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Cosa-Nostra-Killer Messina Denaro: Polizei fasst Unterstützer des Mafia-Phantoms

Der Polizei auf Sizilien ist ein Schlag gegen das organisierte Verbrechen gelungen. Die Ermittler nahmen elf Mitglieder der Cosa Nostra fest – und hoffen, dem untergetauchten Mafia-Boss Matteo Messina Denaro auf die Spur zu kommen.

03.08.15, 15:30 03.08.15, 16:03


Mafia-Boss Matteo Messina Denaro: Vergleich zwischen einer Computersimulation von 2011 und einem alten Bild. Bild: HO/REUTERS

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Matteo Messina Denaro gilt als skrupelloser Killer – und seit seinem Untertauchen im Juni 1993 als Phantom: Keine Überwachungskamera hat je sein Gesicht aufgenommen, kein Richtmikrofon seine Stimme dokumentiert. Es gibt nur ein paar jahrzehntealte Fotos. Doch nun, nach jahrelangen Ermittlungen, hat die italienische Polizei elf Verdächtige aus dem Umfeld des Paten der sizilianischen Mafia geschnappt.

Nach Angaben der Ermittler ist unter ihnen der ehemalige Mafiaboss Vito Gondola. Er soll ein konspiratives Kommunikationsnetz unterhalten haben. Wie Gondola sind zwei weitere Verhaftete über 70 Jahre alt. In Zeiten modernster Kommunikationsmöglichkeiten blieben sie bei ihrer alten Zettelwirtschaft und bedienten sich eines Codes auf der Basis der Sprache von Schäfern.

Der inzwischen 53-jährige Messina Denaro bediente sich den Ermittlern zufolge der uralten Mafiamethode der «Pizzini», um seinen Schergen Anweisungen zu geben – verschlüsselte Botschaften auf einem kleinen Stück Papier. Die Zettel wurden mehrfach gefaltet und mit Klebestreifen umwickelt unter einem grossen Stein auf dem Gelände von Gondolas Bauernhof versteckt. Nachdem sie gelesen wurden, vernichtete man sie.

Gondolas Aufgabe war es, die Adressaten der «Pizzini» zu informieren. Am Telefon sagte der 77-Jährige dafür: «Ich habe dir Ricotta beiseite gelegt, kannst du ihn später abholen.» Oder: «Die Schafe müssen geschoren werden.» Oder: «Das Futter für die Schafe ist fertig.»

«Der Staat gewinnt, die Mafia verliert»

Bild: Alessandro Fucarini/AP/KEYSTONE

Die Ermittler verfolgten seit 2011 mit verborgenen Kameras und Mikrofonen das Kommen und Gehen auf dem Bauernhof. Und entdeckten dabei, dass Messina Denaros Einfluss anscheinend schwindet: In einem Telefonat berichtet Gondola einem anderen Mafioso, der 53-Jährige verliere die Kontrolle über die jüngste Generation der Cosa Nostra – diese verschwänden einfach, «ohne Bescheid zu geben».

Mit den Festnahmen wollen die Ermittler dem Mafia-Killer auf die Spur kommen, einem der meist gesuchten Verbrecher Europas. Messina Denaro gilt als Nachfolger der lebenslang einsitzenden Paten Toto Riina und Bernardo Provenzano. Auf dem Höhepunkt seiner Mafia-Karriere hatte er den Ruf eines Frauenhelden und Protzes, der seine rund 900 Gangmitglieder fest im Griff hatte. Er soll schon mal damit angegeben haben, mit seinen Opfern einen ganzen Friedhof füllen zu können.

Jagd auf Matteo Messina Denaro. Bild: Alessandro Fucarini/AP/KEYSTONE

Schafbauer Gondola soll Berichten italienischer Medien zufolge früher einmal Riinas rechte Hand gewesen sein. In den Siebzigern gehörte er demnach einer Gang an, die auf Entführungen spezialisiert war. Er liebt laut den Ermittlern seine Schafe – und stand jeden Morgen um 4 Uhr auf, um sich um sie zu kümmern.

Italiens Regierungschef Matteo Renzi bedankte sich via Facebook bei der Polizei. «Wir müssen genauso weitermachen, um schliesslich auch den flüchtigen Super-Boss zu bekommen. Italien ist vereint im Kampf gegen das organisierte Verbrechen», schrieb er. Innenminister Angelino Alfano erklärte auf Twitter: «Der Staat gewinnt, die Mafia verliert.»

wit/AFP/dpa

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