International

Das Resultat der Auszählung der Stimmen war auch für die britischen Wahlforscher eine grosse Überraschung. Bild: CATHAL MCNAUGHTON/REUTERS

Britische Wahlforscher zerknirscht: Umfragen lagen bös daneben

Das klare Ergebnis der Parlamentswahl in Grossbritannien schockiert nicht nur die Wahlverlierer. Auch die Wahlforscher können es kaum glauben.

08.05.15, 14:04 08.05.15, 14:36

Die Experten waren sich so sicher in Grossbritannien: Es wird knapp bei der Parlamentswahl, die Mehrheitsverhältnisse unklar, die Regierungsbildung schwierig. Das hatten zig Umfragen übereinstimmend ergeben.

Die Ergebnisse der Wählerbefragung pünktlich zur Schliessung der Wahllokale schockierten deshalb nicht nur die Wahlverlierer. YouGov-Chef Peter Kellner, der bei der BBC sass, wollte es kaum glauben: Ein deutlicher Sieg der Konservativen zeichnete sich ab, bald gar eine absolute Mehrheit. Das hatte so niemand vorhergesagt.

Es gab 650 einzelne Wahlen

Dabei lagen YouGov, Ipsos Mori, ICM und die anderen Institute gar nicht so schlecht, wenn man nur die prozentualen Stimmanteile betrachtet. Schwer machte es ihnen das britische Wahlsystem, das nur Kandidaten ins Parlament einziehen lässt, die ihren Wahlkreis gewinnen. So gesehen gab es am Donnerstag nicht eine Wahl, sondern 650 einzelne. Die Wahlforscher bemühten sich deshalb, aus ihren Umfrage-Ergebnissen Sitz-Prognosen abzuleiten - und das ging daneben.

«Insgesamt war das eine durchwachsene Nacht für die Meinungsforscher», sagte Michelle Harrison vom Umfrageinstitut TNS. Zwar habe man den Erfolg der schottischen Nationalpartei im Norden und die Verluste für die Liberalen vorausgesagt. «Aber wir haben uns wohl nicht vorstellen können, dass es so deutlich wird.» (whr/sda/dpa) 

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jaing 08.05.2015 17:00
    Highlight War Longchamp zugegen?
    2 0 Melden

Boris verspricht den Briten, dass (fast) alles so bleibt, wie es ist – und Social Media lacht

Boris Johnson, prominentester Verfechter des Brexit und Favorit als nächster Premierminister Grossbritanniens, hat sich erstmals seit dem Brexit-Votum zu Wort gemeldet. In seiner wöchentlichen Kolumne im «Daily Telegraph» zeigt er sich überzeugt, dass das Land alle Vorteile der EU-Mitgliedschaft behalten wird.

Boris Johnson, der führende Kopf des Brexit-Lagers benötigte nach dem Votum der Briten vom Freitag einige Tage, um sich detailliert dazu zu äussern, was gerade passiert ist. Wie er zur Zukunft Grossbritanniens in Europa denkt, ist wichtig, denn der Mann mit dem wirren Blondschopf gilt als aussichtsreichster Anwärter auf die Nachfolge von Premier David Cameron. Auf diesem Posten würde er die Scheidung mit der EU aushandeln.

Jetzt hat Boris – in der britischen Politik ist er vorab unter seinem …

Artikel lesen