International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Krysztof Charamsa hat den Vatikan gegen sich aufgebracht.
Bild: EPA/ANSA

Priester outet sich als homosexuell – und der Vatikan zittert vor Wut

Mit einem Coming-out und deutlicher Kritik am Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen hat ein polnischer Priester den Vatikan erschüttert – ausgerechnet einen Tag vor Beginn der Familiensynode. Der Vatikan reagierte erbost und zog Konsequenzen.

04.10.15, 03:36 04.10.15, 08:47


Der Priester Krysztof Charamsa machte in der polnischen Ausgabe des Magazins «Newsweek» vom Samstag seine Homosexualität öffentlich. Der 43-Jährige klagte, der Klerus sei «überwiegend homosexuell und traurigerweise auch homophob bis zur Paranoia, weil es an Akzeptanz der eigenen sexuellen Orientierung mangelt».

«Mein Coming-out soll ein Appell an die Synode sein, ihr paranoides Handeln gegenüber sexuellen Minderheiten aufzugeben.»

Der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» sagte er zudem, die katholische Kirche müsse hinsichtlich gläubiger Homosexueller «die Augen öffnen und verstehen, dass ihre Lösung, totale Abstinenz und ein Leben ohne Liebe zu leben, unmenschlich ist».

Er wolle die Kirche nicht zerstören, sondern ihr helfen. «Mein Coming-out soll ein Appell an die Synode sein, ihr paranoides Handeln gegenüber sexuellen Minderheiten aufzugeben.»

«Ich weiss, dass die Kirche mich als jemanden ansieht, der seiner Pflicht nicht nachgekommen ist, der sich verloren hat und der noch dazu nicht mit einer Frau, sondern mit einem Mann zusammen ist», sagte Charamsa dem «Corriere della Sera». Er wisse, dass er sein Amt aufgeben müsse. Sein Ziel sei es aber, eine «zurückgebliebene» und «paranoide» Kirche zu bewegen.

Des Amtes enthoben

Der Vatikan enthob Charamsa umgehend seines Amtes in der Glaubenskongregation. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi verurteilte die Äusserungen des Geistlichen als «schwerwiegend und unverantwortlich». Über seine priesterliche Zukunft müsse sein zuständiger Bischof entscheiden.

Dieser reagierte umgehend: Der Bischof von Pelplin, Ryszard Kasyna, habe gegenüber Charamsa eine Verwarnung ausgesprochen, damit dieser «zum Amt Christi» zurückkehre, hiess es in einer am Samstagabend auf der Webseite der Diözese veröffentlichten Erklärung. Der Bischof fordere «die Priester und Gläubigen auf, in dieser Absicht zu beten». Die Äusserungen Charamsas stünden im Widerspruch zum Evangelium und der Lehre der katholischen Kirche.

Charamsa und sein Partner.
Bild: EPA/ANSA

Bei einer Pressekonferenz in Rom, bei der ihn sein Partner begleitete, sagte Charamsa, er sei glücklich über sein Coming-out. Er wolle sich nun «als Anwalt für alle sexuellen Minderheiten und ihre Familien einsetzen, die im Stillen gelitten haben». Zugleich dankte er «unserem fantastischen Papst, der es uns erlaubt hat, wieder an den Dialog zu glauben».

Kritik am Zeitpunkt

Charamsa stellte ein Zehn-Punkte-Manifest gegen «institutionalisierte Homophobie in der Kirche» vor und kündigte zudem ein Buch über seine Erfahrungen in der Vatikan-Verwaltung an. Diese hatte sich gerade erst von einem Skandal um den Einfluss einer mutmasslichen «homosexuellen Lobby» unter ranghohen Geistlichen während der Amtszeit von Papst Benedikt XVI. erholt.

Neben dem Inhalt stiess im Vatikan der Zeitpunkt von Charamsas Outing auf Verärgerung. Ziel sei es, die Synode unter «ungebührlichen medialen Druck» zu setzen, hiess es. Ab Sonntag berät Papst Franziskus mit Bischöfen aus aller Welt über die Frage, welche Positionen die Kirche künftig hinsichtlich des Familienbilds vertreten wird.

Bei einem Gebet vor 90'000 Gläubigen auf dem Petersplatz ging Franziskus nicht auf den polnischen Pfarrer ein, gab aber ein klares Bekenntnis zu Ehe und Familie ab. Er sprach sich gegen «Express-Hochzeiten» und für die Verlobung als Vorstufe der Ehe aus.

Bye-bye, USA: Tausende besuchen die Abschlussmesse des Papstes

(dwi/sda/afp)

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Baba 04.10.2015 08:21
    Highlight Woher die Empörung über die Amtsenthebung des Priesters? Er hat sich bei der Weihe zu einer zölibatären Lebensweise entschieden - freiwillig!! Und jetzt taucht er auf und bekennt öffentlich, dass er in einer Beziehung lebt (unabhängig ob homo- oder heterosexuell). Es ist daher absolut klar, dass er seiner Funktionen in der Glaubenskongegration enthoben wird. Oder glaubt jemand tatsächlichdaran, dass er andere Konsequenzen zu tragen gehabt hätte, wenn die öffentlich gemachte Beziehung mit einer Frau wäre?? Ich bin konfessionslos, aber dieses RCC Bashing nervt mich extrem.
    2 1 Melden

«Mann+Frau geht, Frau+Frau geht irgendwie, Mann+Mann geht nicht», twittert ein CVPler

«Wir sollten in den Grenzen der Biologie bleiben», findet der Präsident der CVP Luzern in Bezug auf die Familienplanung und tritt damit einen Shitstorm auf Twitter los. Nun will er die Zurich Pride besuchen.

Als ein junger CVPler am Montagmorgen ein Zitat der ehemaligen Bundesrätin Ruth Metzler auf Twitter teilt, kann er noch nicht ahnen, dass unter seinem Tweet zwei Tage später ein regelrechter Shitstorm stattfinden wird. 

Der Grund dafür ist Christian Ineichen, der Präsident der CVP Luzern. Dieser reagiert auf die Forderung von Kaufmann nach einer Ehe für alle. Seine Antwort:

Darauf wird Ineichen gebeten, sich konkreter zu äussern. Das tut er, indem er einen Tweet absetzt, für den er die …

Artikel lesen