International

Ein indisches Kind belädt in Allahabad sein Fahrrad mit Kuhfladen. 
Bild: Rajesh Kumar Singh/AP/KEYSTONE

Amazon entdeckt Onlinehandel in Indien: Kuhfladen gehen weg wie warme Semmeln

Der Internethandel boomt in Indien – mit durchaus überraschenden Produkten: Derzeit entwickeln sich Fladen aus Kuhdung und Heu zum Verkaufsschlager.

28.12.15, 09:13

Ein Artikel von

Amazon investiert Milliarden in den indischen Markt – und schafft es offenbar gut, die Bedürfnisse der Kunden vor Ort zu befriedigen. Zum Jahresende läuft einem Bericht der Nachrichtenagentur AP zufolge vor allem ein Produkt sehr gut: Kuhmist.

Kuhdung ist seit Jahrhunderten ein traditioneller Brennstoff im ländlichen Indien. Gemischt mit Heu wird der Kuhmist in Fladen getrocknet und dann zum Feuermachen genutzt – ein günstiger und in den Dörfern jederzeit verfügbarer Rohstoff. Hindus in Indien verehren Kühe als heilig und nutzen die getrockneten Kuhfladen für Kochstellen und zum Feuermachen bei religiösen Ritualen.

Internet-Versandhändler wie Amazon haben den Bedarf erkannt und bieten auch der rasch wachsenden städtischen Bevölkerung die Möglichkeit, günstig an die begehrten Kuhfladen zu kommen. Eine Suche auf der indischen Amazon-Seite ergibt mehr als hundert Ergebnisse.

Für grössere Mengen gibt es deutliche Rabatte – ab 99 Rupien (umgerechnet 1.37 Euro) für elf Stück – und auch kleinere Händler verkaufen das Produkt («trocken und hausgemacht») über die Website von Amazon. Einige Kunden, berichtet AP, fragten sogar nach einer Geschenkverpackung für ihre Kuhfladenlieferung.

Jetzt auf Amazon erhältlich: Indischer Kuhfladen. 
screenshot: http://www.amazon.com/The-Big-Indian-Store-Dung

Der US-Onlinehändler – der erst seit 2013 in Indien vertreten ist – zeigt dabei offenbar, wie gut er seine Kunden kennt. Das Geschäft ist in den vergangenen zwei Jahren explosionsartig gewachsen, die Plattform setzt in Indien jährlich Waren im Wert von mehr als zwei Milliarden Dollar um – und der Boom dürfte weitergehen.

Das Volumen des indischen Onlinehandels werde in den kommenden fünf Jahren von jetzt 17 Milliarden Dollar auf über 100 Milliarden steigen, prognostizierten der indische Industrieverband Assocham und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers Anfang des Jahres, die Investmentbanker von Morgan Stanley erwarten sogar einen Anstieg auf 137 Milliarden Dollar jährlich.

Einheimische Rivalen wie Flipkart oder Snapdeal geraten nach der Amazon-Offensive jedenfalls gehörig unter Druck – und Fladen aus Kuhdung haben sie auch nicht im Angebot.

nck/AP

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Hoffnungsschimmer im Südatlantik: Notsignale von argentinischem U-Boot empfangen

Bei der Suche nach dem seit Mittwoch im Südatlantik vermissten U-Boot der argentinischen Marine gibt es einen Hoffnungsschimmer. Es seien Notsignale des U-Bootes mit seiner 44-köpfigen Besatzung empfangen worden.

Dies teilte das argentinische Verteidigungsministerium am Samstag mit. Sieben Satelliten-Anrufe seien am Samstag versucht worden; der Kontakt habe aber nicht hergestellt werden können. Es werde nun daran gearbeitet, den genauen Ort der Signale herauszufinden.

Seit Mittwochvormittag gab es …

Artikel lesen