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«IS»-Kindersoldaten in der Nähe von Rakka: Eine ganze Generation wird indoktriniert.
bild: AP/ Raqqa Is Being Slaughtered Silently 

89 minderjährige Selbstmordattentäter: Wie der «IS» mit seinen Kindersoldaten prahlt

Die Jungen sind Teil der perfiden Strategie des «IS»: Dutzende Jugendliche hat die Terrormiliz laut einer Studie zuletzt als Selbstmordattentäter in den Tod geschickt – und brüstet sich im Netz damit.

20.02.16, 09:36 20.02.16, 14:28

Ein Artikel von

Der Junge küsst die Hand seines Vaters ein letztes Mal. Dann klettert er in ein gepanzertes Fahrzeug, das mit Sprengstoff beladen ist. Seine Fahrt endet Minuten später. Das Kind sprengt sich mit dem Wagen in der Nähe von Aleppo in die Luft.

Er ist einer von 89 Minderjährigen, die zwischen 1. Januar 2015 und 31. Januar 2016 als Kämpfer oder Selbstmordattentäter in den Reihen der Terrororganisation «Islamischer Staat» («IS») ums Leben gekommen sind. Das geht aus einer Studie des Combating Terrorism Center der US-Militärakademie West Point hervor, die am Freitag veröffentlicht wurde.

Für den Bericht haben die Autoren systematisch «IS»-Propaganda ausgewertet. Anders als Kriegsparteien in früheren Konflikten versuchen die Dschihadisten nämlich gar nicht erst, zu verheimlichen, dass sie Jungen einsetzen. Im Gegenteil: Der «IS» veröffentlicht regelmässig Videos von Trainingscamps, in denen Kinder militärisch gedrillt werden.

Die Terrorgruppe postet ausserdem Fotos und ehrende Beschreibungen von Minderjährigen, die im Kampf getötet wurden oder sich als Attentäter in die Luft sprengten. Auch das Video des Jungen mit dem gepanzerten Wagen stellte die Miliz ins Netz.

Libyen: «IS»-Kämpfer machen sich fit für den Kampf. 
Bild: AP/Militant photo via SITE Intel Group

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie:

Nationalität der Selbstmordattentäter

Rund 60 Prozent der getöteten Minderjährigen stammten aus Syrien und dem Irak. Doch auch Kinder aus dem Ausland starben für den «IS» – darunter Marokkaner, Briten, Australier und Franzosen. Das geht aus den Kampfnamen hervor, in denen der «IS» üblicherweise auf das Herkunftsland Bezug nimmt.

Anzahl der Selbstmordattentäter

Die Zahl der verheizten Jungen steigt kontinuierlich. Im Januar 2015 hatte der «IS» drei minderjährige Selbstmordattentäter eingesetzt, im Oktober waren es schon sechs, und im Januar 2016 zählten die Autoren der Studie zehn Selbstmordattentate von Minderjährigen.

Das Alter der Selbsmordattentäter

Der «IS» gibt das Alter seiner Kämpfer nicht an. Nach der Auswertung von Fotos der Toten gehen die Autoren der Studie aus, dass 6 Prozent von ihnen jünger als 12 Jahre alt waren. 60 Prozent waren zwischen 12 und 16.

Sie sind Teil der psychologischen Kriegsführung

Die Jugendlichen ersetzen keine Erwachsenen. Stattdessen kämpfen sie Seite an Seite mit älteren Milizionären. Nach Einschätzung der Forscher ist das kein Zeichen von wachsender Verzweiflung. Vielmehr seien die Kindersoldaten Teil der psychologischen Kriegsführung des «IS».

Eine ganze Generation indoktrinierter Kinder

Selbst wenn die Terrormiliz in den kommenden Jahren militärisch besiegt werden sollte: Es wird lange dauern, eine ganze Generation von Kindern wieder zu reintegrieren, die vom «IS» indoktriniert worden sind.

Passend dazu: Wie westliche Frauen für den «IS» Frauen aus dem Westen ködern

syd

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    Alle Leser-Kommentare
  • Paco69 20.02.2016 17:04
    Highlight Saudi Arabien destabilisiert seit mehr als 30 Jahren die Welt. Überall in der Welt verbreiten sie mit ihrem Petrodollars ihre menschenverachtende Ideologie, die praktisch mit der Ideologie des Daesh (IS) identisch ist. Die westlichen Eliten aber, geben sich in Riad die Klinke in die Hand, um ihre Waffen an den Mann zu bringen.
    Die algerischen Schriftsteller B. Sansal und K. Daoud z. B. berichten in ihren Artikeln und Interviews darüber, wie in ihrem Land unter saudischem Einfluss aus einem toleranten Islam ein extrem aggressiver Islam geworden ist.
    10 0 Melden
    • Rendel 20.02.2016 18:22
      Highlight Ich bin ja sonst nicht Ihrer Meinung, da stimme ich Ihnen für einmal zu.
      5 0 Melden
  • Angelo C. 20.02.2016 16:07
    Highlight Das sind ganz miese Dreckschweine, diese IS-Ideologen, die sich auch noch erblöden, solche Gräueltaten religiös rechtfertigen zu wollen. Gottes Existenz vorausgesetzt, kann es selbst dann wenn er kein "lieber Gott" im christlichen Terminus wäre, unmöglich sein, dass eine moralisch hochstehende und kreative Macht ein solches Unrecht gutheissen oder gar noch belobigen (72 Jungfrauen und neben Allah sitzend) würde. Sowas ist ausgeschlossen...

    Also muss man dieses bigotte, kriminelle Lumpenpack mit Stumpf und Stiel ausrotten 😡!
    18 2 Melden
  • Kibar Feyzo 20.02.2016 12:07
    Highlight Kindersoldaten werden nicht nur von den widerlichen IS-Terroristen eingesetzt, auch bei kurdischen Terrororgansationen wie PKK, TAK usw. sind Kindersoldaten im Alter von 12-15 Jahren ganz normal. Staatliche Fernsehsender wie SRF und ZDF haben sogar schon verherrlichende Reportagen über diese Kinder, die offensichtlich indoktriniert und missbraucht werden ausgestrahlt. Das ist Doppelmoral Pur.
    16 3 Melden
    • Kibar Feyzo 20.02.2016 13:45
      Highlight Ein aktuelles Bspl. gefällig?

      http://kurdwatch.org/?d3749
      3 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 20.02.2016 14:27
      Highlight "Nurman Ibrahim Khalifa, geb. 2001 in al-Hasaka, war dreizehn Jahre alt und Schülerin der neunten Klasse, als sie von der Partei der Demokratischen Union (PYD) entführt und in ein Militärcamp der PKK in Irakisch-Kurdistan verschleppt wurde. Dort sollte sie zur Guerillakämpferin ausgebildet werden. Nurman Ibrahim Khalifa ist das erste Opfer, das in einem Interview mit KurdWatch über seine Erfahrungen berichtet." http://kurdwatch.org/?d3544
      3 0 Melden
    • Kibar Feyzo 20.02.2016 16:45
      Highlight Die Seite http://kurdwatch.org wird übrigens von einem syrisch-kurdischen Menschenrechtsaktivisten betrieben.
      0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 20.02.2016 12:02
    Highlight Je länger dieser Krieg dauert umso mehr Terroristen wird es geben. Je mehr Bomben wir werfen umso mehr Terroristen wird es geben, auch wenn wir immer noch glauben mit unseren Bomben den Terrorismus bekämpfen zu können. Für diese Kinder gibt es keine Hoffnung entweder sie kämpfen und sterben oder sie sitzen zuhause und werden durch eine Bombe getroffen. Wir können das gar nicht nachvollziehen, im Krieg gibt es keine Moral.
    17 5 Melden
    • Alonar 23.02.2016 16:25
      Highlight Richtig, Pippo.

      Der Westen wirft eine Bombe, die Kinder und die Frau des Familienvaters stirbt.
      Der Familienvater hat nichts mehr, Ihm wurde alles genommen. Sein ganzer Hass nun auf den Westen.
      Was passiert dann? Er schliesst sich dem IS an...

      Bevor der Westen einfach rumbombt, sollte er das Land einmal besser kennenlernen.

      0 0 Melden
  • maxi 20.02.2016 11:39
    Highlight so jung schon so verdorben...
    4 14 Melden
    • Oberon 20.02.2016 13:43
      Highlight Ich denke nicht das diese Kinder eine andere Wahl haben.
      12 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 20.02.2016 16:18
      Highlight Das war jetzt aber ein Schenkelklopfer du!
      2 1 Melden
  • Distace 20.02.2016 10:38
    Highlight aber ich versteh diese strategie nicht. müssten nicht ältere leute, ich sag mal ab 40/50 als attentäter agieren, damit nachwuchs heranwachsen kann? wenn die jungen bereits als attentäter eingesetzt werden stirbt doch der nachwuchs aus?
    21 1 Melden
    • Oberon 20.02.2016 13:44
      Highlight Kinder in diesem alter lassen sich viel einfacher manipulieren.
      8 0 Melden
    • Almos Talented 20.02.2016 18:30
      Highlight Das hab ich mir auch gedacht. Aber mit logik haben es diese fanatiker ja sowieso nicht so 😆
      0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 20.02.2016 10:31
    Highlight krass und beschähmend.
    wo geht diese welt nur hin.
    16 0 Melden
  • Alexander Bächi 20.02.2016 10:23
    Highlight Jeder Person, die so sterben WILL soll doch ihr Wunsch gewährt werden! Allerdings bevor sie noch andere mitnehmen kann...
    3 25 Melden
    • Gelöschter Benutzer 20.02.2016 11:06
      Highlight Du hast schon verstanden, dass hier von Kindern die Rede ist?
      30 0 Melden
    • Charlie Brown 20.02.2016 11:42
      Highlight Wir reden hier von Jugendlichen. Noch in der Entwicklung, labil und daher die ideale Opfer von kranken, irren Fundamentalisten.

      Ihr Kommentar mutet in dem Zusammenhang ein wenig unüberlegt an.
      22 0 Melden
    • Retarded Wizard 20.02.2016 12:01
      Highlight Auch die kranken irren Fundamentalisten wurden in ihrer Kindheit meist Opfer von anderen kranken irren Fundamentalisten.

      Ein religiöser Fundamentalist ist immer labil, naiv, unsicher und leicht zu manipulieren. Ob Kind oder Erwachsener spielt doch keine Rolle.

      Ist denn ein Kind als Selbstmordattentäter unschuldiger als ein Erwachsener?

      1 20 Melden
    • Charlie Brown 20.02.2016 12:54
      Highlight @Retarded: Das kann jetzt einfach nicht dein Ernst sein, oder? Das ist doch pure Provokation. Und ich Idiot falle noch darauf hinein.
      9 1 Melden
    • Retarded Wizard 20.02.2016 13:24
      Highlight Mein Ernst ja, Provokation, nein.

      Lass es mich auf eine etwas andere Art formulieren.

      Niemand wird mit einer Ideologie geboren, die Ideologie wurde immer indoktiert. Meist von den Eltern, oft aber auch von völlig fremden Menschen.

      Ein erwachsener Mensch, der von einer solchen Ideologie überzeugt wird, ist in gewissem Masse auf dem intellektuellen Stand eines Kindes und kann meist nicht mehr, oder weniger für seine Gesinnung als das Kind.

      Denn ohne kindliche Naivität und Unsicherheit kann auch ein Erwachsener, kein Opfer einer solchen Ideologie werden.
      4 4 Melden
    • Charlie Brown 20.02.2016 13:56
      Highlight Ich muss mich wohl präziser ausdrücken.

      "Ist denn ein Kind als Selbstmordattentäter unschuldiger als ein Erwachsener?"

      Das ist dein Ernst?
      5 1 Melden
    • Retarded Wizard 20.02.2016 14:29
      Highlight Ich denke nicht, dass es nötig ist deine Frage zweimal zu beantworten, obwohl ich es hiermit irgenwie tue.
      0 2 Melden
    • AdiB 20.02.2016 15:21
      Highlight es ist leicht die kinder und ihre eltern zu manipulieren. da der koran sagt, dass kindern bis zu ihrer pubertät jede sünde verziehen wird. somit machen sie ihnen klar dass sie in den himmel kommen und der himmel ist für diese kinder im moment der beste ort zum leben. so entscheiden sich auch die eltern für ihre kinder. und noch in der hoffnung das die eltern und geschwister vom is verschont werden.
      da ja mittlerweile jeder moslem weiss, dass selbstmord eine totsünde ist, müssen sie nicht sündigen und den kindern wirds verziehen.
      1 0 Melden
    • Charlie Brown 20.02.2016 17:08
      Highlight @Retarded: Nun gut. In dem Fall meine Antwort zu deiner Frage: Ja, es ist "unschuldiger". Weil es instrumentalisiert wurde und in dem Entwicklungsstadium nicht über die Möglichkeit verfügt, aus eigenem Willen moralischer zu handeln.

      Etwas anderes zu behaupten wäre zynisch und würde die ausgeführten Taten quasi rechtferigen ( weil ja die Erwachsenen quasi nicht anders können weil ja in deiner Welt "kindlich" geblieben).
      1 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 20.02.2016 17:28
      Highlight Retarded: wir wissen nicht, _WIE_ freiwillig diese Kinder solche Selbstmordanschläge ausüben.
      Im Gaza-Streifen wird auf alle möglichen Arten Druck ausgeübt, um "Freiwillige" zu rekrutieren. In der Not wird auch mal ein geistig Behinderter mit einer Bombenweste ausgestattet.
      In Afrika werden Kinder unter Drogen bzw. Metamphetamin gesetzt.
      in allen Fällen erfolgt eine Hirnwäsche, gegen die Erwachsene aufgrund ihrer Lebenserfahrung (auch solche mit wenig Lebenserfahrung) besser geschützt sind als Kinder.

      "Freiwillig" gehört also Apostrophe gesetzt.
      1 0 Melden
    • Retarded Wizard 21.02.2016 03:50
      Highlight D00A : Na klar, ich verstehe deinen Standpunkt und gebe dir Recht. Sehr oft geschehen solche Dinge auch unter Zwang.

      Mir geht es nur darum zu sagen, dass ein erwachsener Selbstmordattentäter, meist auch als Kind manipuliert wurde und einfach erst im Erwachsenenalter entschlossen hat, sich in die Luft zu jagen.

      Ich würde also nicht behaupten, dass ein Kind "unschuldiger" ist. Denn die Voraussetzung für solche Taten ist nunmal die naive, labile Persönlichkeit eines Einzelnen. Und für diese Persönlichkeit, kann der Erwachsene genauso wenig wie das Kind.

      1 0 Melden

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