International

Der Wunsch nach Unabhängigkeit bei den Katalanen ist nach wie vor gross. Bild: EPA/EFE

Noch diese Woche: Carles Puigdemont soll vor Gericht erscheinen

31.10.17, 19:50 01.11.17, 06:32

Der angeklagte katalanische Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont und weitere Führungsfiguren sollen am Donnerstag und Freitag vor Gericht in Spanien erscheinen. Die 14 Angeklagten sollen zudem innert drei Tagen den Betrag von 6,2 Millionen Euro hinterlegen.

Dies teilte die Richterin Carmen Lamela am Dienstag mit. 6,2 Millionen Euro sind die geschätzten Kosten des für illegal erklärten Unabhängigkeitsreferendums vom 1. Oktober.

«Wenn man Unabhängigkeit ausruft, bleibt man besser in der Nähe seines Volkes.»

Belgiens Vize-Premierminister Kris Peeters

Puigdemont befindet sich derzeit in der belgischen Hauptstadt Brüssel. «Ich bin nicht hier, um Asyl zu beantragen», sagte er am Dienstagnachmittag in Brüssel.

In Spanien setzte derweil das Verfassungsgericht die Unabhängigkeitserklärung Kataloniens aus. Das Gericht gab einem entsprechenden Antrag der spanischen Zentralregierung statt, wie aus Justizkreisen verkündet wurde.

Das Regionalparlament in Barcelona hatte am Freitag die Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens erklärt. Katalonien steht derzeit unter Zwangsverwaltung aus Madrid.

Hauptquartier durchsucht

Einheiten der spanischen Guardia Civil durchsuchten ebenfalls am Dienstag das Hauptquartier der katalanischen Polizei. Ein Sprecher der Guardia Civil sagte, die Beamten seien in das Hauptquartier der Mossos d'Esquadra in der Stadt Sabadell bei Barcelona eingedrungen.

Es gehe um das Verhalten der katalanischen Polizei am 1. Oktober, dem Tag des von Madrid verbotenen Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien, sagte der Sprecher.

Carles Puigdemont in Belgien. Bild: EPA/EPA

Madrid wirft den katalanischen Mossos d'Esquadra vor, nicht wie rechtmässig verlangt eingeschritten zu sein. Auch andere Kommissariate der katalanischen Polizei würden durchsucht, sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Noch ist unklar, wie lange Puigdemont und ein Teil seiner separatistischen Mitstreiter in Belgien blieben werden. Das komme auf die Umstände an, sagte der Ex-Regionalpräsident an einer Medienkonferenz weiter. Wenn ihm aber bestimmte «Zusicherungen» gemacht würden, werde er nach Katalonien zurückkehren.

Puigdemont akzeptiert Wahlen

Die Staatsanwaltschaft in Spanien hatte am Montag Anklage gegen Puigdemont und weitere Mitglieder der abgesetzten Regionalregierung erhoben. Ihnen werden Auflehnung gegen die Staatsgewalt, Rebellion und Unterschlagung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Im Fall einer Verurteilung droht ihnen eine langjährige Haftstrafe.

Puigdemont erklärte sich am Dienstag zudem bereit, die von der Zentralregierung angesetzte Wahl am 21. Dezember zu akzeptieren. Doch will er seine Politik weiter führen: «Wir wollen unsere Politik im Herzen Europas vorantreiben.» Wenn es aber nötig sei, dass die Entwicklung hin zur Unabhängigkeit verlangsamt werde, dann sei dies «ein vernünftiger Preis».

Der belgische Vize-Premierminister Kris Peeters kritisierte Puigdemont wegen seiner Belgien-Reise. «Wenn man Unabhängigkeit ausruft, bleibt man besser in der Nähe seines Volkes», sagte Peeters dem Sender VRT. In Belgien gibt es eine starke flämische Unabhängigkeitsbewegung. (sda/dpa/reu/afp)

Barça spielt vor leeren Rängen

Katalonien erklärt Unabhängigkeit – und setzt sie aus

49s

Katalonien erklärt Unabhängigkeit - und setzt sie aus

Video: srf

Katalonien

Razzia der Guardia Civil im Hauptquartier der katalanischen Polizei

Diese Frau hat den härtesten Job Europas

Staatsanwaltschaft klagt Puigdemont an – dieser setzt sich nach Belgien ab

Warum gerade Belgien? Die 8 wichtigsten Fragen und Antworten zu Puigdemonts Flucht

«Das ist eine Kriegserklärung!» – spanische Beobachter warnen vor «katalanischem Maidan»

Auf Youtube ist die Propaganda-Schlacht um Katalonien entbrannt

Kein Showdown in Barcelona: Es kehrt Ruhe ein im Epizentrum des Katalonien-Konfliktes

Keine Einigung in Sicht: Kataloniens Behörden wollen Weisungen aus Madrid nicht folgen

Wie weiter in Spanien? 5 Dinge, die du wissen solltest

Ganz Katalonien fragt sich: Was versteht Spanien unter «die notwendigen Mittel ergreifen»?

Spanien bereitet Machtübernahme in Katalonien vor – und will im Januar Neuwahlen

Ruft er die Unabhängigkeit Kataloniens aus, droht Puigdemont Festnahme

Haftbefehl gegen Separatistenführer entzürnt Katalonien: «Das ist Barbarei!» 

Spanien schraubt wegen Katalonien-Krise Wachstumsprognosen herunter

Streit um Unabhängigkeit: Spanien setzt Katalonien letzte Frist

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ujay 01.11.2017 03:54
    Highlight Puigdemont, in seiner überheblichen Selbstüberschätzung, hat noch immer nicht rausgefunden, dass er keine Bedingungen stellen kann. Wenn er nicht zum gewünschten Termin in Madrid erscheint, stellt Spanien einen Antrag auf Auslieferung Puigdemonts und seiner Optimistentruppe von Belgien. Das übliche internationale Verfahren.
    1 1 Melden

Demo für unabhängiges Katalonien auf dem Bundesplatz

Und das ist die Vorgeschichte dazu:

Die katalanische Regierung hatte am 1. Oktober ein von spanischen Gerichten als illegal erklärtes Referendum durchgeführt. Die spanische Polizei prügelte auf Wähler ein. Bei tiefer Stimmbeteiligung sagten 90 Prozent Ja zu einer eigenständigen Republik Katalonien.

Am 10. Oktober rief Katalanen-Präsident Puigdemont die Republik aus, suspendierte sie aber sogleich zugunsten eines Dialoges mit Madrid. Dieser fand nicht statt. Stattdessen aktivierte die …

Artikel lesen