International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Der Cavaliere wird alt – wie Berlusconi seinen 80. Geburtstag feiert, überrascht aber schon ein wenig

26.09.16, 10:51 26.09.16, 11:40


FILE - In this Wednesday, Oct. 2, 2013 file photo People of Freedom party leader Silvio Berlusconi rubs his eyes after delivering his speech at the Senate, in Rome. Italy's highest court was hearing Tuesday, March 10, 2015 what could be the final appeal in former Premier Silvio Berlusconi's infamous

Silvio Berlusconi feiert einen runden Geburtstag – aber nicht mehr so wild wie früher. Bild: Gregorio Borgia/AP/KEYSTONE

Es ist still geworden um Silvio Berlusconi. Die Zeit der wilden Bunga-Bunga-Partys mit blutjungen Callgirls, die prunkvollen Diners mit Hauptakteuren der internationalen Politik und die Privilegien als Ministerpräsident sind vorbei. Der Medienkönig, der 20 Jahre lang Italiens politische Szene prägte, kämpft nach einer Herzoperation mit Gesundheitsproblemen. Am Donnerstag wird Berlusconi 80 Jahre alt.

Seinen runden Geburtstag feiert Berlusconi in gedämpfter Atmosphäre im Kreise seiner Grossfamilie. In seiner Luxusresidenz unweit von Mailand scharen sich seine fünf Kinder und neun Enkelkinder um ihn, sowie die 31-jährige Freundin Francesca Pascale, die den TV-Patriarchen fürsorglich betreut.

Seit dem Ende seiner politischen Laufbahn 2013 kümmert sich Berlusconi kaum noch um seine konservative Partei Forza Italia, die eine Talfahrt ohnegleichen erlebt. Der angeschlagene Industriekapitän beschäftigt sich mehr mit Pascales weissem Malteser-Terrier Dudu als mit politischen Strategien zum Neustart seiner Partei.

Rückzug nach Verurteilung

Der langlebigste und umstrittenste italienische Politiker der Nachkriegszeit war zwei Jahrzehnte der unangefochtene Protagonist der italienischen Politik. Seit den siebziger Jahren monopolisierte er mit seinem TV- und Verlagsimperium die Medienlandschaft Italiens.

Berlusconi streicht seine Models von der Gehaltsliste

Doch die goldenen Zeiten liegen für Berlusconi schon eine ganze Weile zurück. Vom strahlenden Milliardär, der 1994 als «Retter der Nation» Italiens politische Arena betreten und sie wie kein anderer aufgewirbelt hatte, ist wenig übrig geblieben.

Seit seinem Ausschluss aus dem Parlament im November 2013 infolge seiner rechtskräftigen Verurteilung wegen Steuerbetrugs hat sich Berlusconi in seine Residenz zurückgezogen. Seine Partei Forza Italia dümpelt dahin und musste auch bei den letzten Kommunalwahlen im Juni klare Stimmenverluste hinnehmen.

Das Wirtschaftsimperium Berlusconis hat die Krisenjahre in Italien schmerzhaft zu spüren bekommen. Selbst das Sportgeschäft läuft nicht mehr. Der fussballversessene Berlusconi musste sich vor wenigen Wochen von seinem Klub AC Milan trennen, den er 30 Jahre lang geführt hatte. Neuer Eigentümer ist ein chinesisches Konsortium.

Start als Staubsaugervertreter

Der 1936 in Mailand als Sohn eines Bankangestellten geborene Berlusconi begann seine Laufbahn als Staubsaugervertreter und Conferencier auf Kreuzfahrtschiffen. Im Jahr 1961 stieg er in die Baubranche ein. Er erwarb mit teils undurchsichtigen Bankkrediten in der Peripherie der expandierenden lombardischen Wirtschaftsmetropole Grundstücke, auf denen er Wohnsiedlungen und in der Folgezeit ganze Stadtviertel errichtete.

Berlusconi muss ins Altersheim

Parallel dazu wurde Berlusconi in den 70er-Jahren in der Medienbranche aktiv. Nach und nach baute er sich ein Netz von privaten TV-Sendern auf, das bald mit Abstand zum grössten seiner Art in Europa wurde.

Im Herbst 1993 begann der TV-Magnat schliesslich seine politische Karriere mit der Gründung der konservativen Partei Forza Italia. Der Begriff stammt – bei Berlusconi kaum anders zu erwarten – aus dem Fussballjargon und bedeutet sinngemäss «Hopp auf Italien».

1994 gewann er die Parlaments- und Europawahlen an der Spitze einer Mitte-Rechts-Allianz. Zwischen 1994 und 2011 führte Berlusconi drei Regierungen. Als einzigem Ministerpräsidenten in der republikanischen Geschichte des politisch instabilen Italiens ist es Berlusconi gelungen, während einer ganzen fünfjährigen Legislaturperiode fest im Sattel zu bleiben.

Ständig in juristischen Gefechten

Justizfragen überschatteten Berlusconis politische Karriere seit seinem Einstieg in die Politik. 2013 wurde er wegen Steuerbetrugs zu vier Jahren Haft verurteilt. Daraufhin musste er aus dem Parlament ausscheiden. Die Strafe wurde wegen einer Amnestie auf ein Jahr reduziert. Aufgrund seines hohen Alters leistete Berlusconi zehn Monate Sozialdienst in einem Altersheim als alternative Strafe zur Haft.

Am Ende eines langwierigen Verfahrens wurde der TV-Tycoon im vergangenen Jahr in letzter Instanz von den Vorwürfen der Förderung von Prostitution Minderjähriger und des Amtsmissbrauchs freigesprochen. Allerdings erhärtete sich später der Verdacht, dass er dem marokkanischen Callgirl Ruby ein Schweigegeld in Höhe von sieben Millionen Euro gezahlt hatte. Ein Prozess läuft gegen Berlusconi noch wegen des Verdachts der Bestechung eines Senators.

Auch privat hat Berlusconi hart zu kämpfen. Die Unterhaltszahlungen in Höhe von 1,4 Millionen Euro, die er seiner ehemaligen Frau Veronica Lario monatlich zahlen muss, sind auch für den reichen Medienmogul zu hoch.

Der Grossunternehmen zieht daher vor Italiens Oberstes Gericht. Der Unterhalt für die 59-Jährige Lario sei «abnorm» und wesentlich höher als sein Einkommen, schimpfte Berlusconi. (sda/apa)

Nicht Berlusconi, aber: Italienische Mafia

Riesenprozess gegen die «Mafia Capitale» in Rom: «Die Stadträte müssen unseren Befehlen folgen»

Verstaatlichung von Mafia-Restaurants

Pizza, Pasta, Basta: Italien verstaatlicht Mafia-Restaurants

250 italienische Soldaten sollen in Neapel die Mafia bekämpfen

Italien: Polizisten im Pizzaboten-Kostüm schnappen Mafiaboss

Italienischer Mafia-Boss Antonio Lo Russo gefasst 

Polizeirazzia: Spuren der Mafia führen in die Schweiz

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gabbo 26.09.2016 15:19
    Highlight Hopp auf Italien? :D

    Hahahahahaha!

    Hopp Italien reicht meiner Meinung nach auch. :P
    22 0 Melden
  • Simon 26.09.2016 14:16
    Highlight An welchen Kandidaten welcher Wahlen erinnert der mich jetzt bloss..?
    18 1 Melden
  • EarlofGrey 26.09.2016 14:07
    Highlight Dieses alterbedingte Verblassen eines ehemaligen Volksverführers lässt einen doch hoffnungsvoll gen Herrliberg blicken.
    47 6 Melden

Nach Brückeneinsturz: 634 Menschen verlieren ihr Zuhause – womöglich für immer

Am zweiten Tag nach dem verheerenden Brücken-Einsturz in Genua mit rund 40 Toten schwindet die Hoffnung, noch Überlebende zu finden.

«Leider ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich unter den Trümmern weitere Opfer befinden, sehr hoch», sagte der italienische Innenminister und Vize-Regierungschef Matteo Salvini am Mittwochabend dem Fernsehsender La7.

Für die 39 offiziell bestätigten Toten soll es am Samstag ein Begräbnis geben, erklärte Regierungschef Giuseppe Conte auf Facebook. Für den Tag …

Artikel lesen