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«Wir wollen unser Recht» – Kataloniens Premier will unbedingt weg von Spanien

Die Katalanen wollen raus aus Spanien, sie trotzen der harten Reaktion aus Madrid. Hier spricht der katalanische Ministerpräsident Puigdemont über Ohrfeigen für sein Volk, die Zukunft des FC Barcelona - und den Zorn der EU.

21.09.17, 16:29 12.10.17, 11:44

Claus Hecking, Tobias Rapp

Eine Mehrzahl der Katalanen will weg von Spanien. Bild: AP/AP

Stichtag ist der 1. Oktober - für diesen Tag hat Kataloniens Regionalregierung ein Referendum über die Abspaltung von Spanien angekündigt. Ob und in welcher Form die Volksabstimmung zustande kommt, ist fraglich. Das spanische Verfassungsgericht nennt sie illegal. Und die spanische Regierung versucht sie mit aller Macht zu verhindern.

Den Separatisten geht es um mehr politische Macht und Selbstbestimmung. Die wirtschaftsstarke Region zahlt viel Geld an Madrid, wird aber aus Sicht der Separatisten im Gegenzug zu wenig gefördert. Die Regionalregierung beklagt zudem, dass sie zum Beispiel im Bereich Bildung Kompetenzen abgeben muss.

Ein Artikel von

SPIEGEL ONLINE führte das Interview mit Carles Puigdemont am Dienstagnachmittag - wenige Stunden, bevor die spanische Militärpolizei in einer grossangelegten Razzia in katalanischen Regierungsgebäuden Dokumente beschlagnahmte und gut ein Dutzend Menschen wegen Verdachts auf Vorbereitung eines illegalen Referendums verhaftete. Auf Nachfrage hiess es am Donnerstag, die Regionalregierung habe nach diesen Vorfällen nichts hinzuzufügen.

Carles Puigdemont, 54, ist seit Januar 2016 Ministerpräsident der spanischen Region Katalonien Bild: EPA/EFE

Herr Puigdemont, Sie haben angekündigt, am 1. Oktober in Katalonien über die Unabhängigkeit von Spanien abstimmen zu lassen. Das Land hat gerade eine tiefe Wirtschaftskrise weitgehend überwunden. Gibt es keine wichtigeren Probleme?
Carles Puigdemont: In dieser Logik dürften wir nie über unsere Unabhängigkeit abstimmen. Wenn es gut läuft, heisst es: «Wir dürfen nichts riskieren». Wenn es schlecht läuft, heisst es: «Jetzt müssen wir erst die Krise lösen». Es gibt immer eine Entschuldigung, dieses Problem nicht anzupacken. Aber es muss jetzt gelöst werden.

Noch vor wenigen Jahren wollte sich nur eine kleine Minderheit der Katalanen von Spanien abspalten. Heute sind 72 von 135 Abgeordneten im Regionalparlament für die Unabhängigkeit. Was hat sich verändert?
Wir Katalanen wollen so respektiert werden, wie wir sind. 2006 haben Katalonien und der spanische Staat ein neues Autonomieabkommen vereinbart, das uns mehr Eigenständigkeit geben sollte. Unsere Bürger haben sich in einem Referendum dafür ausgesprochen, das spanische Parlament hat es abgesegnet. Aber 2010 hat das spanische Verfassungsgericht Teile für ungültig erklärt und das Abkommen zerstört. Es war eine Ohrfeige für das katalanische Volk. Und dann hat sich im Kopf vieler Menschen hier etwas verändert.

Wer ist für Sie eigentlich Katalane?
Der katalanische Nationalismus ist nicht ethnisch. Das ist unsere Stärke, darauf sind wir stolz. Katalonien ist ein Land der Einwanderer. 70 Prozent aller Katalanen haben mindestens ein Elternteil, das Wurzeln ausserhalb unseres Landes hat. Es gibt viele Identitäten und Traditionen, sie widersprechen sich nicht. Wir stehen nicht für das alte Konzept: Ein Staat, eine Nation, eine Sprache, ein Volk. Katalane ist, wer hier lebt und arbeitet - und unser Land liebt.

Katolonien mit Hauptstadt Barcelona Spiegel online

Die Bürger haben bislang keine Wahlbenachrichtungen bekommen. Wo die Urnen stehen, ist auch unklar. Die Zentralregierung nennt die Abstimmung illegal, neun Millionen Wahlzettel sind beschlagnahmt. Kann ein Referendum, das unter so problematischen Bedingungen abgehalten wird, überhaupt demokratisch legitim sein?
Am 1. Oktober werden die Wahlurnen aufgestellt sein und die Menschen wissen, wo sie abstimmen können. Wissen Sie, wir haben hier bei allen Wahlen und Referenden immer mindestens 20 Prozent Enthaltung. Und es kann sein, dass von den übrigen 80 Prozent ein Viertel nicht an diesem Referendum teilnimmt. Aber ich bin mir sicher, dass wir eine grosse Beteiligung sehen werden. Es geht um eine wichtige Frage. Und diejenigen, die nicht kommen, treffen damit auch eine Entscheidung.​

Einer Ihrer eigenen Minister hat Zweifel an der Durchführung des Referendums geäussert, Sie haben ihn entlassen. Wie hoch muss die Beteiligung sein, damit für Sie das Referendum bindend ist?
Wir Unabhängigkeitsbefürworter haben eine klare Mehrheit im Parlament. Wir haben keine minimale Beteiligung festgelegt, die Gesetze sehen das nicht vor. Als Spanien vor einigen Jahren über die europäische Verfassung abgestimmt hat, haben nur 42 Prozent teilgenommen. Und niemand hat die Rechtmässigkeit bestritten.​

Bislang reagiert der spanische Staat auf ihr angekündigtes Referendum ausschliesslich mit Härte. Gerichtsurteile, Drohungen gegen Beamte, Razzien. Was würde passieren, wenn aus Madrid versöhnlichere Signale kämen?
Ich glaube nicht daran. Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben.​

Bild: AP/AP

Was passiert, wenn alles läuft, wie Sie es sich vorstellen? Wenn eine deutliche Mehrheit für die Unabhängigkeit stimmt?
Wir werden die Ergebnisse bekanntgeben und unsere Unabhängigkeit verkünden. Dann wird das Leben normal weitergehen. Wir werden Briefe an die Zentralregierung nach Madrid und nach Brüssel schreiben.

Und dann? Sie treten nicht nur aus dem spanischen Staat aus, sondern müssten damit vielleicht auch die EU verlassen.
Wir werden handeln wie ein normaler Staat. Wir haben kein Interesse an einem abrupten Bruch. Wir werden Übergangsgesetze verabschieden - und wir werden uns mit allen Beteiligten zusammensetzen, um über die Zukunft zu verhandeln. Früher haben Länder jahrelang Kriege gegeneinander geführt - und sich dann an einen Tisch gesetzt. Wir sind doch Brüder. Und wir alle haben gemeinsame Interessen.

Katalonische Flagge der Unabhängigkeit Bild: EPA/EFE

Warum sollte die EU eine katalanische Unabhängigkeit anerkennen? Die Franzosen etwa haben überhaupt kein Interesse daran, Separatismus zu fördern - schon aus Angst, dass die Korsen es dann als nächste probieren würden.
Uns ist klar, dass wir in der Europäischen Union wenige Sympathien haben. Europas Politiker wollen keine Veränderungen von Staaten. Aber Europa hat sich immer verändert. Wir wollen, dass die Realität anerkannt wird.

Die EU basiert auf der Kunst des Kompromisses. Sie wollen eine neue Realität schaffen. Damit gehen Sie ein grosses Risiko ein.
Es gibt Risiken, das stimmt. Aber dafür ist Politik da: um Probleme zu lösen. Was war die Reaktion auf die Deutsche Wiedervereinigung? Sie wurde selbstverständlich gutgeheissen. Wir sind Europäer, mehr als sieben Millionen europäische Bürger. Wir wollen unser Recht. Ich bin mir sicher, dass am Ende gute Verträge stehen werden.

Katalonien ist innerhalb Spaniens ein grosser Nettozahler. Geht es Ihnen nicht einfach nur ums Geld?
Nein, so einfach ist es nicht. Die katalanische Unabhängigkeitsbewegung hat eine lange Tradition. Aber sicher: Wir zahlen acht Prozent unserer Wirtschaftsleistung an Madrid und bekommen dafür keine entsprechende Gegenleistung. Wir sind nicht unsolidarisch. Es gab viele Angebote von uns, darüber zu verhandeln. Wären sie angenommen worden, sähe die Situation heute anders aus.

Was machen Sie selbst eigentlich nach dem Referendum? Wollen Sie erster Regierungschef des unabhängigen Katalonien werden? Und treten Sie ab, wenn Sie verlieren?
Ich will wieder ein normales Leben führen. Ich werde nicht mehr als Kandidat antreten. Egal ob das Referendum mit Sí oder No ausgeht. Eine neue Generation soll weitermachen.

Und was passiert im Fall der Fälle mit dem FC Barcelona? Wird er weiter in der spanischen Liga spielen?
Das muss dann verhandelt werden. Aber wenn Barça weiter in der spanischen Liga spielen will, wird der Verein dort spielen. Die Konkurrenz zwischen Madrid und Barça ist für den Fussball wichtig - und ein grosses Geschäft. Niemand hat ein Interesse daran, dass es den Clásico nicht mehr gibt.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
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56Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sslider 21.09.2017 22:59
    Highlight Wenn das so weitergeht werden wir demächst an jeder
    "Brücke"wieder Zoll bezahlen müssen!
    1 2 Melden
  • Grundi72 21.09.2017 20:19
    Highlight Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, etwas worauf die zentralistische EU mit Abgneigung reagiert!
    30 30 Melden
    • Firefly 21.09.2017 21:22
      Highlight Ähh, Spanien, der Nationalstaat hat ein Problem damit, nicht die EU
      3 3 Melden
    • Bob_das_Fahrrad 21.09.2017 22:57
      Highlight Seich. Es gibt eine gesetzliche Grundlage und gemeinsame Ziele. Daneben ist jedes Land frei. Siehe Brexit.
      1 2 Melden
    • SindaJapan 22.09.2017 06:01
      Highlight Die hätten sich lieber ein Vorbild an der zentralistischen Schweiz nehmen sollen. Wir haben gegen Separatisten vorgesorgt und das Abspalten einzelner Kantone in der Verfassung verboten :)
      3 1 Melden
    • Fabio74 22.09.2017 06:59
      Highlight Mit ein bisschen Intelligenz wüsstest auch du, dass dies eine rein spanische Angelegengeit ist.
      Die EU ist nictht involvirt in den Staatsaufbau der Mitgliedsstaaten.
      Die Verfassung in Spanien verbietet die Loslöung. Dies tut die CH-Verfassung auch.
      3 2 Melden
  • Rendel 21.09.2017 19:43
    Highlight Die sollen sich an der Schweiz ein Beispiel nehmen. Lauter Kleinstaaten bringt ja auch nichts. Es geht auch klar ums Geld. Die Schweizer zahlen auch Ausgleichszahlungen an ärmere Regionen.
    Zentralismus ist kein gutes Modell, schon gar nicht in einem grossen Land.
    18 6 Melden
  • olmabrotwurschtmitbürli 21.09.2017 19:20
    Highlight Ob wirklich eine Mehrheit hinter den Unabhängigkeitsplänen steht, sei dahingestellt. Und das liesse sich auch nur unter "normalen Wahlbedingungen" feststellen, weshalb diese Abstimmung ohnehin eine dürftige Legitimation für eine Unabhängigkeitserklärung wäre.

    Nun ist es aber gerade die Zentralregierung, die eine ordentliche Abstimmung verunmöglicht...
    37 3 Melden
  • äti 21.09.2017 19:03
    Highlight Ich staun, der Plan von Puigdemont ist einfacher als mein Einkaufszettel für morgen.
    27 3 Melden
    • Juliet Bravo 21.09.2017 19:50
      Highlight Würde gern deinen Einkaufszettel sehen!😉
      9 1 Melden
    • Raphael Stein 21.09.2017 20:43
      Highlight Keine Ahnung was du so alles kaufst, am Ende bezahlst du die Rechnug. Und das ist dann bloss eine Zahl.
      4 2 Melden
  • FlowLander 21.09.2017 18:51
    Highlight Als Portugiese verstehe ich die Katalanen. Die Regierung in Madrid ist zwar auf dem Papier föderalistisch organisiert, doch in Wahrheit ist sie zentralisrisch. Wenn man bedenkt, dass die Katalanen (sowie die Basken, Galizier und eben die Portugiesen) über eine eigene Sprache und Kultur verfügen, sind die Unabhängigkeitsbestrebungen in Katalonien, im Baskenland und im Galizien nachvollziehbar. Trotzdem finde ich diesen Nationalismus nicht gut. Beste Lösung: Ganz Iberien in einem Land vereint, inkl. Portugal, mit einem klar föderalistisch organisierten Staat. Und das sage ich als Portugiese. pce
    44 17 Melden
  • Juliet Bravo 21.09.2017 18:37
    Highlight Die Republik ruft. Dass dies mit der PP und den Wiederbetätigern der Falange nicht gelingt, war eigentlich klar. Stattdessen Repression und Verhaftungen wie zu General Francisco Francos Zeiten.
    33 12 Melden
    • dä dingsbums 21.09.2017 19:51
      Highlight Nichts ist so wie zu Francos Zeiten. Zu Francos Zeiten wurden Separatisten gefoltert und hingerichtet.

      Ich kenne genug Leute die Francos Repression erlebt haben und auch die finden solche Vergleiche völlig unpassend.

      Man kann die PP oder die Separatisten kritisieren, Vergleiche mit Franco sind aber einfach nur falsch.
      24 2 Melden
    • Fabio74 21.09.2017 21:03
      Highlight Schwachsinniger Vergleich
      Die spanische Verfassung verbietet die Löslösung.
      Beide Seiten sollten reden anstatt Fakten schaffen.
      12 3 Melden
    • Tierra Y Libertad 21.09.2017 21:44
      Highlight @Fabio Die Zentralregierung wird Katalonien niemals mehr Autonomie gewähren. Solange die PP an der Macht ist, nützt Reden nichts. Völkerrecht über spanisches Recht.


      Auch wenn Spanien keine weisse Weste hat, ist dieses niemals mit Franco vergleichbar.
      0 0 Melden
    • meine senf 22.09.2017 09:35
      Highlight Man stelle sich mal vor, in Deutschland würde die heutige Bundespolizei "Schutzstaffel" heissen.

      Das mag zwar nur Symbolik sein, aber bei der "Guardia Civil" ist das ungefähr so.

      Wenn eine Verfassung grundsätzlich keinen Austritt erlaubt, heisst das ja, man geht davon aus, dass ein Land grundsätzlich in alle Unendlichkeiten gleich bestehen bleibt.

      Was aber reichlich unrealistisch ist:



      Oder man nimmt bereitwillig in Kauf, dass Änderungen nur mit Kriegen möglich sind.

      Es stimmt aber, dass die meisten Länder keinen Austritt vorsehen.
      2 0 Melden
    • dä dingsbums 22.09.2017 15:03
      Highlight @meine senf: Die Möglichkeit die Verfassung anzupassen hast Du vergessen. Es gibt mehr als nur im Staat zu bleiben oder Krieg.

      Wir ändern in der Schweiz die Verfassung ziemlich oft, teilweise mehrmals pro Jahr mit Abstimmungen. Klappt soweit wunderbar.

      Spanien hat die Verfassung das in den letzten vier Jahrzehnten nur gerade zwei mal geändert.
      1 0 Melden
  • Informant 21.09.2017 18:34
    Highlight Viel Glück, ich hoffe ihr werdet, nicht wie die Krim, Gerechtigkeit erfahren und anerkannt werden.

    9 41 Melden
    • Juliet Bravo 21.09.2017 18:50
      Highlight Die Krim wurde aber annektiert. Katalonien nicht.
      20 11 Melden
    • Schwanzus Longus 21.09.2017 19:30
      Highlight Nein auf der Krim gab es eine Volksabstimmung. Alles andere ist geschwätz von Unwissenden.
      15 25 Melden
    • Galizier/Berner 21.09.2017 20:41
      Highlight Hallo? Es wurde nicht einmal angestimmt.... Oder habe ich etwas verpasst!?!?
      0 7 Melden
    • Informant 21.09.2017 20:52
      Highlight @Antidemokrat Bravo:
      "Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist eines der Grundrechte des Völkerrechts. Es besagt, dass ein Volk das Recht hat, frei über seinen politischen Status, seine Staats- und Regierungsform und seine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung zu entscheiden. Dies schließt seine Freiheit von Fremdherrschaft ein. Dieses Selbstbestimmungsrecht ermöglicht es einem Volk, eine Nation bzw. einen eigenen nationalen Staat zu bilden oder sich in freier Willensentscheidung einem anderen Staat anzuschließen."
      11 16 Melden
    • Fabio74 21.09.2017 21:05
      Highlight Falsch. Die Krim hätte sich lösen können wenn die gesamte Ukrai e zugestimmt hätte.
      Das Referendum war die gleiche Farce wie der Anschluss Österreichs 1938
      14 5 Melden
    • Neruda 21.09.2017 22:23
      Highlight Die Abstimmung auf der Krim kann man nicht mit Abstimmung wie wir sie kennen vergleichen. Die Urnen waren durchsichtig und ein klares Nein stand auch nicht auf den Zetteln. Von den Ukrainern und Krimtartaren wurde sie boykottiert, nachdem mehrere Tartaren von den russischen Soldaten verschleppt wurden. Wäre die Abstimmung auf faire Weise durchgeführt worden, wäre ich auch für die Selbstbestimmung der Menschen dort. So wie es abgelaufen ist, aber nicht.
      1 2 Melden
  • whatthepuck 21.09.2017 18:33
    Highlight Hier die Zentralregierung, welche zu keinen Kompromissen bereit ist und damit alles nur noch schlimmer macht. Dort die Katalanen (bzw. eine Minderheit davon), die sich historisch (oder doch eher zweck-?) bedingt in einer heute nicht mehr bestehenden Opferrolle wähnen und, verbunden mit einer für nationalistische Zwecke missbrauchten Wirtschaftsstärke und viel Herumgetrotze, keinen Deut kompromissbereiter sind als Madrid. Für seine Politkarriere kann Puigdemont nur beten, dass ihm Rajoy nicht entgegen kommt.
    19 22 Melden
  • Fabio Kunger 21.09.2017 18:32
    Highlight Wenn man den Katalanden die Unabhängigkeit erlaubt, ist es legitim, dass nacher auch andere Minderheiten in Europa ihren Anspruch anmelden. Die Basken, Bayern, Flamen, Korsen, Ladiner, Sorben, Masuren und viele mehr. Wo kommen wir dann hin in Europa....!?
    26 24 Melden
    • Juliet Bravo 21.09.2017 18:44
      Highlight Wir kämen in ein Europa der Regionen?
      35 5 Melden
    • meine senf 21.09.2017 18:58
      Highlight Vielleicht könnte das sogar eine Chance für Europa sein, wenn man es geschickt nutzen würde?

      Die EU krankt daran, dass man sich nicht zwischen Staatenbund und Bundesstaat entscheiden kann. Gleichzeitig halten die Katalanen oder vor dem Brexit die Schotten und andere durchaus viel von Europa und wären für ihre Unabhängigkeit bereit relativ viele Kompetenzen an die EU abzugeben.

      Wenn sich all diese von ihren Mutterländern abspalten würden und man gleichzeitig die Länderebene in der EU eher schwächen würde (also eher Richtung Bundesstaat), würde es vielleicht besser funktionieren.
      33 5 Melden
    • Kronrod 21.09.2017 19:27
      Highlight Wir kämen zum Europa der Regionen. Das wäre ganz gesund.
      15 2 Melden
    • bokl 21.09.2017 20:21
      Highlight Und wo ist da das Problem? Ein Verbund kleiner "Staaten" wäre für das Konstrukt EU vielleicht sogar besser als 3-4 Schwergewichte wie DE, FR, ES, IT + viel Beigemüse. 20+ "Staaten" auf Augenhöhe, mit Mehrheitsentscheiden ohne Vetomöglichkeit. Könnte funktionieren ...
      24 3 Melden
    • Roman h 21.09.2017 20:59
      Highlight Es geht aber nicht um Europa, sondern um die einzelnen Völker.
      Oder soll alles nach der EU laufen?
      Dan können wir ja gleich wieder ein gross Deutschland machen.
      Wenn Bayern abstimmen will, so sollen sie auch können.
      Ihre denkweisse ist schon sehr egoistisch und hat nichts mit Demokratie zu tun.
      Wenn die Mehrheit etwas will so ist es so und das ist Demokratie und nicht das man zum wohl auf die anderen Länder verzichten muss und von stärkeren unterdrückt wird
      2 4 Melden
    • Bob_das_Fahrrad 21.09.2017 23:01
      Highlight Wir kämen in ein Europa der Egoisten, wo es den Reichen noch etwas besser geht und den weniger Privilegierten noch etwas schlechter..
      1 1 Melden
    • Fabio Kunger 22.09.2017 09:03
      Highlight In der Welt von morgen, mit Wirtschaftsmächten wie: China, Indien, Brasilien, Südafrika.... Die werden kaum mit Katalonien über irgendwelche Wirtschaftsbeziehungen verhandeln. Das kann nur die EU als Grossmacht, wenn du das als Katalane nicht willst, stehst du hinten an.
      2 1 Melden
    • meine senf 22.09.2017 11:56
      Highlight Eben: China und Indien und Brasilien sind in Provinzen (sinngemäss, die genaue Bezeichnung lautet vielleicht anders) unterteilt und nicht in Länder.

      Natürlich würde dann China nicht seperat mit den Katalanen, Bayern, Masuren und Korsen usw. verhandeln, sondern mit der EU als Ganzes.

      Nicht so wie jetzt, wo ein Teil mit den Ländern verhandelt wird und ein Teil mit der EU und geschickte Verhandlungspartner diese Ebenen gegeneinander ausspielen.

      Katalanien oder Bayern würden allenfalls noch symbolische Partnerschaften mit einer chinesischen Provinz aushandeln, ähnlich einer Städtepartnerschaft
      1 1 Melden
    • meine senf 22.09.2017 18:18
      Highlight @Bob: Käme natürlich drauf an, wie man es macht.

      Wenn sich x Länder aufspalten und die EU ansonsten gleich bliebe wie jetzt, dann hast du wohl recht.

      Aber man könnte es ja auch als Chance nutzen, die EU selbst zu reformieren. Wenn man wie z.B. zwischen den Schweizer Kantonen einen Finanzausgleich einführen würde, wäre es anders.

      Bisher hatte das keine Chance, weil z.B. die Deutschen nicht für die Griechen zahlen wollen usw.

      Wenn man die Bedeutung der heutigen Nationalstaat-Ebene aber schwächen könnte, wäre das vielleicht eher möglich.
      2 0 Melden
  • Der Rückbauer 21.09.2017 18:23
    Highlight Hosch: Tatsächlich, beschäftige Dich mit der Geschichte. Beschäftige Dich mit dem Generalissimo, wie er die katalanischen Republikaner unterdrückt hat, ein Faschist, wie Hitler. Hitler und Franco waren ja Verbündete. Es traf nicht nur Katalonien, auch das Baskenland (Guernica). Gehe hin nach Katalonien, sprich mit den Leuten, nicht nur in Barcelona, auch auf dem Land. Spricht mit den Basken, sprich mit Asturianern. Rajoy beruft sich auf die Verfassung, welche die Regionen geisselt. Was wäre Spanien ohne die Länder im Norden? Unbeschreiblich, was hier abgeht. EU=Demokratie?
    22 18 Melden
    • äti 21.09.2017 19:00
      Highlight Das kannst du allerdings von allen Regionen so sagen. Jura? Ja klar, auch der TG will austreten vom Bund. Wozu sich von Zugern ausnehmen, von Zürchern überschwemmt und von Bern verwaltet? Wie der Meister aus Katalanien sagt: so einfach gehts - ich sag wie und ihr tut es einfach.
      0 15 Melden
    • Tierra Y Libertad 21.09.2017 19:45
      Highlight @äti Katalonien mit TG zu vergleichen ist sehr gewagt! Im Unterschied zu Katalonien haben unsere Kantone mehr Föderalismus, keine eigene Sprache, sind nicht geschichtlich vorbelastet, wären wirtschaftlich völlig ruiniert etc.
      11 1 Melden
    • Fabio74 21.09.2017 21:06
      Highlight Die EU tut hier nichts zur Sache. Ist ein spanisches Problem
      8 2 Melden
    • äti 21.09.2017 21:21
      Highlight @tierra, Kantone keine eigene Sprache? Geschichtlich nicht vorbelastet? Wirtschaftlich ruiniert? Iwo denn. Stelle mir im Fall TG excelente Verträge mit DE, LI, AT und EU vor. Höhenflug pur.
      Gut, nicht so ernst gemeint....
      0 0 Melden
  • Kronrod 21.09.2017 18:05
    Highlight Eine Verfassung, die vom Volk nicht getragen wird, ist nichts wert. Ich wünsche den Katalanen alles Gute in dieser wichtigen Abstimmung und der Zentralregierung in Madrid etwas mehr Gelassenheit. Wer sich zu verbissen an seine Macht klammert, wird früher oder später auf die Nase fallen.
    38 8 Melden
  • ujay 21.09.2017 18:02
    Highlight Der grösste Teil der Länder mit Staatsverfassung schliessen den Austritt einer Region explizit aus, wie auch der Staat keine Region ausschliessen kann. Ich bin erstaunt, wie man die Lügengeschichte von Politikern wie Puigdemont völlig unreflektiert weitergibt. Heute geht es um Macht und noch viel mehr um Geld. Die span. Wirtschaftskrise wurde von den Federführenden geschickt genutzt, um die Leute zu mobilisieren nach dem Motto, wer nicht teilen muss, hat mehr für sich .
    16 14 Melden
    • Neruda 21.09.2017 22:37
      Highlight Eine Verfassung ist nicht in Stein gemeisselt und hat in erster Linie den Menschen zu dienen. Wenn es nun Leute gibt, welche Teile einer Verfassung ablehnen muss man darüber verhandeln, im extrem Fall auch einfach ignorieren. Die Schweiz wäre auch nicht entstanden wäre es nach dem Römisch Reich Deutscher Nation gegangen, wir sind also die Letzten, die andern Völker etwas vorzuschreiben haben. Wir mussten unsere Selbstbestimmung auch gewaltsam durchsetzen. Ich hoffe wirklich im 21. Jhr kann man dies ohne Gewalt lösen.
      1 0 Melden
    • Hansdamp_f 22.09.2017 03:58
      Highlight Und weil "die Verfassung" einen Austritt einer Region ausschliesst, soll seine Bevölkerung gefälligst schweigen? Ist das einer Demokratie würdig?
      1 0 Melden
  • meine senf 21.09.2017 17:14
    Highlight Hätte Madrid die Abstimmung erlaubt, wäre wohl, wie in Schottland vor dem Brexit, eine knappe Mehrheit gegen eine Unabhängigkeit gewesen und die Sache wäre gegessen gewesen.

    Stattdessen werden sich jetzt Leute aus Wut anders entscheiden. Oder Barcelona kann bei einem allfälligen Nein sagen, dass dieses nur wegen den Behinderungen zustande kam.

    Von dem her schneidet sich Madrid mit diesem Vorgehen wirklich ins eigene Fleisch.

    Wenn die Verfassung überhaupt keine Möglichkeit vorsieht, das Land zu verlassen, bleibt den Katalanen ja nichts anderes übrig, als "illegal" vorzugehen.
    67 36 Melden
    • Galizier/Berner 21.09.2017 20:36
      Highlight Die Verfassung ist nicht in Stein gemeisselt. Der Senat hat Kataloniens Präsident 2x eingeladen seine Änderungswünsche vorzutragen. Er war sich offenbar zu schade, denn er ist nicht erschienen...
      19 0 Melden
  • Hosch 21.09.2017 17:02
    Highlight Bei den Katalanen besteht die gleich Problematik wie sie bei der amerkikanischen Präsidentwahl bestand. Es ist nicht die Mehrheit die etwas möchte sondern es sind die Lauteren die sich bemerkbar machen. Zahlenmässig gesehen sind die Befürworter für einen Verbleib innerhalb von Spanien mehr aber weder fahren diese eine massive Propaganda noch organisieren sie Massendemos welche etwas symbolisieren sollen was sie nicht sind, der Volkswille.
    Der Populismus der aktuellen Neuzeit entwickelt sich immer mehr zu einem Instrument um etwas trotzdem durchzubringen was die meisten eigentlich nicht wollen.
    84 44 Melden
    • meine senf 21.09.2017 17:19
      Highlight Beschäftige dich mal mit der dortigen Geschichte.

      Stichworte: Spanischer Bürgerkrieg, Rolle Barcelonas in diesem, Franco-Regime, Bezug der heutigen PP zu diesem.

      In diesem Fall geht es überhaupt nicht, oder zumindest nicht nur, um einen reinen neuzeitlichen Wutbürger-Populismus.
      49 54 Melden
    • ujay 21.09.2017 18:12
      Highlight Blödsinn. Der span. Bürgerkrieg war 1936 bis 39. Das Franco Regime brach in den 1970er Jahren zusammen. Was heute in Katalonien passiert, hat rein garnichts damit zu tun. Dass solche Argumente herbeigezogen werden müssen, cachiert nur den wirklichen Grund. Es geht ums Geld, um eine Nomenklatura, die sich in Katalonien gebildet hat, die es geschickt versteht, das Stimmvieh an der Nase herumzuführen. Es geht nicht um katalonische Identität oder irgendwelchen Schnickschnack, sondern ganz ordinär um Macht und Geld.
      32 23 Melden
    • meine senf 21.09.2017 18:15
      Highlight Nur noch einen letzter Senf von mir, dann lasse ich andere ran:

      Wie kann mit einer Abstimmung (und das ist ja alles was verlangt wird) eine laute Minderheit der Mehrheit ihre Meinung aufdrücken?

      Vor diesen Ereignissen waren laut verschiedenen Umfragen zwischen 40% und 55% für Unabhängigkeit. Dass überhaupt eine Abstimmung gibt, befürworten laut Umfragen aber rund 70%.
      18 17 Melden
    • loplop717 21.09.2017 18:38
      Highlight Die meisten interessiert nicht was Franco gemacht hat sondern nur das Barcelona reich ist und Spanien arm und man nicht für den rest von Spanien zahlen will.
      27 13 Melden
    • Juliet Bravo 21.09.2017 18:39
      Highlight Mit der US-Präsidentschaft hat die neuerliche Repression 0 gemeinsam. Vielmehr mit der immer noch nicht gelösten Frage des Erbes der Franco-Diktatur.
      11 18 Melden
    • meine senf 21.09.2017 19:04
      Highlight Kann es doch nicht lassen :)

      Die Frage, wie sehr die Vergangenheit eine Rolle spielen soll, ist durchaus berechtigt.

      Im Kleinen kennen wir das ja auch, siehe Jura. Das geht ja auf Nachwehen des Wiener Kongress von 1815 zurück.
      3 15 Melden
    • Galizier/Berner 21.09.2017 20:39
      Highlight Barcelona ist klar gegen die Abspaltung... Gem. Umfragen nur in Gemeinden unter 10'000 Einwohner Mehrheitsfähig.
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    • äti 21.09.2017 21:26
      Highlight @meine senf: "Wie kann mit einer Abstimmung (und das ist ja alles was verlangt wird) eine laute Minderheit der Mehrheit ihre Meinung aufdrücken?" - ist doch eine Zeiterscheinung - Populismus. Kennen wir das nicht auch selbst?
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Spanien zieht internationalen Haftbefehl gegen Katalonien-Chef Puigdemont zurück

Das Oberste Gericht Spaniens hat die europäischen Haftbefehle gegen den abgesetzten katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont sowie vier weitere Ex-Minister zurückgezogen. Die nationalen Haftbefehle auf spanischer Ebene sollten aber bestehen bleiben.

Dies teilte das Gericht in Madrid mit. Die Politiker hatten sich nach dem Unabhängigkeitsbeschluss des katalanischen Parlaments im Oktober nach Brüssel abgesetzt. Richter Pablo Llarena begründete die Entscheidung spanischen …

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