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In this photo provided by the ICTY on Wednesday, Nov. 29, 2017, Slobodan Praljak brings a bottle to his lips, during a Yugoslav War Crimes Tribunal in The Hague, Netherlands. Praljak yelled,

Dramatisches Ende eines Gerichtsprozesses: Slobodan Praljak kippt eine Giftflasche. Bild: AP/ICTY

Wie brachte der Kroaten-General die Giftflasche ins Gericht? Die drei Theorien

Der Kriegsverbrecher Slobodan Praljak kippt am UNO-Tribunal vor laufender Kamera eine Giftflasche und stirbt. Experten sagen, wie der General das Gift ins Gericht geschmuggelt haben könnte. 

30.11.17, 02:06 30.11.17, 12:32


Es ist ein Fall, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat. Der 72-jährige Kroate Slobodan Praljak kippte nach Urteilsverkündung ein braunes Fläschchen, um seinem Urteil zu entgehen. «Mein Mandant hat Gift genommen», ruft der Anwalt. 

 Praljak das Gift.  Video: YouTube/TRT World

Noch im Gerichtssaal bricht Praljak zusammen und stirbt wenig später im Spital. Die grosse Frage bleibt: Wie hat der Kriegsverbrecher die tödliche Substanz ins Gericht geschmuggelt?

Anwälte als Gift-Überbringer?

«Am wahrscheinlichsten ist, dass er das Gift über einen seiner Anwälte bekommen hat», sagt Geheimdienst-Experte Erich Schmidt zu Focus.  Wegen den strengen Sicherheitsvorkehrungen sei es kaum möglich, dass Praljak die Substanz selbst ins Gericht geschmuggelt habe. 

Bruno Stojic and Slobodan Praljak, right, enter the Yugoslav War Crimes Tribunal in The Hague, Netherlands, Wednesday, Nov. 29, 2017, to hear the verdict in the appeals case. A United Nations war crimes tribunal is handing down its last judgment, in an appeal by six Bosnian Croat political and military leaders who were convicted in 2013 of persecuting, expelling and murdering Muslims during Bosnia's war. Wednesday's hearing is the final case to be completed at the groundbreaking International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia before it closes its doors next month. (Robin van Lonkhuijsen,Pool Photo via AP)

Praljak vor der Urteilsverkündung. Bild: AP/ANP POOL

Anwälte würden weniger streng kontrolliert. Wenn ein Strafverteidiger eine Flasche mit sich führe, werde kaum eine Probe genommen. 

Oder hat der Kroate Polizisten oder Angestellte des Gerichts bestochen? «Das halte ich gerade am Strafgerichtshof in Den Haag für ausgeschlossen», so der Experte weiter. 

Selbst reingeschmuggelt? 

Eine andere Theorie hat der Kriminalspezialist Mark Benecke. Gift lasse sich leicht in alle Gefängnisse schmuggeln, etwa rektal. «Es gibt viele hochwirksame Gifte, sehr häufig verwendet werden Kaliumcyanid, also Blausäure, und das Pflanzengift E 605», sagt Benecke zu Bild. 

So oder so, die niederländische Polizei hat den Gerichtssaal zum Tatort erklärt und die Untersuchungen aufgenommen. Es dürfte aber schwierig werden, einen Anwalt wegen der möglichen Gift-Übergabe zu überführen. 

«Für gewöhnlich beraten sich Anwälte vor Prozessbeginn noch einmal mit ihrem Mandanten. Das Treffen darf nicht überwacht werden. Hier gilt das Anwaltsgeheimnis», so Schmidt weiter zu Focus. 

Militärchef der Kroaten

Der 72-Jährige hatte das Gift genommen, als die Richter die 20-jährige Haftstrafe gegen ihn bestätigten. Praljak hatte nach seiner Verurteilung gerufen: «Slobodan Praljak ist kein Kriegsverbrecher. Ich weise Ihr Urteil zurück.»

Während des Bosnienkrieges (1992-1995) war Praljak Militärchef der bosnischen Kroaten. In dem Berufungsverfahren am Mittwoch vor dem UNO-Tribunal erfolgte die Urteilsverkündung gegen fünf weitere ehemalige politische und militärische Führer der bosnischen Kroaten während des Bosnienkriegs.

(amü)

UNO-Bericht: Alle zehn Minuten stirbt in Jemen ein Kleinkind

Video: srf

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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25
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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DonChaote 01.12.2017 09:11
    Highlight Also was hat der Herr eigentlich genau gemacht? Was wird ihm vorgeworfen? Bis jetzt habe ich nur gehört, dass er eine Alte Brücke gesprengt hat... Das kann doch weder 20 Jahre noch das Leben wert sein?
    Wie wäre es mal mit einer Übersicht über alle Kriegsverbrecher des Jugoslawienkriegs, was ihnen vorgeworfen/nachgewiesen wurde, wie die Beschuldigten sich verteidigen usw.? Dies sind ja meistens Kommandanten, die Verantwortlich gemacht werden. Aber die werden wohl auch "nur" Befehle ausführen. Von wem?
    1 0 Melden
  • Elfranone 01.12.2017 00:05
    Highlight für die die noch mehr infos wollen:
    -Praljak hat sich 2004 dem UN-Gericht selbst gestellt
    -sass also schon 13 Jahre im gefängnis
    -verurteilt wurde er weil er es versäumt hat einzugreifen als kroatische soldaten muslime in einer stadt zusammen trieben und des weiteren hat er nicht gehandelt als er von planungen zu ermordungen und übergriffen auf internationale heöfer erfuhr
    - praljak ist schon 13 der verurteilten 20 jahre abgessesen und da man nach 2/3 der zeit frei gelassen wird hätte er nicht mehr lange absitzen müssen
    quelle:
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Slobodan_Praljak
    3 0 Melden
  • Paddiesli 30.11.2017 16:10
    Highlight Ich finde, man sollte jedem Verurteilten die Wahl lassen, ob er die Strafe absitzen will oder freiwillig aus dem Leben scheiden will. Das Recht über seinen Körper zu entscheiden.
    Und es würde sehr viel Strafvollzugskosten sparen, die ja der Steuerzahler berappen muss.
    Freiwillige Entscheidung: "In den Knast für xx(x) Jahre, oder hier, du kannst alternativ dieses Fläschchen trinken."
    20 13 Melden
    • Rukfash 30.11.2017 22:59
      Highlight Sowie die Bosniaken die entscheidung hatten, ob sie Massenweise hingerichtet werden wollen oder eben in ein Konzentrationslager wollten..
      3 4 Melden
  • Papa Swappa 30.11.2017 14:21
    Highlight ... und damit hat er sich noch eine fussnote in der geschichte gesichert...
    22 1 Melden
  • sevi71 30.11.2017 13:48
    Highlight Ich frage mich in diesem Zusammenhang, hat ein Gefangener nicht dieselben Rechte bezüglich seinem eigenen Freitod?
    Ich kenne weder den juristischen, noch den gesellschaftlichen und schon gar nicht den moralischen Kontext.
    Aber einfach mal so gefragt...
    17 4 Melden
    • LuckyLuke 30.11.2017 22:55
      Highlight Nein, wie der Name Freiheitsentzug sagt wird dir als Gefangener die persönliche Freiheit entzogen.
      1 0 Melden
    • sevi71 02.12.2017 09:47
      Highlight @Luke
      Deine Aussage bedeutet dann wahrscheinlich, dass Menschenrechte unter dem Staatsrecht einzuordnen sind.
      0 0 Melden
  • PaLve! 30.11.2017 12:59
    Highlight Ich fände es ''schön'' von Watson einmal ein bisschen ausführlicher über dieses Thema zu berichten, damit all das Leid dieses Krieges nicht vergessen geht.
    Nicht um die Kroaten zu verteufeln, die gelten hier ja eher als die ''netten Jugos'', während die Serben als das Böse gelten. Man sollte die Nationalisten dieses Krieges, die nichts als Leid verursachten verteufeln, dabei natürlich keinesfalls Karadzic oder Milosevic als weniger grosse Monster darstellen als sie waren. Aber keinen Hass zwischen den jugoslawischen Völkern mehr schüren!
    28 2 Melden
    • PaLve! 30.11.2017 13:55
      Highlight Mein Kommentar soll übrigens wie gesagt, überhaupt nicht irgend eine Ablehnung gegen die kroatische Bevölkerung oder Kultur bewirken! Lediglich die Probleme vollständig ansprechen, nicht nur stückweise.
      13 2 Melden
  • chnobli1896 30.11.2017 09:34
    Highlight Die Drei Theorien? Anwalt und Selbstschmuggel. Das sind doch nur 2?
    106 4 Melden
    • chnobli1896 30.11.2017 14:06
      Highlight Uff. Asche über mein Haupt. Sorry @Schreiber. Nächstes Mal etwas offensichtlicher gestalten damit auch ich es sehe ;-)
      4 0 Melden
  • Iltis 30.11.2017 09:14
    Highlight Hat nur das kroatische Staatsfernsehen gemeldet, dass er tot ist? Villeicht ist er auch nur "verschwunden"
    10 25 Melden
  • jMe 30.11.2017 08:50
    Highlight Diese Aktion kommt die Allgemeinheit am günstigsten zu stehen. Und zum Opfer wird er damit auch nicht. The curtain drops.
    34 5 Melden
    • Franziskus Wanker 30.11.2017 14:02
      Highlight Na ja, frag mal in Kroatien nach seinem Status. Dort gilt er bei vielen Menschen als Kriegsheld und damit auch als "Opfer" des Gerichts.
      8 3 Melden
  • Paul_Partisan 30.11.2017 08:47
    Highlight Da wollte wohl einer nicht für seine Taten gerade stehen.... Trotzdem ein etwas bitteres Ende für den ICTY, der über all die Jahre einen hervorragenden Job machte. Vielen Dank dafür.
    29 14 Melden
  • why_so_serious 30.11.2017 08:22
    Highlight Zunächst sagt er, dass er kein Kriegsverbrecher sei und danach haut er sich das Gift in den Rachen - auch irgendwie gegensprüchlich.
    53 26 Melden
    • Elfranone 30.11.2017 23:49
      Highlight wenn du nicht mit dem ruf als kriegsverbrecher mehr leben willst dann scheint das doch ziemlich verständlich...
      stell dir vor dir wird was schreckliches vorgeworfen und du bist überzeugt davon dass dies nicht stimmt und wirst dann weltweit als teufliscjer mensch abgestempelt... mit diesem stempfel auf dem haupt will nicht jeder leben
      2 1 Melden
  • rodolofo 30.11.2017 07:36
    Highlight Ist doch super, wenn der sich gleich selbst mit der Todesstrafe erledigt!
    Die ganzen Prozesse rund um diese elenden Kriegsverbrecher der Yugoslawien-Kriege sind so schon aufwändig und teuer genug!
    Bis die Int. Justiz mit unserer unermüdlichen und hartnäckigen Carla Del Ponte diese von der Bevölkerung als Kriegshelden verehrten und versteckten Kriegsverbrecher nur schon aufspüren und verhaften konnte, vergingen Jahre mit mühsamen Fahndungen, Verhandlungen mit neuen Machthabern und Sanktions-Massnahmen.
    Jetzt kann der Internationale Strafvollzug wenigstens hier ein klein wenig sparen...
    29 20 Melden
    • PaLve! 30.11.2017 12:49
      Highlight Der ist jetzt einfach tot, wie all seine Opfer auch. Das ist keine Strafe für ihn, eher eine Erlösung von seinem armseligen Leben.
      19 3 Melden
  • bresse 30.11.2017 07:12
    Highlight 20 Jahre für das Sprengen einer Brücke das ist zu viel.
    12 54 Melden
    • PaLve! 30.11.2017 12:51
      Highlight Das mit dem Kommentieren sollte man lassen, wenn man keine Ahnung vom Thema hat. Allerdings könnte Watson zu diesem Anlass mal etwas ausführlicher über die Kriege in Jugoslawien berichten, das wäre nötig, wie man an deinem Kommentar sieht.
      29 3 Melden
    • Xi Jinping 01.12.2017 09:16
      Highlight @bresse
      Lies da mal unter Punkt 60: http://www.icty.org/x/cases/prlic/ind/en/prl-ii040304e.htm
      0 0 Melden
  • He nu.. 30.11.2017 05:58
    Highlight Der Arme wird im Paradies nicht auf Jungfrauen treffen, er war auf der falschen Seite. Bei unserer Religion wird er Kohlen schaufeln müssen:-)
    25 22 Melden
    • Sapere Aude 30.11.2017 22:53
      Highlight Er würde sowieso keine Jungfrauen erhalten, weil er keine Ungläubige mit in den Tod gerissen hat.
      0 0 Melden

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