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Studie zeigt: Bei Frauen sinkt das Haushaltseinkommen mit zunehmender Leibesfülle deutlich.
Bild: shutterstock

So gemein! Eine neue Studie zeigt: Kleine und Dicke haben's schwerer

Forscher haben die Lebenssituation von mehr als 100'000 Menschen untersucht. Kleine Männer und dicke Frauen werden demnach öfter benachteiligt. Faustregel: Pro sechs Zentimeter Körpergrösse wird man 4200 Franken reicher.

10.03.16, 11:51

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Der Name entscheidet mit, ob jemand einen Job bekommt oder nicht. Lukas hat grössere Chancen als Ahmet, Tim grössere Chancen als Hakan, auch wenn die Bewerbung sonst vollkommen gleich ist. Der Name ist nicht der einzige Faktor, der Biografien beeinflusst, obwohl er das nicht sollte.

Laut einer aktuellen Studie haben grosse Männer im Schnitt die besseren Jobs und die bessere schulische Ausbildung als kleine Männer. Auch bei den Frauen haben grössere mehr Erfolg – noch ausgeprägter ist bei ihnen jedoch der Einfluss des Gewichts. Je höher der BMI ist, desto geringer sind die Chancen auf ein Leben in einem wohlhabenden Haushalt.

Die Ergebnisse decken sich mit denen früherer Studien, allerdings liess sich bislang eins schwer beantworten: Diskriminiert die Gesellschaft wirklich dicke und kleine Menschen? Oder führt umgekehrt ein niedriger sozioökonomischer Standard dazu, dass die Menschen klein und dick werden – etwa aufgrund einer schlechten Ernährung in der Kindheit?

400 Erbgutschnipsel, die über das Gewicht entscheiden

Um auch diese Fragen zu beantworten, untersuchten Forscher der University of Exeter Medical School jetzt neben der tatsächlichen Grösse und dem tatsächlichem BMI von mehr als 110'000 Briten auch das Erbgut der Teilnehmer:

Die Idee dahinter: Wer welche Erbanlagen erhält, entscheidet zu einem grossen Teil der Zufall bei der Befruchtung. Damit sind die Neigungen zum Dicksein und Grosssein zufällig über die gesamte Bevölkerung verteilt – im Gegensatz zum tatsächlichen Gewicht, das auch vom Verhalten gesteuert wird. Zeigt sich trotzdem ein Zusammenhang der genetischen Veranlagungen mit etwa der Schulbildung, muss der Grund dafür im Erbgut liegen.

6,3 Zentimeter grösser, 2940 Pfund reicher

Im Vergleich zur realen Grösse und dem realen BMI hatten die genetischen Veranlagungen zwar einen kleineren, oft aber noch messbaren Einfluss. So stiegen etwa die Finanzen eines Haushalts pro 6,3 Zentimeter realer Körpergrösse im Schnitt um rund 2940 Pfund (4170 Franken) pro Jahr. Wer erblich bedingt zu einer grossen Grösse neigte, konnte sich immerhin über rund 1130 Pfund (1600 Franken) mehr im Jahr freuen, berichten die Forscher im British Medical Journal.

Vor allem bei Männern spielt die Körpergrösse eine wichtige Rolle.
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Dies traf vor allem auf Männer zu, bei ihnen war der erblich bedingte Einfluss der Grösse doppelt so gewichtig wie bei den Frauen. Beim Body-Mass-Index hingegen fanden die Wissenschaftler bei den Männern kaum Unterschiede zwischen dick und dünn, bei den Frauen aber sank das Haushaltseinkommen mit zunehmender Leibesfülle deutlich. Auch bei einer genetischen Veranlagung zur Leibesfülle beobachteten die Forscher bei den Frauen kleine, aber messbare negative Effekte auf das Einkommen.

Die Ergebnisse lassen zwei Schlüsse zu: Bei den Männer kommt es mehr auf die Körpergrösse an, wenn sie Erfolg haben wollen, bei den Frauen mehr auf die schlanke Figur. Und wahrscheinlich führt ein Mix verschiedener Faktoren dazu, dass grosse Männer und dünne Frauen einen höheren sozioökonomischen Stand haben.

Diskriminierung angehen

Zwar bleiben auch nach der aktuellen Analyse noch kleine Unsicherheiten bestehen. So ist etwa grundsätzlich denkbar, dass, aus welchen Gründen auch immer, Gene für eine grosse, schlanke Statur bei bessergestellten Menschen häufiger sind und sie diese an ihre Kinder weitergeben. Dann liesse sich allerdings nicht erklären, warum schlanke Frauen Vorteile haben, schlanke Männer jedoch nicht.

So oder so ist die Studie ein weiteres Puzzlestück in einem immer klarer werdenden Bild, das zeigt, dass es manche Menschen aufgrund ihres Aussehens schwerer haben als andere. Es müssten Wege gefunden werden, diese Verzerrungen im Schul- und Arbeitsleben aufzuheben, schreiben die Forscher. Mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status sinken nicht nur die Möglichkeiten, das Leben zu gestalten. Es steigt auch das Risiko für Krankheiten, etwa am Herzen. (irb)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • pali2 13.03.2016 08:39
    Highlight Vielleicht führt auch das tiefere Einkommen zu einem höheren BMI? Bitte umgekehrte Kausalität bedenken...
    5 2 Melden
  • karl_e 11.03.2016 15:06
    Highlight So bewahrheitet sich also der alte Spruch "Immer uf die chline Ticke mit de chrumme Bei" ?
    8 4 Melden
  • Gelöschter Benutzer 09.03.2016 23:03
    Highlight Weitere Studien zeigen, dass das auch Richter betrifft. Fatal, wenn jemand, der rechtskräftige Urteile fällt, unbewusst von Vorurteilen gesteuert ist. Die Richter gaben schöneren Menschen, grösseren Männern und schlankeren Frauen weniger harte Strafen als anderen. Für dieselben Delikte.

    Eine Theorie besagt, dass man sich über dicke, kleine und weniger schöne Menschen lustig macht, um den eigenen Status durch Abgrenzung zu verbessern. Solche Menschen hätten einen unsicheren Selbstwert oder unterliegen einem Gruppenzwang.
    39 3 Melden
    • 8004 Zürich 10.03.2016 09:39
      Highlight Das ist hart. Gerade wenn es um Richter geht, gibt es interessante Studien: Krass fand ich eine Studie aus Israel, wo es darum geht, wie der Glukosespiegel Einfluss auf Richterentscheide hat. Dabei wurden Bewährungsentscheidungen von "gleichen Fällen" (Tat, Täterprofil, -historie) ins Verhältnis zur Tageszeit gesetzt. Richter mit vollen Speichern entschieden mutiger, da differenzierter. Die Chance, Bewährung zu bekommen, war unmittelbar nach Mahlzeiten um 70%(!) höher, als direkt vor Mahlzeiten (=lange nichts gegessen). Hat mit dem Thema insofern zu tun, dass wir in der totalen Willkür leben.
      30 4 Melden
    • AL:BM 10.03.2016 16:56
      Highlight Davon habe ich auch gehört. Nur gut gibt's höhere Instanzen in diesem Land.
      Ich denke wir sind immer noch besser dran als die Amis und Briten, mit den Geschworenen. Ein guter, charismatischer Anwalt kann dort alles erreichen!

      15 2 Melden
  • Floatingsissy 09.03.2016 22:16
    Highlight Ha! Was für ein Wortspiel!
    19 3 Melden

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