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Was du wissen musst, wenn du beim aktuellen Griechen-Bashing mitreden willst

Die Kritik am griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis klingt nicht ab - zumindest in den deutschen Medien. Nach Gerüchten um den Staatsbankrott sowie der Häme wegen einer Homestory, reden alle über den «Mittelfinger». Hier die Fakten, die du kennen musst, wenn du beim Griechen-Bashing mitreden willst.

16.03.15, 13:05 17.03.15, 10:05

Die neue griechische Regierung, die im Januar eingesetzt wurde, nahm sich viel vor: Sie wollte mit der alten Politik, die für Korruption, Vetterliwirtschaft und Schulden einstand, aufräumen. «Nie wieder Defizit, nie, nie» hiess es vom neuen Finanzminister Varoufakis Anfang Februar. Das Team um Ministerpräsident Alexis Tspiras präsentierte sich selbstbewusst. 

Zwei Monate später ist die Glaubwürdigkeit dahin und der Goodwill gegenüber der Regierung schwindet von Tag zu Tag. Immer mehr Nebenschauplätze und Skandale geben den Europäern das Gefühl, die griechische Regierung sei schlimm, schlimm, schlimm. 

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Am griechische Finanzminister Giannis Varoufakis scheiden sich die Geister. Findest Du ihn cool oder doof?

727 Votes zu: Am griechische Finanzminister Giannis Varoufakis scheiden sich die Geister. Findest Du ihn cool oder doof?

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Der Mittelfinger

gif: Youtube

Worüber alle reden: Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis war am Sonntagabend in Günther Jauchs Talkshow. Dieser konfrontierte ihn mit einem Videoausschnitt, in welchem er 2013 angeblich den Deutschen den Stinkefinger zeigte. Varoufakis behauptete in der Talkshow, das Video sei gefälscht. 

Was ignoriert wird: Die Frage, ob das Video gefälscht ist oder nicht, wird kaum abschliessend geklärt werden. Es steht Aussage gegen Aussage. Der Kameramann, der Varoufakis' Auftritt 2013 aufnahm, bestritt am Sonntagabend via Twitter vehement, dass das Video gefälscht sei.

Was aber in der ganzen Diskussion ausgeblendet wird: Varoufakis hatte bei der Aufnahme des Videos im Mai 2013 kein politisches Amt inne. Er war ein frecher Ökonom, der an einer Tagung in Zagreb erklärte, Griechenland hätte bereits im Mai 2012 die Staatspleite in Kauf nehmen und die Schulden nicht zurückzahlen sollen, so wie es Argentinien gemacht hat. Man hätte damit den Deutschen «den Finger gezeigt». Griechenland hat dies aber nicht getan, sondern brav die Sparprogramme umgesetzt.

Die Homestory-Fotos

Worüber alle reden: Varoufakis präsentierte sich am Freitag im französischen Klatschmagazin «Paris Match» zusammen mit seiner Frau in verliebter Pose auf der Terrasse eines Appartments im teuersten Stadtteil Athens. Varoufakis erntete dafür am Wochenende Spott und Häme: Er solle sich lieber um die Krise in seinem Land kümmern als stundenlang über sein Privatleben zu erzählen. 

Was ignoriert wird: Der Finanzminister gab im selben Klatschmagazin ein langes Interview, in dem er sich politisch äusserte und den Kult um seine Person selbst kritisierte. «Starkult ist immer eine Folge eines Demokratie- und Wertedefizits», erklärte er. Zu Europa bzw. der Europäischen Union sagte er: «Das europäische Projekt war eine tolle Idee, welches grosse Demokratien zusammenbrachte um den Wohlstand zu teilen.» Heute sei es unsere Pflicht zu verhindern, dass Europa zu einem «Käfig» wird. Varoufakis hat die Homestory umgehend bereut. Im Gegensatz zu anderen Politikern hat er den Fehler eingestanden und sich selbstkritisch gezeigt.

Die Pleitegriechen

bild: Screenshot bild.de

Worüber alle reden: Griechenland ist pleite. Die Frankfurter Allgemeine berichtete am Sonntag, den Hellenen würde schon Ende März das Geld ausgehen. 

Was ignoriert wird: In der gleichen Zeitung wurde die Situation so erklärt: Griechenland braucht Geld. Dieses gibt es nur, wenn Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras ziemlich bald Reformwillen zeigt. Konkret fordert die EU von Athen verschiedene Privatisierungen, Massnahmen zum Eintreiben von Steuern und den Aufbau eines Grundbuchs. Tsipras hat diesen Forderungen in allgemeiner Form zugesagt. 

Die Schweiz will übrigens den Griechen beim Eintreiben von Steuern helfen. Seit Februar 2014 liegt ein Angebot des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen vor, wonach die Schweiz Griechenland beim Aufspüren von unversteuertem Vermögen griechischer Bürgern helfen will. Schätzungen der Nationalbank gehen davon aus, dass Griechen über 800 Millionen Franken in der Schweiz horten.

Die faulen Griechen

bild: screenshot bild.de

Worüber alle reden: Die Griechen sind faul und verwöhnt. Sie wollen Mindestlöhne, einen 14. Monatslohn und Geld von Deutschland und Europa, wollen aber gleichzeitig nichts dafür tun. Stattdessen wählen sie eine radikale Partei, die nur he­r­um­stän­kern kann. 

Was ignoriert wird: Über Griechenland wird viel gelogen. Das deutsche «Handelsblatt», welches nicht als linkes Wirtschaftsmagazin bekannt ist, titelte 2011: «Die griechische Rentenlüge und andere Vorurteile». Es zeigte auf, dass das tatsächliche mittlere Renteneintrittsalter im EU-Durchschnitt liegt und die Griechen im Schnitt 42 Stunden pro Woche arbeiten – deutlich mehr als etwa Holländer oder Deutsche. Auf die Kritik, die aktuelle griechische Regierung unternehme nichts, antwortete Varoufakis am Sonntagabend: «Wir sind erst seit zwei Monaten im Amt.» Man sei jedoch bereits mit der Schweiz, Luxemburg, Grossbritannien und Deutschland wegen der Steuerhinterziehung reicher Griechen im Kontakt.

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Brikne, 20.7.2017
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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Chomsky 17.03.2015 09:19
    Highlight Schön zu lesen, dass die Mehrheit der Watson - Leser nicht auf den Unsinn der Medien reinfällt und sich nicht am Griechen-Bashing beteiligt. Lasst uns nach Griechenland gehen und Party machen!!! Damit helfem wir dem Land am einfachsten. Win-Win Situation!
    10 1 Melden
  • Stratosurfer 16.03.2015 22:32
    Highlight Wenn die EU Tsipras und Varoufakis einfach abservieren, haben sie es nach den nächsten Wahlen mit einer rechtsnationalen Fascho-Regierung zu tun. Ich bin nicht mit allem einverstanden aber sie haben mit ihren unkonventionellen Ideen eine Chance verdient.
    18 1 Melden
  • Lowend 16.03.2015 13:54
    Highlight Was ebenfalls ignoriert wird, ist der Umstand, dass praktisch das ganze Hilfsgeld direkt an die deutschen und französischen Banken für Zinszahlungen gingen, die den Griechen grosszügig und ohne Prüfung der Bonität Kredite gaben und eine anderer Teil dieser Gelder geht an die deutsche Rüstungsindustrie, welche den Griechen sogar noch auf dem Höhepunkt der Krise U-Boote und andere Waffen verkauft hatte. Da nun Yanis "what te fuck is" Varoufakis genau diese miesen Machenschaften und Bankrettungen anprangert ist er natürlich zum Feind des ganzen neoliberalen Polit-Establishments geworden!
    49 6 Melden
    • Alex23 16.03.2015 16:55
      Highlight Varoufakis als Zorro, Rächer der Armen und Gerechten. Mal sehen wie lange er sich in dieser Idealisierung halten kann.
      9 13 Melden
    • Lowend 16.03.2015 18:09
      Highlight Leider ist dass keine Idealisierung, sondern Fakt. Griechenland musste bluten, damit deutsche und französische Banken, die Griechenland Kredite gaben, nicht bankrot gehen. Hier wird einzig und alleine die so hochgelobte Marktwirtschaft pervertiert, weil die Banken Risiken eingingen und nun faktisch von ihren Regierungen, auf Kosten der einfachen Griechen und Griechinnen, gerettet werden. Nicht die Menschen waren faul, sondern die Kredite waren es und dass ist Fakt, Alessandra!
      16 2 Melden
    • Alex23 16.03.2015 21:01
      Highlight Ich habe an keiner Stelle geschrieben, die Menschen waren faul. Bitte gut lesen, bevor das grosse Schwadronieren und Dozieren inszeniert wird.
      5 9 Melden
    • Lowend 17.03.2015 10:15
      Highlight Sie bemühen einfach nur die abgedroschenen Phrasen der neoliberalen Mainstream-Politik und danke für die versuchte Qualifizierung als Schwadroneur, aber selbst unsere Schweizerinnen scheinen es nicht mehr zu schaffen, anständig auf Kommentare zu antworten, ohne persönlich zu werden.
      4 2 Melden
  • DerWeise 16.03.2015 13:53
    Highlight Tja die Merkel-Presse... Versucht auf Biegen und Brechen vom Fakt abzulenken, dass zum Einen mit der ganzen Kohle nur die Banken gerettet wurden und zum Anderen, dass die deutsche Regierung trotz Wissens, dass das Geld nie wieder zurückkommen wird, hunderte Mia Steuergelder "veruntreut" hat..
    33 3 Melden
  • Alex23 16.03.2015 13:40
    Highlight Der Artikel ist eine Bemühung um mehr Unvoreingenommenheit, mit seiner Gegenüberstellung von "was geredet wird - was dabei ignoriert wird". Wirkt zum Teil aber etwas bemüht. Wer z.B. eine Homestory von sich machen lässt mit Fotos, die schon etwas sehr nach Billigpromi aussehen und dann gleichzeitig behauptet, der Starrummel passe ihm nicht, der wirkt auf mich leicht schizo. Und von wegen Griechenlandbashing. Leider hat das Ganze schon vor mehr als zwei Jahren auf sehr niedrigem Niveau in Griechenland selbst begonnen mit den ewigen Deutschland/Nazi-Tiraden in Presse und Politik. Wenn dann mal in ähnlichen Tönen was zurückkommt, darf man auch nicht gleich schmollend in den Schrank springen.
    15 28 Melden
    • Ehringer 16.03.2015 14:01
      Highlight 1. Hat der Mann zugegeben, dass die Homestory ein Fehler war. Damit beweisst er mehr Rückgrat als die meisten anderen Politiker.
      2. Sehe ich das Problem mit der Homestory nicht ganz. Es gibt doch seinen Aussagen über den Promi-Kult nur noch mehr Recht, dass scheinbar dir Fotos wichtiger sind als sein wirklich gutes Interview.
      3. Hat die Regierung, welche vor zwei Jahren mit dem Nazi-Deutschland Scheiss, denn Sie erwähnten, nichts mit der heutigen zu tun. Das sind zwei völlig unterschiedliche Ausrichtungen.
      4. "Wie du mir, so ich dir" war schon immer die Schlechteste Vorgehensweise. Auch wenn die Vergangenheit von Seiten Griechenland bezüglich Punkt 3. wirklichschlecht war, so heisst das nicht, dass eine gleiche Reaktion von Seiten der deutschen Medien sinnvoll ist.

      Ich will nicht sagen, dass alles, was von Seiten Griechenland kam, gut war. Tatsächlich haben sie sehr viele Fehler gemacht. Aber das Griechenland-Bashing nervt mich wirklich. Man hat jetzt einen Sündenbock, und der ist an allem Schuld. Es fehlt nur noch, dass den Griechen die Schuld am IS gegeben wird, aber wenn es so weitergeht, kommt auch das bald.

      Lasst doch die neue Regierung erst einmal zeigen was sie kann und gebt ihr eine Chance. Denn die hat sie verdient. Im Vorherein bereits alles zerreissen ist einfach schwach (Vergleiche Watson-Artikel zum Thema "Broki-Profi" ;) )
      29 5 Melden
    • DerWeise 16.03.2015 14:03
      Highlight @Alessandra

      Stell dir mal vor, z.B. Frankreich und GB hätten Deutschland in der letzten Krise einen Statthalter eingesetzt, der bestimmt was das Land zu tun hat. Da wären die Hakenkreuze aber ganz schnell wieder auf den Strassen zu sehen gewesen...
      18 5 Melden
    • Zuagroasta 16.03.2015 16:30
      Highlight @Der Weise : Es ist schon traurig, dass man sich dem abgedroschensten Argument von allen bedienen muss, wenn es sich um das Thema Deutschland dreht, die Nazikeule.

      Die "Blöd", äh sorry, die "Bild" ist schon ein Extrembeispiel in Sachen Meinungsmache, was der Autor auch geschickt verwendet ;), aber in der schweizer Presselandschaft gibt es ja auch so einige Kanidaten, bei dem einem das kalten Grausen kommen kann.
      Die Weltwoche würde ich mal als perfektes Pendant zur Bild bezeichnen.



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    • DerWeise 16.03.2015 20:34
      Highlight ach Zuagroasta... nur weil ich Hakenkreuz geschrieben habe muss man doch nicht gleich über das eigentliche Argument hinwegsehen: Jedes Bevölkerung reagiert in Krisen mit Fremdbestimmung mit Extremen. In Griechenland die goldene Morgenröte z.B. (die mögen Hakenkreuze übrigens auch)
      6 1 Melden
    • Zuagroasta 16.03.2015 21:29
      Highlight @DerWeise: Das ist teils wahr. Man sieht im Allgemeinen
      einen Ruck zu den Extremen in ganz Europa.
      Auch ganz ohne Fremdbestimmung.
      Man kann es als Abwatschen der "Mainstream" Politik sehen,
      angefeuert von z.B. den von mir oben erwähnten Medien.
      Ob das klug ist, bezweifel ich mal arg.

      Deakla Keydar schrieb in einer ihrer Kurzgeschichten:
      "Society´s morality is tested mainly through its treatment of the others, those who are different."

      Ein Satz, den sich mancher, damit meine ich nicht dich, sich mal durch den Kopf gehen lassen sollte.
      1 2 Melden

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