International

Erdbeben-Gemeinde Amatrice geht gegen «Charlie Hebdo» vor – wegen dieses Bilds

12.09.16, 12:21

Die mittelitalienische Berggemeinde Amatrice, Ort eines schweren Erdbebens am 24. August mit 295 Todesopfern, hat am Montag eine Beschwerde gegen die französische Satire-Zeitschrift «Charlie Hebdo» eingereicht. Der Vorwurf, den ein Rechtsanwalt im Namen der Gemeinde bei einem Gericht der Stadt Rieti vorbrachte, lautet auf schwere Diffamierung.

Karikaturen des Satire-Magazins über die Katastrophe hatten in ganz Italien Empörung und Wut ausgelöst. Auf einer Zeichnung mit der Überschrift «Erdbeben auf italienische Art» waren Erdbebenopfer als Lasagne-Schichten dargestellt. Amatrice ist bekannt für seine «Spaghetti all'Amatriciana».

Später veröffentlichte «Charlie Hebdo» auf Facebook noch eine weitere Zeichnung zum Erdbeben. Darauf sagt eine verschüttete Frau: «Nicht ‹Charlie Hebdo› baut eure Häuser, sondern die Mafia.»

Die französische Botschaft distanzierte sich von den Karikaturen. Der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, zeigte sich entsetzt. «Wie ist es möglich, eine Karikatur über Tote zu veröffentlichen?», fragte er gegenüber lokalen Medien. Er sei sicher, dass die Zeichnungen nicht die Gefühle der Franzosen repräsentieren.

Die französische Satire-Zeitschrift «Charlie Hebdo» war im Januar 2015 Ziel eines Terroranschlags geworden: Zwei Islamisten stürmten das Redaktionsbüro und töteten zwölf Redaktionsmitglieder.

Mittelitalien war am 24. August von einem Erdbeben der Stärke 6.0 bis 6.2 erschüttert worden. Der Grossteil der 295 Todesopfer stammte aus dem weitgehend zerstörten Ferienort Amatrice. (sda/apa)

Erdbeben in Italien

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
15
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dä Brändon 12.09.2016 20:22
    Highlight Charlie Hebdo ist hässlich. Je ne suis pas Charlie, jamais!
    2 0 Melden
  • Menel 12.09.2016 15:37
    Highlight Wirklich gelungen finde ich die Karikatur auch nicht. ABER anstatt auf jemanden sauer zu sein, der aufzeigt WIESO es so viele Todesopfer gab, anstatt auf die, dies vermurkst haben, ist fast eine weitere Karikatur wert.
    15 5 Melden
  • MR .Z 12.09.2016 15:25
    Highlight Grundsätzlich ist es seit Menschengedenken so, wer provoziert und einfach nicht mal auf seinen Mund sitz der Kassiert irgendwan. Das haben sie zwar schon aber wenn sie weiter so tun kassieren sie noch einmal. So ist der lauf der Dinge. Aktion ergibt Reaktion, und alle die sagen Satire darf alles sind mit schuldig am blut vergiessen weil sie mit dem jesuis....cha... die Redaktion noch mehr Motivieren.
    Satire hin oder her nanchmal sollte man seine Zweideutigen Humor verkneifen.
    So ich freue mich auf die Blitze, den Gegen den Strom zu schwimmen ist nicht jeder Manns.
    10 10 Melden
  • Linus Luchs 12.09.2016 14:20
    Highlight Kurt Tucholskys Satz, Satire dürfe alles, wird immer wieder gerne zitiert, aber kaum jemand kennt den ganzen Text. Darin steht auch:

    "Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den." Und: "Wir sollten gewiß nicht den scheußlichen unter den französischen Kriegskarikaturen nacheifern..."

    Tucholsky hat nicht gemeint, Satiriker bräuchten sich nicht um Ethik zu kümmern.

    Der ganze Text:
    http://gutenberg.spiegel.de/buch/16-satiren-7810/12
    27 0 Melden
  • Bear.88 12.09.2016 14:19
    Highlight Naja... Bin Dankbar das ich bei dem Je suis Charlie Müll nicht miteingestiegen bin. Wennman sogar danach nicht lernt, dass man vielleicht mal die Fresse halten sollte, ist es eh zu spät...

    PS. Sie hätten noch Ihre Redaktion als Pastasieb zum Bild hinzufügen können!
    23 6 Melden
    • PuRpLE_KusH 12.09.2016 16:23
      Highlight das mit dem Je suis Charlie war echt unnötig,(genau so wie z.B. "bring back our Girls") aber ansonsten find ich es gut das die nicht auf ihren Mund sitzen und weitermachen.
      hahahha das mit dem Pastasieb ist genial xD ich frag mich grad ob die zu dem Anschlag auf sich selbst auch einige Karikaturen gemacht haben?
      6 0 Melden
  • m:k: 12.09.2016 14:03
    Highlight Naja, wirklich lustig oder nötig ists nicht. Aber ich dachte, wir seien doch alle Charlie. Oder gilt dies nur wenns gegen andere geht? Wichtig ist, einfach zu bemerken, dass es das gute Recht ist für alle, die sich dadurch angegriffen fühlen, Beschwerden einzureichen, zu boykottieren oder zu protestieren. Aber mit Kalaschnikows in die Redaktion laufen und Leute zu töten eben nicht.
    16 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 12.09.2016 14:00
    Highlight Diese Karikatur soll wohl den Einwohnern von Amatrice den Spiegel vorhalten. Viele haben an diesen Bausünden verdient, vom Hausbesitzer über den Baumeister inkl. den Behörden. Amatrice hat jetzt weit Wichtigeres zu tun, als gegen Charlie Hebdo vorzugehen.
    14 16 Melden
  • Gelöschter Benutzer 12.09.2016 13:17
    Highlight Satire darf grundsätzlich schon alles. Aber sich über Erdbebenopfer lustig machen?

    Ich warte schon sehnsüchtig auf die Ausgabe von Charlie Hebdo, in der sie sich lustig machen über den Anschlag auf Charlie Hebdo - aber im gleichen Ton wie sie sich jeweils über andere lustig machen. Die feiern ja das Erdbeben fast - ich hoffe es kommt der Tag, an dem sie den Anschlag auf ihre Redaktion feiern - dann kann man wirklich sagen: Satire darf alles.
    25 12 Melden
    • p00pypaws 12.09.2016 13:41
      Highlight Es würde schon reichen, wenn sie eine Karikatur über das Attentat in Nizza machen würden. Mal schauen wer dann noch von Pressefreiheit redet...
      21 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 12.09.2016 13:49
      Highlight Stimmt - ist ja viel aktueller und näher. Dass die auch immer in die Ferne müssen - wo das Gute doch so nah ist. (Mit gut mein ich Bataclan, Nizza und so).

      *Satire und zynisch sein läuft bei mir.
      8 3 Melden
    • frankyfourfingers 12.09.2016 13:51
      Highlight soviel zur Pressefreiheit bei CH:

      http://www.taz.de/!5177081/
      9 0 Melden
    • suchwow 12.09.2016 14:01
      Highlight Ich hatte was ähnliches sogar der CH-Redaktion geschrieben :D
      Wenns eine Antwort gibt, poste ich es gerne hier rein.
      6 0 Melden
    • Hoppla! 12.09.2016 14:38
      Highlight Ähm, alles halb so wild, ganz ruhig. Paris wurden Karikaturen gewidmet. Übrigens auch Belgien.
      4 8 Melden
    • p00pypaws 12.09.2016 15:25
      Highlight @Hoppla!:
      Belgien liegt ja noch auf der Hand aber Paris? Echt jetzt? Hab ich diese Ausgabe verpasst, vergessen oder verdrängt? mhhhh...?
      3 0 Melden

Gesuchter Doppelmörder «Igor il russo» geschnappt – aber zu einem hohen Preis

Ein mutmasslicher Doppelmörder aus Italien ist nach acht Monaten auf der Flucht in Spanien gefasst worden. Dabei wurden drei weitere Menschen getötet, darunter zwei Polizisten der Guardia Civil, wie die italienischen Ermittler am Freitag mitteilten.

Der Mann, eigentlich Serbe, aber genannt «Igor il russo» (Igor, der Russe), soll Anfang des Jahres in der Nähe von Bologna einen Barmann und einen Wächter umgebracht haben. Vor seiner Festnahme in der Nacht in der Provinz Teruel im nordöstlichen …

Artikel lesen