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Die Pride im Zentrum von Pristina. Bild: AP/AP

Erste «Gay Pride» im Kosovo – Hunderte marschieren trotz Anfeindungen für mehr Toleranz

Die LGBT-Community demonstrierte in der Hauptstadt Pristina gegen die Homophobie im jungen Balkanstaat. Staatspräsident Hashim Thaci zeigte sich ebenfalls, um seine Unterstützung zu bekunden. Religiöse Kreise bezeichneten die Veranstalter zuvor als «krankhaft» und «zerstörerisch».

11.10.17, 15:46

Am Dienstag versammelten sich mehrere hundert Demonstranten auf dem Skanderbeg-Platz im Zentrum Pristinas. Zu Musik von Beyoncé und der aus dem Kosovo stammenden, britischen Pop-Sängerin Dua Lipa bewegte sich der Marsch über den Mutter-Teresa-Boulevard zum nahen Zahir-Pajaziti-Platz.

Zu Beginn der Demo mit dem Motto «In the Name of Love» machte Staatspräsident Hashim Thaci den Demonstranten seine Aufwartung. Er sei gekommen, um seine Unterstützung für die LGBTI-Community auszudrücken, berichtet «Prishtina Insight». Alle Gemeinschaften im Kosovo seien gleichgestellt. Staat und Gesellschaft basierten auf Freiheiten und gleichen Rechten für alle, sagte Thaci.

Weitere kosovarische Politiker sowie ausländische Diplomaten, unter ihnen US-Botschafter Greg Delawie, nahmen am Marsch teil. Organisiert wurde die Demo von den NGOs «Kosovo Centre for Equality and Liberty» und «Centre for Social Group Development». 

«Wir sind sehr stolz, die erste Pride in der Geschichte des Kosovo durchzuführen», sagte der Aktivist Lendi Mustafa gegenüber «Pristhina Insight». Er erhebe seine Stimme auch für diejenigen, welche nicht teilnehmen könnten.

Im Hinblick auf die angekündigte Parade waren bei verschiedenen Medien anonyme Mails mit Drohungen gegen die Teilnehmer eingegangen. Hasserfüllte Äusserungen setzte in einem unterdessen wieder gelöschten Facebook-Eintrag der Anführer der religiösen Kleinpartei «Fjala» ab – sie holte bei den letzten Wahlen knapp 1 Prozent der Stimmen und verpasste den Einzug ins Parlament.

«Homosexuelle zerstören unser Land und unser Volk», schrieb Parteichef Gezim Kelmendi. «Sie verbreiten diese Krankrheit in unserem Land und stellen sie im Namen der Demokratie als etwas Normales dar.» Wie das «Balkan Investigative Research Network» (BIRN) berichtet, äusserten sich auch zwei Imame mit hasserfüllten Videos zur «Gay Pride»

Gemäss der Menschenrechtsaktivistin Teuta Hoxha aus Pristina missbrauchen religiöse Würdenträger regelmässig das Recht auf freie Meinungsäusserung für diese Art von «hate speech». «Angesichts der ethnischen und religiösen Bruchlinien spielt ‹hate speech› eine wichtige Rolle beim Anheizen von Spannungen»,  sagte Hoxha gegenüber BIRN.

Kosovo sei ein sehr homophobes Land, weshalb man mit solchen Kommentaren gerechnet habe, sagte ein Sprecher des  «Kosovo Centre for Equality and Liberty» zu «Prishtina Insight»: «Genau aus diesem Grund braucht Kosovo eine Pride – damit diese Leute direkt mit der LBGT-Bewegung konfrontiert werden.»

Die Parade ging ohne Zwischenfälle vonstatten, obwohl sich am Rande des Mutter-Teresa-Boulevards einige Gegendemonstranten mit Protestschildern aufgestellt hatten. In vergangenen Jahren fanden anlässlich des «internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie» ebenfalls Versammlungen statt – eine «Gay Pride» hatte es bisher jedoch noch nie gegeben.

Die aktuellen Ausgabe des jährlichen Berichts der «International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans & Intersex Association» (ILGA) untersuchte die Menschenrechtslage von LGBT-Menschen  in 49 europäischen Ländern. Dort liegt Kosovo auf Rang 27, einen Platz hinter der Schweiz.

Bunt, laut und schrill: Das Zürcher Pride Festival

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Video: srf/SDA SRF

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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22
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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sir Konterbier 11.10.2017 22:17
    Highlight War mir gar nicht bewusst wie nahe mir der Kosovo eigentlich ist. Ich bin weder Kosovare noch war ich jemals da.

    Aber durch meine Secondo-Kollegen hat sich echt eine gewisse Verbundenheit und ein Interesse für das Land gebildet😅🤷‍♂️

    Daumen hoch auf jeden Fall👍
    25 7 Melden
  • Lezzelentius 11.10.2017 21:31
    Highlight Es scheinen, gemessen an den Kommentaren, doch einige Albaner Watson zu lesen.
    23 4 Melden
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 11.10.2017 19:25
    Highlight «Homosexuelle zerstören unser Land und unser Volk», schrieb Parteichef Gezim Kelmendi.

    Äh, und ich dachte immer, diese Gefahr ginge primär von Velofahrer und Vegetarier aus?
    29 6 Melden
    • raues Endoplasmatisches Retikulum 11.10.2017 20:55
      Highlight Achtung Sarkasmus!
      8 3 Melden
  • Amanaparts 11.10.2017 18:34
    Highlight Bravo! Der Weg zur Gleichberechtigung jeglicher Minderheiten ist sicher noch weit aber jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt. Bin stolz auf mein junges Heimatland 🇽🇰👐🏿
    45 5 Melden
  • Beri_sha_24a 11.10.2017 17:25
    Highlight Einfach nur stolz!
    52 6 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.10.2017 16:32
    Highlight "Dort liegt Kosovo auf Rang 27, einen Platz hinter der Schweiz."

    Ist die Schweiz so weit hinten???
    57 3 Melden
    • Prolet Biertrinker 11.10.2017 17:16
      Highlight Jup :)
      22 3 Melden
    • purzelifyable 11.10.2017 17:23
      Highlight Ist sie. Es gibt bei uns weder die Ehe für alle noch ein Antidiskriminierungsgesetz, das die sexuelle und geschlechtliche Identität einschliesst.
      44 8 Melden
    • Tikvaw 11.10.2017 19:15
      Highlight Bei diesem Ranking der ILGA wurde der Schwerpunkt auf juristische Fragen gelegt.
      18 2 Melden
    • Chris Olive 11.10.2017 20:45
      Highlight Wir nehmen bekannterweise nicht mal die Attacken, welche sich gezielt gegen LGBTI*-Menschen richten, separat auf...

      Ein sehr schönes Zeichen aus dem Kosovo für die ganze Welt. :)
      25 4 Melden
  • Lindaa 11.10.2017 16:30
    Highlight Respekt! Als Landsfrau, weiss ich, dass das definitiv Eier braucht, sich bei uns zu outen!
    71 7 Melden
    • Mia_san_mia 11.10.2017 19:58
      Highlight Oh ja, das kann ich als Landsmann bestätigen...
      17 3 Melden
    • felixJongleur 11.10.2017 22:12
      Highlight Mia und ich dachte immer Du bist Bayer :))
      11 3 Melden
  • Polaroid 11.10.2017 16:21
    Highlight Hut ab! Das braucht Mut und den Mutigen gehört bekanntlich die Welt. Top
    67 6 Melden
  • Radesch 11.10.2017 16:15
    Highlight Krass und das nur 8 Jahre nach Erklärung seiner Unabhängigkeit und trotz bedeutend wichtigerer Probleme. Respekt Kosovo!

    Kosovo ist ein gutes Beispiel für ein Land mit Muslimischer Mehrheit wo Kirchen und Moscheen Seite an Seite stehen können und die Leute sich nicht gleich umbringen.

    Zum Glück strebt Kosovo eine säkulare Staatsstruktur an. Staat und Religion gehören einfach getrennt.
    112 12 Melden
    • phreko 11.10.2017 17:39
      Highlight Albanien, Kosovo's grosser Bruder, ist durch den Kommunismus äusserst säkularisiert worden, womit die Entwicklung im Kosovo ziemlich nachvollziehbar ist.
      24 3 Melden
    • Lezzelentius 11.10.2017 21:30
      Highlight Albanien wurde zwar durch den Kommunismus säkularisiert, das ist aber mehr eine "formale" Angelegenheit gewesen. Historisch und kulturell hatte Religion in den albanischen Stämmen einen geringen Stellenwert.
      21 0 Melden
    • Waedliman 12.10.2017 09:07
      Highlight Falsch: Religionen gehören abgeschafft!
      6 4 Melden
  • tkey 11.10.2017 16:08
    Highlight Endlich mal gute Nachrichten von meiner Heimat. Macht mich nun doch seit langem wieder stolz. Sogar der Ministerpräsident ist mit dabei 👍🏻
    92 6 Melden
    • Marshawn 11.10.2017 16:44
      Highlight 👏🏻
      30 2 Melden
  • Tropfnase 11.10.2017 16:03
    Highlight Respekt! Bravo, dazu gehört viel Mut!
    63 6 Melden

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