 28.07.2016 21:28
    Highlight Highlight Besonders wenn man bedenkt wieviele unschuldige Leben der FLNC auf dem Gewissen hat...
    • Spooky 28.07.2016 21:45
      Highlight Highlight @Mnemonic
      Der FLNC verteidigt die Insel Korsika. Das ist alles. Das hätten die nordamerikanischen Indianer auch machen sollen, statt mit den Weissen zu verhandeln.

      Der FLNC ist keine Killerorganisation wie der IS.
    • Mnemonic 28.07.2016 22:23
      Highlight Highlight ÄH!!! frag mal sieben kleine Kinder in Ajaccio in den frühen 80er Jahren. Sorry Spooky!!!
    • Spooky 29.07.2016 01:10
      Highlight Highlight @Mnemonic
      Das geht natürlich nicht. Davon weiss ich aber nichts. Kannst du nähere Informationen geben?
  • Stachanowist 28.07.2016 21:01
    Highlight Highlight Das Wie der Rache bleibt leider ziemlich diffus. Wenn sie nach einem Terroranschlag wahllos auf konservativ-religiöse Muslime losgehen, unterstütze ich das nicht. Wenn sie aber nach Syrien reisen und dort sozusagen als korsisches Bataillon gegen den IS kämpfen, hätte ich keine Einwände.
    • Pasch 28.07.2016 21:12
      Highlight Highlight Gibt genug bekannte Orte, in denen radikalisiert wird, kein Anständiger verkehrt in diesen Lokalitäten. Rechtlich kann man dagegen wie so oft nichts unternehmen,.... das wird hässlich werden...
    • Domino 28.07.2016 21:57
      Highlight Highlight Hassprediger und Moslem, welchen die Scharia wichtiger ist als nationale Gesetze gibt es auch hier.
    • stalker 28.07.2016 23:04
      Highlight Highlight Warum sollten sie nach Syrien reisen und sich dort wehren? Ich bezweifle, dass es der Korsen ihr Ziel ist, den IS auszurotten. Das dass nicht möglich ist, wird der FLNC bewusst sein. Das einzige was sie tun können und wollen ist, ihre Insel und ihre Mentalität schützen und bewahren. Und dafür müssen sie bestimmt nicht nach Syrien.
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  • goschi 28.07.2016 20:58
    Highlight Highlight Habt ihr ernsthaft Google Maps mit der Position von Korsika eingebunden?
    *facepalm*

    Wollt ihr damit eure Leser als derart dumm bezeichnen, oder soll dies in einem ernsten thema ein völlig unpassender Spass sein? So oder so, wenig gelungen.
    • Spooky 28.07.2016 21:09
      Highlight Highlight @goschi
      Ich weiss nicht was du hast. Die Karte ist nötig. Die allermeisten jungen Schweizer verwechseln nämlich Korsika ständig mit Korfu.
    • goschi 28.07.2016 21:14
      Highlight Highlight Dann bitte in Zukunft in keinem Artikel mehr Fremdworte benutzen (oder sie umgehend erklären) und auch sonst jede Ortschaft per Karte aufzeigen, ich weiss zB. nicht, wo genau Oberwil-Lieli liegt, Karte bitte!

      Abgesehen davon, dass ich dieses "die meisten" einfach stark bezweifle, darf man auch auf die Selbständigkeit der user setzen.
      Oder aber eben, man hält sie für dumm und behandelt sie so...
    • Hoppla! 28.07.2016 21:31
      Highlight Highlight Man kann sich ja nun auch über Nichtigkeiten aufregen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sheez Gagoo 28.07.2016 20:46
    Highlight Highlight Erinnert mich an Hooligans gegen Salafisten.
  • Mnemonic 28.07.2016 20:40
    Highlight Highlight Schwierig zu Kommentieren. Kommt mir irgendwie vor, als ob hier der Teufel gegen den Belzebub kämpfen will...
    • Mia_san_mia 28.07.2016 20:50
      Highlight Highlight Sicher nicht. Jeder der gegen den IS kämofen will, ist gut!
    • Randy Orton 28.07.2016 21:00
      Highlight Highlight Billige Propaganda, nichts weiter. Als ob einer von denen gegen den IS kämpfen würde, wie denn in Korsika?
    • Pana 28.07.2016 21:01
      Highlight Highlight Wie genau kämpfen sie gegen den IS? Fliegen sie in den Irak?
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