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Von den Nazis getrennt: Eine Frau findet nach 71 Jahren ihre Mutter wieder

Margot Bachmann war nur wenige Wochen alt, als sie ihrer Mutter weggenommen wurde – einer italienischen Zwangsarbeiterin in Nazideutschland. 71 Jahre später haben sich die beiden Frauen nun wieder in die Arme geschlossen.

12.08.15, 14:24


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Vor sieben Jahrzehnten wurden sie auseinander gerissen, jetzt hat Margot Bachmann aus der Nähe von Frankfurt am Main ihre Mutter wiedergefunden. Die heute 91 Jahre alte Italienerin war während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiterin in Nazideutschland und hatte eine Beziehung mit einem deutschen Soldaten, wie der Internationale Suchdienst ITS aus dem hessischen Bad Arolsen mitteilte.

Die Nazis entzogen der Frau demnach kurz nach der Geburt des Kindes im Oktober 1944 die Vormundschaft. Sie ging nach Italien zurück und lebte in der Annahme, ihre Tochter und der deutsche Soldat seien am Ende des Zweiten Weltkriegs gestorben.

Sie wusste nicht, dass der Vater ihres Kindes bereits verheiratet war – so schildert es der ITS, ein Archiv- und Dokumentationszentrum über Verfolgungen zur Nazizeit und die befreiten Überlebenden.

Bachmann wuchs bei der Familie des Vaters auf – und stellte erst Jahrzehnte später Nachforschungen an. Sie wusste lediglich, dass ihre leibliche Mutter Italienerin war. Ihr Vater wollte sie glauben lassen, die Mutter sei gestorben. «Schon als Kind hatte ich das Gefühl, dass etwas daran nicht stimmte», zitiert der ITS die 1944 geborene Frau.

Die 91-jährige Gianna betrachtet das Familienalbum ihrer Tochter. Bild: dpa

Über den Suchdienst fand sie schliesslich ihre Mutter Gianna in Novellara, einer Kleinstadt in Norditalien. Das Treffen wurde auch vom italienischen Roten Kreuz begleitet. «Nie hätte ich zu hoffen gewagt, sie jemals in die Arme schliessen zu dürfen. Jetzt bin ich überglücklich, dass es ihr gut geht und wir uns kennenlernen können», sagte Bachmann.

In Novarella lernte sie auch weitere Verwandte kennen. «Heutzutage ist es ausserordentlich selten, dass sich Eltern und Kinder wiederfinden, die durch das NS-Regime getrennt wurden. Denn viele der NS-Überlebenden sind inzwischen verstorben», sagte ITS-Mitarbeiterin Friederike Scharlau, die das erste Familientreffen begleitete. (wit/dpa)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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