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Verlässt den Nationalrat nach 18 Jahren: Peter Pilz verlässt die Pressekonferenz in Wien, an der er zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung genommen hat.  Bild: EPA/EPA

Sexuelle Belästigung  – in Österreich tritt der abtrünnige Grüne Peter Pilz zurück

An den Vorfall habe er keine Erinnerung, dennoch zieht er Konsequenzen: Peter Pilz wird nach massiven Vorwürfen sein Parlamentsmandat nicht antreten. Der Politiker soll eine Frau bedrängt haben.

04.11.17, 12:36

Ein Artikel von

«Seine Hände waren überall»: Eine Frau hat in der österreichischen Zeitung «Falter» Politiker Peter Pilz schwer belastet. Bei einer Veranstaltung vor vier Jahren soll der Ex-Grünen Politiker und Begründer der «Liste Pilz» die Frau gegen ihren Willen angefasst haben. Der 63-Jährige erklärte nach übereinstimmenden Medienberichten, sein Mandat im Nationalrat nicht annehmen zu wollen.

An den Vorfall im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach im Jahr 2013 habe aber keine Erinnerung. Das teilte er bei einer Pressekonferenz mit. Dort sagte er, bei den Aussagen der Frau handele es sich um «sehr schwerwiegende Vorwürfe». Aber: «Ich habe in der Politik und im Parlament immer klare Massstäbe gesetzt und diese gelten selbstverständlich auch für mich».

Auch ihm wird sexuelle Belästigung vorgeworfen: Kevin Spacey

Demnach halte er die Vorwürfe auch für glaubwürdig, weil zwei Zeugen den Vorfall beobachtet hätten. Zwei Männer hatten den Politiker, der kürzlich mit seiner Liste bei der Nationalratswahl acht Mandate gewinnen konnte, laut «Falter»-Bericht auf der Veranstaltung vor vier Jahren von der Frau weggezogen.

Zuvor hatten österreichische Medien von weiteren Fällen berichtet: Laut Wiener «Presse» warf eine frühere Mitarbeitern Pilz verbale und körperlich sexuelle Belästigungen vor. Der Fall war demnach auch in der Geschäftsführung der Grünen-Fraktion behandelt worden, gelangte auf Wunsch der Betroffenen aber nicht an die Öffentlichkeit. Pilz bestritt die Vorwürfe.

Nach einem Zerwürfnis mit den Grünen hatte Pilz eine eigenen Partei gegründet. Mit der Liste «Pilz» zog er bei Nationalratswahl ins Parlament ein - im Gegensatz zu den Grünen.

mho

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22
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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Uroly 04.11.2017 23:06
    Highlight Don't you want me?
    1 0 Melden
  • Juliet Bravo 04.11.2017 21:19
    Highlight Derweil die USA einen Glüschtler Präsident ist...
    7 3 Melden
  • LYX 04.11.2017 18:03
    Highlight Im Nachhinein betrachtet hat es Kachelmann absolut richtig gemacht und die haltlosen Anschuldigungen konsequent bekämpft. Nur leider ist er trotzdem für das ganze leben, obwohl schuldlos, gestempelt.
    8 3 Melden
  • Concertino 04.11.2017 17:17
    Highlight Es gilt bei Anschuldigungen von Sexualdelikten offensichtlich keine Unschuldsvermutung...wer beschuldigt wird fliegt raus. War es früher eine Zumutung, einen Übergriff melden zu müssen so ist es heute eine Zumutung sich so leicht beschuldigen lassen zu müssen.
    19 5 Melden
    • Mutzli 04.11.2017 18:20
      Highlight Auch hier, im Artikel selber stehts: Zwei Männer eilten einem der Opfer zu Hilfe, bestätigten Aussage, Pilz gab es selbst zu, ist zurückgetreten.
      Also absolut kein Problem punkto Unschuldsvermutung (die sowieso nur in der eigentlichen Rechtssprechung zum tragen kommt), sondern Geständnis des Täters. Das Sie jedoch trotzdem davon ausgehen, es sei alles noch unbewiesen und nehme überhaupt überhand, ist wenn schon ein Zeichen dafür, dass es immer noch eine Zumutung ist, einen Übergriff zu melden.
      4 7 Melden
    • Jein 04.11.2017 19:02
      Highlight Es steht ja nicht Aussage gegen Aussage, sondern gibt zwei Zeugen... Und ein Unschuldiger würde sicherlich nicht gleich mit einem Rücktritt reagieren.
      3 4 Melden
  • olmabrotwurschtmitbürli 04.11.2017 15:26
    Highlight Ist das der neue Ablauf?
    1. Eventuelles Opfer beschuldigt Prominenten einige Jahre später.
    2. Prominenter erinnert sich nicht daran, spricht aber eine Eventualentschuldigung aus.
    3. Prominenter muss zurücktreten.

    19 10 Melden
    • Mutzli 04.11.2017 17:20
      Highlight Gar nix mit neuem Ablauf: Gemäss Artikel ist das ja bei weitem nicht die erste Anschuldigung und er gibt es ja sogar zu, Zeugenaussagen sei dank. Wenn schon ist es ein weiterer Fall der in das Muster von möglichst-ignorieren-und-verschweigen-obwohl-offenes-Geheimnis passt, bis jetzt glücklicherweise der Dammbruch kam. Gibt auch bei uns ähnliche Fälle, wie z.B. die Diskussion um Alexander Tschäppät vor ein paar Jahren. Da wars auch schon seit langem bekannt das er ein "Grüsel" sei und das sag ich als SP-Mitglied.
      10 12 Melden
  • Angelo C. 04.11.2017 12:56
    Highlight Dieser sagenhafte plötzliche Anstieg weltweiter Beschuldigungen angeblicher und tatsächlicher sexueller Übergriffe, dies meist erst nach langen Jahrzehnten und im Gefolge Anderer, ist sehr oft reine Wichtigtuerei.

    Hassanfeindung durch Neid oder reine Geldgier, da noch was rauspressen zu können. Aber auch das Lechzen nach einem imaginären Opferbonus spielt oft eine Rolle...

    Dieser neuzeitliche Ersatz mittelalterlicher Hexenjagd, wird im Laufe der Zeit weisen, wo es hinführt, wenn man JEDERMANN beschuldigen und sozial ruinieren kann - dies meist ohne jede Konsquenzen für die Urheber 🤔!
    82 26 Melden
    • satyros 04.11.2017 14:29
      Highlight Er hat das Ganze ja quasi zugegeben. Finde es gut, dass hier langsam eine Nulltoleranzpolitik Einzug hält.
      13 16 Melden
    • Buff Rogene 04.11.2017 15:06
      Highlight "ist sehr oft reine Wichtigtuerei..."

      woher weisst Du das? Ich finde das Deinerseits anmassend.

      "Neid...reine Geldgier...noch was rauspressen"

      Top Menschen(Frauen?)bild. Bisher war es doch eher so, dass Schweigegeld geflossen ist, wie bei Weinstein? Ich verstehe den Punkt inhaltlich nicht.

      "Lechzen nach imaginären Opferbonus"...

      Wieso? Jeder weiss doch, dass Opfer die Gefahr eingehen, in den Kommentarsektionen und öffentlich niedergemacht zu werden, wie das durch Dein post exemplarisch aufgezeigt wird?

      Wer sollte sich sowas freiwillig antun?????


      16 21 Melden
    • FrancoL 04.11.2017 15:13
      Highlight Ja würde jede Handlung eines Menschen immer mit der Auswirkung derselben gemessen und dann die Konsequenz gefordert, dann wäre das was heute in Sachen sexueller Belästigung der wohl kleinste Teil von Einforderungen von Konsequenzen.
      Darum verstehe ich nicht ganz was das mit Hexenjagd zu tun hat. Wir sollten in einer modernen Gesellschaft das tragen von Konsequenzen zum obersten Ziel haben.
      12 12 Melden
    • Juliet Bravo 04.11.2017 15:25
      Highlight Ich finde es begrüssenswert, dass Missbrauchsfälle heute nicht mehr immer verschwiegen werden. Und die Taten nicht mehr unter ´Kavaliersdelikt´ abgetan werden oder dafür gar den Opfern die Schuld gegeben wird. Dass das auch vor mächtigen Personen wie Weinstein, oder Herrn Pilz halt macht, sehe ich überhaupt nicht als Hexenjagd sondern als notwendig an.
      15 12 Melden
    • pete.waterman 04.11.2017 15:48
      Highlight Ich erinnere mich an die Verleumdung gegen Andreas Türk, wo nachträglich dessen Unschuld bewiesen wurde. Jedoch TV-Karriere für immer futsch. Von Kachelmann ganz zu schweigen.
      30 5 Melden
    • Charalar 04.11.2017 16:23
      Highlight Kannst du dir vorstellen, was das für ein Gefühl ist, überraschend von einem Mann bedrängt, betatscht oder sonstige belästigt zu werden - meist in einer Situation, bei der Aussage gegen Aussage steht? Die meisten Frauen haben bis jetzt lieber den Mund gehalten und versucht, die Sache zu vergessen. Nun scheint der Damm gebrochen, und das Ausmass der Übergriffe kommt ans Licht. Die Zahl ist nur für Männer überraschend.
      12 20 Melden
    • FrancoL 04.11.2017 16:40
      Highlight @Charalar; Wieso soll die Zahl der Uebergriffe nur für Männer überraschend sein. Sie sollte es vor allem auch für Frauen sein.
      5 7 Melden
    • Mutzli 04.11.2017 17:25
      Highlight Wennschon ist es wohl ein sagenhafter (und deshalb anscheinend lang überfälliger) Anstieg der Enthüllungen über sexuell missbräuchliches Verhalten von Prominenten. Bei Weinstein und Spacey ists offensichtlich stichhaltig genug, dass die Polizei Ermittlungen aufgenommen hat, während andere wie Michael Fallon oder dieser Pilz, die Übergriffe zugeben mussten und deshalb zurücktraten. Bis jetzt kann ich da beim besten Willen das Problem nicht sehen. Falls Sie ein Problem mit der Anzahl der Enthüllungen haben: Gut so, denn der Status Quo war katastrophal, man sehe schon nur die off. Statistiken an.
      5 11 Melden
    • Herzquotient 1.24 (-0.02) 04.11.2017 18:01
      Highlight Total daneben, Angelo C.. Ohne irgendwelche Belege ein pauschales Opferbashing rauslassen und dafür Täter zu Opfern machen... Diese Zeiten sind nun langsam vorbei.
      6 9 Melden
    • Juliet Bravo 04.11.2017 19:10
      Highlight FrancoL, wieso sollte es für Frauen überraschend sein? Charalar führt ja aus, dass die meisten Frauen irgendwann mal eine mehr oder minder krasse Erfahrung mit Belästigungen bis hin zu Missbrauch in ihrem Leben machen.
      4 5 Melden
    • Juliet Bravo 04.11.2017 21:16
      Highlight Mutzli👏👏👏
      3 7 Melden
    • Charalar 04.11.2017 21:45
      Highlight @FrancoL
      Die meisten Frauen wurden entweder selbst belästigt oder kennen Frauen, die eine entsprechende Erfahrung gemacht haben. Entweder direkt durch körperliche Dominanz des Mannes oder durch verbale Nötigung (Autoritätsgefälle). Während Männer sich verwundert die Augen reiben und gleich falsche Anschuldigungen vermuten, sind viele Frauen erleichtert, dass die Wahrheit ans Licht kommt.
      4 8 Melden
    • FrancoL 05.11.2017 08:33
      Highlight @Charalar; ist doch herrlich wie man das Bild des angreifenden Mannes prägt. Ja den gibt es und das verurteile ich schärfstens. Aber kann man wirklich nur den Männern die Schuld geben? Ist es wirklich nur so, dass es grundlose eigenmächtige Angriffe der Männergilde gibt? Ich habe genügend Fälle gesehen bei denen die Frauen ihres dazu getan haben, das entschuldigt nicht das Verhalten der Männer ABER es bringt auch eine andere Wahrheit an den Tag. Darum sage ich dass die Frauen nicht überrascht sein sollten. Es war für mich immer erstaunlich wie Frauen anderen Frauen ein „Anbieten“ vorwarfen.
      1 4 Melden

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