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Sexistische Beleidigungen: Libanesische TV-Moderatorin schmeisst Islamisten aus der Live-Schaltung

«Halten Sie die Klappe, damit ich reden kann.» Weil sie ihn auf die schwindende Zeit aufmerksam machte, beschimpfte ein Islamist die libanesische TV-Moderatorin Rima Karaki. Die wusste sich allerdings zu helfen.

09.03.15, 14:40 10.03.15, 09:40

Ein Artikel von

Rima Karaki arbeitet als Nachrichtenmoderatorin bei dem libanesischen Sender al-Jadeed TV. Für ein Gespräch zum Thema Christen, die sich dem IS anschliessen, sollte sie den in London lebenden ägyptischen Islamisten Hani al-Sebai in einer Live-Schaltung interviewen. Das Gespräch endete im Streit, Karaki warf al-Sebai aus dem Programm – und wird nun für ihren Schritt gefeiert.

In einem YouTube-Video, das von der Organisation Memri übersetzt wurde, stellt sich der Vorgang wie folgt dar. Al-Sebai setzt zur Anwort an, verliert sich in Ausführungen zu Christen in Kreuzzügen und der Roten Brigade in Italien. Karaki versucht, ihren Interviewpartner auf Kurs zu bringen: «Lassen Sie uns auf die Gegenwart konzentrieren», fällt sie ihm ins Wort.

Al-Sebai reagiert unwirsch. «Hören Sie mal, unterbrechen Sie mich nicht. Ich werde antworten, wie es mir passt.» Er sei hier, weil er an etwas glaube und diese Idee vertreten wolle.

«Sind Sie endlich fertig? Halten Sie die Klappe, damit ich reden kann.»

Karaki versucht die Situation zu retten, gestikuliert entschuldigend, beginnt Sätze wie «Wir respektieren ...» und erklärt, dass sie nur begrenzt Zeit haben. Doch ihr Gegenüber unterbricht sie, nun wesentlich heftiger und wild gestikulierend. «Was ist das für eine Art von Verhalten?», schnaubt al-Sebai und zitiert einen Mann, mit dem er ausgemacht haben will, dass er nicht unterbrochen wird.

Beruhigungsversuche schlagen fehl

Die Moderatorin fügt sich zunächst. «In Ordnung, machen Sie weiter, wir haben mehr Zeit bekommen.» Doch da scheint die Diskussion bereits verloren. Al-Sebai – nun sichtlich aufgebracht – fragt Karaki: «Sie fühlen sich wohl ganz toll.»

Selbst dann behält Karaki die Nerven, sagt, er solle weitermachen, sie aber nicht beschimpfen. Entrüstet wiederholt al-Sebai, er sei hier für sein Anliegen. Da sagt Karaki, dies sei ihre Sendung, sie treffe hier die Entscheidungen – und zu seinem eigenen Wohl habe sie ihn darauf hingewiesen, dass die Zeit läuft. «Jetzt liegt es an Ihnen.»

Al-Sebai aber hat die Christen beim «Islamischen Staat» längst vergessen. «Sie können so viel entscheiden, wie Sie wollen, ich werde tun, was immer ich will.» Noch einmal fordert sie al-Sebai auf, zu antworten. Aber die Beschwichtigungsversuche scheitern: «Sind Sie endlich fertig? Halten Sie die Klappe, damit ich reden kann.»

Karaki: «Wie kann ein respektierter Scheich wie Sie, einem TV-Moderator sagen, er soll die Klappe halten?»

Al-Sebai: «Ich bin respektiert, ob Sie wollen oder nicht.»

Internationaler Beifall

Dann setzt Karaki zu den Worten an, die ihr international Beifall eingebracht haben. «Genug. Lasst uns das hier abschliessen.» Al-Sebai versucht noch dazwischen zu grätschen. «Es ist unter meiner Würde von Ihnen interviewt zu werden. Sie sind eine Frau, die ...»

Nochmals unterbricht ihn Karaki, dieses Mal, indem sie al-Sebais Mikrofon ausschaltet: «Entweder herrscht hier gegenseitiger Respekt, oder die Unterhaltung ist beendet.» Al-Sebai antwortet noch irgendetwas, seine Stimme ist nur brüchig oder gar nicht zu hören. Dann ist das Video zu Ende, Karaki hat ihn scheinbar aus der Schaltung geschmissen.

Viele feiern Karakis Mut, gerade vor dem Hintergrund des Internationalen Frauentags am Sonntag. Das Video wurde weit mehr als eine Million Mal geklickt.

(gam)



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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • länzu 10.03.2015 00:54
    Highlight Denke, das brauchte noch etwas Mut, sich im TV so zu äussern. Dies vor allem in Anbetracht des totalen Macho-Klimas in diesen Staaten, wo eine Frau nach wie vor nicht viel gilt. Aber die Moderatorin hat das super gemacht.
    11 0 Melden
  • zombie1969 09.03.2015 21:57
    Highlight Al-Sabai wurde wegen Hasspredigten in Ägypten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
    Darum flüchtete er nach GB und verbreitet seine kruden Botschaften, finanziert mit britischen Sozialleistungen, nun von GB aus.
    22 0 Melden
  • 足利 義明 Oyumi Kubo 09.03.2015 21:31
    Highlight Gut dass es bei den überwiegend männlich dominierten Irren dort unten noch vernünftige Wesen gibt. Es erstaunt mich in keinster Weise, dass es eine Frau ist.

    34 5 Melden
  • */* 09.03.2015 19:03
    Highlight Nanu, Watson schreibt von sexistischen Beleidigungen, weil der Typ das Wort "Frau" sagt? Andere Zeitungen berichten auch von diesem Video, sehen aber darin eine gewöhnliche Streiterei ohne gleich einen Geschlechterkampf zu erwähnen (abgesehen vom Status der Frauen in dem Land).
    20 28 Melden
    • Christian Denzler 10.03.2015 07:09
      Highlight Ich empfehle den Artikel nochmals zu lesen. Der Mann hatte klare sexistische Aussagen gemacht. Dass der Blick und 20 Minuten da nichts sexistisches sehen ist mir klar. Bei dem chauvinistischen Grundton der dort herrscht.
      12 5 Melden
    • sabrinastoffel 10.03.2015 08:24
      Highlight Ich erkenne hier ebenfalls keine sexistischen Aussagen, nicht eine. Nur weil Frauen involviert sind, hat nicht alles mit Sexismus zu tun. Ich finde diese Frau hat grossartig reagiert und ich weiss zwar nichts über seine Einstellung aber hier war dieser Interviewpartner schlicht und einfach frech und respektlos aber nicht sexistisch. Bitte liebe watson Redaktion scheuert nicht diesen Kampf an.
      6 3 Melden
    • saukaibli 10.03.2015 09:01
      Highlight Dass hier gewisse Leute keine sexistischen Beschimpfungen erkennen zeigt einmal mehr wo das Problem ist. Es sind nicht die Worte, die gewählt wurden, es ist der Ton, resp. der fehlende Respekt gegenüber einer Frau. Zitat: «Es ist unter meiner Würde von Ihnen interviewt zu werden. Sie sind eine Frau, die...»
      8 4 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Alnothur 09.03.2015 18:20
    Highlight Gut gemacht, gerade unter dem Gesichtspunkt, dass man im Libanon als Frau einigen Mut haben muss, sich so durchzusetzen. Aber wo sind jetzt die sexistischen Beleidigungen?
    30 3 Melden
  • Bowell 09.03.2015 17:03
    Highlight Jaja, diese respektierten Scheichs. Woher der Respekt kommen soll ist mir ehrlich gesagt schleierhaft...
    46 2 Melden
  • Sveitsi 09.03.2015 16:06
    Highlight Gut gemacht!
    50 0 Melden

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