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Roger Willemsen, neuer Literaturclub Moderator von SF DRS, posiert am 3. Februar 2004 mit Buechern im Studio 5 in Zuerich Oerlikon. (KEYSTONE/Gaetan Bally) === ,  ===

Roger Willemsen bereitet sich 2004 für seinen Auftritt im «Literaturclub» von SRF vor. Bild: KEYSTONE

Roger Willemsen hat Krebs. Ein TV-Magazin macht sich auf Facebook darüber lustig. Und zeigt, wie asozial die sozialen Medien sein können

19.08.15, 13:39 20.08.15, 14:32


Am letzten Samstag feierte der deutsche Autor und TV-Moderator Roger Willemsen seinen Sechzigsten. Vergnügt und vermeintlich bei bester Gesundheit. Am Montag liess er ausrichten, dass er an Krebs erkrankt sei und alle Auftritte absagen müsse. Das ist grundsätzlich eine traurige Nachricht. Nicht, weil Roger Willemsen, der fürs Schweizer Fernsehen zwei Jahre lang den «Literaturclub» moderierte, berühmt ist, sondern weil Krebs immer entsetzlich ist. Die deutsche Presse hat denn auch entsprechend umsichtig und mitfühlend auf die Nachricht reagiert.

Nur eine Publikation nicht. Die zweiwöchentlich erscheinende TV-Programmzeitschrift «TV Movie» mit einer Reichweite von über 6 Millionen Lesern (sie wird auch in der Schweiz vertrieben) nutzte die Gelegenheit und montierte den kranken Moderator flugs an ihren viralen Angelhaken. Machte ihn zu Clickbait. Auf Facebook und nach einem bewährten Muster: Man mische vier prominente Gesichter – in diesem Fall Stefan Raab, Günther Jauch, Roger Willemsen und Joko Winterscheidt und schreibe einen hochemotionalen Suggestiv-Unsinn dazu: «Einer dieser vier TV-Moderatoren muss sich wegen Krebserkrankung zurückziehen.»

Das war gegen 18 Uhr. Um 20.57 Uhr meldete sich Winterscheidts Kollege Klaas Heufer-Umlauf via Twitter: 

Eine Stunde später entfernte «TV Movie» den Facebook-Post (und alle kritischen Kommentare) und entschuldigte sich:

Nützt nichts. Denn die digitalen Dreckeleien von «TV Movie» gehen viel weiter zurück, wie der medienkritische bildblog.de aufgedeckt hat: Da wird Stars – in der bewährten Vierergruppe – alles zwischen Krankheit, Kinderpornographie und misshandelten Freundinnen untergeschoben. Mal bezieht sich dies auf den Inhalt einer Serie oder eines Films, mal auf das Privatleben der Stars, erlaubt ist restlos alles. Und Tote werden riesengross und namenlos angeteasert. 

Normalerweise handelt es sich dabei allerdings nicht um Promis aus nächster Nähe. Eine Geschmacklosigkeit in einer Fremdsprache kratzt einen Amerikaner nicht. Für Roger Willemsen – der sich bis jetzt noch nicht dazu geäussert hat – muss es sehr verletzend sein.

Denn auch wenn die Sache mit dem Clickbaiting – mit den mehr oder weniger geschickt ausgeworfenen Schlagwörtern, mit den Zuspitzungen und Skandalisierungen – zum Alltagsgeschäft aller Online-Schaffenden gehört: Es gibt auch da Grenzen, Themen, die eine grössere Sensibilität verlangen. Tod, Krankheit, Verbrechen gegen Leib und Leben gehören unbedingt dazu. Da gibt es nur richtig und falsch. Respekt oder dessen Absenz. Sozial oder asozial.

Da gibt es nichts zu diskutieren.

Oder doch? Dafür habt ihr ja unsere Kommentarspalte.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Moelal 19.08.2015 19:08
    Highlight Zeigt wieder einmal, wie geistig beschränkt gewisse Medienarbeitende sind. Man kann nur hoffen, dass sie solange gesund bleiben, bis sie merken, wie dumm die sind
    9 0 Melden
  • Chopfkino 19.08.2015 15:31
    Highlight Roger hat's selbst mal ziemlich gut auf den Punkt gebracht: "Die Klatschreporter agieren moralisch wie die Ayatollahs des Westens."
    20 0 Melden
    • Simone M. 19.08.2015 16:39
      Highlight sehr treffend.
      10 0 Melden
  • Hans Jürg 19.08.2015 14:44
    Highlight Eines hat die Zeitschrift ja erreicht. Bis jetzt wusste ich gar nicht, dass es sie gibt. Gut, eines hat sie nicht erreicht. Ich weiss zwar über deren Existenz, werde sie aber trotzdem nicht lesen.
    14 0 Melden
    • Simone M. 19.08.2015 16:40
      Highlight Schau mal an einem Kiosk (aber nicht kaufen...).
      6 0 Melden
  • philipp meier 19.08.2015 14:29
    Highlight danke für eure hinweise. auf dem vierten bild ist joko und nicht klaas. wir haben es korrigiert.
    10 0 Melden
    • Simone M. 19.08.2015 14:32
      Highlight ja, danke users. alle schreiben klaas, wir schreibens mit eurer hilfe endlich richtig.
      11 0 Melden
  • reputationsguard 19.08.2015 14:21
    Highlight Mich wundert, dass man überhaupt noch von Grenzen redet... vielfach nehme ich diese in den Berichterstattungen nicht mehr wahr.
    18 1 Melden
  • blueberry muffin 19.08.2015 14:17
    Highlight Clickbaiting gehoert bestimmt nicht zum "Alltags Geschaeft" aller Online Schaffenden.

    Wenn dann, kann man es Growth Marketing nennen - dH. Marketing auch wenn man damit Ansehen verliert oder sich unbeliebt macht. Weiss nicht ob das so schlau ist fuer Online Medien - we will see. Ist Blick/Bild Boulevard Niveau, wenn man seinen Blog oder seine Zeitung auf dem Niveau halten will - super. Sonst, meh.
    2 3 Melden
    • Gantii 19.08.2015 15:44
      Highlight nein, im prinzip geht es nur um maximale Clicks da diese Geld bringen (stichwort Werbung.). ansonsten gibt es nämlich nicht allzu viel andere möglichkeiten geld zu verdienen, da 90%+ der user im internet nicht bereit sind für leistung zu zahlen.
      7 0 Melden
  • Asmodeus 19.08.2015 14:09
    Highlight TV Movie (oder auch InTouch welche ebenfalls zum Bauerverlag gehört) sind in Etwa auf Bildniveau.

    Viel zu Sagen gibt es da leider auch nicht. Bildblog hat schon alles gesagt. Da wird versucht mit dem Tod und Leid von Menschen Clicks (und somit Geld) zu generieren.
    15 0 Melden
    • Simone M. 19.08.2015 14:31
      Highlight Bildblog ist super.
      11 1 Melden
  • kurt3 19.08.2015 13:52
    Highlight In Ermangelung von Promis müssen in der Schweiz zur generierung von Clickbaits , Bunderrätinnen und das sogenannte "asylchaos" herhalten !
    28 1 Melden

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