International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Verwirrter Berlusconi macht Werbung für politischen Gegner. Bild: EPA/ANSA

Unfreiwillig lustig: Silvio Berlusconi verwechselt die Wahlveranstaltung und wirbt versehentlich für die Linken

Im norditalienischen Segrate hat Ex-Premier Silvio Berlusconi einen Mitte-Links-Kandidaten unterstützt. Nicht freiwillig, versteht sich. Er war einfach desorientiert – und besuchte die falsche Wahlveranstaltung.

30.05.15, 19:46 31.05.15, 09:20

Ein Artikel von

Paolo Micheli will Bürgermeister von Segrate werden. Die 34'000-Einwohner-Stadt liegt in der Lombardei, sie beherbergt die Zentrale des Mondadori-Verlags und eine kleine Moschee, ist ansonsten ein eher nüchterner Ort mit schnörkellosen Wohnblöcken und sachlicher Architektur.

Micheli kandidiert für das Mitte-Links-Bündnis «Unser Segregate». Am Freitagabend organisierten seine Mitstreiter ein Strassenfest im Zentrum – und bekamen unverhofft Besuch von jemandem, der politisch eigentlich auf der ganz anderen Seite steht: Ex-Premier Silvio Berlusconi.

«Wählt Paolo!», forderte der prominente Milliardär und Vorsitzende der populistischen und rechtskonservativen «Forza Italia» – sehr zur Überraschung der Anwesenden. Es habe, so berichtet Paolo Micheli später, mindestens fünf Minuten gebraucht, bis Berlusconi verstanden habe, dass er sich auf der falschen Wahlveranstaltung befinde.

«Am Sonntag nehmt ihr euch eine Stunde Zeit, um für Paolo zu wählen»

«Es passierte gegen 23 Uhr», erzählte Micheli der Nachrichtenagentur Ansa. Berlusconis Entourage sei mit mehreren Autos vorgefahren, dann habe der berühmte Besucher mit einigen Jugendlichen gesprochen und sie gefragt, wie denn der Name des Kandidaten sei.

«Also am Sonntag nehmt ihr euch eine Stunde Zeit, um für Paolo zu wählen», spornte der 79-Jährige die jungen Leute an. Kurz darauf jedoch habe Berlusconi erkannt, «dass er auf dem falschen Fest war, auch, weil der Mitte-Rechts-Kandidat eine Frau ist».

Der Ex-Premier trollte sich, um so schnell wie möglich die von seiner Partei «Forza Italia» unterstützte Tecla Fraschini aufzusuchen, die nur 800 Meter weiter ihre Veranstaltung abhielt.

Die Chancen für «Forza Italia» sind mässig

Ein unfreiwilliger Witz, der für viel Gelächter in den sozialen Netzwerken sorgte – und Berlusconi wie gewohnt in die Schlagzeilen brachte. Das kann er brauchen: Am morgigen Sonntag wird gewählt. 22 Millionen Italiener entscheiden über die Machtverteilung in sieben Regionen, ausserdem werden in mehr als tausend Städten und Gemeinden die Bürgermeister gewählt. Die Chancen für «Forza Italia» sind mässig: Bei Umfragen kam die Partei auf zwölf Prozent der Stimmen.

Doch auch Paolo Micheli profitierte: Er postete auf Facebook eine Collage, die Berlusconi als blinden Passagier im Werbe-Mobil der Bürgerbewegung zeigt. «Nach der Unterstützung durch den Cavaliere kann ich sagen, dass es vollbracht ist», twitterte er begeistert. Der Jungpolitiker erntete jede Menge Zuspruch und Aufmerksamkeit durch den unverhofften Auftritt des verwirrten Ex-Premiers.

Tatsächlich, gibt Micheli zu, sei der Veranstalter der Wahlveranstaltung nicht so leicht zu erkennen gewesen, denn das Ganze sei eher ein Strassenfest gewesen, «ohne Flaggen oder Parteisymbole».

Ein Kardinalfehler in Sachen Eigen-PR, der dem Cavaliere in dieser Form wohl nie unterlaufen wäre.

ala

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

«Das ist eigentlich ein GAU»: Gianni D'Amato über Italiens Zukunft

Migrationsexperte und Italien-Kenner Gianni D'Amato erklärt im Interview, was die neue Block-Bildung der Politik nach den Wahlen in Italien bedeutet und welche Koalitionen nun für eine Mehrheitsbildung im Parlament möglich sind.

In Italien ist die 5-Sterne-Bewegung neu die stärkste Partei im Land. Berlusconi holt mit seinem Mitte-Rechts-Bündnis am meisten Stimmen. Erstaunt Sie das Resultat?Gianni D'Amato: Nein, das war so zu erwarten. Auch, dass die Demokraten schwer absacken, überrascht mich nicht.

Der grosse Gewinner der Wahlen ist die 5-Sterne-Bewegung. Wie schätzen Sie die Partei ein? Sie konnten sich massiv steigern. Interessant ist, dass die 5-Sterne-Bewegung eigentlich gar keine Partei mehr im klassischen Sinne …

Artikel lesen