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Alexis Tsipras: «Wir sind fest entschlossen, keine Konfrontation mit Europa zu betreiben, sondern mit dem Establishment in unserem Land»

08.07.15, 10:40 08.07.15, 19:03

Griechenland will den Staatsbankrott mit Reformen im Steuer- und Pensionssystem abwenden. Die Regierung in Athen beantragte am Mittwoch beim ESM-Rettungsschirm einen neuen Drei-Jahres-Kredit. Ihre konkreten Reformpläne will sie am Donnerstag präsentieren.

Erste Beratungen über den griechischen Hilfsantrag wurden am Mittwoch an die Finanzstaatssekretäre der 19 Euro-Staaten delegiert, auf eine eigene Telefonkonferenz verzichteten die Euro-Finanzminister.

Die EU-Kommission stellte ihrerseits klar, dass Athen bis spätestens Donnerstagnacht um 24 Uhr konkrete Gegenvorschläge liefern muss. Nur wenn diese letztlich zustimmungsfähig sind, kann der EU-Sondergipfel am Sonntag weitere Hilfen abnicken. Ansonsten deutet alles auf einen «Grexit» hin.

«Wir sind fest entschlossen, keine Konfrontation mit Europa zu betreiben, sondern mit dem Establishment in unserem Land.»

Alexis Tsipras

Diesen abzuwenden, ist das erklärte Ziel des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, der am Mittwoch im EU-Parlament um Vertrauen und Verständnis warb. Das neue Hilfsprogramm müsse die Belastungen für die Bevölkerung gerechter verteilen, «Arbeitnehmer und Rentner können keine zusätzlichen Lasten akzeptieren», mahnte Tsipras.

Die bisherigen Programme hätten primär zur Rettung der Banken gedient. «Sie kamen nicht beim Volk an», sagte der Grieche. «Mit keiner Reform wurde die Funktionsfähigkeit der Staatsmaschine verbessert.»

«Arbeitnehmer und Rentner können keine zusätzlichen Lasten akzeptieren»

Alexis Tsipras

Tsipras räumte aber zugleich ein, dass viele Probleme hausgemacht sind. Griechenland befinde sich in der Krise, weil in seinem Land Korruption, Vetternwirtschaft und Klientelismus geherrscht habe. «Wir sind fest entschlossen, keine Konfrontation mit Europa zu betreiben, sondern mit dem Establishment in unserem Land.»

Die Europäische Zentralbank (EZB) drohte damit, die bereits maximal ausgereizten Nothilfen für griechische Banken unverzüglich zu beenden, falls bis Sonntag keine Einigung im Schuldenstreit mit den Gläubigern stehe. Seit Monaten sind die EZB-Notkredite die einzige Geldquelle der griechischen Banken. Griechenlands Wirtschaft bewege sich «am Rande einer Katastrophe», sagte EZB-Ratsmitglied Christian Noyer dem französischen Radiosender Europe 1.

Ende Juni war das zweite Hilfsprogramm für Griechenland ausgelaufen, nachdem sich Athen mit den internationalen Geldgebern nicht auf Spar- und Reformvorgaben einigen konnte. Bei einem Referendum am letzten Sonntag sprachen sich in Griechenland dann mehr als 61 Prozent der Teilnehmer gegen die bisherigen Gläubigervorschläge aus. (whr/sda/afp/reu/dpa/apa)

Sprayen gegen die Krise: Athener malen ihren Frust an die Wand

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rim 08.07.2015 20:28
    Highlight Und das umfassend entlarvende Spektakel geht weiter: Die episch unbeantwortete Frage: Wie konnte es damals in DE dazu kommen, beginnt sich zu klären. Endlich! Vom Busenblatt über die "aufgeklärte" Zeit bis hin zur "liberalen" Faz. Wie aus einer Kehle, schreit sie, im Gleichschritt: die "gekränkte" deutsche Seele. Sie ruft nach Rache, nach Abrechnung, nach Zerstörung, nach Vergeltung. Weil nicht sein darf, was offensichtlich wird. Die DE haben ihr Volk und ihre Seele längst an den Meistbietenden verkauft. Tsipras verkörpert was sie nie

    erreichten. "Dikaiosyne"
    10 2 Melden
    • goschi 08.07.2015 20:57
      Highlight WTF?
      0 0 Melden
  • Hierundjetzt 08.07.2015 20:08
    Highlight Und die Mutter der Parlamentspräsidentin (39, Syriza) bezog bis 2013 Kindergeld... Beweisführung abgeschlossen.
    1 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.07.2015 16:17
    Highlight Meditation for Greeks.

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  • lily.mcbean 08.07.2015 16:09
    Highlight und das alles wird auf dem buckel der armen bürger ausgetragen und die leute die ihnen das eingebrockt haben leben immer noch in saus und braus
    14 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.07.2015 14:12
    Highlight Die Drohgebärden der EU verstärken das ungute Gefühl, dass diese Union mit Druck agiert, um ihre Politik ungeachtet des Widerstands breiter Bevölkerungsgruppen durchsetzen zu können. Sie wird dadurch immer stärker als Gemeinschaft mit massiven Demokratiedefiziten wahrgenommen werden.
    14 9 Melden
    • goschi 08.07.2015 19:16
      Highlight Sie meinen also, die EU sollte Griechenland ohne jede Gegenleistung oder nur schon Garantie weitere zig Milliarden € überweisen, damit Griechenland die selbstverschuldete Misere abwenden kann, auf Kosten der gesamt-EU natürlich?
      Gehst du nach dem Essen im Restaurant auch immer zum Besitzer, drückst ihm die Rechnung in die Brusttasche und sagst ihm, dass er gefälligst deine Rechnung für dich bezahlen solle?

      Ohne Druck von aussen geschieht in Griechenland offenbar nichts, wie dieser ausgeübt wird ist sicher diskussionswürdig, dass er ausgeübt wird ist aber bitter nötig.
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    • elivi 08.07.2015 19:55
      Highlight Also die demokratie sollte auch ihre grenzen haben. Nur weil etwas demorkatisch entschieden wurde, ist es noch lange nicht das richtige. Und nur weil nach einer abstimmung ein resultat steht ist dies noch lange nicht die meinung der gesamten bevölkerung sonder nur von die, die abstimmten (in der schweiz regelmässig unter 50%, weit weg von der mehrheit).
      Und gehn wir davon aus Griechenland will das geld nicht zurückzahlen, dann fehlt das geld bei der EZB um arme EU staaten zu helfen nur weil ein mitglied total asozial ist.
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    • Alex23 08.07.2015 20:10
      Highlight Joël: Tatsächlich? Mit Druck? Skandalös.
      Wenn ich jemandem was geliehen habe und will dann ein bisschen (!) was zurück, dann würde ich mich grundsätzlich mal freuen, wenn das ohne Druck ginge, noch dazu wenn der andere noch weiteres Geld von mir will. Man möge es mir verzeihen, wenn ich dann irgendwann mal ungeduldig würde ......

      Irgendwie geht bei vielen Kommentaren hier verloren, WER von WEM was will.
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