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Mitglied einer irakischen Spezialeinheit bei Mossul. Bild: Felipe Dana/AP/KEYSTONE

Irakische Truppen erobern Mossul – doch der «IS» ist noch lange nicht besiegt

Die irakischen Regierungstruppen haben Mossul nach Regierungsangaben vollständig von der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) zurückerobert. Doch der «IS» ist damit noch lange nicht besiegt.

09.07.17, 14:39 09.07.17, 16:15

Mehr als drei Jahre kontrollierte die Terrormilz «IS» die frühere Millionenstadt Mossul. Ihr Verlust bedeutet für die Extremisten einen herben Schlag. Sie dürften künftig auf eine Guerillataktik setzen.

Sogar die Nachrichtensprecher im Irak verabschieden sich an diesem Sonntag mit dem Victory-Zeichen von ihren Zuschauern. Im Staatsfernsehen laufen ohne Unterlass Videos, die die Soldaten und ihren erbitterten Kampf um Mossul in den vergangenen fast neun Monaten glorifizieren.

Noch bevor die Regierung den Sieg offiziell verkündet, lautet die klare Botschaft: Die Terrormiliz «IS» ist aus Iraks zweitgrösster Stadt - ihrer grössten Eroberung - vertrieben. Der Sonntag wird nicht nur den Irakern als Meilenstein in Erinnerung bleiben. Als Sieg über die mächtigste Terrorgruppe der Welt.

Mossul und seine Einwohner haben einen hohen Preis bezahlt. Mehr als drei Jahre lebten die Menschen in der früheren Millionenmetropole unter dem Regime der sunnitischen Extremisten, die ihre radikale Lesart des Islams rücksichtslos durchsetzten.

Christen und andere Minderheiten wurden in die Flucht getrieben, gefangen, verschleppt oder getötet. Alkohol und Zigaretten waren genauso verboten wie Musik. Frauen durften nur voll verschleiert auf die Strasse. Seine Gegner tötete der «Islamische Staat» (IS), der die Stadt zu einem Zentrum seines «Kalifats» machte.

Das Tunnelsystem des «IS»

Hoher Blutzoll

Auch die Offensive der irakischen Regierungskräfte, von Kampfflugzeugen der US-geführten internationalen Allianz aus der Luft unterstützt, verlangte von den Zivilisten einen hohen Blutzoll. Bis zuletzt nahmen die Extremisten Unschuldige als Schutzschilde, darunter Kinder und Frauen.

Die UNO berichtete mehrfach über Massaker der Dschihadisten an Flüchtlinge. Fast 900'000 Menschen flohen vor der Gewalt, seitdem die Offensive im Oktober begonnen hatte.

Mossul gleicht nach dem Krieg einem Trümmerhaufen. Bild: Felipe Dana/AP/KEYSTONE

Vor allem in den vergangenen Monaten häuften sich Berichte über viele Tote bei Luftangriffen. Ende Mai musste das Pentagon einräumen, dass bei einer Bombardierung rund zwei Monate zuvor mehr als 100 Zivilisten ums Leben gekommen seien.

Die Extremisten hätten in einem Gebäude Sprengstoff platziert, erklärte das US-Verteidigungsministerium. Doch Kritiker sahen in der hohen Zahl ziviler Opfer auch eine Folge gelockerte Einsatzregeln der US-Luftwaffe nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump.

In Schutt und Asche

Grosse Teile Mossuls wurden bei den Kämpfen in Schutt und Asche gelegt. Besonders der Westen der durch den Fluss Tigris geteilten Stadt ist massiv zerstört. Vom IS gesprengt wurde die Grosse Moschee, ein Wahrzeichen nicht nur der Stadt, sondern auch ihres Kalifats, das sie nicht der Armee überlassen wollte.

Hier hatte sich «IS»-Chef Abu Bakr Al-Bagdadi 2014 das erste Mal öffentlich gezeigt. Ganze Viertel gleichen Trümmerwüsten, in denen auf absehbare Zeit kaum ein Mensch leben kann. Der Wiederaufbau wird Milliarden kosten und Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dauern.

Mit ihrer Niederlage in Mossul hat die Terrormiliz einen herben Rückschlag erlebt und ihre letzte grosse Hochburg im Irak verloren. Militärisch ist sie dort weitestgehend geschlagen. Zugleich wächst der Druck im Nachbarland Syrien, wo ein von Kurden angeführtes Bündnis bis in die nordsyrische «IS»-Bastion Al-Rakka vorgedrungen ist, die heimliche Hauptstadt des Kalifats.

Nicht endgültig besiegt

Doch endgültig besiegt ist der «IS» mit dem Verlust Mossuls noch lange nicht, auch nicht im Irak. Noch immer halten die Extremisten kleinere irakische Städte und Orte.

Zudem rechnen Beobachter damit, dass die Dschihadisten untertauchen, um zum Beispiel aus den riesigen Wüstengebieten im Westen des Landes heraus in Guerillataktik zuzuschlagen. So überlebten die «IS»-Vorgänger schon einmal, als sie vor rund zehn Jahren am Ende des irakischen Bürgerkriegs geschlagen schienen.

Viele von ihnen dürften jetzt untertauchen: Anhänger des «Islamischen Staates» im Jahr 2014 in Mossul. Bild: STR/AP/KEYSTONE

Schon jetzt zeigen unzählige Selbstmordanschläge vor allem in Bagdad, aber auch anderenorts, welche Gefahr von den Extremisten ausgeht. Auch mit Attentaten ausserhalb des Iraks ist zu rechnen, etwa in Europa. Bereits in der Vergangenheit haben die Extremisten auf militärische Rückschläge immer wieder mit Terrorangriffen reagiert.

Ungelöste Spannungen

Besiegt ist der «IS» auch deshalb noch nicht, weil zentrale Konflikte im Irak, die ihm den Weg bereiteten, noch längst nicht gelöst sind. Vor allem die Spannungen zwischen den beiden grossen islamischen Konfessionen, den Schiiten und Sunniten, schwelen weiter.

Seit dem Sturz des Langzeitherrschers Saddam Hussein im Jahr 2003 kontrollieren die Schiiten nicht nur die Regierung, sondern auch die Ressourcen des ölreichen Landes. Über Jahre vernachlässigte die Führung in Bagdad mehrheitlich sunnitischen Gebiete.

Proteste liess die Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki niederschlagen und trieb so viele Iraker in die Arme der Extremisten. Bis heute hat sich an diese Haltung der Zentralregierung nicht grundlegend geändert. Vielmehr droht die nächste Eskalation.

Im Zuge der Offensive auf Mossul sind auch Schiitenmilizen bis weit ins sunnitsche Kernland vorgerückt. Mit ihren Kontrollposten beherrschen sie das Umland Mossuls und auch Teile der Grenze zu Syrien.

Die vor allem vom Iran finanzierten Gruppen stehen zwar offiziell unter dem Kommando von Ministerpräsident Haidar al-Abadi, führen aber ihre Eigenleben. Vor allem verfolgen sie ihre eigene politische Agenda.

Eine dauerhafte Präsenz der Schiitenmilizen im Nordirak dürften die Sunniten kaum akzeptieren. Ihnen schwebt eine ganze andere Zukunft vor Augen: ein selbst verwaltetes Gebiet mit grösstmöglicher Autonomie - doch davon will die Regierung in Bagdad nichts wissen. (cma/sda/dpa)

Sniper War in Mossul

Das Erklärvideo:

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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16
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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Olmabrotwurst 10.07.2017 06:01
    Highlight Jeder Taler hat 2 Seiten
    0 0 Melden
  • Stratford-upon-Avon 09.07.2017 19:57
    Highlight Der Fall von Mosul ist ein riesiger Erfolg gegen ISIS, über welchen ich mich sehr freue.
    9 1 Melden
  • Chrigi-B 09.07.2017 18:44
    Highlight Liebe watson Redaktion,

    Wie wäre es, wenn ihr mal über das eigentliche Problem berichtet? Sage da nur 3 Worte: CIA, Jordanien, Al Nusra Front....
    7 19 Melden
  • Baum68 09.07.2017 17:09
    Highlight Befreiung ? Um einem Diktator unterstellt zu sein.
    Klar die Terrormiliz ist die Hölle. Aber Assad will ich auch nicht in meinem Bett.

    Ich begreife nicht das der Mensch heute noch nicht weiter ist als zu Beginn der Menschheit.
    Ist halt so: Das einzige was der Mensch aus der Geschichte lernt ist das der Mensch aus der Geschichte nichts lernt.
    4 64 Melden
    • Gelöschter Benutzer 09.07.2017 17:30
      Highlight @baum - Mossul ist im Irak. Das Bett von Assad steht in Syrien. ;-)
      49 0 Melden
    • Nate Summer-Cook 09.07.2017 17:36
      Highlight Chollege, Mossul liegt im Irak 🇮🇶 😏
      40 3 Melden
    • MaskedGaijin 09.07.2017 17:37
      Highlight Es geht hier um den Irak nicht um Syrien.
      33 1 Melden
    • derEchteElch 09.07.2017 17:41
      Highlight Mossul liegt im Irak und nicht in Syrien Sie Stück 68er Holz!

      Ist aber typisch, immer die gleiche Musik spielen, unabhängig davon, um was es geht. Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen oder sind Sie direkt zur Kommentarspalte gewandert?!
      34 6 Melden
    • politico 09.07.2017 17:49
      Highlight Mossul ist im Irak. Assad herrscht in Syrien. Man sollte die Situation schon verstehen, bevor man einen Kommentar raushaut... ein wenig "trumpisch", was du da von dir gibst...
      24 3 Melden
    • reaper54 09.07.2017 18:00
      Highlight Mossul liegt im Irak und nicht in Syrien... zudem ist das Leben unter Assad sicher um Welten besser als unter Daesh.
      23 3 Melden
  • Chääschueche 09.07.2017 16:50
    Highlight 2 Dumme parteien und keiner will Reden oder kompromisse machen.

    Das ist aber eben nichts neues in gewissen Ländern dieser Welt.
    Von daher: Der Untergang des IS wird zu einer anderen Terrormiliz führen.
    7 25 Melden
    • redeye70 09.07.2017 17:02
      Highlight Der Nahe Osten war schon immer so und wird immer so bleiben. Kein bisschen nachgeben, Kompromiss zeigt Schwäche. Immer die Maximalforderung. Daher ewige Konflikte. Dämliche Mentalität.
      20 13 Melden
    • Datsyuk 09.07.2017 17:45
      Highlight Und womöglich hat auch westliche Einmischung damit zu tun...

      🎆🎇
      11 10 Melden
    • The Origin Gra 09.07.2017 19:16
      Highlight Möchten Sie Freiwillig im IS Gebiet oder Saudi Arabien leben? Kein Scotch, keine Musik, keine Freude nur Wahabismus (Steinzeitislam), Gewalt und Terror.

      Also, ich möchte so nicht leben und wenn von mir jemand das fordern würde bekämme er im besten Falle eins aufs Mundwerk
      10 0 Melden
    • Chääschueche 09.07.2017 20:35
      Highlight @Red
      Jup..Und ich bezahle dann für das Ergebnis...Schwanzvergleiche 9hne sinn... traurig.

      @Dat
      Das mag sein. Von mir aus kann man doese Staaten sich selbst überlassen. Irgendwann werden sie es lernen. Auch wenns noch 100 Jahre dauert. Unsere einmisch7ng hat noch nie geholfen.

      @The Origin
      Nein das will nur die hälfte... und deshalb gibt unterdrückung und die die nicht passen werden "entsorgt"...
      Traurig.. aber wie oben schon geschrieben...es liegt am IQ der Machthaber und einigen anderen...
      0 1 Melden
    • Firefly 09.07.2017 21:09
      Highlight @redeye, SVP Mentalität.
      1 6 Melden

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