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Protest vor dem türkischen Konsulat in Rotterdam: Die niederländische Regierung verweigerte türkischen Mininstern Wahlkampfauftritte – damit half sie Erdogan-Wähler zu mobilisieren. Bild: EPA/ANP

«Europa hätte nicht auf Erdogans Provokationen einsteigen dürfen»

Soziologin Bilgin Ayata erklärt, warum die Kontroversen um die Wahlkampfauftritte in Europa halfen, Erdogan-Anhänger zu mobilisieren. Für sie entscheidet sich in den nächsten zehn Tagen das Schicksal der Türkei.

18.04.17, 08:28 18.04.17, 11:47

Frau Ayata, in Belgien haben 75 Prozent der Türken der Verfassungsreform zugestimmt. Auch in den Niederlanden, Deutschland und Österreich gab es deutliche Mehrheiten. Warum stimmen Bewohner von demokratischen Rechtsstaaten für mehr Autokratie und gegen Gewaltentrennung in ihrem Herkunftsland?
Bilgin Ayata:
 Die Ergebnisse in Europa entsprechen in etwa den Erfahrungswerten der drei bisherigen Urnengängen seit 2014, als das Auslandsvotum erstmals umgesetzt wurde. Der Anteil von Ja- und Nein-Stimmen hängt mit ihren parteipolitischen Präferenzen zusammen. Die türkische Gemeinde in der Schweiz etwa, wo die Oppositionsparteien CHP und HDP stark sind, hat die Verfassungsreform mit über 60 Prozent abgelehnt.

Zur Person

Bilgin Ayata ist Assistenzprofessorin für politische Soziologie an der Universität Basel. Sie forscht zu Transformationsprozessen,  Migration, sozialen Bewegungen. Ihr regionaler Schwerpunkt umfasst den Nahen Osten und Europa, insbesondere die Türkei und die kurdischen Gebiete. Bild: screenshot unibas.ch

«Die Strategie von Erdogan und der AKP ist voll aufgegangen.»

Die Wahlkampfauftritte von Befürwortern der Reform haben in Europa für Schlagzeilen gesorgt. Wie wirkte sich die Kontroverse auf das Ergebnis aus?
Die Strategie von Erdogan und der AKP, mit gezielten Provokationen Gegenreaktionen auszulösen, ist im Sinne der Regierung voll aufgegangen. Dort, wo es Streit über Wahlkampfauftritte gab, ist die Wahlbeteiligung gestiegen. Erdogan hat es dadurch geschafft, Wähler im Ausland zu mobilisieren. Die AKP wusste, dass es eine knappe Entscheidung geben würde und hat die Mobilisierung der Auslandstürken ganz eindeutig als neues politisches Spielfeld entdeckt.

Weshalb sprachen sich junge Türken in Europa, die ihr Herkunftsland teilweise nur aus den Ferien kennen, für eine weitgehende Alleinherrschaft Erdogans aus?
Ich gehe davon aus, das es weniger eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Referendum war als vielmehr eine Reaktion und ein Bekennen zu Erdogan. Ich würde hier auch von einer Protestwahl sprechen: viele junge MigrantInnen fühlen sich in dem Land, in dem sie leben, nicht akzeptiert. Unter diesem Gesichtspunkt könnte man sagen, dass die teilweise starken Reaktionen europäischer Politiker und Medien auf die Provokationen der AKP falsch waren: Man hätte nicht inhaltlich darauf einsteigen dürfen.

Was hätte man sonst tun können?
Wichtiger wäre es gewesen, diesen jungen Menschen mit türkischen Wurzeln klar zu verstehen geben, dass sie willkommen sind, sich hier in Europa politisch zu integrieren und mitzuentscheiden. Einige dieser jungen Türken konnten bei diesem Referendum zum ersten Mal überhaupt in ihrem Leben an einer Abstimmung teilnehmen, weil sie keine Staatsbürgerschaft ihrer Wahlheimat besitzen. Diesen Umstand hat Erdogan in seinen Reden immer wieder betont.

Was bedeutet die Teilung der türkischen Gesellschaft in zwei praktisch gleich grosse Lager?
Die Bedingungen bei diesem Referendum waren alles andere als fair. Deshalb haben die knapp 50 Prozent Wähler, welche die Opposition unter diesen widrigen Umständen mobilisieren konnte, eine hohe politische Aussagekraft.
Interessant ist, dass das Verfassungsprojekt der AKP von allen Seiten unter Druck geraten ist: Sowohl von der der säkular-sozialdemokratischen CHP und der pro-kurdischen HDP und von rechts von vielen Wählern der ultra-nationalistischen MHP. Deren Wähler haben die Ja-Parole ihrer Parteiführung missachtet.

Welche Auswirkungen hat dieses Ergebnis auf Türken und Kurden in Europa?
Die Türkei wird nach dieser Abstimmung eine Phase der Instabilität durchleben, denn das Referendum zeigt, dass die Opposition dagegen stark ist. Die Verhältnisse in der Türkei haben zwangsläufig auch Auswirkungen auf die Situation in Europa.
Durch die neuartige politische Zusammensetzung des Nein-Lagers könnte es auch in Europa zu interessanten neuen Konstellationen kommen. Wenn diese Opposition es schafft, sich gemeinsam gegen die AKP und das Präsidialsystem zu stellen, muss es nicht immer zwangsläufig zu Konflikten zwischen den rechtsextremen «Grauen Wölfen» und den Anhängern der PKK hinauslaufen.

«Die nächsten zehn Tage sind für die Türkei entscheidend.»

Die Opposition will, dass das Ergebnis wegen Wahlbetrug annulliert wird. Glauben Sie, die Verfassungsreform kann auf juristischem Weg noch verhindert werden?
Vieles hängt nun vom Verhalten der grössten Oppositionspartei CHP ab. Rechtlich gesehen dürfte es schwierig werden, den Entscheid der obersten Wahlbehörde YSK noch umzustürzen. Die Justiz in der Türkei ist schon lange nicht mehr unabhängig. Doch der Kampf gegen den Ausgang des Referendums ist vielmehr politisch als juristisch. Entscheidend ist, ob diejenigen, die Nein gestimmt haben, die Legitimität dieses umstrittenen Ergebnisses akzeptieren oder sich dagegen wehren.
Die nächsten zehn Tage sind für die Türkei entscheidend: Bis zur Veröffentlichung der endgültigen Wahlergebnisse müsste das Nein-Lager mit kraftvollen Demonstrationen klarmachen, dass sie das Referendum und die Auszählung nicht akzeptiert. Die AKP versucht bereits jetzt, die ersten Reformschritte anzugehen und somit den Anschein politischer Normalität zu erwecken.

Laut AKP soll die Verfassungsreform nach Fahrplan umgesetzt werden und somit 2019 Neuwahlen stattfinden. Findet sich dann noch ein chancenreicher Gegenkandidat als Herausforderer von Erdogan? Oder ist die Demokratie in der Türkei bis dahin endgültig begraben?
Das Problem ist nicht die Person Erdogan, es ist das präsidiale System. Das vorgeschlagene Verfassungssystem ist undemokratisch und autoritär. Durch die Aufhebung der Gewaltenteilung und der Vereinnahmung der Justiz spielt es letzten Endes gar nicht so eine Rolle, wer auf dem Präsidentensessel sitzt. Umso wichtiger wäre es, dass diese Verfassungsreform nicht in Kraft tritt.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • axantas 18.04.2017 18:51
    Highlight ...hätte Europa geschwiegen, hätte die Schlagzeile da oben

    «Europa hätte auf Erdogans Provokationen reagieren sollen»

    gelautet. Europa ist schuld. Alles klar. Die türkischen Stimmbürger sind nur Opfer. Wir haben wieder mal alles falsch gemacht. Es sei denn halt so. Man gewöhnt sich dran....
    14 3 Melden
  • ev0lution 18.04.2017 13:03
    Highlight Angesichts dessen, dass Türken die hier Wohnen das Demokratische System geniessen, anderseits aber dies den Landsleuten in der Türkei nicht zugestehen und eine Diktatur wählen, sollte es doch angebracht sein die Möglichkeit (Missbrauch) der Doppelbürgerschaft zu überdenken.
    27 4 Melden
  • -woe- 18.04.2017 11:50
    Highlight Jetzt sollen wir wir am Abstimmungsresultat Schuld sein!? Wir wollen einfach, dass keine inner-türkischen Konflikte bei uns im Land ausgetragen werden. Das sollen die Türken, Kurden und weiss noch wer alles bei ihnen austragen.

    Die Türken haben in den letzten hundert Jahren noch kaum etwas auf die Reihe gekriegt. Trotz besten Voraussetzungen darbt die Wirtschaft und ist näher an der Dritten Welt als am Westen. Selber Schuld!
    36 8 Melden
  • Normi 18.04.2017 11:12
    Highlight erstens ist Europa kein Land es besteht aus vielen Ländern und niemand muss beleidigen lassen ! !

    Auch nicht von Ziegen freunden 😱

    Auch dieser "Sieg" wird nichts daran ändern das die Hotels leer sind und bleiben obwohl er könnte sie mit den Ja StimmerInnen füllen...

    Erst wen die Fanatiker merken das man mit Worten keine Kühlschränke füllen kann werden sie feststellen was sie gewählt haben.


    45 6 Melden
  • Rubby 18.04.2017 11:07
    Highlight Ach....müssen wir uns von einem möchtegernemir ducken????....lach soweit kommts noch..!!!!....ich fass es nicht jetzt sind die europäer noch schuld wenn so ein typ an die macht kommt???.....
    35 7 Melden
    • Kommemtar 18.04.2017 15:24
      Highlight Der "Westen" vorallem die USA aber auch die Europäer haben einen sehr, sehr grossen Anteil daran was im Nahen und Mittleren Osten gerade passiert.

      Dazu sei dir Folgende Lektüre empfohlen:

      Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet

      Die den Sturm ernten: Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte

      Beide von Michael Lüders
      7 10 Melden
    • michiOW 18.04.2017 19:57
      Highlight @Kommentar
      Ja, westliche Regierungen UND Unternehmen haben so einiges in Asien, Osteuropa und Afrika verursacht, in diesem Fall jedoch hat der Westen sich nur verteidigt. Wenn man beleidigt und erpresst wird, muss man sich das nicht bieten lassen. Es hat Erdogan vielleicht geholfen, jedoch dreht sich nicht alles um die Türkei.

      Als Bürger erwartet man von der Regierung, dass sie Beleidigungen und Drohungen nicht einfach hinnimmt und kuscht.
      5 0 Melden
  • Töfflifahrer 18.04.2017 10:29
    Highlight Die Reform wird in Kraft treten und lange bestand haben. Für alle möglichen, auch künftigen, Präsidenten ist diese Machtfülle einfach zu verlockend.
    Die einzige Chance wäre ein Putsch mit dem Ziel die Gewaltenteilung wiederherzustellen. Damit ist aber wohl mittelfristig eher nich zu rechnen.
    36 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 18.04.2017 09:54
    Highlight "Wichtiger wäre es gewesen, diesen jungen Menschen mit türkischen Wurzeln klar zu verstehen geben, dass sie willkommen sind, sich hier in Europa politisch zu integrieren und mitzuentscheiden." Das gerade in den Niederlanden die pro-Erdogan Bewegung stark ist, zeigt ja dass dies nicht der Fall ist. Der Türen zur Integration stehen weit offen in den betreffenden Ländern.
    29 13 Melden
  • Kommemtar 18.04.2017 09:52
    Highlight Dass die Abstimmung weder frei noch fair war, steht für mich ausser Frage. Daher war der Ausgang schon lange bekannt.

    Ich Frage mich eher wie stark die Türkische Mittel und Unterschicht ist. Das zu Protesten uns Ausschreitungen kommt ist doch nur logisch.

    Wie Erdogan darauf reagiert ist auch abzusehen. Mit Gewalt und Repression.

    Die Frage ist nur ob es Erdogan schafft die Proteste zu unterdrücken und eine brutale, willkürliche jedoch Stabile Herrschaft installieren kann oder ob das nächste Land in einen Bürger/ Stellvertreterkrieg rutscht.
    27 2 Melden
  • Rene Tinner 18.04.2017 09:50
    Highlight Frau Ayata liegt falsch. Dank Einschüchterung und Bespitzelung wurden viele Nein-stimmenden am Wählen gehindert.
    48 6 Melden
  • Rene Tinner 18.04.2017 09:48
    Highlight Stimmbeteiligungen in Europa: ca. 60 %. 40 % gingen nicht abstimmen, weil kein Interesse oder eingeschüchtert wurden. Wenn die Nein-Stimmenden gewählt hätten und hätten können, wären keine Ja-Mehrheiten in B, D, A,NL entstanden. Erdogan funktioniert so, wie ein Grössenwahnsinniger im frühen 20. Jahrhundert. Alles schon dagewesen. Politiker und Volk lernen nichts aus schlechten Erfahrungen der Vergangenheit.
    33 4 Melden
  • Asmodeus 18.04.2017 09:47
    Highlight Die Aussage lässt sich sofort widerlegen.


    Ja Erdogan hat die Kontroversen für sich genutzt. Und was hätte er getan wenn Europa ihn hätte gewähren lassen?
    Er hätte es als Schuldgeständnis oder Unterstützung von ihm ausgelegt.

    Es war absolut egal was Europa macht, da er die Medien steuert wie es ihm beliebt und auch die Wahlurnen kontrolliert.

    Das Hauptproblem sind die Türken in Deutschland/Frankreich etc. die so extrem von Europa entfernt sind, dass sie lieber einen faschistischen Staat unterstützen.... solange sie selber nicht dort wohnen müssen.
    61 1 Melden
  • DocM 18.04.2017 09:43
    Highlight Frau Ayata, Europa hat nur versucht auf demokratisch diplomatischem Wege das Gesicht zu wahren. Hätte jedes Land gleich geantwortet wie es vom Herrn mit Schnauz beleidigt worden wäre, hätten wir bürgerkriegsähnliche Zustände. Hätte Europa nichts gemacht, würden genau Sie mit dem Finger auf Europa zeigen, einfach mit der Aussage: Die Anhänger des Mannes mit Schnauz konnten machen was sie wollten.
    45 2 Melden
  • FrancoL 18.04.2017 09:22
    Highlight Wichtiger wäre es gewesen, diesen jungen Menschen mit türkischen Wurzeln klar zu verstehen geben, dass sie willkommen sind.
    Naja wie sollte das innert weniger Monate gehen?
    Das wäre ein Langzeitprojekt bei dem sich gerade Erdogan affine Türken hätten einbringen müssen und nicht durch Machtgehabe sondern durch Annahme von demokratischen Prinzipien.
    Diese Interpretation von Ayata greift viel zu kurz.
    31 3 Melden
  • Linus Luchs 18.04.2017 09:17
    Highlight "Ich gehe davon aus, das es weniger eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Referendum war als vielmehr eine Reaktion und ein Bekennen zu Erdogan." Dieser Satz über die Beweggründe eines Teils des Ja-Lagers beschreibt das grosse Problem der Demokratie, wie sie heute in der Regel organisiert ist. Menschen entscheiden über Dinge, deren Komplexität und Tragweite sie nicht begreifen können. Deren Stimmen zählen genau gleich viel wie die Stimmen der Informierten. Durch die Dummheit einer Mehrheit schiesst sich das Volk selber ins Bein – am 9.11.16 in den USA, am 16.4.17 in der Türkei.
    27 14 Melden
    • Asmodeus 18.04.2017 12:43
      Highlight Oder auch immer wieder in der Schweiz. (MEI lässt grüssen)
      11 11 Melden
    • R. Peter 19.04.2017 04:34
      Highlight Sehr arrogante und überhebliche Aussage, Linus Luchs. Verstehe ich richtig, dass du dich zu den Informierten zählst und deine Meinung/ Stimme darum mehr zählen sollte als die der anderen (Dummen)? Oder zählst du dich zu den Dummen, dann könntest du aber auch einfach auf dein Stimmrecht verzichten. Ich behalte meins unabhängig meines IQs, wenns recht ist, und gewähre es auch dir weiterhin zu...
      3 3 Melden
    • Linus Luchs 19.04.2017 13:58
      Highlight @ R. Peter (Teil 1) Mit Arroganz und Überheblichkeit hat das nichts zu tun. Aktuelles Beispiel: das „Kalt Duschen“-Plakat gegen das Energiegesetz. Auf welchem IQ-Level wird hier argumentiert? Die Möglichkeit, durch Populismus politisch erfolgreich zu sein, verdrängt die intelligente, differenzierte Debatte. Wer die Uninformierten und Schwarzweissdenker mit Bildern, Emotionen und Schlagworten überzeugen kann, gewinnt die politische Macht. Das ist nicht zum Wohle einer demokratischen Gesellschaft, die auf Werten wie Freiheit, Solidarität und Verantwortung beruht.
      0 0 Melden
    • Linus Luchs 19.04.2017 13:59
      Highlight @ R. Peter (Teil 2) Der US-amerikanische Philosoph und Politikwissenschaftler Jason Brennan hat mit seinem Buch „Against Democracy“ diese Thematik aufgegriffen. Seine Vorschläge provozieren. Er wünscht sich eine Herrschaft der Wissenden. Schon Platon hatte das gefordert. Er beanstandet, es gäbe keinen Anreiz, sich politisch schlau zu machen, wenn die Stimme des Ignoranten gleich viel zählt. Wir sollten die Debatte darüber aufnehmen, bevor der „Souverän“ noch öfters die Demokratie abschafft. TV-Tipp:
      http://www.srf.ch/sendungen/Sternstunde-philosophie/jason-brennan-weg-mit-der-demokratie
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    • Linus Luchs 19.04.2017 16:21
      Highlight @ R. Peter (Teil 3) Eine Umsetzung von Brennans Demokratiemodell wäre natürlich mit schwierigen Fragen verbunden. Aber wir müssen das Grundproblem erkennen. Eine Antwort muss lauten: Bildung! Nicht wirtschaftskonforme Kompetenzvermittlung, sondern geistes- und naturwissenschaftliche Allgemeinbildung. Eine Harvard-Studie hat ergeben, dass weltweit immer mehr junge Menschen es nicht für unerlässlich halten, in einer Demokratie zu leben. Sie finden es okay, wenn es Minderheiten oder Andersdenkenden schlechter geht. Für diese Jungen gibt es keine Lehren aus der Geschichte. Ihnen fehlt: Bildung.
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    • R. Peter 19.04.2017 21:00
      Highlight Linus, stimmt, ein Weisenrat oder weiser König/ Diktator würde sicher effizientere und insgesamt bessere Entscheide bringen als unsere Demokratie. Das ist aber auch gar nicht das Ziel der Demokratie. Das Ziel ist, nicht beherrscht zu werden sondern die Macht beim Volke zu halten. Es geht um Freiheit, nicht um die besten Entscheide. In der Demokratieentscheiden jene, die in einem Land leben (das Bürgerrecht annehmen) über die Gesetze und tragen im Gegenzug auch die Konsequenzen. Ganz im Gegemsatz zu einem mit Garantie besser gestellten Weisenrat oder Diktator.
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    • R. Peter 19.04.2017 21:01
      Highlight Auf welchem IQ Level das kalt duschen Plakat argumentiert ist irrelevant, es vereinfacht die Argumentation des Nein Lagers auf Plakatgrösse: das Gesetz stand heute führt zu Stromlücken, ob daraus kalt duschen, mehr Fördermittel oder Importe resultieren ist Gegenstand weiterer Diskussionen welche geführt werden. Es verletzt und diskriminiert auch niemanden. Daher sehe ich darin kein Problem.

      Die Bildung in der CH ist ausgezeichnet. Nein-Stimmenden die Intelligenz abzuerkennen halte ich wie gesagt dür eine sehr arrogante Haltung. Unabhängig der Bildung sind Menschen für und gegen die Vorlage.
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    • R. Peter 19.04.2017 21:01
      Highlight Noch immer unbeantwortet ist meine Frage zu deiner Einschätzung, ob du dich nun zu den Informierten oder den Dummen zählst? Ich betrachte mich als meist ganz gut informiert, was nicht heisst, dass ich anderen, die das ev. nicht sind ihre Stimme aberkennen will. Sie können leer stimmen oder der Empfehlung der Person/ Partei/ Verband/ etc. ihres Vertrauens folgen.
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    • Linus Luchs 20.04.2017 08:34
      Highlight @ R. Peter: Die direkte Demokratie ist nur eine von vielen möglichen Demokratieformen. Es ist immer noch eine Demokratie, wenn das Volk die Personen bestimmt, welche die Entscheidungen treffen.

      Als Ziel der Demokratie nur die Freiheit zu nennen, ist mir zu eindimensional. Der siamesische Zwilling der Freiheit ist die Verantwortung. Verantwortung kann man aber nur übernehmen, wenn man weiss, wofür. Und hier beginnt das Problem, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratie#Die_Anforderungen_der_Demokratie_an_ihre_B.C3.BCrger
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    • Linus Luchs 20.04.2017 08:35
      Highlight PS: Ich beantworte dir nicht, ob ich mich für informiert oder dumm halte. Ich diskutiere auf der Sachebene, oder wir lassen es bleiben.
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    • R. Peter 20.04.2017 10:11
      Highlight Linus, stimmt, Es geht um Verantwortung und Verantwortung bedeutet, die Konsequenzen meiner Entscheidungen tragen zu müssen. Das ist je mehr gegeben, je direkter eine Demokratie ist. Darauf wollte ich aber nicht hinaus und es ist auch irrelevant in diesem Thema denn du beklagst, dass die Stimmend der Dummen gleich viel wiegen wie jene der Informierten. Das gilt dann wohl auch für Parlaments- oder Präsidentschaftswahlen, nicht (Trump, Le Pen, AFD)? Wer darf also noch wählen? Muss ich eine Prüfung ablegen? Wer bestimmt die "richtigen" Antworten mit welcher Legitimation?
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    • R. Peter 20.04.2017 10:11
      Highlight Darum ist auch die Frage nach deiner Selbsteinschätzung genau die Sachebene: diese Frage stellte sich für jeden Bürger - wer beantwortet sie aufgrund welcher Kriterien? Die Bildung in der Schweiz, auch die geistes- und naturwissenschaftliche Allgemeinbildung, ist gut. Es besteht kein Grund, diese in Frage zu stellen.

      Nochmal, auch die Uninformiertheit ist kein Problem: ich entscheide auf Grund MEINER Überzeugung, welche auf meinen Informationen und/ oder dem Vertrauen in Empfehlungen von anderen gründet. Auch entscheide ich selber, ob ich mich informiert fühle, nicht der Weisenrat.
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    • R. Peter 20.04.2017 10:12
      Highlight Das Abschieben von Verantwortung an ein Parlament, Weisenrat oder Diktator ist in jedem Fall ein Abbau von Freiheitsrechten wie es Erdogan gerade vormacht. Sorry aber das will ich nicht. Letzten Endes dünkt mich diese Forderung eben doch eine arrogante Reaktion von den Unterliegenden der letzten Entscheide, welche diese und damit die Entscheider selber als dumm bezeichnen und ihnen damit Legitimation absprechen.
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    • R. Peter 20.04.2017 10:12
      Highlight Nur wer entscheidet über Richtig und Falsch? Was ist besser für die Zukunft? Was ist mit jenen Informierten, die doch anderer Meinung sind? Sind diese nun verl gen oder doch dumm? Haben sie noch Legitimation? Von wem? Dem dummen Volk? Wie kann ein dummes Volk entscheiden, wer ein Informierter Weiser ist?
      0 0 Melden
    • Linus Luchs 20.04.2017 13:42
      Highlight „Verantwortung bedeutet, die Konsequenzen meiner Entscheidungen tragen zu müssen.“ Einverstanden. Aber die Entscheidungen basieren auf einem Informationsstand. Ist der mangelhaft, werden die Entscheidungen nur im Glücksfall gut sein. Das ist mir zu wenig.

      „Die Bildung in der Schweiz, auch die geistes- und naturwissenschaftliche Allgemeinbildung, ist gut.“ Nicht einverstanden. Unser Bildungssystem wird unter dem Spardruck zur Befähigungsanstalt für den Arbeitsmarkt. Allgemeinbildung kommt zu kurz. Was die Wirtschaft vermeintlich nicht gebrauchen kann, wird in den Freizeitbereich abgeschoben.
      1 0 Melden
    • Linus Luchs 20.04.2017 13:42
      Highlight „Ich entscheide auf Grund MEINER Überzeugung, welche auf meinen Informationen und/oder dem Vertrauen in Empfehlungen von anderen gründet.“ Willkommen im postfaktischen Zeitalter. Jeder findet in seiner Blase seine eigene Wahrheit. Darauf baut der Populismus, so funktioniert Whataboutism. So stimmt vielleicht eine Mehrheit gegen das neue Energiegesetz, weil sie nicht kalt duschen will.

      „Nur wer entscheidet über Richtig und Falsch?“ Die unabhängige Wissenschaft sollte es sein. Es ist kein Zufall, wird die Wissenschaft von Demagogen wie Trump und Erdogan systematisch diskreditiert und behindert.
      2 1 Melden
    • Linus Luchs 20.04.2017 14:10
      Highlight Es sind ja gerade Figuren wie Trump, Erdogan, Wilders, Petry, Blocher und Glarner, die sich so vehement auf den „Volkswillen“ berufen. Warum tun sie das? Und welcher Teil des Volkes jubelt ihnen zu? Eigentlich sagt diese Beobachtung alles aus. Die grösste Gefahr für die Demokratie sind Bürgerinnen und Bürger mit mangelnden politischen Kompetenzen, denn sie können dazu verführt werden, die Demokratie abzuschaffen.
      2 1 Melden
    • R. Peter 21.04.2017 14:07
      Highlight Linus,

      1) Entscheidungen basieren auf Informationen oder Vertrauen. Wer bist du, um zu entscheiden, wer genügend gut (richtig) informiert ist?

      2) die Bildungsausgaben in der CH wachsen stärker als das BIP und stärker als die allgemeinen Ausgaben. Von Spardruck kann insgesamt keine Rede sein. Wie kommst du darauf? Einzelfälle gibt es natürlich immer, davon lässt sich nicht auf generell schliessen.

      3) auxh hier, wer bist du dass du entscheiden kannst, welche Argumente (Plakate sind immer pointiert oder verkürzt: Plakat gegen MEI "Bilaterale abholzen" -> angenommen -> nichts ist geschehen)
      1 2 Melden
    • R. Peter 21.04.2017 14:07
      Highlight 4) die Wissenschaft ist ncht die Politik und kann ebensowenig aichere Zukunftsprognosen stellen wie alle anderen. Oder dürfen nur noch Akademiker wählen?

      5) du forderst, d die e Demokratie abzuschaffen, ncht "das Volk".
      1 2 Melden
    • Linus Luchs 21.04.2017 17:44
      Highlight R. Peter, nimm dir bitte 65 Sekunden Zeit für Neil deGrasse Tyson. Er spricht zwar zu Trump, aber er hat auch dich gemeint:
      http://www.watson.ch/u/videos/!15642

      Die Wissenschaft ist die Institution, die Wissen schafft. Sie kann am besten Sachverhalte erklären und Prognosen stellen. Sie weiss sehr viel mehr als ich. Als du. Als "das Volk". Als die Politiker.

      Noch ein letztes Mal: Ich fordere nicht die Abschaffung der Demokratie. Ich fordere, dass Lösungen gesucht werden, wie dafür gesorgt werden kann, dass Fakten und Kompetenz bei demokratischen Entscheidungen das nötige Gewicht erhalten.
      0 0 Melden
    • R. Peter 23.04.2017 07:45
      Highlight Ok, ich lass mich auf das Gedankenspiel ein. Sollen Wissenschaftler über unser Steuersystem anstimmen. Darüber wie unsere Altersvorsorge aussähe. Wie konservativ, sozialistische oder liberal unsere Politik sein soll? Sollen Wissenschaftler entscheiden, wer welche Rechte besitzt, was ein Schreiner darf, welchen Vorschriften und Steuern er unterworfen ist und auch ob für die Wissenschaft Ausnahmen oder andere Regeln gelten?
      0 0 Melden
    • R. Peter 23.04.2017 07:49
      Highlight Ich weiss, dass du nicht direkt die Abschaffung der Demokratie forderst, in der Konsequenz läuft es aber darauf hinaus: Was "das nötige Gewicht" der Fakten und Kompetenz ist, bleibt definitionssache und führt dazu, dass wenige über viele bestimmen können. Das bedeutet eine ausgeprägte Machtfülle bei wenigen, die missbraucht werden kann und wird.
      0 0 Melden
    • R. Peter 23.04.2017 07:49
      Highlight Darum auch von mir nochmal: der Vorteil der Demokratie ist insbesondere die Verteilung der Macht, dass sich Macht schwer konzentrieren kann. Es geht nicht um "die besten" sondern um FREIE Entscheidungen. Diese dürfen explizit auch falsch oder nachteilig sein. Die Konsequentragen die Entscheidenden.
      0 0 Melden
    • Linus Luchs 23.04.2017 14:59
      Highlight Wenn ich operiert werde, möchte ich, dass eine erfahrene Fachperson den Eingriff vornimmt. Das Unternehmen, bei dem ich arbeite, soll bitte von kompetenten Leuten geführt werden. Bin ich im Flugzeug unterwegs, gehe ich davon aus, es sitzen gelernte Piloten im Cockpit. Meine Kinder sollen von ausgebildeten Pädagogen unterrichtet werden. Überall im Leben setzen wir auf Wissen und Sachverstand. Aber wenn es um existentielle Entscheide für unser Land und unsere Gesellschaft geht, soll Kompetenz deiner Meinung nach eine untergeordnete Rolle spielen. Diese Haltung wird mir immer ein Rätsel bleiben.
      0 0 Melden
    • R. Peter 23.04.2017 20:24
      Highlight Nein Linus, wenn du ein Haus baust, entscheidest du, welche kompetenten Leute du anstellst, und wenn du lieber billge und unerfahrene Handwerker/ Bauführer anstellen willst, dann darfst du das, trägst aber auch das Risiko von Baumängeln. Genau so verhält es sich in der Politik, du (und alle anderen) erhälst teilweise widersprüchliche Ratschläge von Experten und Politikern und entscheidest dann nach eigenem Wissen oder Vertrauen in Experten, Politiker oder Verbänden frei.
      0 0 Melden
  • roger.schmid 18.04.2017 09:09
    Highlight ..
    37 2 Melden
    • Normi 18.04.2017 11:17
      Highlight 😂 Wie die Lemming 😂😂😂
      13 3 Melden
    • roger.schmid 18.04.2017 11:55
      Highlight Ja, mit Hurra-Patriotismus und Fahnen schwingend in den Abgrund. Das Bild passt und nicht zum ersten Mal.
      12 1 Melden
    • Asmodeus 18.04.2017 12:44
      Highlight @Normi
      Nur dass Lemminge keinen Massenselbstmord begehen. Die müssen erst von Disney über die Klippe geschubst werden.
      5 2 Melden
    • Normi 18.04.2017 13:36
      Highlight @Asmodeus

      Ich meinte nicht den Disney hoax (obwohl ich den lange geglaubt habe shame on me)...

      ich meinte diese hier bild:

      7 1 Melden
    • Asmodeus 18.04.2017 14:29
      Highlight @Normi
      Ich bin beim Thema Lemminge da etwas kritisch, weil es das perfekte Beispiel ist, dass wenn man eine Lüge oft genug wiederholt, sie jeder einfach glaubt.

      Postfaktisch quasi ;)

      (Das Spiel heisst ja auch nur wegen dem Disney-Film Lemmings)

      Aber Gott.... das Spiel muss ich mal wieder spielen.
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  • Gelöschter Benutzer 18.04.2017 08:47
    Highlight Die Vogelstrauss - Mentalität der soziophoben Stadtkinder.
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