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Iran: 99 Peitschenhiebe für feiernde Studenten

Sie feierten ihren Abschluss am College – und wurden dafür brutal bestraft. In Iran sind mehr als 30 Studenten ausgepeitscht worden, weil sie sich «unzüchtig verhalten» haben sollen.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Mehr als 30 Studenten sind in Iran zu je 99 Peitschenhieben verurteilt worden. Die Behörden wollten ihnen damit eine Lektion erteilen und an die strengen Gesetze des Landes erinnern. So fiel zumindest die Begründung des zuständigen Generalstaatsanwalts aus.

An Iranian officer lashes a man, convicted of rape, at the northeastern city of Sabzevar, Iran, Wednesday, Jan. 16, 2013. Rape, like murder and treason, can be punished by the death sentence in Iran, but sometimes judges imposed a sentence of lashes before execution or imprisonment. (AP Photo/Hossein Esmaeli)

Eine öffentliche Auspeitschung im Iran in Sabzevar im Januar 2013. Bild: AP

Die jungen Frauen und Männer hätten gemeinsam in einem Haus bei Ghaswin gefeiert, obwohl sie einander nicht kannten, sagte Esmail Sadeghi Nijaraki dem Onlinedienst Mizanonline. Nach seiner Darstellung waren die Studenten «halbnackt» – die Frauen trugen keine langen Kleider und Mäntel.

Die Studenten hätten Alkohol konsumiert und sich «unzüchtig verhalten», sagte Nijaraki. Damit hätten sie «gegen die öffentliche Meinung verstossen»: «Wir hoffen, dass dies eine Lektion für all diejenigen ist, die islamische Regeln an privaten Orten brechen.»

In der Islamischen Republik ist es Männern und Frauen verboten, gemeinsam zu tanzen – erst recht, wenn die Frauen nicht verschleiert sind. Alkohol ist ebenfalls verboten. Trotzdem gab es Partys in Iran in der Vergangenheit immer öfter, vor allem in grösseren Städten.

Die Huren von Teheran

Polizei stürmt private Partys

Einen Tag vor der Auspeitschung hatte das Regime in einigen Städten gezielt Razzien durchgeführt und private Partys gestürmt, berichtet die «New York Times». In Kerman habe die Polizei 23 Menschen festgenommen. In Semnan seien «verschmutzte Häuser gesäubert worden», hiess es in der Wortwahl der Behörden. 97 Menschen kamen in Gewahrsam.

Vorab hatte die Polizei fast 60 Single-Haushalte wochenlang überwacht, weil sie dort einen Bruch mit den Regeln vermutete. Die Regierung von Präsident Hassan Rohani gilt zwar nicht als ultrastreng bei der Verurteilung eines westlichen Lebensstils, wohl aber die von konservativen Klerikern dominierte Justiz.

Ihr hartes Vorgehen löste im Land Entsetzen aus. In sozialen Netzwerken war die Anteilnahme an dem Schicksal der bestraften Studenten riesig. Eine iranische Frau schrieb bei Facebook: «Es tut mir nur weh. Diese seelische Qual wird sie nach diesem Ereignis bis zu ihrem Lebensende verfolgen.»

Ein Mann meinte: «Diese Nachricht von der Auspeitschung der Studenten zeigt mir, dass es für mich besser wäre, den Rest meines Lebens im Ausland zu verbringen und dort Toiletten zu putzen, als in diesem Land zu bleiben. Das ist grauenvoll, und ich bin nur wütend.»

fok/nma/afp

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    Alle Leser-Kommentare
  • mortiferus 28.05.2016 20:10
    Highlight Highlight Wie brutal ist den so eine Auspeitschung? Was ich schon gehört habe ist, dass diese Bestrafung zum Teil ehr symbolischen Charakter hat. Ich hatte vor über 20 Jahren einen Kameraden in London kennengelernt. Kam aus Tehran aus einer reichen Familie. Er wurde wegen dem Iran-Irak Krieg nach London geschickt, sie hatten Angst das er eingezogen werden könnte. Jedenfalls er hat mir öfters von Privatpartys bei Reichen erzählt. Die mit Geld konnten alles machen und haben, einfach im Versteckten.
    • Fabio74 29.05.2016 11:43
      Highlight Highlight Brutal, grausam und aus der Steinzeit und dann noch öffentlich.
      Die Ausgepeitschten werden körperliche Schäden für den Rest des Lebens haben.
  • Spooky 27.05.2016 21:37
    Highlight Highlight Mit dem Islam hat das alles nichts zu tun.

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