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Italienischer Priester im TV: «Pädophilie kann ich verstehen –Homosexualität, ich weiss nicht» 

Als der Priester Gino Flaim vom italienischen TV zu Sexualität befragt wird, erklärt er unumwunden, Pädophile seien Sünder, die auf Vergebung hoffen könnten. Vernachlässigte Kinder suchten schon mal Zuneigung bei Geistlichen.

07.10.15, 16:56 07.10.15, 17:53

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In Rom diskutieren Bischöfe aus aller Welt derzeit über Ehe, Kinder, Genderfragen und Homosexualität. Kurz vor Beginn der Familiensynode sorgte das Outing des polnischen Geistlichen Krzysztof Charamsa für Aufsehen – und seine Entlassung aus kirchlichen Diensten.

Jetzt hat ein Priester aus den norditalienischen Trient die ohnehin schwierige Debatte um sexuelle Minderheiten und Pädophilie in der katholischen Kirche weiter befeuert. Auf die Frage, ob gleichgeschlechtliche Liebe unter Gläubigen ein Problem darstelle, anwortete der 75-jährige Gino Flaim dem TV-Sender La7: «Pädophlie kann ich verstehen – Homosexualität, ich weiss nicht.»

Priester Gino Flaim im Gespräch mit dem Sender La7: Verständnis für Pädophile – nicht für Homosexuelle
bild: LA7

Als die Reporterin Giorgia Gay nachhakte, erklärte der Mitarbeiter der Kirche San Giuseppe e Pio X: «Leider gibt es Kinder, die Zuneigung suchen, weil sie diese zu Hause nicht bekommen, und dann suchen sie sich einen Priester, und mancher gibt nach.» Ein Grossteil der Opfer komme aus einem schwierigen sozialen Umfeld, so der Priester.

Dass es Homosexualität in der Kirche gebe, verwundere ihn nicht, fuhr Flaim fort. Schliesslich sei die Kirche «eine Gemeinschaft von Sündern». Auch Pädophile «sind Sünder und als solche werden sie auch aufgenommen. Wer in solch einer Situation lebt, mit Pädophilie oder Homosexualität, der leidet und versucht, auf jede erdenkliche Weise da rauszukommen.»

Abenteuerliche Botschaften sind das, die der Greis dort im Fernsehen verbreitete:

Zum Teil sind das klassische katholische Hardliner-Thesen, die Flaim vertritt. Das zuständige Erzbistum beeilte sich zu betonen, dass diese Einstellung «nicht im Geringsten die Position der Erzdiözese Trient und der gesamten Kirchengemeinschaft widerspiegelt». Und fast im gleichen Moment wurde Flaim vom Dienst suspendiert.

Priester hadert auch mit Vergebung von Abtreibung

«Aber was habe ich denn so Schimmes gesagt?», fragte er sich nach dem Eklat verwundert. «Ich verstehe Pädophilie, aber mit Sicherheit rechtfertige ich sie nicht», sagte er am Mittwoch dem Online-Portal Trentino. Flaim blieb dabei, dass Homosexualität eine Krankheit sei: «Man müsste darüber mit einem Arzt reden», so seine Empfehlung an die Betroffenen. Auf seine Predigt will der geschasste Geistliche nicht verzichten: «Ich will morgen früh die Messe feiern und wenn ich das nicht darf, werde ich meine Predigt in der Bar halten, wo die Leute mich kennen, mir zuhören und wo ich noch nie einen Skandal veranstaltet habe.»

Franziskus' Haltung zur Pädophilie ist unmissverständlich. Auf seinem USA-Besuch hat sich der Pontifex in Philadelphia mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Kirchenangehörige getroffen. «Gott selbst weint darüber», sagte er. Er versprach, rigoros gegen Täter vorzugehen, und Geistliche auch für Schweigen und Vertuschung zur Verantwortung zu ziehen.

««Es ist unerhört, dass ein Priester die Pädophilie rechtfertigt»

Sexueller Missbrauch in vielen katholischen Gemeinden weltweit hat dem Ruf der Kirche massiv geschadet und zu Austritten geführt. Der Skandal wurde laut Opfervertretern nicht oder nur teilweise aufgearbeitet.

«Es ist unerhört, dass ein Priester die Pädophilie rechtfertigt, ein Schwerstverbrechen, das besonders schändlich ist», sagte die Vizepräsidentin der parlamentarischen Kinderschutzkommission, Sandra Zampa von der Demokratischen Partei (PD). In Europa wird durchschnittlich eins von fünf Kindern zum Opfer sexuellen Missbrauchs, in Italien wurden im Jahr 2014 mehr als 200 Fälle aktenkundig, wie die Tageszeitung «Repubblica» berichtet.

Auf seiner Facebook-Seite hadert Flaim auch mit der Initiative des Papstes, Priestern ein Jahr lang die Möglichkeit einzuräumen, Frauen von der Sünde der Abtreibung loszusprechen, falls die Betroffenen um Vergebung bitten. «Es reicht nicht, nur zu sagen, es tut mir leid», schreibt Flaim. «Es ist das Leben, das die Reue verdeutlicht, nicht das Wort.» (ala)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alex23 08.10.2015 08:47
    Highlight Der Mann ist wenigstens ehrlich. In unbeschwerter Naivität gibt er zum Besten, was er und seine verknöcherten Brüder so denken, natürlich bereits in einer frisierten Variante.
    Aber letztlich sagt er nur das, was den toxischen Mief der katholischen Kirche leider nach wie vor ausmacht, trotz vieler Versuche, das Image aufzupolieren.
    2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 07.10.2015 19:33
    Highlight katholiken kann ich verstehen, aber (pedophile) priester, ich weiss nicht...
    20 2 Melden
    • _kokolorix 07.10.2015 21:06
      Highlight das zölibat widerspricht eindeutig der männlichen natur!
      viele werden sich mit selbstbefridigung durchs leben bringen, aber offensichtlich nicht alle.
      es ist falsch nur diese fehlbaren priester zu verurteilen. es ist genauso die katholische kirche zu verurteilen, welche seit jahrhunderten solch menschenverachtende regeln aufstellt und durchsetzt.
      18 2 Melden
    • dracului 08.10.2015 10:15
      Highlight @_kokolorix: Die Verallgemeinerungen und Unterstellungen halte ich für falsch. Es liegt in der Natur, dass die Fortpflantzung mit positiven Anreizen daherkommt. Aber bspw. ist diese Grundlage auch in der Natur der Frau. Nicht allen fällt es zudem so schwer, enthaltsam zu leben und nicht alle müssen sich "mit Selbsbefriedigung durch das Leben" bringen.
      1 0 Melden
    • _kokolorix 08.10.2015 13:48
      Highlight @dracului
      du findest also das zölibat und den auschluss der frauen richtig?
      0 0 Melden
  • la le 07.10.2015 18:39
    Highlight der ist selber ein
    pädophil!
    19 7 Melden
  • Gelöschter Benutzer 07.10.2015 18:04
    Highlight Oje....noch mieser kann das Image der katholischen Kirche wirklich nicht mehr werden.
    34 1 Melden
    • Lasagne 07.10.2015 19:38
      Highlight Die Wette nehm ich an...
      31 0 Melden
  • Lialice 07.10.2015 17:44
    Highlight Dass der ernsthaft behauptet, kinderschändende Priester tun das, weil sie von KINDERN in Versuchung geführt werden.
    Das ist dermassen daneben, ich bin nicht mal wütend, sondern amüsiert.

    35 2 Melden
  • Käsekuchen 07.10.2015 17:44
    Highlight Wie ist denn das, wenn ein Priester nun von einem solchen armen Jungen "verführt" wird? Dabei handelt es sich doch auch um eine homosexuelle Handlung...?
    31 1 Melden
  • Zarclay 07.10.2015 17:31
    Highlight Und dann fragt man sich, weshalb die Zahl der Katholiken jährlich zurück geht bzw. immer mehr Personen aus diesem "Verein" aussteigen. Meine steuerliche Ersparnis ist ein guter Beigeschmack. Wieviele Leute es gibt welche nur auf dem Papier Katholiken sind und diese Halunken finanziell unterstützen (Steuerzahler), will ich nich wissen.
    17 2 Melden
  • Angelika 07.10.2015 17:16
    Highlight Wichtig wäre aber schon die klare Trennung von Pädophilie und Kindsmissbrauch/Kinderschändung. Schade, dass jene Pädophilen, die ein Leben lang gegen ihren Trieb kämpfen und ihm nicht nachgeben, mit den Kriminellen in einen Topf geworfen werden.
    51 2 Melden
    • _kokolorix 07.10.2015 20:58
      Highlight sowohl bei homosexualität wie auch bei pädophilie geht es fast auschliesslich um männer. während die männliche homosexualität in der bibel explizit verboten ist, kommen lesben und pädophile dort gar nicht vor. so gesehen ist die aussage des priesters verständlich.

      ich weiss wirklich nicht ob pädophilie ein etwas entarteter sexualtrieb ist oder ob es schlicht einfacher ist ein kind zu missbrauchen als eine/n erwachsene/n. mann ist da sowohl körperlich als auch punkto lebenserfahrung eindeutig im vorteil. es könnte sich also auch schlicht um feigheit und bequemlichkeit handeln.
      3 18 Melden
    • Datsyuk * 08.10.2015 06:46
      Highlight _kokolorix, da liegst du eindeutig falsch..
      4 0 Melden
    • _kokolorix 08.10.2015 13:46
      Highlight mit welcher begründung?
      0 1 Melden
    • Datsyuk * 09.10.2015 08:09
      Highlight Ein Pädophiler fühlt sich sexuell zu Kindern hingezogen. Wie du dich - das nehme ich jetzt einfach an - zu Frauen hingezogen fühlst.
      Beispielsweise mit Therapien wird versucht, dem Pädophilen einen Umgang mit seinen Neigungen zu vermitteln bei dem Kinder nicht zu Schaden kommen.
      Ein Pädophiler kämpft also erfolgreich gegen die eigene sexuelle Neigung an, wenn durch ihn keine Kinder zu Schaden kommen.
      2 0 Melden
    • _kokolorix 09.10.2015 16:27
      Highlight danke für die sachliche begründung. habe mich noch bei wikipedia schlau gemacht, dort steht etwas ausführlicher dssselbe.
      interessanter abschnitt zu diesem artikel hier:

      Auch in der Berichterstattung über Übergriffe von Priestern auf minderjährige Jungen werden diese meistens als pädophile Taten bezeichnet, obwohl eine Studie aufzeigte, dass nur eine Minderheit der Priester, die sexuelle Übergriffe begingen, den diagnostischen Kriterien der Pädophilie entsprechen.
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