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Männlich, weiblich oder divers – In Deutschland gibt es bald ein neues Geschlecht

08.11.17, 14:34 08.11.17, 17:16

Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat neben «männlich» und «weiblich» einen weiteren Geschlechtseintrag im Geburtenregister wie etwa «divers» gefordert, um der geschlechtlichen Identität von Intersexuellen gerecht zu werden. Intersexuelle sind Menschen, die sich genetisch, hormonell oder anatomisch nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuordnen lassen.

Variationen im Chromosomensatz

Häufige Ursachen für Intersexualität oder auch sogenannte Zwischengeschlechtlichkeit sind Variationen im Chromosomensatz. Eine weibliche Geschlechtsidentität wird bestimmt durch zwei X-Chromosomen, eine männliche Identität durch die Kombination von einem X- mit einem Y-Chromosom. Uneindeutig wird das Körpergeschlecht dagegen, wenn etwa nur ein einziges X-Chromosom vorhanden ist.

Dieses sogenannte Turner-Syndrom führt zu einem äusseren weiblichen Erscheinungsbild und gilt als eine der häufigsten Ursache von Intersexualität. Es gibt aber auch die Variante von XXY-Chromosomen, dem sogenannten Klinefelter-Syndrom, mit einer äusserlich männlichen Geschlechtsausprägung. Daneben sind auch Variationen bei Geschlechtshormonen bekannt, die zu Intersexualität führen können.

Nicht mit Transsexualität verwechseln

Im Gegensatz zu intersexuellen Menschen sind Transsexuelle in ihrem biologischen Geschlecht eindeutig bestimmt. Diese biologischen Männer oder Frauen fühlen sich aber dem jeweils anderen psychischen Geschlecht zugehörig und streben teils über eine chirurgische oder hormonelle Therapie die Anpassung ihres Körpers an ihr psychisches Geschlecht an.

Eine körperliche oder seelische geschlechtsbezogene Zwischenstellung nehmen Transsexuelle in der Regel nicht ein. Es geht bei ihnen laut einer Stellungnahme des Deutschen Ethikrats aus dem Jahr 2012 um die «Zugehörigkeit zum männlichen oder weiblichen Pol, bei den Intersexuellen hingegen um eine Zwischenstufe».

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Video: srf

Diskriminierung, Benachteiligung und Gewalt

Der Stellungnahme zufolge ist die Lebensqualität von Intersexuellen im Alltag reduziert. «Diskriminierungs-, Benachteiligungs- und Gewalterfahrungen» spielten dabei eine wichtige Rolle.

Zudem beklagten Intersexuelle eine fehlende Aufklärung und Verwechslung mit Transsexualität, falsche medizinische Behandlung sowie Spott und Beleidigung. Es werde auch bemängelt, dass intersexuelle Menschen keinen Minderheitenschutz in der Gesellschaft genössen und sich als schutz- und würdelos erlebten. (sda/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • häfi der Spinat 09.11.2017 12:45
    Highlight Willkomen in der Realsatire des ganz alltäglichen Irrsinns in dem wir heute leben.
    3 3 Melden
  • α Virginis 09.11.2017 09:02
    Highlight Ein altes Problem, das endlich angegangen wird. Eine meiner Mitschülerinen seinerzeit war Intersexuell zur Welt gekommen. Damals war es gang und gäbe, dass solche, als Fehlgeburten klassifizierte Menschen einfach zum "Mädchen" umoperiert und anschliessend über lange Jahre mit Hormonen "behandelt" wurden. Dies hat die Lebenserwartung der Betroffenen um mindestens 20 Jahre verkürzt. Ich hoffe, dass dies so langsam in die Geschichte eingeht als Mittelalterliche Vorstellung davon, wie ein Mensch zu sein hat.
    4 1 Melden
  • derEchteElch 08.11.2017 19:32
    Highlight „Die Häufigkeit von Intersexualität wird in Deutschland auf ca. 0,1 bis 0,2 Prozent der Bevölkerung geschätzt.“

    Also etwa 150‘000 Menschen. Ja, das scheint schon die wichtigste Priorität zu sein, beinicht mal einem halben Prozent..
    10 12 Melden
    • Fabio74 08.11.2017 20:59
      Highlight und? auch 150000 Menschen haben Rechte verdient. im Übrigen schaffen die meisten Menschen mehrere Dinge parallel.
      Dazu gibt es immer 1000e wichtigere Dinge auf der Welt, um Minderheiten Rechte vorzuenthalten.
      7 5 Melden
    • α Virginis 09.11.2017 09:04
      Highlight Elch? Haben diese Menschen kein Recht auf ein eigenes Leben? Müssen sie weiterhin unterdrückt und versteckt werden?? Fragen über Fragen...
      3 5 Melden
    • derEchteElch 09.11.2017 12:32
      Highlight @Virginis; deiner Argumentation zufolge fordere ich eine weitere Geschlechterbezeichnung; Elch. Ganz einfach aus dem Grund (Zitat) „Recht auf ein eigenes Leben.“

      Sind deine Worte.
      2 2 Melden
    • Fabio74 09.11.2017 19:25
      Highlight @Elch: Warum muss man solche Dinge mit so dummen und saloppen Sprüchen mies machen?
      Sei froh, bist du nicht in dîeser Situation, in der diese Menschen stecken!
      Wo ist das Problem,. wenn man hilft Probleme zu lösen?
      Das widerliche Gejammer des weissen heterosexuellen Christen in diesem Land, sprich der Mehrheit aller Entscheider im Land, ist einfach nur lächerlich
      4 2 Melden
    • α Virginis 09.11.2017 20:49
      Highlight Elch, kannst es ja versuchen, allerdings stehen Elche unter Naturschutz, also hast Du keine Chance...
      0 1 Melden
  • smarties 08.11.2017 17:30
    Highlight 1. Endlich! Wichtiger Schritt zur Anerkennung!

    2. Bitte beachtet die Unterscheidung Transsexuell- Transgender

    3. Eine Ausführung zu "Gründe für Intersexualität" wäre toll - nicht nur Chromosomvarianten

    4. Gilt es auch für nicht-binäre? Also Menschen, die nicht Intersex sind, sich jedoch weder mit weiblich oder männlich identifizieren?
    6 7 Melden

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