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Tausende demonstrieren am Freitagabend für ein Nein vor dem Parlament in Athen.  Bild: watson/rafaela roth

Egal, ob Ja oder Nein zum Referendum: Die Griechen brauchen Hoffnung

Morgen stimmen die Griechen für oder gegen die Bedingungen eines neuen EU-Hilfspakets. Sollten die Befürworter gewinnen, könnten weite Teile der Bevölkerung die Hoffnung verlieren. 

04.07.15, 11:38 08.07.15, 10:00


OXI! OXI! OXI! «Oochi»! Dieses entschiedene «Nein» kommt den Griechen an diesem Freitagabend auf dem Syntagma-Platz von ganz tief unten aus der Brust. 

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Es ist nicht unbedingt ein Nein zum neuen EU-Hilfspaket, das, nachdem die Rückzahlungsfrist an den Internationalen Währungsfonds am Dienstag ungenutzt verstrichen ist, ohnehin hinfällig ist. Es ist auch nicht per se ein Nein zur Europäischen Union. Diese Griechen sagen viel mehr laut «Nein» zu den letzten fünf Jahren. 

«Nein, so kann es nicht weiter gehen», meint dieses «Oochi». «Nein, ich kann nicht noch mehr Steuern zahlen.» «Nein, ich kann nicht noch weniger verdienen.» «Nein, ich kann mir nicht noch eine weitere Existenz ausdenken.» «Nein, ich kann so einer Zukunft nicht entgegen gehen.» Das heisst dieses Nein.  

Diese Griechen, die an diesem Abend auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament stehen, diese alten und jungen Männer und Frauen mit ihren Töchtern und Grossvätern, die haben genug. Sie haben so genug, dass sie sich sogar an den irrsinnigen Gedanken an eine Rückkehr zum Drachmen gewöhnt haben. Ja, so dringlich sind ihre Sorgen, dass sie sogar einen Bruch mit der Europäischen Union in Kauf nehmen würden. 

Dazu passt die dringliche Strategie von Premier Alexis Tsipras. Eine gefährliche, fast erpresserische Strategie. Doch diese Griechen fühlen sich selber von der EU erpresst – und ausgepresst. 

Sollten die Referendumsbefürworter am Sonntag gewinnen, müssen Tsipras und sein Finanzminister Varoufakis zurücktreten. Eine neu zu bildende Regierung würde weiter mit der EU verhandeln. Doch ihre weit wichtigere Aufgabe wäre es, Hoffnung zu schaffen. Denn diese Referendums-Abstimmung zwischen «NAI» und «OXI» reisst einen Graben zwischen arm und reich auf, zwischen Arbeitern und Mittelschicht. Und die Hoffnung der Arbeiter liegt im Moment einzig und allein auf diesem «OXI». 

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • 7immi 04.07.2015 15:21
    Highlight ich finde diesen schritt des referendums sehr mutig. die griechische regierung gibt dem volk so die möglichkeit, mitzubestimmen, da sie die misere ja ausbaden müssen (so oder so, natürlich).
    die reaktion der eu hingegen war für mich eher fragwürdig. sie zeigte die haltung gegenüber dem volkswillen eindeutig...
    4 0 Melden
  • willey 04.07.2015 13:08
    Highlight Wenn ich eine zündende Idee hätte oder das nötige Kleingeld hätte würde ich in Griechenland eine Softwareentwicklungs Firma eröffnen. Spezialisten die auch willig sind zu Arbeiten und etwas zu Verdienen hat es massenhaft. Wiso dieses Potenzial nicht nutzen?
    5 0 Melden
  • G. Schmidt 04.07.2015 12:14
    Highlight Hoffnung hin oder her, um Griechenland eine würdige Zukunft zu verschaffen sollte die Populistische Regierung die politische Spielchen auf der Seite lassen und realistisch mit der EU verhandeln.
    Wenn Griechenland im Euroraum bleiben, will hat Sie keine andere Möglichkeiten als Reformen durchzuführen. Vor der Krise hat Griechenland, auch mit einer wachsenden Wirtschaft, ein Budgetdefizit eingefahren. Die Krise hat dieses Misshandeln nun gnadenlos aufgedeckt. Deswegen ist ein Schuldenschnitt nicht sinnvoll, wenn in 10 Jahren der nächste folgt. Wer würde da noch investieren?
    2 9 Melden

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