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Gerichtshof für Menschenrechte erlaubt Sterbehilfe für Wachkoma-Patienten in Frankreich

Soll Vincent Lambert sterben? Ärzte und die Ehefrau des Wachkoma-Patienten wollen die künstliche Ernährung einstellen. Die Eltern des 38-Jährigen sind dagegen. Nun hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden.

05.06.15, 11:25 05.06.15, 13:32


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Sein Fall hat in Frankreich heftige Diskussionen ausgelöst – und seine Familie entzweit. Soll der Wachkoma-Patient Vincent Lambert passive Sterbehilfe erhalten? Nun hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) ein Urteil gefällt: Die künstliche Ernährung des 38-Jährigen darf eingestellt werden.

Der Grund für dieses höchstrichterliche Urteil ist das tiefe Zerwürfnis der Familie des 38-Jährigen über die Sterbehilfe-Frage. Die Ärzte hatten zusammen mit der Ehefrau Lamberts dafür entschieden, die künstliche Ernährung per Magensonde zu beenden. Auch mehrere seiner Geschwister sind dafür. Der Staatsrat, das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs, billigte im Juni 2014 diese Entscheidung.

Die Frau von Vincent Lambert hat vor Gericht gewonnen: Die künstliche Ernährung ihres Ehemannes darf eingestellt werden. Bild: VINCENT KESSLER/REUTERS

Lambert hatte bei einem Verkehrsunfall 2008 schwere Gehirnschäden erlitten. Nach Ansicht seiner Ärzte besteht keine Aussicht auf Besserung. Eine künstliche Lebensverlängerung um jeden Preis sei unzumutbar, hiess es in dem Staatsrats-Gutachten.

Doch die streng katholischen Eltern und zwei Geschwister des Patienten riefen den EGMR an. Sie betrachten einen Stop der lebensverlängernden Massnahmen als «verkappte Euthanasie». Deshalb machten sie unter Berufung auf die Europäische Menschenrechtskonvention einen Verstoss gegen das Recht auf Leben und das Verbot der Folter und unmenschlicher Behandlung geltend.

Die Mutter von Vincent Lambert bezeichnet den Stop der lebensverlängernden Massnahmen als Euthanasie. Bild: EPA/MAXPPP

Gesetzeslage in der Schweiz:

Die passive Sterbehilfe – also der Verzicht auf die Einleitung von lebenserhaltenden Massnahmen oder der Abbruch derselben – wird durch die Richtlinien der Akademie als zulässig beurteilt und in der Schweiz praktiziert.

ejpd.admin.ch

Problematisch ist in dem Fall, dass der frühere Krankenpfleger Lambert keine Patientenverfügung hat und sich nicht äussern kann. Nach Angaben seiner Frau hat er vor seinem Unfall lebensverlängernde Massnahmen abgelehnt. In Frankreich können Ärzte zusammen mit Angehörigen eine «Lebensverlängerung um jeden Preis» abbrechen und unheilbar Kranke am Lebensende «sterben lassen». 

wit/dpa/AFP/Reuters

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Maria B. 05.06.2015 19:48
    Highlight Und was lernen wir auch hierzulande daraus? Eine persönliche Patientenverfügung ist enorm wichtig und für die Endphase richtungsweisend, sei es für Angehörige, sei es speziell natürlich auch für die behandelnden Ärzte! Die PV soll präzise umfassen, was man im Endstadium, oder ohne Bewusstsein möchte, also z.B. keine unnötigen lebensverlängernden Massnahmen durch Magensonden, Herz- und Lungenmaschinen etc.etc. Viele Menschen denken leider viel zu spät über sowas nach.
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