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epaselect epa04870200 Israelis light candles and mourn as they pay tribute to 16-year-old Shira Banki, who died as a result of stab wounds by an ultra-Orthodox Jewish in a recent gay pride parade in Jerusalem, in Jerusalem, Israel, 02 August 2015. An ultra-Orthodox Jewish extremist Yishai Shlissel stabbed six people during the gay pride parade in Jerusalem on 30 July. The attacker had just be released from prison after serving 10 years for stabbing marchers at the Jerusalem gay pride parade in 2005.  EPA/ABIR SULTAN

Trauern um Shira, die an der Gay Parade von einem orthodoxen Juden tödlich verletzt worden war. Bild: ABIR SULTAN/EPA/KEYSTONE

Die Rückkehr des jüdischen Terrorismus schockiert Israel

Ein ultraorthodoxer Jude sticht Teilnehmer der Gay-Parade nieder, mutmasslich radikale Siedler zünden ein Haus an und töten ein Baby: Nach den Anschlägen diskutiert Israel über ein lange verdrängtes Phänomen: jüdischen Terrorismus.

Christoph Sydow / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Ali Dawabsheh und Shira Banki hatten ihr Leben noch vor sich. Der kleine Junge war erst 18 Monate alt, als mutmasslich extremistische jüdische Siedler in der Nacht zum Freitag die Fenster seines Hauses einschlugen und einen Molotowcocktail hineinwarfen. Das Mädchen wurde nur 16 Jahre alt. Sie hatte am Donnerstag an der Gay-Parade in Jerusalem teilgenommen. Sie wollte ihre Solidarität mit homosexuellen Freunden bekunden. Ein ultraorthodoxer Jude rammte Shira und fünf weiteren Teilnehmern ein Messer in den Körper, der Teenager erlag am Sonntag seinen Verletzungen.

Mit Ali und Shira haben die Opfer des jüdischen Terrorismus plötzlich ein Gesicht bekommen. Lange hat die israelische Gesellschaft die Radikalisierung und wachsende Militanz ultraorthodoxer und ultranationalistischer Juden weitgehend tatenlos hingenommen. So lange sich die Übergriffe der Siedlerbewegung gegen Moscheen und Kirchen in mehrheitlich von Arabern bewohnten Gebieten richteten und nur Sachschäden verursachten, blieb der Aufschrei der schweigenden Mehrheit in Israel aus.

epa04870203 Israelis pay tribute to 16-year-old Shira Banki, who died as a result of stab wounds by an ultra-Orthodox Jewish in a recent gay pride parade in Jerusalem, in Jerusalem, Israel, 02 August 2015. An ultra-Orthodox Jewish extremist Yishai Shlissel stabbed six people during the gay pride parade in Jerusalem on 30 July. The attacker had just be released from prison after serving 10 years for stabbing marchers at the Jerusalem gay pride parade in 2005.  EPA/ABIR SULTAN

Bild: ABIR SULTAN/EPA/KEYSTONE

Das hat sich an diesem Wochenende geändert: Auf Kundgebungen in Jerusalem, Tel Aviv und anderen Städten demonstrierten Tausende Israelis gegen die Gewalttaten. Politiker fast aller Parteien verurteilten die Anschläge aufs Schärfste. «Wir sind entschlossen, mit aller Kraft gegen das Phänomen des Hasses, des Fanatismus und des Terrorismus von jeglicher Seite anzukämpfen», sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

Left-wing protesters hold signs during a protest condemning Friday's arson attack in the West Bank, at Rabin square in Tel Aviv August 1, 2015. Some 3,000 demonstrators gathered for the rally organised by the Israeli anti-settler group Peace Now against the attack by suspected Jewish assailants who torched a Palestinian home in the occupied West Bank on Friday, killing an 18-month-old toddler and seriously injuring three other family members, an act that Israel's prime minister described as terrorism. REUTERS/Baz Ratner

Kundgebung in Tel Aviv. Bild: BAZ RATNER/REUTERS

«Das ist der jüdische IS»

«Der Messerangriff auf die Demonstranten und der Brandanschlag von Duma müssen als das bezeichnet werden, was es ist: das ist jüdischer Terrorismus, das ist der jüdische IS.»

Noch deutlicher wurde die Chefin der linken Meretz-Partei, Zahava Galon: «Der Messerangriff auf die Demonstranten und der Brandanschlag von Duma müssen als das bezeichnet werden, was es ist: Das ist jüdischer Terrorismus, das ist der jüdische IS.»

Staatspräsident Reuven Rivlin sprach von Flammen des Hasses, die in Israel um sich griffen. «Es gibt Leute, die sich nicht scheuen, diese Flammen anzufachen, die sogar ein Baby verbrennen und Hass und Terror nur weiter verschärfen», sagte Rivlin, nachdem er am Freitag die überlebenden Mitglieder der Familie Dawabsheh im Krankenhaus besucht hatte.

Doch an der Reaktion auf Rivlins Worte zeigt sich auch, dass es eine radikale Minderheit in Israel gibt, die Gewalt gegen Andersdenkende und Palästinenser für ein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung hält. Der Hass dieser Minderheit brach sich auf der Facebookseite des Präsidenten Bahn. Dort hinterliessen Hunderte Israelis Kommentare wie: «Du bist ein Terrorist in der Regierung» oder «Du bist nicht mein Präsident. Du bist ein Feind des Judentums.» Darüber hinaus soll Rivlin mehrere Morddrohungen erhalten haben.

JERUSALEM, ISRAEL - AUGUST 01:  Israeli President Reuven Rivlin speaks during an anti-homophobia rally on August 1, 2015 in Jerusalem, Israel. Thousands of people took part in rallies across Israel to protest Thursday's stabbing attack at Jerusalem's Gay Pride parade and the West Bank arson attack in which an 18-month-old Palestinian infant was killed.  (Photo by Lior Mizrahi/Getty Images)

Rivlin an einer Anti-Homophobie-Kundgebung in Jerusalem. Bild: Getty Images Europe

Der Inlandsgeheimdienst Shin Bet nimmt die Bedrohungen ernst, die Polizei hat sich ebenfalls eingeschaltet.

Was angesichts der breiten Solidarität mit den Terroropfern in Vergessenheit gerät: Die Politiker, die diesen Hass auf Minderheiten und Palästinenser schüren, sind keine Aussenseiter, sondern sitzen in Parlament und Regierung. Der Knesset-Abgeordnete Betzalel Smotrich bezeichnete die Gay Parade noch am Samstag als «Marsch der Abscheulichkeit». Zu diesem Zeitpunkt rangen die sechs Opfer des Anschlags gerade im Krankenhaus mit dem Tod.

Smotrich sitzt für die Partei «Jüdisches Haus» in der Knesset. Die Partei ist Teil der Regierungskoalition von Benjamin Netanyahu und wichtigste politische Kraft der Siedlerbewegung.

Siedler werden sogar für Rechtsbruch belohnt

Die Siedler im Westjordanland und in Ostjerusalem drangsalieren die palästinensische Bevölkerung dort seit Jahrzehnten: Sie nehmen ihnen das Land, fällen ihre Olivenbäume, beschneiden ihre Bewegungsfreiheit. Das alles passiert mit Billigung der israelischen Regierung.

Erst in der vergangenen Woche zeigte sich die Macht der Siedlerbewegung: Israels Oberstes Gericht hatte den Abriss zweier Häuser in der Siedlung Bet El angeordnet, die selbst nach israelischem Recht illegal auf palästinensischem Privatbesitz errichtet worden waren. Gleichzeitig genehmigte Premier Netanyahu den Bau von 300 neuen Häusern in der Siedlung.

Die Botschaft dahinter: Selbst wenn die Siedler gegen israelisches Recht verstossen, werden sie am Ende dafür noch ausgiebig belohnt.

Die Siedler sind eine Minderheit in der israelischen Gesellschaft. Innerhalb der Siedler ist wiederum nur eine Minderheit militant. Ebenso wenig ist nur eine Minderheit der israelischen Juden ultraorthodox. Und innerhalb der Ultraorthodoxen ist wiederum nur eine Minderheit militant.

Allerdings werden diese radikalen Minderheiten in Israel immer stärker. Mit tödlichen Folgen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Asmodeus 04.08.2015 13:14
    Highlight Highlight Da sich bereits Pro-Israel/Pro-Gaza/Juden und potentielle Judenhasser hier aufbäumen ein Hinweis.

    Es ist nahezu unmöglich Kritik an Israel nicht mit Kritik an den Juden gleichzusetzen. Israel wurde als Land den Juden gegeben als Ort wo sie ihren Frieden finden können. Das Land und die Religion sind daher nahezu untrennbar verflochten.
    Auch und gerade WEIL die Juden über Jahrtausende verfolgt wurden haben sie daher einen extremen Drang sich gegen alles und jeden zu verteidigen. Es nicht zu tun wäre ein Verrat an ihren Vorfahren die soviel efür ihren Glauben erleiden mussten. (Ende von Teil 1)
    • Asmodeus 04.08.2015 14:22
      Highlight Highlight (Teil 2)
      Es wäre immerhin einfacher gewesen zu konvertieren.

      Dies gesagt, ist es aber wichtig, dass trotzdem Kritik an Israel, meistens, nicht judenfeindlich gemeint ist. Netanjahu ist ein Kriegstreiber. Die israelische Siedlungspolitik wird scharf kritisiert.
      Dies trifft jedoch nicht auf die israelische Bevölkerung die zu grossen Teilen einfach in Frieden leben möchte. Die Politiker drängen ihr Land und die Menschen zum Krieg.

      Wenn jegliche Kritik an Israel mit dem Machtwort, "Antisemit" erschlagen wird, verharmlost es die Leiden des jüdischen Volkes und verliert an Wert.

      (Ende Teil 2)
    • Asmodeus 04.08.2015 14:32
      Highlight Highlight (Teil 3)
      Leider gibt es Menschen, wie Michel Friedman, die es geschafft haben mit dem Wort "Antisemit" jegliche Kritik im Keim zu ersticken und potentielle Feinde sofort zu diskreditieren. Möllemann und Grass können davon ein Lied singen.

      Solche Menschen haben in der Gesellschaft das Bild des "Jammernden Juden" erschaffen und schaden nachhaltig dem Image der Juden selbst.

      Wenn man jede Kritik, und sei es nur daran wenn man sich vordrängelt und zurechtgewiesen wird, sofort als antisemitisch taxiert, fördert dies Missverständnisse, Resentiments und es verhindert Selbstkritik. (Ende Teil 3)
    • Asmodeus 04.08.2015 14:37
      Highlight Highlight (Teil 4)
      Long Story short.

      An Nichtjuden: Man sollte NIE vergessen was die Juden erlitten haben bevor man über Israel und/oder Juden urteilt. Es war nicht nur der Holocaust sondern Jahrtausende (altes Ägypten, Inquisition etc.) in denen die Juden verfolgt wurden und kämpfen mussten.

      An Juden: Bitte bedenkt. Die meisten Christen können nicht ansatzweise wissen was es heisst für seine Religion kämpfen zu müssen. Wenn sie Euch kritisieren, tun sie das in den meisten Fällen nicht aufgrund eurer Religion. Wenn Ihr dann selber die Religion ins Spiel bringt, entehrt Ihr sie und eure Ahnen selbst.
  • Noach 03.08.2015 21:16
    Highlight Highlight Das macht mich einfach nur traurig,wie habe ich Israel geliebt!,Aber das ist nicht mehr dieses Israel,wo ist es nur geblieben??
  • ersinsa 03.08.2015 18:23
    Highlight Highlight Ich bedannke mich bei Ihnen das sie die Tapferkeit gezeigt haben die Nachricht über Israelische Terorristen anzuzeigen.
    User Image
    • Nicholas Fliess (1) 03.08.2015 20:04
      Highlight Highlight Weshalb sollte das tapfer sein?
  • SVRN5774 03.08.2015 12:34
    Highlight Highlight Danke an Watson, dass ihr nicht solche Arschkriecher seid und die Juden als Opfer darstellt.

    Allerdings muss ich hier hinweisen, dass nicht alle Juden so sind. Bitte nicht alle in eine Schublade stecken. Das gilt selbstverständlich auch für andere Religionen.
    • Nicholas Fliess (1) 03.08.2015 20:05
      Highlight Highlight Stehen Sie doch einfach zu Ihrem Judenhass. Ihr Verwedelungsversuch macht Sie nicht glaubhafter...
  • Angelo C. 03.08.2015 11:32
    Highlight Highlight «Wir sind entschlossen, mit aller Kraft gegen das Phänomen des Hasses, des Fanatismus und des Terrorismus von jeglicher Seite anzukämpfen», sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.

    Das sagt gerade der richtige Hetzer und Kriegstreiber, ohne dessen Regierungsstil (stets illegale und gegen die Menschenrechte verstossende erneute Bewilligungen im annektierten Westjordanland, strikte Ablehnung eines von der Weltgemeinschaft unterstützten Atomsperr-Abkommens mit dem Iran usw.usw.) der Staat Israel im int. Ansehen bedeutend besser dastehen würde. Wie man anderswo liest, fürchten viele der nunmehr protestierenden Jungbürger, dass der Holocaust-Bonus irgendwann ausgedient haben könnte, sich ihr Land mehr und mehr int. ins Abseits stellen wird und sich bald vor dem Tribunal in Den Haag als Kriegsverbrechernation verantworten muss.
  • flyingdutch18 03.08.2015 10:53
    Highlight Highlight Diese Morde sind die Frucht des Hasses, den die faschistoide israelische Regierung seit langem schürt. Ihre jetzige Reaktion ist pure, widerliche Heuchelei.
  • Tropfnase 03.08.2015 10:12
    Highlight Highlight finde diese Welt nur noch zum Kotzen überall sinnlose Gewalt! Und als ob das noch nicht genug währe zerstören wir auch noch unseren Lebensraum...
  • Karl33 03.08.2015 10:03
    Highlight Highlight Netanyahu ist ein Brandstifter und hat über Jahre diesen Terrorismus erst salonfähig gemacht. Leute wie er bleiben nur durch permanenten Krieg und Terrorismus und durchs Abholen der rechtsextremen Wähler an der Macht.
  • Asmodeus 03.08.2015 10:02
    Highlight Highlight "«Wir sind entschlossen, mit aller Kraft gegen das Phänomen des Hasses, des Fanatismus und des Terrorismus von jeglicher Seite anzukämpfen», sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu."

    Das ist als würde Sepp Blatter Korruption anprangern.

    Leider haben die israelischen Kriegstreiber und Volksverhetzer in der Regierung nichts aus der tragischen Vergangenheit des eigenen Volkes gelernt.

    Höchstens wie man selber zum Unterdrücker wird.
  • HappyMe 03.08.2015 09:51
    Highlight Highlight Welche Rückkehr? Den jüdischen Terrorismus gibt's doch schon seit Längerem.
  • Mr. Kr 03.08.2015 08:49
    Highlight Highlight Wann hat denn Israel mit dem Terror aufgehört? Israel unterdrückt seit über 50 Jahren die Palästinenser..

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