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Der Alte ist auch der Neue: Jeremy Corbyn bleibt Parteichef von Labour

The leader of Britain's opposition Labour Party, Jeremy Corbyn, reacts after the announcement of his victory in the party's leadership election, in Liverpool, Britain September 24, 2016.  REUTERS/Peter Nicholls

Holte 61,8 Prozent der Stimmen: Der amtierende Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn setzte sich klar durch gegen seinen Konkurrenten Owen Smith. Bild: PETER NICHOLLS/REUTERS



Der Vorsitzende der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, ist bei einer Urwahl mit grosser Mehrheit im Amt bestätigt worden. Der Politiker des linken Parteiflügels erhielt 61,8 Prozent der Stimmen, wie die Partei bei ihrem Parteitag in Liverpool mitteilte.

Der 67-jährige Corbyn konnte sein Ergebnis im Vergleich zu seiner ersten Wahl im September 2015 noch einmal steigern. Damals hatte er überraschend 59,5 Prozent erhalten. Bei der jüngsten Wahl kam sein einziger Herausforderer Owen Smith lediglich auf 38,2 Prozent. Die rund 550'000 Labour-Mitglieder waren aufgerufen gewesen, bis Mitte der Woche ihre Stimme abzugeben.

Corbyn rief die Partei nach der Bekanntgabe des Ergebnisses zur Einheit auf. «Wir haben viel mehr gemeinsam, als uns trennt», sagte der Politikveteran am Samstag unter dem donnernden Applaus der Delegierten in Liverpool. «Arbeiten wir gemeinsam für einen echten Wandel.» 

Die Partei sollte einen Schlussstrich unter den Streit der vergangenen Monate ziehen, sagte Corbyn, der seit 1983 für Labour im Abgeordnetenhaus sitzt, doch in der Fraktion unbeliebt ist. 

In der Fraktion unbeliebt

Die Urwahl war angesetzt geworden, um einen Ausweg aus der seit Monaten anhaltenden Führungskrise zu finden, welche die 116 Jahre alte Partei in ihren Grundfesten erschüttert hat. Corbyn ist an der Basis und bei den Gewerkschaften beliebt, in der Fraktion aber wegen seiner linken Ansichten umstritten. Viele Abgeordnete fürchten, dass Labour mit Corbyn an der Spitze nicht an die Macht zurückkehren könne. 

Die Moderaten warfen Corbyn zudem vor, sich vor dem Brexit-Referendum Ende Juni nicht entschieden genug für den Verbleib Grossbritanniens in der EU eingesetzt zu haben. Eine breite Mehrheit der Parlamentarier im Unterhaus startete deshalb eine «Palastrevolte» und sprach Corbyn das Misstrauen aus. Dutzende Schattenminister liefen Corbyn davon. 

Corbyn markiert Linkskurs

Die Wiederwahl Corbyns hatte einen deutlichen Linksschwenk der Partei und eine Abkehr vom Zentrumskurs ihres heute umstrittenen früheren Vorsitzenden Tony Blair markiert. Der Erfolg Corbyns ist nicht zuletzt den 300'000 Mitgliedern zu verdanken, die seit vergangenem Jahr der Partei beitraten. Damit hat sich die Mitgliederzahl von Labour praktisch verdoppelt, so dass sie zur grössten Partei Europas geworden ist. 

Es ist offen, ob sich die Gegner Corbyns nach seiner Wiederwahl nun hinter ihn stellen werden. Während einige Rebellen bereits ein Einlenken signalisierten, machen die erbitterten Auseinandersetzungen der vergangenen Monate eine schnelle Versöhnung unwahrscheinlich. 

Zwar schliessen viele Beobachter eine Spaltung der Partei aus, doch dürfte der Konflikt zwischen Corbyn und der Fraktion die Partei weiter belasten. (wst/sda/afp)

Jeremy Corbyn – Ein Vertreter des linken Labour-Parteiflügels

Als Jeremy Corbyn vor einem Jahr zum Vorsitzenden der britischen Labour-Partei gewählt wurde, feierten seine Anhänger ihn als Heilsbringer: Endlich wieder ein echter Linker an der Spitze. Es war ein Neuanfang ganz nach Geschmack der überwiegend linkslastigen Basis.

Der 67-Jährige mit dem weissen Bart gehört seit über drei Jahrzehnten dem Unterhaus an – ebenso lange zählt er zum linken Rand der Partei. Bereits mit 17 Jahren trat er in die Partei ein, Sporen verdiente er sich in der Gewerkschaftsbewegung.

Immer wieder stellte sich der Parteirebell gegen Positionen der Labour-Regierung. Die moderate Linie von Ex-Premier Tony Blair war ihm ein Graus. Mehr als 500 Mal soll der Sohn eines Ingenieurs und einer Mathematiklehrerin gegen die Parteilinie gestimmt haben. Unter anderem war Corbyn erbitterter Gegner des Irakkriegs.

Doch als Parteichef blieb Corbyn glücklos. Nach Misserfolgen bei den Regionalwahlen im vergangenen Mai wurde die Kritik lauter. Vor allem seit dem Brexit-Votum Ende Juni nahm der Druck aus der Unterhaus-Fraktion zu. Die meisten Abgeordneten revoltierten gegen ihn, es wuchs die Angst, dass mit dem Altlinken keine Wahlen zu gewinnen sind.

Auch wegen seiner Haltung im Palästinenser-Konflikt und zur radikalislamischen Hamas sowie zur Schiitenmiliz Hisbollah, die er zeitweise als «Freunde» bezeichnete, geriet Corbyn ins Kreuzfeuer. Einige Kritiker hielten ihm gar vor, er setzte sich in diesem Zusammenhang nicht energisch genug gegen antisemitische Tendenzen ein. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Einstein56 24.09.2016 17:15
    Highlight Highlight Das wird ja alle Watsonleser freuen. Viel linker geht nicht.
  • Hayek1902 24.09.2016 16:43
    Highlight Highlight Sehr gut, der bringt eh nichts zustande. Gefahr Linksrutsch gebannt.
    • Duweisches 24.09.2016 17:32
      Highlight Highlight Ähm, was?
    • Hayek1902 25.09.2016 01:11
      Highlight Highlight Ein Altlinker wird nichts bewegen ausser die Watson-Sozi-Bubble und Gewerkschaftsbetonköpfe. Von da her ist für den normalen Beiten alles save.
  • Beobachter24 24.09.2016 14:25
    Highlight Highlight Good news! :-)
  • Boogie Lakeland 24.09.2016 13:44
    Highlight Highlight Würde mich nicht überraschen wenn zwei linke Parteien in die nächsten Wahlen gehen. Eine gewerkschaftliche Partei die für demokratischen Sozialismus steht und eine mitte links Partei. Für viele rechtere Labour Leute ist ja leider die Demokratische Partei der USA zum Vorbild geworden...
    • Gurgelhals 24.09.2016 14:45
      Highlight Highlight Für die Linke wäre das eine Katastrophe, da man damit im Britischen Wahlsystem den Tories den überwältigenden Wahlsieg praktisch auf dem Silbertablett servieren würde.

      Die Briten können sich wohl auf komfortable Tory-Mehrheiten bis mind. 2025 einstellen. Fairerweise ist anzumerken, dass Corbyn daran wenig Schuld trägt und wohl auch mit Owen Smith als Parteichef die Wahlchancen von Labour nicht signifikant gestiegen wären. Der Scherbenhaufen, vor dem Labor seit geraumer Zeit steht, hat tiefer und weiter zurück liegende Gründe.
    • pun 24.09.2016 15:10
      Highlight Highlight da hat sich in deinen Kommentar ein Fehler eingeschlichen:
      "*und eine mitte rechts Partei" wäre richtiger, wen man sich die Blairites und deren Politik während der letzten Regierungsverantwortung so anschaut.
    • Boogie Lakeland 24.09.2016 15:54
      Highlight Highlight Klar wäre es fatal und dumm. Aber die Gräben sind tief. Als Opposition kann man es sich nicht erlauben ein solches Theater aufzuführen. Wie Du richtig schreibst, Labour wird es sehr schwer haben und kann sich eigentlich nur selbst schlagen bei der nächsten Wahl
    Weitere Antworten anzeigen
  • Luca Brasi 24.09.2016 13:34
    Highlight Highlight Tja, scheint so als politisiere die Labour-Parlamentsfraktion an der Basis vorbei.
    • Coconut 24.09.2016 14:38
      Highlight Highlight Entschuldigen Sie Herr Brasi das hätte ein Herzchen werden sollen, wenn meine Wurstfinger nicht in die Quere gekommen wären.
    • Luca Brasi 24.09.2016 16:54
      Highlight Highlight Kein Problem. ;) Das gibt ein ❤ von mir. Sehr höflich von Ihnen.
    • Hayek1902 25.09.2016 01:12
      Highlight Highlight Nehmt euch ein Zimmer

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