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A broken glass window of the Imperiale Marhaba hotel is seen after a gunman opened fire at the beachside hotel in Sousse, Tunisia June 26, 2015. At least 27 people, including foreign tourists, were killed when at least one gunman opened fire on the Tunisian beachside hotel in the popular resort of Sousse on Friday, an interior ministry spokesman said. Police were still clearing the area around the Imperial Marhaba hotel and the body of one gunman lay at the scene with a Kalashnikov assault rifle after he was shot in an exchange of gunfire, a security source at the scene said. REUTERS/Zoubeir Souissi

Ein Einschussloch nach dem Anschlag auf das Hotel in Sousse. Bild: ZOUBEIR SOUISSI/REUTERS

Die Ramadan-Offensive der IS-Terroristen: Es drohen weitere Anschläge

Der sogenannte Islamische Staat hat sich zu den Attentaten in Tunesien und Kuwait bekannt. Im Fastenmonat will die Terrororganisation damit Stärke demonstrieren. Am Montag jährt sich zum ersten Mal die Ausrufung des «Kalifats».

27.06.15, 09:08 27.06.15, 14:34

Christoph Sydow / spiegel online



Ein Artikel von

Eigentlich ist der Ramadan ein Monat der spirituellen Einkehr und Besinnung. Die Muslime sollen den Fastenmonat nutzen, um sich mehr noch als sonst auf ihren Glauben zu konzentrieren und besonders gottesfürchtig zu leben.

Doch der Ramadan ist seit den Anfängen des Islams auch ein Monat des Kampfes. Prophet Mohammed besiegte einst während des Ramadan den herrschenden Stamm seiner Heimatstadt Mekka, sechs Jahre später zog er mit seinem Heer siegreich in Mekka ein.

Der Islamische Staat (IS) beruft sich auf diese Überlieferungen und leitet daraus das Recht ab, im Ramadan mit besonderer Härter und Rücksichtslosigkeit gegen seine Feinde vorzugehen. Der Sprecher der Terrororganisation, Abu Mohammed al-Adnani, hatte erst am Dienstag IS-Unterstützer zu Anschlägen aufgefordert. Die Dschihadisten sollten den heiligen Monat in einen «Schrecken für Ungläubige, Schiiten und abtrünnige Muslime» verwandeln. Adnani nannte Jordanien, Saudi-Arabien und den Libanon als Ziele.

IS bekennt sich zu Anschlägen

An diesem Freitag folgten Taten – aber in anderen Ländern. In Tunesien feuerte ein Attentäter an einem Hotelstrand in Sousse auf ausländische Touristen. Er tötete mindestens 38 Menschen. Nach Angaben der tunesischen Regierung sind neben Briten und Belgiern auch Deutsche unter den Toten.

In Kuwait sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einer schiitischen Moschee in die Luft. Er riss mindestens 27 Menschen mit in den Tod, mindestens 227 weitere wurden verletzt.

18 Verdächtige festgenommen

Nach dem Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee in Kuwait sind nach Angaben des arabischen Nachrichtenkanals Al-Arabija mindestens 18 Tatverdächtige festgenommen worden. Die Polizei hätte sie bei einer landesweiten Suchaktion in Gewahrsam genommen, berichtete der Sender am Samstag. (sda)

Die IS bekannte sich zu beiden Anschlägen. Sie richteten sich wie von Adnani gefordert zum einen gegen Nichtmuslime und zum anderen gegen Schiiten. Die IS-Fundamentalisten betrachten die Schiiten als Häretiker, also Muslime, die sich vom «wahren Glauben» abgewandt hätten. In den vergangenen Wochen hatten die Dschihadisten bereits Selbstmordattentate auf schiitische Moscheen im Jemen und in Saudi-Arabien verübt.

Bilder vom Anschlag in Sousse, Tunesien

Kuwaits Herrscher setzen ein Zeichen

Für den kleinen Golfstaat Kuwait war es der verheerendste Anschlag seit Jahrzehnten. Knapp 40 Prozent der Bürger sind dort Schiiten, im Gegensatz zu anderen Golfmonarchien wie Saudi-Arabien oder Bahrain gewährt das sunnitische Herrscherhaus in Kuwait der Minderheit weitgehende Rechte.

Nach dem Attentat setzten Emir Sabah al-Sabah und sein Premierminister Jaber al-Mubarak al-Sabah umgehend ein Zeichen: Das Staatsoberhaupt besuchte demonstrativ die schiitische Moschee, der Regierungschef zeigte sich in Krankenhäusern mit Opfern des Anschlags. «Die Anschläge bedrohen unsere nationale Einheit», sagte der Premierminister. «Aber das wird ihnen nicht gelingen, wir sind viel stärker.»

epa04819823 A general view for Imam Sadiq Mosque following a blast in al-Sawaber, Kuwait City, Kuwait, 26 June 2015. Eight people were killed in an explosion at the Shiite mosque during Friday prayers, witnesses say. The Kuwaiti Emir Sabah Al-Ahmad Al-Jaber Al-Sabah has paid a visit to the site of the blast.  EPA/RAED QUTENA

Bild: RAED QUTENA/EPA/KEYSTONE

Es war der erste IS-Anschlag in Kuwait. Mit dem Attentat hat die Terrororganisation nun bewiesen, dass sie trotz aller Bemühungen des Westens und der Regierungen in der Region in der Lage ist, in Staaten zuzuschlagen, die bislang als stabil gelten.

Ähnliches gilt für Tunesien: Das Land in Nordafrika ist der einzige Staat in der Region, in der die Umwälzungen des Arabischen Frühlings zu einem echten Machtwechsel und einer Demokratisierung geführt haben. Der Sturz der Ben-Ali-Diktatur und ihres repressiven Sicherheitsapparats hat aber auch militante Islamisten erstarken lassen. Tausende junger Tunesier haben sich dem IS in Irak und in Syrien angeschlossen und sie sind auch bereit, in ihrem Heimatland Unschuldige zu töten.

IS will Tunesien ins Chaos stürzen

Das zeigten die Dschihadisten im März mit ihrem Anschlag auf das Bardo-Museum in Tunis und das haben sie nun mit dem Attentat von Sousse erneut unter Beweis gestellt. Mit den Überfällen auf Touristenziele wollen sie Urlauber abschrecken und das Land seiner wichtigsten Einnahmequelle berauben.

Ein «Soldat des Kalifats» habe den «abscheulichen Hort der Prostitution, des Lasters und des Unglaubens angegriffen», teilte der IS in einem Bekennerschreiben auf Twitter mit. Nach Angaben der tunesischen Behörde soll der Täter ein 23-jähriger Student gewesen sein. Ob er sich vom IS in Libyen, Syrien oder Irak ausbilden liess, ist derzeit noch unklar.

Mittelfristig will die Terrormiliz Tunesien wie das Nachbarland Libyen ins Chaos stürzen, indem dann der IS das Land Stück für Stück unter seine Kontrolle bringt.

Zu dem dritten Anschlag dieses Freitags, der Enthauptung eines Mannes durch einen 35-jährigen Islamisten in Frankreich, hat sich der IS bislang noch nicht bekannt. Die Ermittler gehen aber offenbar davon aus, dass der Täter von den Dschihadisten inspiriert wurde. Er würde damit ins Schema der sogenannten «einsamen Wölfe» fallen. Junge, männliche Muslime, die sich durch die Botschaften der Terroristen radikalisieren und anstiften lassen und schliesslich auf eigene Faust handeln.

Weitere Anschläge in den kommenden Wochen sind zu befürchten: Der Ramadan dauert noch knapp drei Wochen, am Montag jährt sich zudem die Ausrufung des «Kalifats» zum ersten Mal – für die IS-Anhänger ein Tag mit besonderer Bedeutung.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AdiB 27.06.2015 10:20
    Highlight das geht nicht auf. beim fasten reicht nur die kleinste agression oder wutausbruch dass, das fasten als abgebrochen gilt. wen sie einen islamischen staat nach der sharia wollen dürfen sie wärend des ramadan erst recht nichts mit gewalt zu tun haben.
    21 6 Melden
    • Angelo Hediger 27.06.2015 13:06
      Highlight Ich glaube den meisten ist klar das der IS Religion als einen Vorwand benutzt und alles so interpretiert wie es ihnen gefällt.
      15 3 Melden
  • Angelo Hediger 27.06.2015 09:58
    Highlight Ich denke irgendwann kommt ne Bodenoffensive der USA. Aber dann denken ja alle wieder es ginge um Öl.
    21 6 Melden
  • Michèle Seiler 27.06.2015 09:23
    Highlight Stark sind die nur in ihrer eigenen kranken Wahrnehmung.

    Vielleicht bin ich geistig mit dem Thema überfordert, aber mir fallen eigentlich nur zwei Lösungen ein: Die eigenen Werte auf jeden Fall aufrecht erhalten und das Leben genießen, auch wenn sie am Ende alles zerstören sollten. Oder: Den IS zerschlagen.
    36 3 Melden
    • Sillum 27.06.2015 10:30
      Highlight Den IS zerschlagen? Bloss wegen diesen Einzelfällen? Der IS ist ausserdem ein Volk und ihr Kommentar rassistisch.
      Vertiefen Sie sich bitte in die Partei-Satzungen der SP-Schweiz.
      3 52 Melden
    • keplan 27.06.2015 11:58
      Highlight Einzelfälle? der IS sind die Nazis der Muslime und wir Europäer sollten am Besten wissen was Nazis sind
      26 0 Melden
    • Sillum 27.06.2015 13:52
      Highlight Nur wissen Sie nicht was (Real) Satire ist.
      1 10 Melden
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