International

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Erstmals seit der islamischen Revolution ernennt der Iran eine Botschafterin

Sie gehört zu den bekanntesten Diplomatinnen in Iran – jetzt wurde Marzieh Afkham zur Botschafterin ernannt. Erstmals seit der Islamischen Revolution von 1979 vertritt wieder eine Frau Teheran im Ausland. 

14.04.15, 16:38 14.04.15, 16:51

Ein Artikel von

Marzieh Afkham hat unter Irans neuem Präsidenten Hassan Ruhani eine beeindruckende Karriere hingelegt: 2013 wurde sie zur Sprecherin des iranischen Aussenministeriums ernannt, die erste Frau auf diesem Posten. Nun soll sie Botschafterin werden, berichteten die halbamtlichen Nachrichtenagenturen Fars und Mehr übereinstimmend. In welches Land sie geschickt wird, ist noch nicht bekannt.

Mit Afkham würde erstmals wieder seit der Islamischen Revolution 1979 eine Frau Iran im Ausland als Botschafterin vertreten. Insgesamt wäre sie erst die zweite Iranerin auf diesem Posten: Zu Zeiten des Schahs in den Siebzigerjahren hatte Teheran eine Frau an der Spitze der Botschaft in Dänemark.

Präsident Ruhani hatte im Wahlkampf 2013 die Verbesserung von Frauenrechten zum Thema gemacht und den Aufstieg von weiblichen Führungskräften gefordert.

Zwar schaffte es bisher noch keine Frau als Ministerin in sein Kabinett, anders als bei manchen seiner Vorgänger. Doch der Präsident hat einige weibliche Funktionäre, die bisher erfolgreich im Hintergrund wirkten, in die erste Reihe befördert. So hat er die erste Frau in Iran zur Provinz-Gouverneurin ernannt. Erstmals gibt es eine stellvertretende Leiterin der Zentralbank. Derzeit erwägt Iran, das Stadion-Verbot für Frauen abzuschaffen.

Afkham, 1962 geboren, ist eine erfahrene Diplomatin. Seit 1982 arbeitet sie für das Aussenministerium. Unter dem Präsident Mohammad Khatami (1997 bis 2005) aus dem Reformerlager hatte sie hinter den Kulissen einen wichtigen Posten inne und leitete im Aussenministerium die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren regelmässig den Umgang mit Frauen in Iran. Diese dürfen zwar arbeiten und Autos selbst fahren, werden allerdings durch viele Gesetze systematisch benachteiligt. Iranische Frauenrechtsbewegungen setzen sich für Gleichberechtigung ein. Manche fordern auch die Abschaffung der Verschleierungspflicht.

heb/ras/Reuters

Reisereportage Iran

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 15.04.2015 14:33
    Highlight Die Beschäftigung mit dem Islam ist dem Westen durch den 9/11 gerdezu aufgezwungen worden.
    Bis dahin hatte die Pflege archaischen Brauchtums nahöstlichen Ursprungs für den westlichen Betrachter bestenfalls Unterhaltungswert, begründet in seinen teilweise skurrilen Erscheinungsformen. Gern hätte es dabei bleiben können.
    "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen"
    Das reicht hier, tiefer Einstieg in die theologischen Implikationen lohnt nicht.
    1 0 Melden

Macht, Mord und Monobrauen: Im Harem des persischen Schahs

Heute reisen wir in den Iran und lernen das Leben von Tâdsch os-Saltane kennen, der Tochter des persischen Schahs Nâser ed-Din. Gewidmet ist ihre Geschichte unserem treuen User Luca Brasi, dessen unermüdliche Eurozentrismus-Kritik nun endlich Früchte trägt.

«Das Leben der Frauen im Iran hat nur zwei Seiten: Die eine ist schwarz, die andere weiss. Wenn sich die Frauen nach draussen begeben und spazieren gehen, ist ihre Gestalt unter dem entsetzlichen Schwarz der Trauer verborgen, und nach ihrem Tod werden sie in das weisse Leichentuch gehüllt. Und ich, die ich eine dieser unglücklichen Frauen bin, ziehe das weisse Leichentuch jener schrecklichen Trauergestalten vor; ich weigere mich beharrlich, dieses Kleidungsstück zu tragen.»Tâdsch …

Artikel lesen