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Libya Dawn fighters fire an artillery cannon at IS militants near Sirte March 19, 2015. Islamic State fighters became a major force last year in Derna, a jihadi bastion in Libya's east, and quickly spread to the biggest eastern city Benghazi, where they have conducted suicide bombings on streets divided among armed factions. By occupying Sirte over the past four months they have claimed a major city in the centre of the country, astride the coastal highway that links the east and west. Picture taken March 19, 2015. REUTERS/Goran Tomasevic/File

Angriff auf IS-Milizen in Sirte. Bild: GORAN TOMASEVIC/REUTERS

IS-Horror im libyschen Sirte: Terroristen schlagen Aufstand rücksichtslos nieder

In der libyschen Stadt Sirte haben Hunderte gegen die dort herrschende Terrormiliz «Islamischer Staat» revoltiert. Die Dschihadisten haben den Aufstand rücksichtslos niedergeschlagen, wieder einmal profitieren sie von dem Machtvakuum im Land.

Christoph Sydow / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

In den Auslagen der Geschäfte stapeln sich die Schokoriegel, Männer geben kostenloses Essen an Bedürftige aus, Arbeiter beschneiden die grünen Zweige der Strassenbäume: Diese Bilder verbreitet die Terrororganisation «Islamischer Staat» (IS) via Twitter aus Sirte. Im Juni hatte die Dschihadistenmiliz die libysche Stadt an der Mittelmeerküste fast vollständig erobert. Seither war Sirte mit seinen rund 100'000 Einwohnern die inoffizielle Hauptstadt des IS-Ablegers in Libyen.

Doch das Leben unter dem IS ist nicht so idyllisch, wie es die IS-Propaganda weismachen will. In den vergangenen Wochen haben Hunderte bewaffnete Einwohner gegen die Dschihadisten aufbegehrt. Angeführt wurden sie von dem Prediger Khalid bin Rajab. Dieser hatte laut Augenzeugen in seinen Freitagspredigten den IS mehrfach scharf kritisiert.

Die Dschihadisten hatten nämlich nach der Eroberung von Sirte gezielt Jagd auf Einwohner gemacht, die einst in Armee oder Polizei gedient hatten. Von dieser Verfolgung waren Tausende betroffen, Sirte ist der Geburtsort des Langzeitdiktators Muammar al-Gaddafi, der sich bei der Sicherung seiner Herrschaft massgeblich auf die Einwohner seiner Heimatstadt stützte.

Fighters from Misrata move towards positions of Islamic State militants, near Sirte March 15, 2015. Militants loyal to Islamic State, the group which has seized much of Iraq and Syria, have established a larger presence in central Libya in recent weeks. Islamic State, which analysts say is splintered into smaller factions in Libya, has sought to exploit turmoil in the major oil producer where two rival governments and their respective allies fight for power.    REUTERS/Goran Tomasevic (LIBYA - Tags: CIVIL UNREST POLITICS)

Die Kämpfer der Misurata. Bild: GORAN TOMASEVIC/REUTERS

Mord an einem aufsässigen Prediger

Der IS verlangte von den ehemaligen Staatsbediensteten, dass sie schriftlich Abbitte leisten und einen Treueeid auf den selbsternannten Kalifen des «Islamischen Staats», Abu Bakr al-Baghdadi, abgeben sollten. Bin Rajab soll seine Anhänger in der Moschee ermuntert haben, sich den Dschihadisten zu widersetzen.

Das wurde dem Imam zum Verhängnis: Anfang vergangener Woche töteten IS-Kämpfer den Prediger. Daraufhin griffen Einwohner seines Stadtviertels zu den Waffen. Die meisten Menschen im «Stadtteil Nummer drei» gehörten wie der Imam dem Ferjani-Stamm an, sie wollten den Tod ihres prominenten Verwandten sühnen.

Doch gegen die bestens ausgerüstete IS-Miliz hatten die Aufständischen keine Chance. Laut Augenzeugenberichten beschossen die Kämpfer das Viertel zunächst mit Mörsergranaten, dann rückten sie mit Panzern vor. Die Dschihadisten sollen rücksichtslos gegen Männer, Frauen und Kinder vorgegangen sein. Schliesslich setzten sie sogar das Krankenhaus in Brand. 22 Menschen sollen in dem Gebäude bei lebendigem Leib verbrannt sein.

Sirte. google maps

Insgesamt sind bei den Kämpfen laut Berichten aus der Stadt mindestens 70 Menschen getötet worden. Der libysche Botschafter in Frankreich spricht sogar von 200 Toten. Die Zahl der Opfer dürfte noch steigen: Der IS hat das Viertel abgeriegelt, bislang weiss niemand wie viele Tote dort noch liegen. Zur öffentlichen Abschreckung hängten die Dschihadisten die enthaupteten Leichen mehrerer Mitglieder des Ferjani-Stammes in der Stadt auf.

Die Menschen in Sirte hatten vergebens auf militärische Hilfe bei ihrem Aufstand gewartet. Als sich schliesslich doch noch ein Kampfverband aus dem 300 Kilometer entfernten Misurata in Bewegung setzte, war die Rebellion fast schon niedergeschlagen.

Aziza Younan, mother of Abanob Ayyad, one of 27 Egyptian Coptic Christian workers kidnapped in the Libyan city of Sirte, sits on a bed at the family's house in Al-Our village, in Minya governorate, south of Cairo, January 21, 2015. Facing grim economic prospects at home, desperate young Egyptians are seeking jobs in Libya - a country sliding into lawlessness where armed groups battle for control and dozens of their compatriots have been kidnapped. The funds Ayyad sent home to pay for his brother and sister's college education ended abruptly this month when militants stormed his home in the Libyan city of Sirte and dragged him away along with 12 other Egyptian labourers. Picture taken January 21.       REUTERS/Asmaa Waguih    (EGYPT - Tags: POLITICS CIVIL UNREST BUSINESS EMPLOYMENT)

Bild: ASMAA WAGUIH/REUTERS

Krisensitzung der Arabischen Liga

Wieder einmal profitierte der IS von den innerlibyschen Streitigkeiten. Das Land hat seit Monaten zwei Regierungen mit eigenen Streitkräften. Die international anerkannte Führung ist nach Tobruk im Osten Libyens geflohen. In der Hauptstadt Tripolis hat sich eine Gegenregierung etabliert, die von Islamisten dominiert wird, den IS aber ablehnt.

Die Regierung in Tripolis hat schon mehrfach eine Offensive angekündigt, um die Dschihadisten aus Sirte zu vertreiben. Doch just als die Terroristen im «Stadtteil Nummer drei» wüteten, hielten die Streitkräfte in der Hauptstadt eine Militärparade ab, anstatt Kampfeinheiten zu entsenden.

Die international anerkannte Regierung in Tobruk hofft nun auf Hilfe aus dem Ausland. Sie rief die arabischen Staaten auf, «gezielte Luftangriffe gegen die IS-Stellungen in Sirte» zu starten. Am Dienstag kommt die Arabische Liga in Kairo zu einem Krisentreffen zusammen.

Doch dann ist es zu spät: Der IS hat die Revolte inzwischen niedergeschlagen. Als die Menschen in Sirte Hilfe benötigt hätten, wurden sie im Stich gelassen.

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  • zombie1969 18.08.2015 12:01
    Highlight Highlight Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Daesh (IS) mit Angriffen auf Ägypten und die Türkei beginnt. Beide Staaten sind empfindlich bei weichen Zielen, in Tourismusgebieten. Die Entführung von Touristen wird der Anfang machen.
    Zusätzlich sitzt man in Nordafrika auf einer Bevölkerungsbombe, die die dortige Wirtschaft nicht verkraften kann.
  • kiawase 17.08.2015 05:06
    Highlight Highlight Schlimm die Situation dort; und wo sind jetzt all die westlichen Kräfte, die Ghadafi weggebombt haben? Das Gefährliche in den Arabischen Ländern ist, dass nach den westlichen Interventionen ein Chaos zurückgelassen wird, wo sich dann z.B. der IS anschliessend etablieren kann.

Karte des Schreckens: Es gibt immer weniger Länder, aus denen KEINE IS-Terroristen stammen

Aus über hundert Ländern sollen inzwischen junge Menschen nach Syrien gereist sein, um sich dem Islamischen Staat (IS) anzuschliessen. Dies geht aus einem aktuellen Bericht des UN-Sicherheitsrats hervor. Einige sind weltweit berüchtigt wie Mohammed Emwazi alias Jihadi John. Andere wie der Schweizer Abu Suleiman al-Suisseri erlangen lediglich in ihrer Heimat Bekanntheit. Die übergrosse Mehrheit der total 25'000 bis 30'000 IS-Söldner ist namenlos. Doch zusammen genommen umspannen …

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