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«Es ist mir nicht gelungen, eine Mehrheit der Wähler zu überzeugen», sagte Sarkozy am Sonntagabend. Bild: POOL/REUTERS

Frankreich: Sarkozy gibt sich geschlagen

20.11.16, 21:09 21.11.16, 12:46

Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy hat seine Niederlage bei der Vorwahl um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen eingeräumt. «Es ist mir nicht gelungen, eine Mehrheit der Wähler zu überzeugen», sagte Sarkozy am Sonntagabend.

Sarkozy gratulierte den früheren Premierministern François Fillon und Alain Juppé zum Einzug in die entscheidende Stichwahl. Er selbst werde am kommenden Sonntag für Fillon stimmen, sagte Sarkozy. Zugleich kündigte Sarkozy seinen Rückzug aus der Politik an.

Der frühere Premierminister François Fillon liegt in den Präsidentschafts-Vorwahlen in Frankreich klar vorn.  Bild: GONZALO FUENTES/REUTERS

Die beiden Ex-Regierungschefs lagen nach Auszählung von mehr als 80 Prozent der Wahllokale deutlich in Führung. Fillon kam demnach auf 44 Prozent der Stimmen, Juppé auf 28,1 Prozent. Sarkozy lag sieben Prozentpunkte dahinter. Frankreichs bürgerliche Rechte kürt ihren Kandidaten erstmals mit einer offenen Vorwahl.

Dem Sieger werden gute Chancen für die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr ausgerechnet. Umfragen lassen derzeit ein Duell zwischen der Front-National-Chefin Marine Le Pen und dem konservativen Bewerber erwarten – die Vorwahl ist damit eine wichtige Weichenstellung.

Plötzlich Fillon in Front

Über Monate hinweg hatten Umfragen ein Duell zwischen Juppé und Sarkozy vorhergesagt. Erst in den Wochen vor der Wahl hatte Fillon zu einer überraschenden Aufholjagd angesetzt und lag deutlich vorn. Der 62-jährige will Frankreich liberale Wirtschaftsreformen verordnen, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Juppé tritt etwas gemässigter auf und zielt eher auch auf Wähler aus der Mitte.

Sarkozy versprach, dass er den Sieger der Stichwahl unterstützen werde. «Ich habe keine Bitterkeit», sagte er. «Ich will nur das Beste für das Land.» Er rief seine Wähler auf, «niemals den Weg der Extreme zu wählen» – eine klare Warnung vor einer Stimme für die rechtsextreme Front National.

Die Beteiligung an der Vorwahl war nach ersten Angaben hoch ausgefallen. Eine Hochrechnung des Instituts Elabe für den Sender BFMTV ging insgesamt von 3,9 bis 4,3 Millionen Wählern aus. Als Sarkozy seine Niederlage anerkannte, waren die Stimmen von rund 3,2 Millionen Wählern ausgezählt.

Nach französischen Medienberichten hatten sich in vielen Wahllokalen lange Schlangen gebildet. Abstimmen konnte jeder Franzose, der im Wählerregister steht, zwei Euro Kostenbeteiligung zahlte und sich per Unterschrift zu den Werten der bürgerlichen Rechten bekannte. Diskussionen gab es im Vorfeld, inwieweit auch linke Wähler oder Anhänger der rechtsextremen Front National abstimmen könnten, um das Ergebnis in ihrem Sinne zu beeinflussen. 

Vorgezogene Präsidentschaftswahl

Der Abstimmung kommt eine besondere Bedeutung zu: Die konservativen Republikaner haben beste Chancen, bei der Präsidentschaftswahl im April und Mai 2017 den Sieg davonzutragen. Denn zum einen ist der sozialistische Amtsinhaber François Hollande so unbeliebt wie kein anderer Präsident in Frankreichs jüngerer Geschichte. Bei einer Kandidatur würde er Umfragen zufolge schon in der ersten Runde scheitern – wie jeder andere linke Kandidat auch.

Womöglich zieht Marine Le Pen in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl ein. Bild: CHARLES PLATIAU/REUTERS

Zum anderen dürfte Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen Partei Front National, zwar in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl einziehen. Dort hätte sie aber Meinungsforschern zufolge so gut wie keine Chancen auf einen Erfolg. Die Vorwahl gilt daher als eine Art vorgezogene Präsidentschaftswahl.

Zunächst hatte es nach einem Rennen zwischen Sarkozy und Juppé ausgesehen – am Freitagabend jedoch wurde eine Umfrage veröffentlicht, in der überraschend Fillon knapp an die erste Stelle rückte.

Sarkozy fährt Rechtskurs

Die sieben konservativen Präsidentschaftsanwärter waren während des Wahlkampfes in drei TV-Debatten gegeneinander angetreten. Insbesondere in wirtschaftspolitischen Fragen ähneln sich die Programme der Kandidaten: Alle wollen die 35-Stunden-Woche weiter lockern, Steuern und Abgaben für Unternehmen senken, die Staatsausgaben drastisch kürzen und dazu zahlreiche Beamtenstellen streichen.

Bei Fragen von Sicherheit, Einwanderung und Integration wurden dagegen Unterschiede zwischen den Kandidaten deutlich. So fährt Ex-Staatschef Sarkozy einen scharfen Rechtskurs, während sich Juppé und Fillon eher in der politischen Mitte verorten. (sda/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • zsalizäme 21.11.2016 11:27
    Highlight "Zum anderen dürfte Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen Partei Front National, zwar in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl einziehen. Dort hätte sie aber Meinungsforschern zufolge so gut wie keine Chancen auf einen Erfolg."

    Hat man das nicht auch über Trump gesagt?
    2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 21.11.2016 06:58
    Highlight Ein alter Mann, der nicht akzeptieren kann, dass seine Zeit vorbei ist.

    Gehemmt und gleichzeitig angetrieben durch seine Grösse (körperlich)... Die kleinen Männer sind die Schlimmsten....

    Hat ja noch genug reiche, zwielichtige Freunde, die ihm ein "Jöbli" zuschanzen können. Sonst kann er sich ja ein Beispiel an Gerhard Schröder nehmen (die gleiche arme Wurst).
    2 5 Melden
  • Beobachter24 20.11.2016 23:35
    Highlight Mal schauen ... vielleicht kommt er nochmals im 5 Jahren; er ist ja noch jung :-)
    24 4 Melden
  • schibu73 20.11.2016 22:53
    Highlight Habe ich das richtig gelesen, man muss dafür zwei Euro bezahlen um abstimmen zu können? Das nenn ich mal clevere Wahlkampfinanzierung! Ist die Welt verrückt geworden?
    23 18 Melden
    • FrancoL 20.11.2016 23:05
      Highlight Wieso? Fast jeder Zirkus verlangt einen Eintritt.
      71 0 Melden
    • Grégory P. 20.11.2016 23:24
      Highlight Die Primaire ist ein Partei-interne Angelegenheit und kein staatlichen Wahl. Bei 4 Mio Wählern müssen irgendwie die Kosten finanziert werden. In der Schweiz musst Du Partei-Mitglied sein, um deinen Liebsten Kandidaten auswählen zu dürfen, das kostet viel mehr als 2 Frs.
      54 1 Melden

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