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Indische Mutter sucht per Kontaktanzeige einen Ehemann für ihren schwulen Sohn – die heftigen Reaktionen wurden ihr dann aber zuviel

Harish Iyer soll endlich heiraten, so wünscht es sich die Mutter des 36-Jährigen. Die Inderin schaltete eine Anzeige, um nach einem geeigneten Ehemann zu suchen – trotz des geltenden Sexverbots für gleichgeschlechtliche Paare. Doch jetzt wird der Trubel zu viel.

22.05.15, 09:13 22.05.15, 10:40

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Padma Iyer hat recht klare Vorstellungen: Er sollte nicht jünger als 25 und nicht älter als 40 Jahre alt sein. Gut situiert wäre schön. Tiere sollte er mögen. Und beim Essen darauf achten, dass es vegetarisch ist. So sieht er aus, der perfekte Ehemann, den die Inderin für ihren 36-jährigen Sohn Harish sucht.

Iyer schaltete in Mumbai eine Kontaktanzeige. Nach Angaben der «Times of India» handelt es sich dabei um die erste homosexuelle Annonce in Indien. Die Zeitung wie auch andere Blätter hatten es abgelehnt, Iyers Gesuch zu drucken. Nur die Boulevardzeitung «Mid-Day» veröffentlichte es.

Bild: AFP

Gleichgeschlechtlicher Sex ist in Indien verboten: Laut einem 155 Jahre alten Gesetz, das noch von den britischen Kolonialherren stammt, wird «Geschlechtsverkehr gegen die natürliche Ordnung» mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. Der Grossteil der Inder hat konservative Einstellungen zu sexuellen Themen.

Doch gerade die junge Mittelklasse im Land öffnet sich - und spricht der suchenden Mutter und ihrem Sohn nun Mut zu. «Mein Freund Harish Iyer hat eine Rockstar-Mom», schreibt etwa ein Twitter-Nutzer. Auch die «Times of India» meint nun: «coole Mutter». Harish Iyer macht sich dem Bericht zufolge seit Jahren unter anderem für die Rechte von Homosexuellen stark. Die Regierung solle endlich das veraltete, repressive Gesetz loswerden, das die persönliche Freiheit einschränke, heisst es im Artikel.

«Ich werde alt», sagte Padma Iyer, 58, der Zeitung «Mid Day». «Bevor ich diese Welt verlasse, soll mein Sohn einen Partner finden. Einen männlichen.» Solle es tatsächlich zu einer Hochzeit kommen, will Harish dem Bericht zufolge ein veganes Fest feiern. Aber das hänge natürlich auch von den Wünschen seines Zukünftigen ab.

Die Anzeige seiner Mutter hat für viel Aufsehen gesorgt, in Indien, aber auch im Ausland. Doch das Interesse wird inzwischen offenbar zu viel. Auf Twitter schrieb Harish Iyer an die Medien gewandt: «Ihr sollt meine Mutter nicht belästigen. Sie kann mit dem Stress nicht umgehen.» Er selbst sei jedoch ab 19.30 Uhr zu erreichen.

aar/dpa

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Karl33 23.05.2015 20:01
    Highlight Wir Westler und westlichen Medien lieben sie, die starken progressiven Frauen die sich gegen das System und den Staat Indiens auflehnen. Dass aber dieselbe Frau in denselbem Inserat für ihren Sohn Preferenzen äussert, die auf einem hierarchischen Klassensystem aufbauen, passt natürlich nicht in diese Meldung. "IYER preferred", IYER sind Mitglieder der höchsten Kaste der Bhramin. Schwul ja, aber bitte doch keine aus niedrigeren, sozial tieferen Schichten: Klingt schon nicht mehr so fortschrittlich, nicht?
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